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Karoll entfernte sich ein paar Schritte weit von seinem gepanzerten Reittier, wobei er sich weiter Karas Versteck näherte.

Seine Bewegungen waren ungelenk und steif. Offenbar war er diese Art des Reisens so wenig gewohnt wie Donay den Flug auf einem Drachen. Kara lauschte gebannt, während sich Karoll an den Mann in der PACK-Uniform wandte.

»Wo sind deine Eindringlinge? Ich sehe hier weit und breit niemanden.«

»Der Trigger hat ganz deutlich sechs Objekte angezeigt«, antwortete der Mann. Er warf einen Blick auf etwas, das er in der geöffneten Rechten verborgen hielt, so daß Kara es nicht erkennen konnte. Aber das Wort, das er benutzt hatte, hatte sie schon einmal von Elder gehört, als sie zusammen das erste Mal in die große Höhle unterhalb der Stadt hinabgestiegen waren.

»Das bezweifle ich nicht«, antwortete Karoll. »Er wird irgend etwas angezeigt haben. Auf jeden Fall keine Menschen. Hier ist niemand. Und auch nichts, was für irgend jemanden von Interesse sein könnte. Aber bitte...« Er wandte sich an die beiden Gardesoldaten, die ihn und den PACK-Mann begleiteten. »Seht euch ein wenig um, damit er beruhigt ist.«

Der Mann in der blauen Uniform blieb ernst. »Die Felswand wurde schwer beschädigt. Es ist möglich, daß sie von hier aus einen Weg zur Bunkerstation finden.«

Karoll lachte. »Du überschätzt dieses Mutantengesindel«, sagte er abfällig.

Mutantengesindel? Kara wurde hellhörig.

»Selbst wenn sie den Bunker finden, nutzt ihnen das herzlich wenig. Sie kämen niemals hinein. Ganz davon abgesehen, daß er wahrscheinlich nur noch ein paar vermoderte Knochen enthält. Das Ding ist zweihundertvierzehntausend Jahre alt!«

»Der Notsender arbeitet immer noch«, antwortete der Soldat.

»Himmel, dann sprengt ihn endlich in die Luft!« schnappte Karoll. »Das darf doch alles nicht wahr sein! Wir können einen ganzen Planeten in Stücke zerlegen und wieder neu zusammensetzen, aber so einen lächerlichen Bunker finden wir nicht?!«

Kara hatte genug gehört. Mit einem zornigen Ruck stieß sie die Käferschale von sich und sprang auf die Füße. »Vielleicht können wir euch dabei helfen?« fragte sie.

Karoll fuhr herum und erstarrte vor Entsetzen. Der Mann in der blauen Uniform reagierte schneller, aber nicht schnell genug. Kara war mit einem Satz bei ihm und ließ ihm keine Chance. Noch bevor er seine Waffe aus dem Halfter gezogen hatte, schmetterte ihm Kara den Ellbogen gegen die Kehle und tötete ihn auf der Stelle.

Karoll wurde bleich. »Kara! Du -« Sein Blick tastete über den reglosen Körper des PACK-Soldaten. »Du hast ihn umgebracht!« murmelte er.

»Das ist nur vorübergehend«, antwortete Kara kalt. »Aber ich denke, damit erzähle ich dir nichts Neues.«

Karoll starrte sie an und schwieg. Nachdem Kara ihr Versteck aufgegeben hatte, waren auch die anderen aufgestanden. Ian und Donay kamen näher, während sich die drei Krieger mit gezückten Schwertern um die Gardesoldaten kümmerten. Kara warf einen besorgten Blick in ihre Richtung, aber die beiden Gardisten schienen zu wissen, wie ihre Chancen standen, mit drei Drachenreitern fertig zu werden. Sie versuchten nicht, ihre Waffen zu ziehen, sondern gaben auf.

»Es sieht so aus, als hätte das Mutantengesindel diesmal die besseren Karten, nicht wahr?« fuhr Kara mit zornbebender Stimme fort.

»Ich... ich verstehe gar nicht, was du meinst«, antwortete Karell stockend.

Kara ohrfeigte ihn. Sie schlug sehr fest zu, so daß Karolls Unterlippe aufplatzte und ein dünner Blutfaden aus seinem Mundwinkel über das Kinn herablief.

»Reiz mich nicht, Karoll«, sagte sie gepreßt. »Oder ich nehme mein Messer und sehe nach, was sich in deinem Kopf befindet.«

Ein Ausdruck fassungsloser Verblüffung, aber auch ungläubigen Schreckens erschien auf Karolls Gesicht.

