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Elder lachte leise. »Wir reden darüber«, sagte er. »Bei Sonnenaufgang.« Er lachte noch einmal, schaltete ab und schwang sich mit einer kraftvollen Bewegung aus der Kanzel des Helikopters heraus. Noch immer lachend, wandte er sich an Aires.

»Ich hoffe, du bist jetzt zufrieden«, sagte er. »Er wird euch nicht angreifen. Du kannst deinen Leuten die Mühe sparen.«

Aires schien immer noch nicht restlos überzeugt zu sein, aber dann drehte sie sich doch mit einem Ruck zu Hrhon um, der ihnen gefolgt war, und machte eine knappe Handbewegung.

»Geh hinunter«, sagte sie. »Die Drachen, die noch nicht abgeflogen sind, sollen hierbleiben.«

Der Waga watschelte davon, und auch Elder wandte sich zum Gehen, hielt aber inne, als er sah, daß Kara sich nicht von der Stelle rührte, sondern mit leerem Blick den erloschenen Bildschirm anstarrte. »Was hast du?« fragte er.

Kara blickte ihn müde an. Und so leer wie ihr Blick war auch ihre Stimme, als sie schließlich antwortete. »Ich überlege nur, wie verrückt das Schicksal doch manchmal ist, Elder. Ich habe geschworen, dieses Land und seine Menschen zu schützen, und sei es unter Einsatz meines Lebens. Und jetzt ist der einzige Weg, dieses Versprechen einzuhalten, mit einem Mann zusammenzuarbeiten, von dem ich immer noch nicht sicher bin, ob er mein Freund ist oder nicht.«

Ein Hauch von Trauer erschien in Elders Augen und ließ sie noch dunkler erscheinen. »Es tut mir leid, wenn du das so siehst«, sagte er. »Aber ich kann dich beinahe verstehen.«

»Ja«, sagte Kara. Dann richtete sie sich mit einer heftigen Bewegung auf und zwang ein Lächeln auf ihre Züge. »Es wird Zeit«, sagte sie. »Wenn wir bis Sonnenaufgang am Landeplatz deines Schiffes sein wollen, sollten wir allmählich aufbrechen.«

55

Es war, als wäre ein Stück aus dem Himmel gebrochen, das sich nun langsam der Erde entgegensenkte. Elder hatte ihr das Schiff als groß beschrieben, aber nicht so groß, und Kara hatte es sich bizarr und fremdartig vorgestellt, aber nicht so bizarr und so fremdartig. Karas Sprache reichte nicht mehr aus, dieses fürchterliche, entsetzliche, schöne Etwas zu beschreiben, das sich heulend und tobend von den Sternen auf die Welt herabsenkte.

Zuerst war es nichts als ein Schatten vor dem Grau der Dämmerung gewesen, auf dem bunte Lichter glommen und flackerten, ein Ding ohne fest erkennbare Umrisse, aber von unvorstellbarer Größe, und dann war es gewachsen und gewachsen, und es wuchs immer noch weiter, obwohl es den Boden noch längst nicht erreicht hatte. Die Sonne war aufgegangen, aber über dem flachen See, den Donay als Landeplatz ausgesucht hatte, war die Nacht nach wenigen Augenblicken zurückgekehrt. Der meilenlange Schatten des landenden Ungeheuers verdunkelte die Sonne.

»Nun?« fragte Elder. »Habe ich zuviel versprochen?« Er mußte schreien, um den Lärm des niedergehenden Berges aus Stahl und Glas zu übertönen, aber seine Augen strahlten vor Stolz.

Kara ersparte sich eine Antwort, aber Donay brüllte: »Es ist phantastisch!«

Elder nickte mehrmals, dann raffte er mit der Linken die Aufschläge seiner Jacke zusammen, zog den Kopf zwischen die Schultern und drehte sich wieder zu dem landenden Schiff um.

Es hatte mittlerweile fast die Höhe der Baumwipfel erreicht. Die Lichtung reichte kaum aus, es aufzunehmen, und sie war beinahe eine Meile lang!

Als das Schiff die Baumwipfel passierte, hörte Kara ein entferntes Knistern und Prasseln, das immer lauter und lauter wurde und sich binnen Sekunden zu einem ungeheuerlichen Bersten und Splittern steigerte. Elder hatte sie darauf vorbereitet, aber sie hatte es sich nicht so schlimm vorgestellt. Der Wald schrie unter dem Schmerz, der ihm zugefügt wurde, aber das Heulen des Schiffes übertönte selbst die Stimme der gepeinigten Natur mit Leichtigkeit.

Kara spürte, wie der Baum unter ihnen zu zittern begann. Die Libelle, die sicher auf einer gewaltigen Astgabel niedergegangen war, schwankte, und Hrhon griff hastig nach einem Ast und klammerte sich daran fest.

