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»Du hast mich belogen, Elder«, fuhr sie mit leiser, bebender Stimme fort. Sie brauchte den Schmerz in ihren Worten nicht einmal zu heucheln.

»Und das tut weh, ich weiß.« Elder streckte wieder die Hände nach ihr aus, führte die Bewegung aber nicht zu Ende, sondern lächelte dieses traurige, so echt wirkende Lächeln. »Aber weißt du... seit diese Geschichte angefangen hat, hat eigentlich jeder ununterbrochen gelogen.« Eine winzige Pause, dann: »Als du in dieser Nacht bei mir warst, Kara, war das... auch gelogen?«

»Nein«, sagte sie.

»Glaubst du, daß es wieder so werden könnte!« Er bemerkte ihren erstaunten Blick und beeilte sich, seine Worte zu erklären: »Ich meine nicht unbedingt, daß wir miteinander schlafen müssen. Es würde mir schon reichen, wenn wir einfach nur Freunde wären.«

Freunde... Es war Kara unmöglich, darauf zu antworten.

Das war so ein großes Wort. Sie hatte - Hrhon ausgenommen - niemals einen wirklichen Freund gehabt. Sie hätte Elder erklären können, daß sie mit diesem Begriff mindestens so vorsichtig umging wie er mit dem Wort Liebe. Aber sie glaubte nicht, daß er es verstehen würde, und so zuckte sie lediglich mit den Schultern und sagte, ohne ihm dabei in die Augen zu sehen:

»Vielleicht.«

»Vielleicht ist schon mehr, als ich vor einer halben Stunde noch zu hoffen gewagt hätte«, sagte Elder.

Für diese Worte allein haßte Kara ihn beinahe. War seine Krämerseele schon so abgestumpft, daß er im Ernst glaubte, mit ihr um ihr Vertrauen schachern zu können? »Wie weit bist du mit den Dingen gekommen, die wir dir aus Schelfheim mitgebracht haben?«

Elder hatte ihr erzählt, daß er versuchen würde, einen primitiven Sender zu bauen, um mit dem Raumschiff, dessen Ankunft sie erwarteten, Verbindung aufzunehmen.

»Nicht so weit, wie ich gehofft habe«, gestand er. »Gendik hat auch längst nicht alles gebracht, was ich aufgeschrieben habe. Aber ich denke, ich werde noch rechtzeitig fertig. Die Energieversorgung ist ein Problem. Ich werde wohl eine der erbeuteten Waffen auseinandernehmen müssen, um an die Batterie zu kommen.«

»Ich könnte jemanden nach Schelfheim schicken, um dir alles bringen zu lassen, was du brauchst«, sagte Kara. »Gendik wird es nicht wagen, sich mir offen zu widersetzen.«

»Bist du sicher?« fragte Elder. »Jetzt, wo er neue Verbündete hat?«

Sie schüttelte den Kopf, drehte sich herum und begann ihren Weg fortzusetzen. »Nicht einmal jetzt«, sagte sie. »Ich kenne Männer wie ihn, glaube mir. Er gehört zu denen, die immer gern mehrere Feuer im Eisen haben. Er wird es nicht wegen ein paar Kleinigkeiten auf eine Machtprobe ankommen lassen.«

»Was ich habe, reicht aus«, sagte Elder. »Außerdem könnte Thorn davon Wind bekommen. Ein einziger Blick auf meinen Einkaufszettel, und er wäre zehn Minuten später hier, um dich zu fragen, was du mit den Einzelteilen für einen Ultrakurzwellensender willst. Und ich schätze nicht, daß er allein kommt.«

»Wird er das nicht früher oder später ohnehin tun?« fragte Kara. Sie bogen in den Gang ein, auf dem Angellas ehemaliges Zimmer lag. Gegen Karas eindeutigen Befehl hatte Aires ihre Abwesenheit genutzt, alle Verwundeten in anderen Räumen unterzubringen, so daß sie ihr Quartier wieder beziehen konnte. »Ich meine - selbst wenn deine Leute ihn besiegen, wird er den Hort nicht aus purer Rache doch vernichten? Ich überlege, ob wir ihn nicht besser evakuieren, ehe dein Schiff eintrifft.«

»Ich weiß nicht, ob Thorn etwas nur aus Rachelust tut«, antwortete Elder. »PACK setzt niemanden auf einen solchen Platz, der es zuläßt, daß seine Handlungen von Gefühlen beeinflußt werden. Aber selbst wenn ich mich täuschen sollte, brauchst du keine Angst zu haben - er wird viel zu beschäftigt sein, um auch nur an euch zu denken.«

Kara fröstelte. Elders Worte hatten sie beruhigen sollen, aber sie bewirkten das Gegenteil. Sie hatte die Drohne gesehen. Die Vorstellung, daß zwei solche Kolosse gegeneinander kämpfen würden, ließ sie innerlich vor Angst erstarren. Welche unvorstellbaren Gewalten wollte Elder da heraufbeschwören?