»Wir kennen euer kleines Geheimnis«, sagte Kara böse. »Wir wissen sogar noch eine ganze Menge mehr, Karoll. Schade, daß wir uns nicht besser vertragen - sonst könnte ich dir nämlich den Weg zu diesem Bunker zeigen, den ihr so verzweifelt sucht. Wir haben ihn nämlich gefunden. Und wir haben sogar die Tür aufbekommen - obwohl wir nur dummes Mutantengesindel sind.«

»Kara!« sagte Donay warnend.

»Keine Sorge«, antwortete Kara. »Ich verrate ihm nicht zu viel. Er wird keine Gelegenheit mehr haben, zu Thorn zu rennen und mit seinem neuen Wissen zu prahlen.«

Sie zog ihr Messer, und Karoll wurde noch bleicher.

»Und?« fragte Kara, während sie scheinbar versonnen die rasiermesserscharf geschliffene Klinge betrachtete. »Muß ich nachsehen, was du hast, wo bei uns Mutanten ein Gehirn sitzt? Es täte mir allerdings leid, wenn ich mich irre und du hinterher ein bißchen länger tot bist. Vielleicht sogar für immer.« Sie trat näher an Karoll heran und ließ die Messerklinge dicht vor seinem Gesicht pendeln.

Karoll bog den Kopf zurück und fuhr sich nervös mit der Zunge über die Lippen. »Hör auf!« sagte er gepreßt. »Es ist nicht nötig, daß du die Wilde spielst. Du hast recht - ich gehöre zu ihnen.«

»Und diese beiden?« Kara machte eine Kopfbewegung auf die beiden Gardesoldaten, die mit erhobenen Armen dastanden und dem Gespräch mit offenkundiger, wachsender Verwirrung zuhörten.

»Sie wissen nichts«, sagte Karoll. »Es sind ganz normale Soldaten, die nur Befehle ausführen. Laßt sie gehen.«

»Wie edel!« spöttelte Kara. »Aber das geht leider nicht, selbst wenn du die Wahrheit sagen solltest. Ich verspreche dir jedoch, daß ihnen nichts geschehen wird.« Sie gab den Kriegern, die die Männer bewachten, einen Wink. »Fesselt sie. Wir nehmen sie mit.«

Mittlerweile hatte sich Donay nach dem toten PACK-Soldaten gebückt und ihm den Trigger aus der Hand genommen.

Behutsam drehte er das fremdartig aussehende Gerät in den Händen und studierte die Knöpfe und den winzigen Bildschirm.

»Was tust du da?« fragte Kara unwillig.

»Wir haben solche Dinger auch in der Stadt«, antwortete Donay. »Sie sehen zwar anders aus, aber das Prinzip ist das gleiche. Man kann Bewegungen damit orten, aber auch noch mehr...« Er drückte eine Taste auf dem Trigger, runzelte enttäuscht die Stirn und versuchte eine andere.

»Volltreffer!« sagte er. »Das dritte Wrack liegt...« Er drehte sich langsam auf der Stelle, wobei er den winzigen Bildschirm nicht eine Sekunde aus dem Auge ließ. »Da!« sagte er schließlich und deutete direkt nach Norden. »Ungefähr anderthalb Meilen entfernt.«

»Dann gehen wir«, sagte Kara.

Obwohl der Weg nicht ganz anderthalb Meilen betrug, brauchten sie zwei Stunden, ehe sie das Wrack fanden, denn sie kamen auf dem Leichenberg nur mühselig voran. Sie hatten die beiden Flieger zurücklassen wollen, doch langsam und beharrlich folgten sie den beiden Gardesoldaten wie große, hornköpfige Hunde.

Das Wrack unterschied sich von den beiden anderen, die sie zuvor gefunden hatten. Es lag auf der Seite und war nahezu in zwei Teile zerbrochen, aber die Kunststoffkanzel war nicht zerschlagen, sondern stand weit offen - und etwas bewegte sich darin.

»Warte!« Donay legte ihr die Hand auf den Unterarm und hob mit der anderen den erbeuteten Trigger. Kara warf einen Blick auf den winzigen Bildschirm, konnte aber nichts erkennen.

»Das sieht nicht besonders gut aus«, sagte Donay. »Wir sollten vorsichtig sein.«

Kara bedeutete Ian, zusammen mit Karoll zurückzubleiben, und zog ihr Schwert, während sie an Donays Seite weiterging.

Doch das Innere der Pilotenkanzel war keine Gefahr, der sie mit dem Schwert begegnen konnte. Der allergrößte Teil des klebrigen weißen Gespinstes war tot und zu einer übelriechenden Masse zerfallen, die sich auf dem Boden der Pilotenkanzel zu ölig schimmernden, stinkenden Pfützen sammelte. Aber hier und da bewegte sich doch noch etwas in der abgestorbenen Masse; kleine, haarige Bälle, an denen dünne und ebenso haarige Beine zuckten.