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»Aber du wirst mir auch nicht dabei helfen?«

»Wenn du unter Hilfe verstehst, daß ich dir meine Männer und Waffen anvertraue, damit du gegen Elay ziehen kannst, nein! Aber ich werde dich nicht aufhalten. Du kannst gehen, wenn du willst. Du ... mußt sogar gehen.«

»Wann?«

»Bald. Noch heute, wenn es nach meinem Willen geschieht. Aber ich habe dir Gastfreundschaft angeboten, und ich stehe zu meinem Wort. Doch du mußt gehen, ehe dein Verfolger hier ist.« Skar erschrak. Sie wußte alles, hatte seine Erinnerungen gelesen und wußte auch von dem Wolf. Er hatte ihn beinahe vergessen. »Es sind noch Tage«, sagte Laynanya, als sie sein Erschrecken bemerkte. »Die Daktylen sind schnell, und auch wenn er ein Dämon ist, so braucht er Zeit, hierherzukommen.«

»Was ... weißt du von ihm?« fragte Skar.

Laynanya zuckte mit den Achseln. »Nichts. Nicht mehr als du. Die alten Legenden berichten nichts über ihn. Ich weiß nicht, was er ist und was er will, aber ich glaube, nicht einmal unsere Macht würde ausreichen, ihn aufzuhalten. Und wir wollen es auch gar nicht. Es ist nicht unser Kampf, Skar.«

»Aber ihr profitiert davon, wenn ich diesen Kampf gewinne.«

»Niemand profitiert von irgend etwas, Skar«, sagte Laynanya. »Du hast dich mit Mächten eingelassen, gegen die kein Mensch bestehen kann. Vielleicht... könnte es dein Dunkler Bruder. Aber auch dann würdest du verlieren. Vielleicht erst recht.«

17.

Es verging noch mehr als eine halbe Stunde, ehe Legis und Herger kamen. Mork und einige andere hochgestellte Quorrl begleiteten sie. Skar kannte sich in der Physiognomie der Quorrl nicht aus, aber Morks Gesichtsausdruck erschien ihm finsterer als am vergangenen Abend, und der Blick, mit dem das gewaltige Schuppenwesen ihn musterte, verhieß nichts Gutes. Insgeheim mußte er zugeben, daß er Angst vor dem Quorrl hatte. Aber vielleicht erging es Mork ebenso, und vielleicht dachte er auch an den Hieb, den er Skar versetzt hatte. Nicht viele überlebten es, einen Satai zu schlagen.

Laynanya stand auf, als Legis und ihre Begleiter näher kamen, und Skar folgte ihrem Beispiel. Die beiden Errish wechselten ein paar rasche Worte in einer Skar unbekannten Sprache, und Legis deutete erst auf Herger, dann auf Skar und dann wieder auf den Schmuggler. In Hergers Gesicht zuckte es.

»Wie ich sehe«, sagte er, »hast du die letzte Nacht in angenehmerer Gesellschaft verbracht als ich.«

Es dauerte fast eine Sekunde, bis Skar begriff, daß die Worte ihm galten. Er nickte, lächelte nervös und musterte Herger mit einem raschen Blick. Der Hehler sah schlecht aus: Unter seinen Augen lagen dunkle, graue Ringe, und seine Haut hatte einen wächsernen Glanz, der verriet, daß er in der vergangenen Nacht nur wenig Schlaf gefunden hatte. An seinen Schläfen waren zwei winzige verkrustete Wunden.

»Sprichst du nicht mehr mit jedem?« fuhr Herger spitz fort, als Skar nicht antwortete.

»Unsinn«, knurrte Skar.

Aber Herger hatte nicht einmal unrecht - Skar wollte jetzt nicht reden, nicht mit Herger und nicht über das, was sie miteinander zu besprechen hatten, wenn es überhaupt etwas zu besprechen gab. Die Gegenwart der Quorrl verunsicherte ihn. Er spürte die Drohung, die von Mork und seinen Begleitern ausging. Und er fühlte die Spannung, die in der Luft lag. Die Quorrl waren nicht gekommen, um Laynanya oder ihm einen Höflichkeitsbesuch abzustatten.

»Legis bringt schlechte Neuigkeiten«, sagte Laynanya plötzlich. »Die mich betreffen?«

Die Errish nickte. »Ich fürchte«, sagte sie. Plötzlich war sie wieder Laynanya, die Errish und Wortführerin der Rebellen, nicht mehr die Frau, mit der er die letzte Stunde geredet hatte. »Eine unserer Patrouillen hat Reiter gesichtet.« Ihre Stimme hatte plötzlich einen leisen, warnenden Unterton, einen Klang, der Mork und den anderen Quorrl sicher entging, Skar aber auffiel. Er begriff plötzlich, daß die Quorrl nichts von seinen Beweggründen wußten und es wohl auch nicht wissen sollten, und widerstand in letzter Sekunde der Versuchung zu nicken. Vielleicht würden sich die Quorrl insgeheim fragen, warum sie ihre Meinung so plötzlich änderte, aber das war Laynanyas Problem. Wenn sie es für richtig hielt, das Spiel so zu spielen, würde er es mitspielen.

