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»Nein, Sir.«

»Sie widersetzen sich einem ausdrücklichen Befehl?«

»Ich kann diesen Befehl nicht akzeptieren. Ich habe immer noch das Kommando über mein Schiff, Sir.«

Einen langen Augenblick schwieg der Admiral. »Ihr Beharren auf der Flottentradition ist bewundernswert, Kapitän, aber dumm. Es wäre möglich, dass Sie der einzige Offizier im ganzen Imperium sind, der ein Verteidigungsmittel gegen diese Bedrohung weiß. Sie wissen jetzt mehr über diese Fremden als sonst jemand in der Flotte. Dieses Wissen ist wichtiger als Ihr Schiff. Es ist wichtiger als jeder Mann in Ihrem Schiff, jetzt, da die Zivilisten evakuiert sind. Ich kann Ihnen nicht erlauben, mit Ihrem Schiff zu sterben, Kapitän. Sie werden von Bord gehen, selbst wenn ich erst einen anderen Kommandanten hinüberschicken müsste.«

»Er würde mich nicht finden, Admiral. Entschuldigen Sie mich, Sir, ich habe zu tun.«

»Halt!« Wieder eine Pause. »Also gut, Kapitän. Ich werde ein Abkommen mit Ihnen treffen. Wenn Sie in Verbindung mit mir bleiben, werde ich Ihnen gestatten, an Bord der Mac Arthur zu bleiben, bis das Schiff verlassen und die Selbstvernichtung eingeleitet ist.

Von dem Moment an, da Sie nicht mehr in Verbindung mit mir sind, sind Sie des Kommandos über die Mac Arthur enthoben. Muss ich Commander Borman hinüberschicken?«

Das Unangenehme ist, dachte Rod, dass er recht hat. Die Mac ist verloren. Cargill kann die restlichen Leute ebenso gut wie ich herausholen. Und vielleicht weiß ich wirklich etwas Wichtiges. Aber es ist immer noch mein Schiff! »Ich nehme Ihre Bedingungen an, Sir. Ich kann die Aktion ohnehin von hier aus besser leiten. Die Brücke ist von jeder Verbindung abgeschnitten.«

»Gut. Ich habe also Ihr Wort.« Der Kommunikationsstrahl erlosch.

Rod drehte sich wieder zur Luftschleuse um. Die Infanterie hatte das Scharmützel gewonnen, und Piper winkte ihm. Rod zog sich an Bord. »Commander Cargill hier«, sagte das Vidifon, doch der Bildschirm blieb dunkel. »Käptn?«

»Ja, Jack?«

»Wir kämpfen uns durch auf die Backbordseite, Käptn. Sinclair und seine Leute sind bereit, sich abzusetzen. Er sagt, ohne Verstärkung kann er die Maschinenräume nicht länger halten. Und ein Melder hat berichtet, das steuerbord in der Unteroffiziersmesse Zivilisten eingeschlossen sind. Ein Trupp Infanterie ist bei ihnen, aber es wird ihnen hart zugesetzt.«

»Erster, wir haben Order, das Schiff aufzugeben und die Selbstvernichtung einzuleiten.«

»Jawohl, Sir.«

»Wir müssen diese Zivilisten rausholen. Können Sie einen Weg von Schott 160 nach vorne sichern? Vielleicht finde ich jemanden, der die Wissenschaftler wenigstens so weit bringt.«

»Ich denke schon, Sir. Aber, Käptn, ich komm’ nicht mehr an den Feldgeneratorraum ran! Wie sollen wir da vernichten?«

»Darum werde ich mich kümmern. Tun Sie nur Ihren Job, Erster.« »Aye, aye, Käptn.«

Selbstvernichtung. Als die Flotte vor Jahrtausenden noch eine Marine gewesen war, hatte man von Versenken gesprochen. Diese bitterste Aufgabe eines Kommandanten war jedoch nicht leichter geworden. Sein Schiff vernichten. Es klang irgendwie unwirklich. Rod atmete tief ein. Die Luft aus dem Atemgerät hatte einen säuerlich metallischen Geschmack. Doch vielleicht war es gar nicht die Luft.

Eine Stunde verging, bis ein Boot der Lenin am Kutter längsseits ging. Alle sahen schweigend zu, wie es heranglitt.

»Relaissignal von Mac Arthur über Lenin, Sir«, meldete der Bootsmann. Der Bildschirm leuchtete auf.

Das Gesicht auf dem Bildschirm zeigte zwar Rod Blaines Züge, aber es war nicht sein Gesicht. Sally erkannte ihn fast nicht. Er schaute älter aus, und seine Augen waren leer — tot. Er starrte die Menschen im Kutter an, und sie starrten ihn an, fassungslos.

