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Aires zerrte ihn mit einer groben Bewegung weg. »Raus!«

Natürlich wollte Zen widersprechen, aber ein einziger, eisiger Blick in Aires’ Augen ließ ihn sein Vorhaben auf der Stelle vergessen. Gehorsam drehte er sich herum und ging, blieb aber unter der Tür noch einmal stehen.

»Keine Sorge«, sagte Kara. »Du kannst sie nachher sehen.«

Sie drehte sich wieder zu Tess um, die von Aires mittlerweile wieder sanft auf das Bett zurückgeschoben und zugedeckt worden war. »Wie fühlst du dich?« fragte sie lächelnd.

»Schwach«, antwortete Tess. Ihre Stimme klang, als hätte sie sehr lange Zeit nicht mehr gesprochen. »Ich habe... Durst.«

Aires stand auf und kam mit einem Becher Wasser zurück. Als sie ihn an Tess’ Lippen setzte, humpelte Elder ins Zimmer. Sein Gesicht glänzte vor Schweiß. Mit einer Kopfbewegung deutete er auf Tess. »Hat sie gesprochen?«

»Ja«, antwortete Kara. »Sie hat alle zweiundvierzig Strophen unserer Schöpfungsgeschichte gesungen. Sie wollte gerade anfangen, sie in die Sprache der Waga zu übersetzen, als du hereingeplatzt bist.«

Elder ignorierte ihre dumme Bemerkung und trat näher an das Bett heran. »Was ist passiert?« fragte er. »Wo bist du gewesen?«

»Halte den Mund, Elder«, sagte Aires grob. Als sie sich jedoch wieder an Tess wandte, da erschien wie hingezaubert ein Lächeln auf ihrem Gesicht. »Glaubst du, daß du mit uns reden kannst, Kleines? Nur ein paar Fragen beantworten?«

Tess nickte. Sie fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, die spröde und aufgesprungen waren. Das Fieber zehrte sie aus. Aber ihr Blick war klar, als sie Kara ansah. »Es tut mir... leid«, sagte sie stockend. »Ich habe... ziemlichen Mist gebaut, nicht wahr!«

»Das hast du«, bestätigte Kara. »Aber das spielt jetzt keine Rolle. Erzähl uns, was dir passiert ist. Wo bist du gewesen?«

»Der... Thron«, antwortete Tess stockend. »Ich weiß nicht... Sie nannten es den Thron.«

»Thron?« Elder wiederholte das Wort stirnrunzelnd, und Kara sah ihn fragend an. Eine Sekunde lang überlegte er sichtlich angestrengt, dann zuckte er mit den Schultern.

»Immer schön der Reihe nach«, sagte Aires. »Maran hat erzählt, ihr seid angegriffen und getrennt worden.«

»Das stimmt. Es... war nicht seine Schuld. Er wollte mir helfen, aber es waren einfach zu viele. Er hat mich nicht im Stich gelassen.«

Die viel zu heftige Verteidigung Marans überzeugte Kara davon, daß er Tess und ihr Tier doch im Stich gelassen hatte, eine Vermutung, die Kara die ganze Zeit gehabt hatte. »Du bist ihnen entkommen?« fragte sie.

Tess schüttelte den Kopf. »Mein Drache war getroffen«, sagte sie leise. »Und ich auch.«

»Das grüne Licht?«

»Ja. Ich war ganz sicher, daß ich sterben würde. Wir sind ins Meer gestürzt, und dann... weiß ich nichts mehr. Als ich wach wurde, lag ich in einem Bett in einem kleinen Zimmer, das ganz aus Silber gemacht war. Die Wände, der Boden... alles. Überall waren Geräte, und sie hatten spitze Nadeln in meine Arme und meine Beine gestochen, an denen Schläuche hingen.«

»Die Krankenstation auf dem Schiff«, bemerkte Elder verblüfft. »Sie müssen sie zu ihrem Schiff gebracht haben!« Erregt beugte er sich vor. »Weißt du, wo es ist? Hast du es gesehen?«

»Später«, sagte Tess. »Ich war lange in diesem Zimmer. Ein paarmal kam ein Mann und machte etwas mit meinem Rücken. Es hat sehr weh getan. Ich dachte, sie würden mich foltern, damit ich ihnen alles über uns verrate, aber er hat nicht eine einzige Frage gestellt. Ich glaube, er verstand nicht einmal unsere Sprache.«

»Er hat dir das Leben gerettet, Kind«, sagte Aires ernst. »Ihre Heilkunst muß an Zauberei grenzen.«

»Das tut sie«, sagte Elder ohne die Spur eines Lächelns. Zu Tess gewandt fuhr er fort: »Der Mann, der dich hergebracht hat...«

»Er kam gestern abend in mein Zimmer geschlichen«, sagte Tess. »Er und noch ein anderer. Sie erzählten, daß auch sie Gefangene im Thron sind.«

»Wieso nennst du es immer Thron?« fragte Elder.