»Dann ist es vielleicht besser, wenn wir gleich aufbrechen«, sagte er. »Wenn ihr es erlaubt.« Sein Blick suchte den des Quorrl, aber die riesigen pupillenlosen Augen des Schuppenkriegers blieben starr.

»Ihr seid nicht unsere Gefangenen, Skar«, sagte Laynanya tadelnd. »Aber ich will dich nicht belügen - je eher ihr geht, desto besser für uns und für euch. Du wirst jedoch Verständnis haben, wenn ich dich bitte, bis Sonnenuntergang zu warten.«

Skar sah demonstrativ zur Höhlendecke hinauf. »Und wann«, fragte er, »ist das?«

»In etwa vier Stunden«, erwiderte nicht Laynanya, sondern Legis. »Bis dahin seid ihr natürlich unsere Gäste.«

Herger lachte rauh auf. »Danke«, sagte er. »Ich habe eine Kostprobe eurer Gastfreundschaft bekommen.« Er rieb sich demonstrativ mit dem Handrücken über die Lippen und starrte Mork an. Der riesige Quorrl blickte finster zurück und bleckte die Zähne. Sein Raubtiergebiß funkelte wie eine überdimensionale Bärenfalle, und für einen Augenblick sah er wirklich wie ein gewaltiges, kaum gezähmtes Raubtier aus, das sich nur aus Versehen in Kettenhemd und Rüstung verirrt hatte. Herger wurde blaß und wich einen halben Schritt zurück.

Skar unterdrückte ein Grinsen.

Mork war der mit Abstand intelligenteste Quorrl, dem er je begegnet war.

Aber das besagte nicht viel. Skar wußte kaum etwas über Quorrl - im Grunde wußte niemand wirklich etwas über die Schuppenkrieger aus dem Norden.

»Mork!« Laynanyas Stimme war scharf; ein Verweis, der den Quorrl zusammenzucken und sofort wieder ernst werden ließ. Skar bedachte seinerseits Herger mit einem strafenden Blick und wandte sich wieder an die Errish.

»Wir brauchen Pferde«, sagte er. »Unsere sind draußen auf der Ebene zurückgeblieben. Ihr gebt uns welche?«

Die beiden Errish tauschten einen raschen Blick. »Ihr... könnt natürlich Pferde haben«, sagte Laynanya nach kurzem Zögern. »Aber wir haben euch einen anderen Vorschlag zu machen. Ihr wollt nach Elay, und wir sind bereit, euch dorthin zu bringen. Die Daktylen können bei Sonnenaufgang dort sein.«

Nach allem, was sie miteinander beredet hatten, überraschte ihn diese Eröffnung nun doch, aber Laynanya sprach weiter, ehe er eine Zwischenfrage stellen konnte.

»Mork und ich haben beraten, während ihr geschlafen habt. Euer Streit ist nicht der unsere, aber ihr seid auch nicht unsere Feinde. Wir werden euch helfen - soweit es in unseren Kräften steht.« Die Wahl ihrer Worte und die Art, in der sie sprach, ließen Skar aufhorchen. Die Worte schienen weniger Herger und ihm als vielmehr den Quorrl zu gelten. Laynanyas Position schien nicht ganz so unumstritten zu sein, wie er bisher angenommen hatte. »Ihr solltet unser Angebot überlegen«, warf Legis ein. Auch ihre Stimme hatte einen leicht nervösen Unterton, und ihr Blick flackerte. »Die Daktylen bringen euch in einer Nacht nach Elay. Zu Pferd braucht ihr Wochen. Ganz abgesehen davon, daß sie euch unterwegs erwischen.«

»Wir sind bisher ganz gut ohne euch durchgekommen«, murrte Herger Skar drehte sich unwillig um und sah ihn scharf an. »Halt endlich den Mund«, sagte er. »Niemand zwingt dich mitzukommen.« Herger lächelte abfällig. »Natürlich nicht. Diese Quorrl-Banditen werden mir ein Pferd und Vorräte geben, wenn ich sie darum bitte, wie? Und ein halbes Dutzend Pfeile. In den Rücken.«

»Es wäre Verschwendung, dich mit einem Pfeil zu bedenken«, sagte Mork trocken. »Ich würde dich an die Daktylen verfüttern.«

»Es ist genug, Mork«, mischte sich Laynanya ein. Sie sprach scharf, aber trotzdem meinte Skar, einen amüsierten Unterton in ihrer Stimme zu vernehmen. »Skar hat recht«, fuhr sie zu Herger gewandt fort. »Du bist ein freier Mann. Wenn du es willst, dann bekommst du ein Pferd und genug Lebensmittel für zwei Wochen und kannst gehen, wohin du willst.«