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Die Luft über der Lichtung war so voller Drachen, als wäre ein großer Vogelschwarm aus den Wipfeln des Waldes emporgestiegen und hätte die Orientierung verloren. Sie hatte nicht mehr in Erfahrung bringen können, wie vielen Reitern es gelungen war, ihre Drachen in den Wipfeln rings um die Lichtung zu verstecken, ehe Elder und sie selbst den Drachenhort verlassen hatten. Aber der Himmel war schwarz von Drachen; fünfzig, hundert, vielleicht zweihundert der gigantischen, geflügelten Wesen, die wie ein Schwarm wütend angreifender großer Raben um den stählernen Koloß kreisten. Immer wieder sah sie das orangerote und weiße Flackern von Feuer, wenn die Drachen eine neue Schwachstelle am Rumpf des Sternenschiffes ausmachten und versuchten, sich ihren Weg hineinzubrennen, aber sie sah auch nur zu oft das grüne und blaue Gleißen der Energieblitze, mit denen sich der Koloß von den Sternen wehrte. Und die meisten dieser Blitze trafen mit tödlicher Sicherheit ihr Ziel. Sie sah Drachen, die von Lanzen aus Licht durchbohrt wurden und wie ein Stein in die Tiefe stürzten, andere Tiere, die plötzlich Feuer fingen und wie lebende Brandgeschosse in die Baumwipfel herunterkrachten, soweit sie nicht mehr die Kraft fanden, sich noch sterbend gegen den Rumpf des Schiffes zu schleudern, um ihn zu erschüttern, Drachen, deren Flügel von einem blaßblauen Hauch aus Licht gestreift wurden. Aber auch das Schiff erzitterte immer heftiger unter den Einschlägen der Feuerstrahlen, mit denen die Drachen den stählernen Riesenwal attackierten. Sollte es jemals eine Erinnerung an diesen Tag geben, dachte Kara, sollten sie jemals ein Lied darüber schreiben oder eine Geschichte erzählen, dann würde es dieses Bild sein, das die Zeiten überdauerte, denn es enthielt alles, was den Grund dieses Krieges ausmachte, alles, worum es darin ging und jemals gegangen war, seit Menschen begonnen hatten, nach den Sternen zu greifen. Es war ein Kampf Natur gegen Technik, Laserstrahlen gegen Drachenfeuer. Und Kara war immer noch nicht sicher, welche Seite ihn gewinnen würde. Durch Rauch und Flammen sah sie Thorn auf sich zukommen, während die meisten seiner Begleiter zum anderen Ende der Halle liefen und schon auf halber Strecke damit begannen, das massive stählerne Tor mit ihren Lichtwaffen unter Feuer zu nehmen. Da blickte Kara wieder nach draußen. Der Kampf hatte eine neue Nuance bekommen. Zwischen den Drachen waren kleinere, sich hektisch bewegende Umrisse aufgetaucht, die die Tiere und ihre Reiter wie wütende Hornissen attackierten. Kara begriff allerdings sofort den furchtbaren Fehler, den der Kommandant des Schiffes damit begangen hatte, seine Helikopter in den Kampf zu werfen. Sie sah, wie einige der Maschinen mitten in der Luft gegen den unsichtbaren Schutzschild prallten und wie andere von einem Dutzend Drachen zugleich angegriffen und in lodernde Flammenbälle verwandelt wurden. Keiner dieser Piloten würde den Selbstmordbefehl überleben, den ihnen der Befehlshaber dieses Schiffes erteilt hatte. Dafür zweifelte sie keine Sekunde daran, daß die Drachenreiter ihrerseits die Chance nutzen und ihre Tiere in den geöffneten Hangar lenken würden, aus dem die Libellen gekommen waren.

Thorn hatte ihr Versteck erreicht und warf einen raschen, eher interessierten als mitfühlenden Blick auf Cords Arm, ehe er sich mit einer ungeduldigen Geste an sie wandte. »Wo bleiben deine Leute?«

Wieder sah Kara zum Tor. Das Metall hatte aufgehört, in dunklem Rot zu glühen, aber die Luft flimmerte immer noch vor Hitze. »Es geht nicht so schnell«, sagte sie. »Die Hitze ist noch zu groß. Wir müssen ihnen noch einige Augenblicke Zeit geben.«

»Aber die haben wir nicht«, sagte Thorn sehr ernst. »Falls es dir nicht klar ist, in dem Ding dort oben – « Er wies mit dem ausgestreckten Zeigefinger zum Himmel – « befinden sich mindestens fünf oder sechs dieser Schiffe. Sie werden in spätestens einer Stunde hier sein. Wenn wir bis dahin die Zentrale nicht genommen haben, ist es aus.«

»Ich weiß«, sagte Kara. Vielleicht war in diesem Moment nicht nur ein weiteres Schiff zu ihnen unterwegs, sondern ein Raketengeschoß, dessen Atomsprengkopf dieser Geschichte ein für allemal ein Ende machen würde.

