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»Gestern abend riß er sich los und griff die Quartiere der Hornköpfe an. Wir haben versucht, ihn zu beruhigen, aber es war unmöglich. Von Karolls Schutztruppe ist nicht viel übriggeblieben.«

Kara sah, wie schwer es Aires fiel, ein schadenfrohes Lächeln zu unterdrücken, und auch in Cords Augen glitzerte es verräterisch. Aber die beiden wußten so gut wie sie, wie teuer dieses flüchtige Gefühl von Schadenfreude bezahlt worden war.

»Nach kaum einer Stunde kamen Karoll und ein Dutzend seiner gelben Lackaffen zu uns«, fuhr Ian fort, »und baten uns zu gehen. Die Bevölkerung würde nervös, und wenn sich der Zwischenfall in der Stadt herumspräche, dann könnte er nicht mehr für unsere Sicherheit garantieren, und außerdem hätten wir mehr als genug für Schelfheim getan und uns eine Ruhepause verdient...« Er zog eine Grimasse. »Er hat noch mehr gesagt und mit schönen, wohlklingenden Worten - aber es lief darauf hinaus, daß er uns einen Tritt verpaßte. Also sind wir zurückgekommen.« Er deutete mit einer Kopfbewegung auf den Kommunikator, der aufgeklappt vor Kara auf dem Tisch lag. »Das da sollte ich dir persönlich übergeben. Er sagte, es enthielte eine Botschaft für dich.«

»Eine Botschaft?« Kara sah verwirrt auf das fremdartige Gerät herab. Sie hatte bisher ganz selbstverständlich angenommen, daß Karoll ihr dieses Gerät hatte übergeben lassen, um selbst mit ihr zu reden.

»Man kann eine Nachricht darauf sprechen«, sagte Elder. Er stand auf. »Trotzdem ist es besser, wenn ich aus dem Zimmer gehen, sobald du dieses Ding einschaltest. Ich traue Thorn nicht.« Er schob seinen Stuhl zurück, ging zur Tür und blieb noch einmal stehen. »Ruft mich, sobald ihr das Ding wieder ausgeschaltet habt.«

Kara war ein wenig verblüfft, daß er so schnell und widerspruchslos ging, aber er verließ das Zimmer, ehe sie ihn zurückhalten konnte, und so streckte sie nach einem letzten kurzen Zögern die Hand nach der Taste aus, die Elder ihr gezeigt hatte, und drückte sie. Auf der grauen Glasfläche in der oberen Hälfte des Gerätes bildete sich ein weißes Flimmern, aus dem sich nach einigen Sekunden farbig und dreidimensional Gendiks Gesicht herausschälte; Cord und Aires, die auf der anderen Seite des Tisches saßen, standen auf und traten hinter sie, während sich Ian nur neugierig auf seinem Stuhl vorbeugte, um ebenfalls einen Blick auf den Bildschirm werfen zu können.

»Kara!« begann Gendik mit seinem gewohnten öligen Lächeln. »Ich hoffe, daß die Männer, die dir diese Botschaft überbringen, wohlbehalten im Drachenhort angelangt sind.«

Die Illusion war so perfekt, daß Kara automatisch dazu ansetzte, zu antworten, aber Gendiks Abbild auf dem Schirm sprach bereits weiter, ehe sie Gelegenheit dazu fand.

»Ich bedauere es, auf diesem Wege in Kontakt mit dir treten zu müssen, vor allem, da ich weiß, wie wenig du von technischen Gerätschaften aller Art hältst. Aber du wirst verstehen, daß ich die Stadt im Moment unmöglich verlassen kann. Deshalb muß ich diesen Weg wählen, um dir und auch deinen Kriegern unseren Dank zu überbringen. Ohne eure tapfere Hilfe gäbe es Schelfheim jetzt vielleicht nicht mehr. Wir alle stehen dafür tief in der Schuld des Drachenhortes.«

»Gut, daß er es einsieht«, murmelte Cord. »Ich hätte Lust, hinzufliegen und ihm eine Rechnung zu präsentieren.«

Aires machte eine unwillige Handbewegung. »Still!«

»Sicher hat dir Ian inzwischen erzählt, was hier geschehen ist«, fuhr Gendik fort. »Ich möchte nicht, daß du einen falschen Schluß aus den Ereignissen ziehst, deshalb versichere ich dir noch einmal, daß unsere Bitte an deine Krieger, Schelfheim zu verlassen, nichts mit Undankbarkeit zu tun hat oder gar der Tatsache, daß wir nun neue, mächtige Beschützer gefunden haben.«

»Beschützer?« Kara zog die linke Augenbraue hoch. »Als er das letzte Mal in meiner Gegenwart mit Thorn gesprochen hat, waren es noch Verbündete.«

