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»Nein«, sagte Kara. »Das wirst du nicht.«

»Wie?« Aires sah sie erstaunt an. Sie schien selbst zu verblüfft, um Ärger zu empfinden.

»Du wirst ihr kein Schlafmittel geben«, wiederholte Kara. »Ich muß mit ihr reden. So schnell wie möglich.«

»Ich glaube, wie ich meine Patientin behandele, das geht dich gar nichts an«, entgegnete Aires verärgert.

»Und was ich für die Sicherheit des Hortes für das Richtige halte, das geht dich nichts an, Magierin«, antwortete Kara. Sie unterdrückte mühsam den Zorn in ihrer Stimme. »Ich muß mit ihr reden. Wir müssen mit ihr reden, Aires was ist, wenn sie ihnen alles verraten hat? Wenn sie alles über unsere Festung wissen, unsere Stärken – und vor allem unsere Schwächen?«

Aires schwieg, und Kara fuhr in verändertem, fast flehendem Ton fort. »Verdammt, glaubst du, ich hätte keine Angst um sie? Sie war meine Freundin, ganz egal, was sie getan hat! Ich würde mein eigenes Leben riskieren, um ihres zu retten! Aber wir können nicht hier sitzen und darauf warten, daß sie aufwacht, während sie dort draußen im Schlund vielleicht gerade zum entscheidenden Angriff auf uns rüsten.« Sie wandte sich zur Tür; absichtlich so rasch, daß Aires keine Gelegenheit fand zu antworten. »Bitte, weck sie auf«, sagte sie. »Ich will nicht, daß du ihr Leben in Gefahr bringst, aber tu, was in deiner Macht steht, damit ich mit ihr sprechen kann.«

Sie verließ das Zimmer. Hrhon stand noch immer vor der Tür und verbarrikadierte sie allein mit seinen breiten Schultern, so daß sich Kara mühsam an ihm vorbeiquetschen mußte. Zu Silvy und den beiden anderen Kriegern hatte sich mittlerweile noch Zen gesellt.

Erregt trat er auf Kara zu. »Wie geht es ihr?« fragte er. »Kann ich zu ihr?«

»Nein«, antwortete Kara und hob die Hand, als Zen sich unverzüglich an ihr vorbeidrängen wollte. »Aires kümmert sich um sie. Sie schläft.« Einen Moment lang suchte sie nach einem verräterischen Zeichen in seinem Gesicht, ob er vielleicht ihr Gespräch mit Aires durch die Tür hindurch gehört hatte. Aber da war nichts. Gott, dachte sie, was hat Angella mir da hinterlassen, daß ich selbst meine Freunde belügen muß?

Sie schob Zen mit sanfter Gewalt von der Tür fort und wandte sich dann mit einer knappen Geste an Silvy: »Erzähle!«

»Wir waren unterwegs zu dem Ort, an dem wir am ersten Abend gelagert haben«, begann Silvy, »wir wollten gerade die erste Rast einlegen, als Kerr ein Blitzen am Horizont sah;«

»Die Libelle«, vermutete Kara. »Nur diese eine?«

»Ja«, bestätigte Silvy. »Wir bemerkten gleich, daß sie beschädigt war. Ich wollte sie trotzdem vernichten, aber Kerr meinte, es wäre eine gute Gelegenheit, eine von ihnen unbeschädigt in die Hände zu bekommen.«

Kara dachte an den ausgeglühten Schrotthaufen auf dem Hof und seufzte. »Ja«, sagte sie. »Es war eine gute Idee. Weiter.«

»Ich flog so dicht heran, wie ich konnte, während Kerr mir Deckung gab – für den Fall, daß sie uns doch noch angreifen sollte. Und dann habe ich Tess erkannt. Ich wollte es zuerst gar nicht glauben, bis sie die Hand gehoben hat, um mir zuzuwinken.«

»Was war mit dem Piloten?« fragte Kara. »War er bei Bewußtsein?«

»Ja – aber er muß schon verletzt gewesen sein. Er hatte große Mühe, die Libelle zu halten. Ein paarmal haben wir gedacht, sie würden abstürzen.«

»Seid ihr sicher, daß euch niemand gefolgt ist?« fragte Kara. »Ich habe niemanden bemerkt«, antwortete Silvy. Die beiden anderen Drachenreiter schüttelten stumm den Kopf.

Die Tür hinter Hrhon ging auf, und Aires trat aus dem Zimmer. Da Hrhon ihr nicht schnell genug aus dem Weg ging, versetzte sie ihm einen rüden Stoß, den der vierhundert Pfund schwere Waga kaum spüren konnte. Aber er tat ihr den Gefallen, ein paar Schritte zur Seite zu stolpern – wobei er wie zufällig Zen mit sich zerrte, ehe der die Magierin mit Fragen bestürmen konnte.

»Und?« fragte Kara.