Er schien ihre Gedanken zu erraten, denn er schüttelte den Kopf und lächelte beruhigend. »Keine Sorge. Niemandem hier wird etwas geschehen.«

Kara lachte, aber es klang nicht besonders amüsiert. »Du glaubst, sie geben einfach auf?«

»Ganz bestimmt nicht«, antwortete Elder, »obwohl es das klügste wäre. Aber die Entscheidung wird nicht hier fallen, sondern dort oben, wo ihr Schiff kreist. Wenn es meinen Leuten gelingt, es zu zerstören oder zur Aufgabe zu zwingen, hat Thorn keine andere Wahl mehr als zu kapitulieren.«

»Und wenn er es nicht tut?«

»Er wird es«, antwortete Elder überzeugt.

Sie betraten Karas Zimmer. Hrhon war noch nicht zurück, so daß Elder ihr ohne zu zögern folgte. Kara fuhr ganz leicht zusammen, als Elder die Tür hinter sich schloß. Dann fiel ihr Blick auf den Tisch, und was sie dort sah, das ließ sie hoffen, daß Elder entweder mit plötzlicher Blindheit geschlagen war oder wenigstens nicht ganz so aufmerksam wie gewohnt. Doch noch bevor sie zum Tisch gehen und versuchen konnte, möglichst unauffällig die kleine fünfzackige Brosche verschwinden zu lassen, die sie am vergangenen Abend darauf vergessen hatte, humpelte Elder an ihr vorbei und nahm sie. Überrascht sah er Kara an. »Woher hast du das?«

»Das gehört dir«, antwortete Kara und dankte im stillen dem Himmel dafür, daß Donay das ältere Gegenstück dieser Brosche mitgenommen hatte, um sie einer genaueren Untersuchung zu unterziehen. »Es war an deiner Jacke, als du hierher kamst. Cord wollte deine Sachen verbrennen lassen, aber ich habe sie entdeckt und abgenommen.«

Elder sah zuerst die Brosche, dann sie an. »Hast du sonst was retten können?«

Kara schüttelte den Kopf. »Es ist hübsch. Was ist es - ein Schmuckstück?«

»Das Emblem meiner Firma«, antwortete Elder. Er hielt die Brosche zwischen Daumen und Zeigefinger in die Höhe. »Die Form steht für die Sterne, die wir für die Menschen erobern«, sagte er. »Und die beiden Buchstaben sind der Name: Central Company. Siehst du?«

Kara nickte. Ein bitteres Gefühl machte sich in ihr breit. Trotzdem zwang sie ein Lächeln auf ihre Züge, als sie ihn fragte: »Kann ich es behalten?«

»Behalten?« Elder wirkte im ersten Moment einfach nur verwirrt.

»Oder ist es sehr wertvoll?«

»Wertvoll! Nein. Bestimmt nicht.« Elder lächelte und ließ die Brosche in ihre ausgestreckte Hand fallen. »Es muß ein paar Millionen von den Dingern geben. Jeder Mitarbeiter der Company besitzt eines. Was willst du damit?«

»Mir gefällt es«, antwortete Kara. »Es ist auf dieser Welt das einzige.«

»Ich glaube beinahe, ich habe mich doch in dir getäuscht«, sagte Elder lachend. »Unter all der Drachenhaut und dem Stahl scheinst du doch eine ganz normale Frau zu sein.« Er lachte abermals, aber dann wurde er plötzlich wieder ernst und schüttelte den Kopf, als Kara die Brosche anstecken wollte.

»Tu das lieber nicht«, sagte er. »Jedenfalls nicht, bis wir Thorn und seine Bande von eurer Welt vertrieben haben.«

Kara sah ihn einen Moment lang betroffen an, aber dann steckte sie die Brosche in die Tasche, statt sie an ihrer Bluse zu befestigen. Elder kam um den Tisch herum auf sie zu und versuchte wieder nach ihr zu greifen, und wieder entzog sie sich seiner Berührung.

»Was ist los mit dir?« fragte er stirnrunzelnd.

»Nichts«, antwortete Kara. »Du... sagtest doch selbst, daß wir nur Freunde sein müßten - wenigstens vorerst.«

»Ich hatte auch nicht vor, dir sofort die Kleider vom Leib zu reißen und dich zu Boden zu zerren«, fauchte Elder. »Was ist los mit dir, Kara! Ich spüre doch, daß dich noch irgend etwas quält. Ich habe es die ganze Zeit über gespürt.«