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Verwirrt - ein Gefühl irgendwo zwischen Irritation und mit Unglauben gemischter Furcht - trat er einen Schritt zurück und sah sich beinahe hilfesuchend um. Herger schien von dem wortlosen Kampf zwischen Skar und dem Quorrl nicht einmal etwas gemerkt zu haben, aber Legis war das stumme Duell keineswegs entgangen.

»Mork, der Kommandant unserer Quorrl-Truppen«, sagte sie. »Ich glaube, ich brauche ihn dir nicht mehr vorzustellen.«

Skar schüttelte wortlos den Kopf. Er hatte den Namen des Quorrl nicht gewußt, wohl aber bemerkt, daß er der Anführer der Geschuppten war. Ein Mann wie er war einfach zum Führer geboren. Niemand würde es wagen, ihn anzuzweifeln - nicht wegen seiner körperlichen Stärke; das war bei Quorrl nichts Außergewöhnliches - es gab allein unter dem halben Dutzend, das Legis begleitete, zwei, die ebenso groß und vielleicht noch breitschultriger waren als er -, sondern einfach deshalb, weil dieses Wesen Willenskraft und Macht ausstrahlte wie kaum jemand, dem Skar zuvor begegnet war.

Mühsam wandte Skar den Blick von der Stelle, wo Mork verschwunden war. »Ein ... erstaunlicher Mann«, sagte er. Seine Stimme verriet mehr von seiner Erregung, als er wollte.

Legis nickte. »Ein gefährlicher Mann«, fügte sie hinzu. »Er ist stark und wild, wie man sich einen Quorrl vorstellt, aber auch intelligent. Du solltest ihn nicht unterschätzen.« Sie befestigte den Schleier wieder vor dem Gesicht und nahm mit einer raschen Bewegung das Diadem vom Kopf. Ihre Gestalt schien wieder mit dem Grau der Nacht zu verschmelzen.

»Und wer bist du?« fragte Skar.

»Eine Errish«, antwortete Legis. »Der Krieger hat die Wahrheit gesagt - aber nun komm. Du wirst alles erfahren, wenn wir im Lager sind. Und wir müssen es vor Sonnenaufgang erreichen.« Diesmal folgte ihr Skar widerspruchslos. Einer der Krieger blieb zurück und trat sorgsam das Feuer aus; zwei andere ergriffen die Trage mit ihrem bewußtlosen Kameraden und trugen sie zwischen sich, als wäre sie gewichtslos.

Herger drängte sich eng an Skar. Er schwieg, aber sein Blick irrte unstet zwischen den vor ihnen gehenden Quorrl und der blauverhüllten Gestalt der Errish hin und her. Seine Rechte war noch immer um den Schwertgriff gekrampft, jetzt aber nur noch deshalb, um ihr Zittern zu verbergen.

Sie gingen etwa hundert Schritte in östlicher Richtung und blieben auf ein Zeichen von Legis stehen. Die Errish und Mork verschwanden hinter einem mächtigen, halbrunden Felsbuckel, den Skar erst wahrnahm, als sein Schatten die beiden Gestalten verschluckte. Sie blieben eine Zeitlang dort.

Skar wartete. Er glaubte ein schwaches Geräusch zu hören - ein Schleifen von Leder und Metall über Stein -, dann trug der Wind einen scharfen, fremdartigen Geruch heran.

Hinter dem Felsen wuchs ein bizarrer Schatten auf. Im ersten Augenblick glaubte Skar, einen Riesen vor sich zu haben - einen gewaltigen, zweieinhalb Meter hohen Giganten in einem ledernen Mantel. Dann trat eine zweite gleiche Gestalt ins schwache Sternenlicht heraus, und Skar erkannte, was sie vor sich hatten. »Daktylen!« keuchte er ungläubig.

Herger fuhr zusammen und wich einen halben Schritt zurück, gab aber keinen Laut von sich. Skar starrte weiter auf die gewaltigen Flugechsen. Er hatte von diesen Tieren gehört und sie sogar einmal - wenn auch nur von weitem - selbst gesehen, aber es war das erste Mal, daß er den geflügelten Bestien so nahe gegenüberstand. Sie waren weit über zweieinhalb Meter groß, titanische, häßliche Reptilienvögel mit Fledermausflügeln und Hammerköpfen, die ihn und Herger aus winzigen roten Augen musterten. Im ersten Moment erinnerten sie ihn an die gewaltigen Hoger, auf die Del und er in der Nonakesh-Wüste gestoßen waren, aber als sie näher kamen, erkannte er Unterschiede. Sie waren knochiger, und ihr Echsen-Erbe trat deutlicher zutage. Ihr Körper war schlank und bewegte sich auf zwei muskulösen Beinen; sie waren eher zum Laufen als zum wirklichen Fliegen geeignet.