»Die Geschehnisse der letzten Tage«, fuhr Gendik fort, »haben gezeigt, wie gefährlich der Feind ist, gegen den sich Schelfheim verteidigen muß. Selbst deine Drachen hätten den Angriff nicht abschlagen können; du warst selbst mit an Bord des Schiffes der Fremden, Kara. Ich muß dir nicht erklären, daß ein Kampf gegen sie sinnlos wäre. In Abstimmung mit den anderen Mitgliedern des Rates habe ich also entschieden, Thorns Freundschaftsangebot anzunehmen und es seinen Männern zu erlauben, sich in Schelfheim und seiner Umgebung aufzuhalten. Im Gegenzug dazu hat mir Thorn versichert, jeden Angriff und jede Handlung, die uns und unserer Stadt zum Nachteil gereichen könnte, einzustellen. Und ich glaube, daß dieses Angebot ehrlich gemeint war. Wir werden deshalb in den nächsten Tagen einen Friedens- und Freundschaftsvertrag mit den Fremden von den Sternen unterzeichnen. Es tut mir leid, daß kein Vertreter des Drachenhortes dabeisein kann, aber ich weiß, was du und deine Brüder den Fremden gegenüber empfindet. Ich kann diese Gefühle verstehen, auch wenn ich sie für falsch halte.«

»Was soll das heißen?« fragte Cord verblüfft. »Kein Vertreter des Drachenhortes?«

»Deshalb halte ich es für besser, wenn die Drachen und ihre Reiter Schelfheims Nähe für eine Weile meiden«, fuhr Gendik fort. Kara mußte sich plötzlich beherrschen, um nicht die Faust zu ballen und in den Schirm zu schlagen. »Sobald sich die Situation entspannt hat und die schlimmsten Folgen der Katastrophe überwunden sind, werde ich Karoll zu euch schicken, damit er euch eingehend informiert. Bis dahin bitte ich dich einfach, mir zu glauben, daß sich an der alten Freundschaft zwischen Schelfheim und dem Drachenhort nichts geändert hat.« Er legte eine kurze Pause ein, in der sich der Blick seiner elektronisch simulierten Augen auf dem Schirm so tief in den Karas zu bohren schien, daß es ihr immer schwerer fiel zu glauben, daß dies nur eine Aufzeichnung sein sollte. Schließlich fuhr er fort. »Mir ist zu Ohren gekommen, daß auch der Drachenhort angegriffen und schwer getroffen worden ist. Aus diesem Grund habe ich eine Karawane mit Hilfsgütern und Medikamenten zusammenstellen lassen, die euch binnen einer Woche erreichen wird.«

Die Aufzeichnung erlosch in einem weißen Flimmern, ohne daß Gendik es für nötig gehalten hatte, noch ein Wort des Abschieds hinzuzufügen.

Kara starrte den Schirm fast eine Minute lang fassungslos an.

»Ich glaube das nicht«, flüsterte sie. »Das... das muß ein schlechter Scherz sein. Oder ein Trick Thorns, um Unfrieden zwischen uns zu säen. Gendik kann nicht so dumm sein, im Ernst zu glauben, daß wir das schlucken.«

»Das ist er auch nicht«, sagte Elders Stimme von der Tür her, Kara wandte sich im Stuhl um und sah, daß er das Zimmer wieder betreten hatte. Offensichtlich hatte er draußen gelauscht und nur abgewartet, bis die Aufzeichnung beendet und das Gerät wieder abgeschaltet war. Mit seinen nächsten Worten bestätigte er diesen Verdacht. »Ihr müßt mir nichts erklären - ich habe alles gehört. Du hast recht, Kara - er ist nicht so dumm, euch diese Kröte hinzuwerfen und sich einzureden, ihr würdet sie herunterschlucken. Ich nehme an, Thorn hat ihm dieses Gespräch Wort für Wort diktiert und ihm keine andere Wahl gelassen.«

»Dann ist er ein Narr«, sagte Cord. »Glaubt er wirklich, wir würden es hinnehmen, daß ein Vertrag, der seit fünfundzwanzig Jahren Bestand hat, so einfach gebrochen wird?«

»Ja«, sagte Elder ruhig. »Das glaubt er. Und er hat recht damit. Was wollt ihr tun?« Er machte eine besänftigende Geste, als Cord auffahren wollte. »Sicher, ihr werdet ein paar Tage schnauben und toben und ein bißchen Porzellan zerschlagen - aber irgendwann werdet ihr einsehen, daß ihr gar keine andere Wahl habt, als euch für den Fußtritt zu bedanken, mit dem sie euch fünfundzwanzig Jahre Treue entlohnt haben.«

»Ich hätte große Lust, ihm das Gegenteil zu beweisen«, grollte Cord. »Vielleicht findet er seine Entscheidung nicht mehr ganz so gut, wenn wir ein zweites Drittel seiner Stadt in Rauch und Asche verwandeln.«