Sie wandte sich an Donay. »Du bleibst hier und kümmerst dich um Cord«, sagte sie. »Wenn irgend etwas schiefgeht, dann bringst du dich in Sicherheit.«

»Aber – « begann Donay.

»Das ist ein Befehl, Donay«, unterbrach ihn Kara sofort. »Keine freundschaftliche Bitte. Wenn wir keinen Erfolg haben, dann nimm alle, die überleben, und führe sie irgendwohin, wo sie euch nicht finden. Verbergt euch – und versucht es irgendwann noch einmal.«

Bevor Donay Gelegenheit zu einer Antwort fand, schlug sie ihren Mantel zurück, zog ihr Schwert und warf Thorn einen auffordernden Blick zu. »Gehen wir.«

Die Männer hatten das Tor aufgeschweißt, und wie Kara geahnt hatte, stießen sie sofort auf heftigen Widerstand. Eine große Anzahl von Company-Soldaten hatte sich auf dem dahinterliegenden Gang verschanzt und nahm alles unter Feuer, was auch nur die Nase ins Freie streckte. Zwei von Thorns Soldaten wurden getroffen und brachen tot zusammen, ehe Kara Thorn die Sinnlosigkeit dieses Angriffes klarmachen konnte und er seine Soldaten zurückrief.

Wieder blickte sie zum Tor, aufmerksam geworden durch eine Bewegung, die sie aus den Augenwinkeln wahrgenommen hatte. Ein Drache näherte sich dem Schiff, korrigierte seinen Kurs im letzten Moment und schwebte dann mit reglos ausgebreiteten Schwingen das letzte Stück auf das Tor zu.

Er erreichte es nie.

Kara schloß entsetzt die Augen, als sie sah, wie ein blaßblauer Lichtstrahl Kopf und Hals des Drachen samt des Reiters berührte und in Flammen aufgehen ließ. Vom Schwung seiner eigenen Bewegung vorwärtsgetragen, segelte der Drache noch ein Stück weiter, und für eine unendlich kurze Zeitspanne sah es fast so aus, als würde er das Tor trotzdem noch erreichen. Weniger als zehn Meter vom Rumpf des Schiffes entfernt kippte der Drache plötzlich zur Seite und schüttelte seine Reiter ab. Als sie die Augen wieder öffnete, blickte sie in Thorns Gesicht. Seine Miene war kalt wie Stein. Von einer Art kalter, fast emotionsloser Wut gepackt, richtete sie sich auf, griff unter ihren Mantel und zog eines der mit weißem Staub gefüllten Gläser hervor. In Thorns Augen erschien zum ersten Mal etwas wie Schrecken, aber er versuchte nicht, sie aufzuhalten, sondern bedeutete seinen Soldaten im Gegenteil mit Gesten, ihr Deckung zu geben, als sie sich geduckt dem aufgebrochenen Tor näherte.

Wieder einmal hatte sie einfach Glück. Vier- oder fünfmal verfehlte sie ein Schuß nur um Haaresbreite, und zwei weitere Krieger bezahlten mit dem Leben dafür, die Angreifer mit einem wahren Gewitter von grünen Lichtblitzen in Deckung zurückzutreiben, bevor Kara nahe genug heran war, ihr Glas zu schleudern. Sie warf es mit aller Kraft, ließ sich aus der gleichen Bewegung zur Seite fallen, kam mit einer Rolle wieder auf die Füße. Das Klirren von zerberstendem Glas drang an ihr Ohr, und auch jetzt vergingen Sekunden, bis das Feuer aus dem Gang allmählich nachließ. Nur ein einzelnes Gewehr schoß gleichmäßig und so monoton wie eine Maschine weiter, aber die blauen Blitze waren nicht mehr gezielt, sondern schlugen alle an der gleichen Stelle irgendwo in der Wand ein, und als Kara sich vorsichtig hinter ihrer Deckung erhob und auf den Gang hinauslugte, da sah sie, daß der Mann, der das Gewehr hielt, sich aufgerichtet hatte und breitbeinig dastand; er lächelte wie ein schwachsinniges Kind. Thorn hob seine Waffe und erschoß den Mann.