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»Wieso bist du überhaupt hier? Ich hatte angenommen, daß du dich in einem tiefen Loch versteckst und wartest, bis sie wieder fort sind.«

Elder versuchte, sie mit Blicken aufzuspießen, aber Kara schenkte ihm ein zuckersüßes Lächeln und bedeutete ihm, vorauszugehen. Elder zögerte, humpelte dann aber hastig los, als Hrhon Anstalten machte, Karas Befehl handgreiflich Nachdruck zu verleihen.

»Wo ist Donay?« fragte sie, während sie alle vier die Treppe hinaufgingen.

Cord wollte antworten, aber Elder kam ihm zuvor. »In seinem Labor. Er war ganz aus dem Häuschen und konnte gar nicht schnell genug damit anfangen, den Müll zu untersuchen, den ihr gefunden habt.« Er bedachte Kara mit einem langen, vorwurfsvollen Blick. »Du hast mich belogen, Kara. Dieser Hund hat sich nicht losgerissen. Es war auch kein Bluthund.«

Sie sah Cord an. »Du hast es ihm gesagt?«

»Das war nicht nötig«, grollte Elder. »Ich bin nicht so dämlich wie er.« Er machte eine Kopfbewegung auf Cord. »Ich kann durchaus zwei und zwei zusammenzählen. Dieser Hund hat meine Spur aufgenommen. Aber mußte er mich dazu ins Bein beißen?«

»Sie brauchen Blut, um ältere Spuren zu finden«, sagte Kara ruhig. »Hätte ich gewußt, was wir finden, Elder, dann hätte ich dafür gesorgt, daß er ein Stück höher zubeißt.«

»Du hättest mich fragen können«, sagte Elder.

»Ja. Und ich wette, du hättest auch geantwortet«, sagte sie. »Ich bin nur nicht sicher, was.« Sie blieb stehen, wandte sich ganz zu ihm um und sah ihn durchdringend an. »Hast du Liss und die beiden anderen getötet? Sag die Wahrheit, Elder. Es spielt sowieso keine Rolle mehr.«

»Warum fragst du dann?«

»Weil ich es wissen will«, antwortete Kara. »Ich will einfach wissen, ob ich mit dem Mörder meiner Freunde geschlafen habe oder nicht.«

»Nein«, sagte Elder ernst. »Ich habe sie nicht getötet. Aber ich habe gesehen, wie sie es getan haben. Ich konnte es nicht verhindern.«

»Warum?« fragte Kara leise.

Elder zuckte mit den Schultern. »Du weißt, wie wenig ihnen ein Menschenleben gilt. Vielleicht hatten sie Angst, daß sie dort unten irgend etwas finden, was ihr gegen sie verwenden könntet. Immerhin besaßen eure Vorfahren Nuklearwaffen.«

»Selbst wenn es sie dort unten gäbe, würden wir sie niemals einsetzen«, sagte Kara ernst.

»Ich weiß«, antwortete Elder im gleichen, fast feierlichen Tonfall. »Aber sie wissen das nicht. Für PACK ist der Einsatz von Atomwaffen nur eine Frage der Taktik.«

»Und du?« fragte Kara. »Was hast du dort unten gesucht?«

»Dasselbe wie ihr. Allerdings war ich nicht halb so erfolgreich. Wie um alles in der Welt habt ihr diese Tür aufbekommen?«

»Woher weißt du, daß es eine Tür war?« fragte Kara. Sie hielt Elder genau im Auge, aber wenn ihn ihre Frage überraschen sollte, so ließ er sich von dieser Überraschung nichts anmerken. »Donay hat es mir erzählt«, sagte er.

Kara seufzte. »Ich finde, er redet zuviel.«

Sie gingen weiter, und Kara legte für den Rest des Weges absichtlich ein so scharfes Tempo vor, daß Elder, der durch sein verletztes Bein immer noch behindert war, all seine Energie aufbieten mußte, um mit ihnen Schritt zu halten.

Aires stand am Fenster ihrer Turmkammer und sah auf den Hof hinab, als sie eintraten. Sie wirkte sehr alt und auf eine Weise müde, die nichts mit körperlicher Erschöpfung zu tun hatte. Sie konnte nicht überhört haben, daß Kara und die anderen das Zimmer betreten hatten, aber es verging noch fast eine Minute, ehe sie sich endlich vom Fenster abwandte und sie ansah. Der Blick, mit dem sie Kara maß, war vorwurfsvoll. Aires wußte, was geschehen war, und sie hieß es nicht gut. Sie wäre nicht mit Thorns Männern gegangen, sondern hätte sie und ihre Maschinen vernichtet, ganz gleich, was danach geschah. Und sie hatte recht damit, dachte Kara. Man konnte nicht mit dem Teufel verhandeln, auch wenn er eine blaue Uniform trug und in einem Raumschiff von den Sternen kam.