»Sie schläft«, antwortete Aires. »Sie wird in einer Stunde oder zwei zu sich kommen, denke ich. Das Fieber bereitet mir noch ein wenig Sorge, aber keine Angst; ich bekomme es in den Griff.« Sie seufzte. »Kommt. Sehen wir uns diesen Fremden an, solange sie schläft. Hrhon – du bleibst bei ihr und rufst uns, sobald sie aufgewacht ist. Und sorge dafür«, sagte sie mit einem schrägen Seitenblick auf Zen, »daß niemand sie stört.«

40

Zu behaupten, daß Elder tobte, wäre eine glatte Untertreibung gewesen. Kara hätte sich auch nicht mehr gewundert, wenn er Schaum vor dem Mund gehabt hätte, als er sich von Aires zu ihr herumdrehte, um einen Schwall von Vorwürfen und Beschimpfungen auf sie loszulassen. Kara beging nicht den Fehler, ihn unterbrechen zu wollen oder sich irgendwie zu verteidigen. Sie wartete lediglich ab, bis er seine Tiraden unterbrach, um Luft zu holen. »Warum regst du dich eigentlich so auf?« fragte sie. »Was hätte es schon geändert, wenn du wach gewesen wärst? Hättest du die Libelle aufgefangen?«

»Nein!« sagte Elder wütend. »Aber vielleicht wäre es mir gelungen, den Brand zu löschen. Ich kenne mich nämlich mit so etwas aus. O verdammt!« Er schlug sich mit der Faust in die geöffnete Linke. »Da haben wir vielleicht eine einmalige Chance, doch noch alles zum Guten zu wenden, und ich verschlafe sie, nur weil... weil dieses Kräuterweib mir etwas eingeflößt hat, um mir ein paar Schmerzen zu ersparen.«

Aires – das Kräuterweib – zog die Augenbrauen zusammen, aber sie sagte kein Wort. Wie Kara war sie wohl zu dem Schluß gekommen, daß es das klügste war, einfach abzuwarten, bis Elder sich ausgetobt hatte.

»Was hätte uns diese eine Maschine schon genutzt?« fragte Donay. »Da sie ohnehin beschädigt war? Sie haben Dutzende davon.«

Elder schenkte ihm einen bösen Blick. »Die Maschinen überhaupt nichts«, antwortete er giftig. »Aber vielleicht die Informationen, die in ihrem Bordcomputer gespeichert waren!«

»Bordcomputer?« Donay runzelte die Stirn. »Was soll das sein?«

»Etwas wie... wie dein Freund Irata.«

»So eine Art mechanischer Erinnerer«, vermutete Donay.

Elder nickte. »Ja. Nur daß er sehr viel besser ist. Er sabbert sich zum Beispiel beim Sprechen nicht voll.«

»Elder«, sagte Aires. »Ich verstehe ja, daß du zornig bist vielleicht sogar zu Recht. Aber gegenseitige Vorwürfe helfen uns jetzt nicht weiter. Laß uns lieber überlegen, was geschehen sein kann. Es war keine von deinen Maschinen, die Tess zurückgebracht hat, sagst du?«

»Aber einer meiner Männer«, bestätigte Elder.

»Hast du nicht gesagt, sie wären alle ums Leben gekommen?« fragte Kara.

»Das dachte ich auch«, knurrte Elder. »Und vielleicht hätte ich euch diese Frage sogar beantworten können, hätten mich nicht gewisse Umstände daran gehindert einzugreifen.« Er machte einen zornigen Schritt, der wohl etwas zu heftig ausfiel, denn er verzog sofort schmerzhaft das Gesicht. »Eines schwöre ich«, murmelte er. »Sollte ich jemals den Auftrag bekommen, eine Welt zu kolonisieren, wird es auf diesem Planeten ganz bestimmt keine Hunde geben.«

»Es würde schon reichen, wenn es keine tollwütigen Hunde gäbe«, sagte Kara trocken. »Hier bei uns ist das eine weit verbreitete Krankheit.« Sie sah Elder mit einem treuherzigen Lächeln an, als sein Gesicht an Farbe verlor. »Hat dir Aires nichts erzählt? Cord hat den Hund untersucht, und...«

»Hör mit dem Unsinn auf!« sagte Aires streng.

Die Tür wurde geöffnet, und Hrhon kam herein. »Ssshie ihsst whahch«, sagte er.

»Tess?« Kara und Aires sprangen gleichzeitig von ihren Stühlen hoch, und auch Elder wandte sich zur Tür.

»Ssshie whill mhit dhir sssphrechen«, sagte Hrhon zu Kara. »Khohmm ssshnhelh!«

So schnell, daß Elder mit seinem verletzten Bein keine Chance hatte, mit ihnen Schritt zu halten, eilten sie in Angellas Zimmer. Vor der Tür stand ein Mann, den Hrhon dort postiert hatte, ehe er zu ihnen kam, aber irgendwie hatte es Zen trotzdem geschafft, hereinzukommen. Er saß auf dem Bettrand und hielt Tess im Arm.