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»Ein Kommunikator«, sagte Elder. »Man benutzt sie, um über große Entfernungen miteinander zu reden.«

»Wie ein Funkgerät!« vermutete Cord.

»Ja«, bestätigte Elder. »Nur komfortabler. Man kann seinen Gesprächspartner sehen.« Sein Gesicht verdüsterte sich. »Euer Freund Gendik scheint keine Zeit zu verlieren. Das Ding da kommt von Thorn.«

Die Neuigkeit überraschte Kara überhaupt nicht. Sie hatte gewußt, daß es so kommen würde.

»Hier schaltet man es ein«, sagte Elder mit einer Geste auf eine besonders auffällig gehaltene Taste unmittelbar unter dem gläsernen Rechteck. »Aber das würde ich nicht tun«, fügte er hinzu, als Kara die Hand nach der Taste ausstrecken wollte. »Jedenfalls nicht, solange ich noch im Zimmer bin. So deutlich, wie wir sie sehen, sehen sie auch uns.« Plötzlich lächelte er. »Weißt du was? Das Ding hat mir noch gefehlt. Ich hätte es gern, sobald ihr es nicht mehr braucht.«

»Warten wir ab, weshalb Karoll es uns geschickt hat«, sagte Cord - ehe Kara ihrem allerersten Impuls nachgeben und Elder dieses Stück verhaßter Technik in die Hand drücken konnte. »Dieser Thorn scheint ein großzügiger Mann zu sein«, sagte Cord. »Wenn er solche Dinge verschenkt.«

»Großzügig!« Elder lachte. »Nun ja - wenn du es großzügig nennst, ein paar Helikopterladungen voll technischem Firlefanz gegen eine ganze Welt einzutauschen...«

Aires kam, und sie vergaßen für einen Moment den Kommunikator und hörten Ian zu, der ihnen berichtete, was in den letzten fünf Tagen in Schelfheim geschehen war. Das meiste wußten sie allerdings bereits, denn Sakara hatte schon nach einem Tag einen neuen Partner in der Stadt gefunden, der zwar noch einen langen Weg vor sich hatte, um ein vollwertiger Seher zu werden, aber doch zumindest auf gezielte Fragen antworten konnte. So wußte Kara, daß Thorn Wort gehalten und den Angriff der Ungeheuer aus dem Schlund zurückgeschlagen hatte. Neu war ihnen allen, daß er dazu nicht wie versprochen eine Stunde, sondern fast die ganze Nacht gebraucht und mindestens ein halbes Dutzend Maschinen verloren hatte.

»Bist du sicher?« fragte Elder.

»Völlig«, antwortete Ian. »Ich habe nicht gesehen, was es war, aber etwas hat sie gepackt und in die Tiefe gezerrt. Eine ist in die Stadt gestürzt und explodiert, die anderen in den Schlund.«

Interessant, dachte Kara. Sie mußte an ihr letztes Gespräch mit Donay denken. Ihn würde bestimmt brennend interessieren, was Ian und die anderen beobachtet hatten. Elder wirkte eher unangenehm überrascht als interessiert. Vielleicht, dachte Kara, wäre es ihm gar nicht so recht, wenn sie wirklich die Schwachpunkte der Libellenmaschinen entdeckten. Sie nahm sich vor, Donay in spätestens einer Stunde zu wecken und zu den zurückgekehrten Kriegern zu bringen, damit er mit ihnen sprach.

Wie Ian weiter berichtete, hatte es bis in den nächsten Tag hinein gedauert, ehe die letzten Feuer gelöscht worden waren.

Fast ein Drittel der Stadt war niedergebrannt, von den angreifenden Ungeheuern aus dem Schlund oder auch von Thorns Maschinen zerstört worden, die sich zum Schluß nicht mehr anders zu helfen gewußt hatten, als mit ihren Schallwaffen einen fünfzig Meter breiten Korridor der Zerstörung quer durch die Stadt zu ziehen, wobei sie rücksichtslos auf Freund und Feind schossen. Allein bei dieser Aktion, so schätzte Ian, seien Hunderte von Schelfheimern ums Leben gekommen.

»Und du konntest sie nicht daran hindern?« fragte Cord scharf.

Ian schüttelte den Kopf, wobei er gleichzeitig betroffen wie zornig aussah. »Ich habe es versucht«, sagte er. »Beinahe hätten sie angefangen, auf uns zu schießen.«

»Wahrscheinlich haben sie ohnehin nur auf einen Vorwand gewartet«, fügte Elder hinzu.