Auf ihren Rücken waren Sättel, und als eines der Tiere in einer spielerischen Bewegung die Flügel entfaltete und damit schlug, berichtigte Skar seine Meinung. Die gewaltigen ledrigen Schwingen teilten die Luft mit ungeheurer Macht; der Luftzug ließ Skar taumeln.

»Ich hoffe, ihr seid beide schwindelfrei«, sagte Legis spöttisch. Skar registrierte erst jetzt, daß der Quorrl und sie wieder hinter dem Felsen hervorgetreten waren. Sowohl sie als er führte jeder eine der gewaltigen Flugechsen am Zügel.

»Ihr wollt...«

»Fliegen«, bestätigte Legis ungerührt. »Es sind sechzig Meilen bis zu unserem Lager. Dachtet ihr, wir laufen bis dorthin?« Skar schluckte schwer. Die Sättel waren Beweis genug gewesen, aber er hatte sich an die Hoffnung geklammert, daß die Errish und ihre Begleiter die Daktylen als Reittiere benutzten; so, wie die Ehrwürdigen Frauen auf ihren Drachen ritten. Aber sie würden fliegen. Er hatte davon gehört, daß einige besonders wilde Quorrl-Stämme aus dem Norden Daktylen als Flugtiere benutzten, aber er hatte es nicht geglaubt. Er hatte es nicht glauben wollen.

»Du wirst mit mir fliegen«, bestimmte Legis. »Dein Freund ist leichter - er kann mit einem der Krieger reiten. Und nun kommt.« Skar bewegte sich zögernd auf die Errish und ihr schwarzes Ungeheuer zu. In seinem Magen war plötzlich ein eisiger, harter Klumpen.

15.

Der Flug war die Hölle. Skar wußte hinterher nicht mehr, wie lange er gedauert hatte - zwei Stunden oder zwei Jahre. Die Daktylen erwiesen sich in der Luft als so elegant, wie sie am Boden plump erschienen waren, aber ihre gewaltigen ledernen Schwingen eigneten sich nicht nur hervorragend zum Fliegen, sondern boten auch dem Wind reichlich Angriffsfläche, so daß sie ständig hin und her geworfen wurden und Skar ein dutzendmal ernstlich damit rechnete, seinen Halt zu verlieren und abzustürzen. Mehr als nur einmal wurde Legis' Tier von einer Fallböe ergriffen und in die Tiefe geschleudert, so schnell, daß die scharfkantigen Felsen, die die Ebene bedeckten, wie steinerne Raubtierzähne nach ihnen zu schnappen schienen. Skar klammerte sich mit aller Gewalt an den dünnen Lederriemen des Zaumzeuges fest, aber er erreichte damit nur, daß das Tier nun zusätzlich vor Schmerzen zuckte und mit seinem gewaltigen Hammerkopf nach ihm schlug.

Skar war trotz der Kälte und des beißenden Windes schweißgebadet, als die Tiere endlich zur Landung ansetzten. Unter ihnen schimmerte es rot; Dutzende von winzigen, glühenden Funken, Lagerfeuer, deren Schein sorgsam abgeschirmt und nur aus der Luft zu erkennen war. Die Daktylen begannen zu kreisen und verloren dabei an Höhe, und Skar erkannte allmählich mehr: Das Lager befand sich in einem schmalen, L-förmigen Tal, an dessen nördlichem Rand das wuchernde Schwarzgrün eines Dschungels grenzte. Der Raubtiergestank schlug ihm erneut und stärker entgegen, als die Daktylen nach einer weiteren, langgezogenen Umkreisung des Tales endgültig zur Landung ansetzten. Skar klammerte sich instinktiv fest, als das gewaltige Reptil mit weit gespannten, reglosen Schwingen über das Tal glitt und ungeschickt mit den Füßen nach dem Boden angelte. Trotzdem warf ihn der Aufprall beinahe aus dem Sattel. Wieder auf dem Boden, verwandelten sich die Daktylen wieder in tölpelhafte, schwerfällige Laufvögel, die Mühe hatten, sich auf den Beinen zu halten und dabei ihre Reiter nicht abzuwerfen. Skar sah die Biegung des Tales auf sich zurasen und unterdrückte im letzten Moment den Impuls, die Zügel loszulassen und schützend die Arme vor das Gesicht zu reißen. Die ungeschickten Sätze seiner Echse täuschten über ihr immer noch immenses Tempo hinweg - wenn das Tier mit dieser Geschwindigkeit vor die Felswand rannte, dann würde nicht nur es selbst, sondern auch seine beiden Reiter den Tod finden.