Schließlich sagte Sally: »Rod, was um Himmels willen geht hier vor?«

Blaine schaute ihr in die Augen und wandte dann den Blick ab. Sein Gesichtsausdruck hatte sich nicht verändert. »Mr. Renner«, sagte er. »Schicken Sie alle Leute über die Leine zum Boot der Lenin hinüber. Räumen Sie den Kutter. Und jetzt hören Sie alle zu: Sie werden vom Piloten des Bootes einige sonderbare Befehle erhalten. Befolgen Sie sie aufs Wort! Sie werden keine zweite Chance bekommen, also debattieren Sie erst nicht. Tun Sie genau, was man Ihnen sagt.«

»Also Moment mal«, fauchte Horvath. »Ich …«

Rod unterbrach ihn. »Doktor, aus Gründen, die Ihnen später aufgehen werden, erhalten Sie vorläufig keine Erklärung. Sie werden wie die anderen tun, was man Ihnen sagt.« Er blickte wieder zu Sally. Diesmal kam ein Funke Leben in seine Augen, Besorgnis vielleicht. Sie versuchte zu lächeln, aber es wurde nicht viel daraus. »Bitte, Sally«, sagte er. »Tu genau alles, was der Pilot sagt. Alles Gute. Ende und aus.«

Einige Atemzüge lang regte sich niemand. Dann holte Sally tief Luft und wandte sich zur Luftschleuse. »Gehen wir«, sagte sie. Wieder versuchte sie ein Lächeln, aber es ließ sie nur noch beunruhigter wirken.

Die Steuerbordschleuse war mit dem Kontaktschiff der Splits verbunden worden. So verließen sie jetzt den Kutter auf der Backbordseite. Die Besatzung des Bootes hatte bereits mehrere Sicherungsleinen zum Kutter gespannt. Das Boot war dem Kutter der Mac Arthur sehr ähnlich — ein relativ flacher Rumpf mit einem schaufeiförmigen Wiedereintrittsschild unterhalb der Nase.

Sally zog sich langsam an der Leine entlang zum Boot der Lenin und durch die äußere Schleusentür. In der Schleuse wurde sie angehalten, die Öffnung hinter ihr glitt zu, und sie merkte, dass Luft in die Kammer einströmte.

Ihr Anzug bestand aus einem sehr dichten Gewebe, das wie eine zweite Haut an ihrem Körper anlag. Der eigentliche Raumanzug war eine formlose Schutzhülle darüber.

»Es ist leider nötig, Sie zu durchsuchen, Mylady«, sagte ein Offizier mit etwas gutturalem Akzent. Sie blickte sich um: Zwei bewaffnete Infanteriesoldaten standen hinter ihr in der Schleusenkammer. Die Waffen waren nicht auf sie gerichtet — nicht genau jedenfalls. Aber die beiden waren sehr wachsam, und sie hatten Angst.

»Was soll das?« wollte sie wissen.

»Alles zu seiner Zeit, Mylady«, sagte der Offizier. Er half ihr, das Atemgerät vom Rücken zu nehmen. Es wurde in einen durchsichtigen Plastikbehälter gesteckt. Der Offizier schaute in ihren Helm, nachdem er ihn ihr abgenommen hatte, und steckte ihn zu den Luftflaschen und ihrem Schutzanzug. Alles, was sie jetzt noch anhatte, füllte sie ganz offensichtlich mit ihrem Körper aus. »Danke«, murmelte der Offizier. »Gehen Sie jetzt bitte nach achtern. Die anderen werden nachkommen.«

Renner und die übrigen Angehörigen der Flotte wurden etwas anders behandelt.

»Ausziehen«, sagte der Offizier. »Alles, wenn’s recht ist.« Die Infanteristen waren nicht einmal so rücksichtsvoll, ihre Waffen ein wenig zur Seite zu richten. Als sie alles abgelegt hatten, was sie am Körper hatten — Renner musste sogar seinen Siegelring in den Behälter geben — wurden sie nach vorne geschickt. Ein zweiter Infanterieoffizier wies ihnen Gefechtsanzüge zu, und zwei Soldaten halfen ihnen, sie anzulegen. Jetzt waren keine Waffen mehr auf sie gerichtet. »Die lausigste Striptease-Schau, die mir je untergekommen ist«, bemerkte Renner zu dem Piloten. Der Bootsmann nickte nur.

»Könnten Sie mir vielleicht verraten, was das alles soll?« »Der Kapitän wird es Ihnen erklären, Sir«, sagte der Bootsmann.

»Wieder mal Heinzelmännchen!« rief Renner.

»Ist das der Grund, Mr. Renner?« erkundigte sich Whitbread hinter ihm. Der Kadett zwängte sich wie befohlen in einen Panzeranzug. Er hatte sich nicht getraut, jemand anderem Fragen zu stellen, aber mit Renner konnte man reden.