»Weil sie es so nannten«, antwortete Tess. »Sie sprachen unsere Sprache nicht besonders gut. Ich habe nicht alles verstanden, aber dieses eine Wort schon.«

»Der Thron...« Plötzlich hellte sich Elders Gesicht auf. »Eine Drohne! Sie haben von einer Drohne gesprochen, nicht wahr?«

Tess sah ihn verunsichert an. Sie schwieg.

»Was soll das sein?« fragte Donay.

»Ein Beiboot«, antwortete Elder. »Aber laß dich davon nicht täuschen. Was PACK als Beiboot bezeichnet, das würden andere immer noch ein Schlachtschiff nennen.«

»Es war sehr groß«, bestätigte Tess. »Als wir geflohen sind, habe ich es gesehen.«

»Wie groß?« fragte Aires. »So groß wie dieser Turm?«

Tess schwieg. Sie sah sehr erschrocken aus, »So groß wie... wie die Festung?« fragte Donay stockend. »Größer«, murmelte Tess. »Viel größer. Es liegt im Meer, so daß man es nicht richtig erkennen kann. Aber es ist wie eine gigantische Stadt unter Wasser.«

»Was haben die beiden erzählt?« fragte Elder. »Sie wollten fliehen? Wohin?«

»Hierher«, sagte Tess. »Ich habe nicht alles verstanden, aber ich glaube, sie haben dich und ihre Kameraden für tot gehalten. Sie wollten zu den Drachenreitern, um hier auf die Ankunft der anderen zu warten. Ich sollte sie begleiten, damit die Drachen sie nicht für ihre Feinde halten und sie vernichten. Sie haben große Angst vor den Drachen.«

»Wen meinst du mit den anderen?« hakte Elder nach.

»Sie sagten, sie erwarteten die Ankunft ihrer Freunde«, antwortete Tess. »Sie hatten wohl Angst, daß sie den Thron angreifen und wir alle dabei umkommen.«

»Bist. du sicher?« vergewisserte sich Elder erregt. »Sie fürchteten einen Angriff auf die Drohne?«

»Sagtest du nicht, du hättest keine Gelegenheit mehr gehabt, einen Hilferuf zu senden?« fragte Aires mißtrauisch.

»Das habe ich auch nicht«, sagte Elder ärgerlich. »Wieso...«

Er sah einen Moment nachdenklich auf Tess herab. »Was genau haben sie gesagt? Denk nach, Kind.«

»Ich habe kaum etwas verstanden«, sagte Tess hilflos. »Sie haben meistens in einer fremden Sprache miteinander geredet.«

»Denk nach!« drängte Elder. Plötzlich kam ihm sichtbar eine Idee. »Hast du das Wort Di-Es-Ar-Vi verstanden?«

Tess nickte, sichtlich verblüfft. »Ja. Woher weißt du das?«

Elder atmete auf. Von einer Sekunde auf die nächste sah er nicht nur erleichtert, sondern sehr zufrieden aus. »Jetzt haben wir sie!« sagte er. »Ich habe es nicht zu hoffen gewagt, aber offensichtlich hat das Schiff im letzten Moment doch noch eine Sonde gestartet. Wir haben sie! In einer Woche ist der Spuk vorbei! DSRV bedeutet Deep Space Rescue Vessel«, erklärte er. »Ein Rettungsboot, das das Schiff vollautomatisch ausschleust, wenn der Bordcomputer zu dem Schluß kommt, daß die Zerstörung des Schiffes nicht mehr zu verhindern ist.«

»Einer deiner Leute ist entkommen?«

»Nicht unbedingt«, antwortete Elder. »Das DSRV fliegt auch unbemannt. In diesem Fall steuert der Computer automatisch das Ziel an, das man ihm vorher einprogrammiert hat.« Plötzlich grinste er.

»Und in diesem Fall war dieses Ziel die Hauptniederlassung der Company, für die ich arbeite. Das Mädchen hat recht – in spätestens zehn Tagen sind meine Leute hier. Sie werden mit dieser Saubande aufräumen, das verspreche ich euch!«

Er sah abwechselnd Kara und Aires an, und in das strahlende Lächeln auf seinen Zügen mischte sich Verwirrung, als er bemerkte, daß sie beide noch genauso besorgt aussahen wie bisher. »Was ist los mit euch?« fragte er. »Versteht ihr denn nicht? Ihr braucht keine Angst mehr zu haben. Niemand wird euch jetzt noch etwas tun! Eure Welt wird weiter euch gehören!«

»Wie schön«, sagte Aires ruhig.

»Ich verstehe«, murmelte Elder. »Ihr traut mir immer noch nicht. Ihr habt Angst, den Teufel mit dem Belzebub auszutreiben.«

»Ich weiß zwar nicht genau, was diese Worte bedeuten«, sagte Aires, »aber ich schlage vor, daß wir die Diskussion darüber auf später vertagen.« Sie deutete wieder auf Tess. »Weiter.«