Schließlich deutete Aires mit einer müden Geste auf den Tisch und ließ sich als erste auf einen der Stühle sinken. »Du warst also bei ihnen«, begann sie. »Du hast mit ihnen verhandelt.«

Kara zögerte. »Nein«, sagte sie schließlich. »Nicht verhandelt, Aires. Ich habe mir angehört, was Thorn zu sagen – «

»Thorn?« unterbrach sie Elder.

Kara sah ihn an. »Ihr Anführer. Du kennst ihn?«

»Ich habe von ihm gehört«, sagte Elder ausweichend.

»Er von dir anscheinend auch.«

Elder überging ihre Worte geflissentlich. »Er ist ein gefährlicher Mann«, sagte er. »Was immer er dir vorgeschlagen hat, du solltest dir fünfmal überlegen, ob du es akzeptierst.«

Kara lachte bitter. »Ich brauchte mir nichts zu überlegen, weil er mir keinerlei Vorschläge gemacht hat«, sagte sie. »Er hat mit Gendik verhandelt – genauer gesagt, er hat Gendik seine Bedingungen diktiert.« Sie erzählte mit knappen Worten, was sie an Bord der Drohne gesehen und gehört hatte. Obwohl sie sich Mühe gab, möglichst sachlich zu bleiben, konnte sie nicht verhindern, daß ihre Stimme am Schluß vor Zorn bebte, und auch der Ausdruck auf Cords und Elders Gesichtern wurde immer düsterer. Nur Aires hörte scheinbar völlig unberührt zu, und sie schwieg noch eine ganze Weile, nachdem Kara ihren Bericht beendet hatte. »Also hat er uns an sie verkauft«, murmelte die Magierin schließlich.

»Ich fürchte«, sagte Kara. »Aber er hatte keine andere Wahl. Die Existenz seiner Stadt stand auf dem Spiel.«

Voller plötzlichem Zorn sah Aires sie an. »Und du glaubst, er würde sie retten, indem er sie diesem Fremden schenkt? Wer ist dieser Gendik, daß er glaubt, über das Schicksal unserer ganzen Welt entscheiden zu können?«

»Schelfheim ist nicht die einzige Stadt auf der Welt«, mischte sich Cord ein; er wurde aber sofort von Aires unterbrochen. »Aber die größte!« sagte sie scharf. »Und die mächtigste. Die anderen Länder und Grafschaften werden sich dem anschließen, was Schelfheim tut. Das war schon immer so, und das wird auch diesmal so sein!«

»Die anderen Städte vielleicht«, sagte Cord. »Aber wir nicht! Gendik hat keine Befehlsgewalt über den Hort!«

Aires lachte hart. »Wovon sprichst du, Cord?« Sie machte eine abgehackte Geste zum Fenster. »Von dieser verbrannten Ruine dort draußen? Von den kaum zweihundert Kriegern, die noch in der Lage sind, auf ihren eigenen Füßen zu stehen – und die erlebt haben, wie hilflos sie gegen diese Männer sind? Wir sind geschlagen, Cord, sieh das endlich ein! Sie haben uns den Todesstoß versetzt, noch ehe der Kampf überhaupt begonnen hat!«

Kara war ein wenig verwirrt. Diese Worte paßten so wenig zu der Aires, die sie kannte, daß sie sich unwillkürlich fragte, was während der wenigen Stunden ihrer Abwesenheit vorgefallen sein mochte.

»Es wäre ohnehin sinnlos, gegen sie kämpfen zu wollen«, sagte Elder nach einer Weile. »Du hast ihr Schiff gesehen, Kara. Nach deiner Beschreibung vermute ich, daß es sich um einen Helikopterträger der Zerstörer-Klasse handelt. Wenn ja, dann hat er allein an die vierhundert Maschinen an Bord. Zwei von ihnen gegen jeden eurer Drachen.«

»Auf jeden Fall ist es kein kleines Boot, wie du behauptet hast«, sagte Kara scharf. »Das Ding war so groß wie die Stadt, in der ich geboren wurde.«

»Trotzdem ist es ein Beiboot«, antwortet Elder. Er winkte ab, als Kara etwas sagen wollte. »Aber das spielt keine Rolle. In einem hatte Thorn jedenfalls recht, und ich bin froh, daß du das endlich einsiehst. Es wäre Selbstmord, gegen sie kämpfen zu wollen. Wir werden das in die Hand nehmen. In spätestens neun Tagen sind die Schiffe meiner Company hier, und dann schaffen wir euch diesen Thorn vom Hals.«

»Und du glaubst, es macht einen Unterschied, ob wir von seinen oder deinen Leuten beherrscht werden?« fragte Aires bitter. Elder sah einen Moment lang betroffen aus. »Ich dachte, ihr hättet verstanden, was ich euch gesagt habe«, sagte er. »Uns liegt nichts daran, euch eure Welt wegzunehmen. Dieser Planet stellt einen enormen Wert dar, aber PACK in die Knie zu zwingen, bedeutet für uns ungleich mehr.«