Kara wäre sehr viel wohler gewesen, hätte sie festen Boden unter den Füßen gehabt. Aber in den dunklen Tiefen des Waldes, in die sich der Bauch des Schiffes jetzt weiter und weiter hinabsenkte, herrschte immer noch Gäa.

Eine Wand aus Stahl begann vor ihnen nach unten zu gleiten. Fenster und torgroße, hell erleuchtete Öffnungen zogen an ihnen vorbei, buckelige Gebilde aus rostfarbenem Metall und bizarre Gewächse aus buntem Glas. Es war eine ganze Welt aus Metall und Licht, die sich vor ihnen in den Schlund hinabsenkte. Dampf zischte zu ihnen empor, als der Bauch des stählernen Wals in den flachen See eintauchte, der den Grund der Lichtung bedeckte, und Kara fuhr wie unter einem heftigen Schmerz zusammen. Sie wußte, daß Gäa in diesem Moment starb. Elder hatte es nicht gesagt, aber er wußte zu gut um die Gefährlichkeit dieses ungeheuerlichen Lebewesens, um es in der Nähe seines Schiffes zu dulden. Und sie konnte es spüren, wie einen lautlosen Todesschrei, der in ihren Gedanken widerhallte.

Eine Bewegung über ihnen ließ sie aufblicken. Für einen winzigen Moment glaubte sie einen riesigen Schatten zu erkennen, der sich zwischen den Blättern bewegte, aber der Schatten verschwand, ehe sie ihn genauer erkennen konnte.

Elder sah sie fragend an.

»Nichts«, sagte Kara. »Ich dachte, ich hätte etwas gesehen. Aber ich habe mich getäuscht.«

»Keine Angst«, sagte Elder beinahe fröhlich. »Es gibt auf dieser Welt nichts, was diesem Schiff gefährlich werden kann.«

Kara zog es vor, nicht darauf zu antworten, sondern beugte sich behutsam vor und sah auf das Schiff hinab, das unter ihnen lag. Im ersten Moment konnte sie kaum etwas erkennen. Dampf, Staub und Millionen von abgerissenen Blättern hüllten den stählernen Koloß ein. Zum ersten Mal erblickte sie Elders Sternenschiff - das Beiboot! - in seiner ganzen Größe.

»Phantastisch, nicht?« fragte Elder noch einmal. Er sah zu Donay auf. »Die Lichtung paßt, als wäre sie dafür gemacht worden. Eine gute Wahl. Mein Kompliment.«

»Ihsss fhindhe esss hässslihihsss«, sagte Hrhon. »Nhihssst fhahntahssstisss. Ehsss mhacht mhir Ahnghssst.«

Elder grinste. Seine Euphorie schien durch nichts zu erschüttern zu sein. »Das soll es auch, Fischgesicht«, sagte er fröhlich. »Es ist ein Kriegsschiff. Waffen müssen nicht schön sein.« Er lachte, griff in die Tasche und zog ein rechteckiges Gerät hervor, das so aussah, als wäre es aus verschiedenen, nicht ganz zueinander passenden Einzelteilen zusammengebastelt worden, aber es funktionierte immerhin.

»Commander Elder an XANADU 01«, sagte er. »Könnt ihr uns sehen?«

Aus dem Gerät drang ein halblautes Knistern, dann eine verzerrte Stimme. »Klar und deutlich, Commander. Was ist das für ein... Ding da, neben Ihnen?«

Elder warf einen flüchtigen Blick auf Hrhon, dann antwortete er. »Ein Eingeborener. Er wird mit an Bord kommen. Ich brauche eine - nein«, verbesserte er sich nach einem neuerlichen Blick auf den Waga, »- besser zwei Transportmaschinen.«

»Sofort, Commander.«

Elder schaltete das Gerät ab, schenkte Hrhon einen entschuldigenden Blick und wandte sich dann an Kara. »Wir haben es geschafft, Kara«, sagte er. »Noch ein paar Minuten, und ich kann dir endlich auch einmal etwas von meiner Welt zeigen. Nicht nur ihre Waffen.«

Kara nickte wortlos. Wieder sah sie in den Himmel hinauf. Er war wieder leer, ein ganz normaler Morgenhimmel mit einem letzten roten Hauch der Dämmerung. Mittlerweile hatte das Farbgewitter am Himmel nachgelassen. Die Regenbogenblitze waren nicht mehr so häufig aufgeflammt und schließlich ganz erloschen - aber wirklich aufgehört hatte es mit einem ungeheuer grellen, weißen Flackern hinter dem nördlichen Horizont. Sie alle hatten gewußt, was es bedeutete. Nur Elder hatte so getan, als hätte er es nicht bemerkt.