Für einen Moment kehrte wieder betroffenes Schweigen ein, bis Aires dem Drachenreiter mit einem Handzeichen zu verstehen gab, daß er weitererzählen sollte. Einer der ersten Befehle Gendiks nach der Schlacht war gewesen, sämtliche Zugänge zu den unterirdischen Teilen der Stadt zu versiegeln. Trotzdem kam es immer wieder zu Überfällen der Monster, die sich dort zurückgezogen hatten. Natürlich hatten auch Ian und seine Kameraden versucht, sich an den Aufräumungsarbeiten zu beteiligen, sie waren aber von Karoll in Gendiks Auftrag daran gehindert worden, vorgeblich aus dem Grund, daß sie schon mehr als genug für die Stadt getan und sich einige Tage der Ruhe verdient hatten. Aber keiner der Anwesenden zweifelte daran, den wirklichen Grund dafür zu kennen: Gendik wollte die ungeliebten Drachen samt ihren Reiter so schnell wie möglich wieder loswerden, kaum daß sie ihre Aufgabe erfüllt hatten. Thorns Männer waren noch am gleichen Tag gekommen und hatten zwei, vielleicht drei Basen in der Stadt aufgeschlagen. Sie hatten sogar versucht, den Schelfheimern zu helfen.

»Und was ist gestern abend passiert?« fragte Aires, nachdem Ian eine ganze Weile und sehr ausführlich erzählt hatte, was sich in Schelfheim getan hatte.

»Nicht gestern abend«, antwortete er mit einem Kopfschütteln. »Es begann schon am Tag nach der Schlacht. Hat Sakaras neuer Partner euch nichts berichtet?«

»Das konnte er nicht«, antwortete Kara. »Er ist noch nicht so weit. Wir sind froh, daß er uns erzählen konnte, daß die Schlacht vorüber war.«

»Und gewonnen«, fügte Aires hinzu.

Seinem Gesichtsausdruck nach zu schließen, stimmte Ian zumindest dem letzten Wort nicht unbedingt zu. »Sie haben uns dieses alte Kastell an der Klippe zugewiesen«, berichtete er. »Angeblich, damit die Drachen die Bevölkerung der Stadt nicht zu sehr in Unruhe versetzten. Aber ich bin sicher, in Wirklichkeit wollten sie uns möglichst weit abschieben.«

»Was ihnen offensichtlich auch gelungen ist«, sagte Cord düster.

»Ja«, gestand Ian. »Ich habe versucht, zu Fuß in die Stadt zu gehen, aber sie haben mich nicht gelassen.«

»Was soll das heißen - nicht gelassen?« fragte Aires.

»Die Brücke war verschlossen«, antwortete Ian. »Und die Wächter behaupteten, niemanden hereinlassen zu dürfen auch uns nicht.«

»Und das hast du dir gefallen lassen?« fragte Kara.

»Was hätte ich tun sollen?« gab Ian zurück. »Mir gewaltsam Zutritt verschaffen? Sie haben zwei oder drei Stationen in der Stadt errichtet«, fuhr er fort. »Ich konnte nicht nahe genug heran, um Einzelheiten zu erkennen, aber immerhin konnte ich sehen, daß sie offensichtlich streng abgeschirmt sind. Auf der anderen Seite helfen sie den Leuten, wo sie nur können. Ich werde nicht schlau aus ihrem Verhalten.«

»Ich schon«, sagte Elder.

Aires sah ihn fragend an, und er antwortete mit den gleichen Worten, die auch Thorn vor fünf Tagen an Bord der Drohne benutzt hatte: »Es ist billiger, sich einen Gegner zum Verbündeten zu machen, als ihn zu besiegen. Meistens jedenfalls.«

»Du sagtest, Markor wäre schuld daran, daß sie euch aus der Stadt geworfen haben?« fragte Kara.

Ian aber schüttelte den Kopf. »Sie haben es provoziert«, antwortete er. »Du weißt, wie die Drachen auf Hornköpfe reagieren.«

»Sie haben einen Hornkopf in ihre Nähe gelassen?« fragte Cord in einem Ton völliger Verblüffung.

»Einen?« Ian lachte. »Dieser wahnsinnige Gendik hat ein ganzes Bataillon Termitenkrieger keine fünfzig Meter von der Festung entfernt stationiert. Ich habe dagegen protestiert, aber er ließ mir ausrichten, daß es zu unserem eigenen Schutz geschehe.«

»Schutz? Vor wem?« fragte Kara.

»Das hat er nicht gesagt«, antwortete Ian mit einem schiefen Grinsen. »Auf jeden Fall kam es, wie es kommen mußte: Die Drachen witterten die Hornköpfe und wurden immer unruhiger. Eine Weile gelang es uns, sie im Zaum zu halten, aber du weißt, wie Markor ist.«

Kara seufzte. Und ob sie das wußte! Selbst sie hatte sich frühzeitig angewöhnt, einen großen Bogen um den Drachen zu schlagen, wenn er schlechter Laune war.