Выбрать главу

»Eines von Donays neuen Spielzeugen«, sagte Kara. »Diese kleinen Lieblinge hier greifen nicht eure Körper an. Sie zerstören den Geist.« Sie ließ einige Sekunden verstreichen, damit ihre Worte angemessen wirken konnten. »Wie würde dir das gefallen,Elder? Was würdest du davon halten, so zu leben? Und ich schwöre dir, daß ich dafür sorgen werde, daß du lange lebst. Sehr lange.«

Elder starrte das Gesicht des Wahnsinnigen vor sich an. Seine Lippen zitterten, und seine Augen schienen aus den Höhlen quellen zu wollen, aber er brachte keinen Laut mehr heraus. Und für einige Sekunden tat er Kara beinahe leid. Sie glaubte nicht, daß sie in der Lage war, nachzuvollziehen, was er in diesem Moment empfand, was es für einen Mann wie ihn, der ein zwei Jahrhunderte langes Leben geführt hatte, bedeuten mußte, doch plötzlich verwundbar zu sein.

»Bitte«, stammelte er. »Tut das nicht.«

»Ein Wort von dir genügt«, sagte Kara. Sie streckte die Hand aus, löste das kleine Funkgerät von Elders Gürtel und hielt es vor sein Gesicht. »Sag deinen Leuten, daß sie den Widerstand aufgeben sollen.« Sie schlug mit der anderen Hand ihren Mantel zurück, so daß Elder die beiden verbliebenen Gläser mit weißem Staub sehen konnte, die sie darunter verborgen gehabt hatte. »Oder ich schwöre dir, daß ich diese beiden Gläser in das Ventilationssystem dieses Schiffes schütten werde. Ich weiß, wie man das macht. Thorn hat es mir verraten.«

»Das... das kannst du nicht tun«, stammelte Elder. »Du... du kannst nicht... du kannst nicht zweitausend Menschen umbringen.«

»Nein?« fragte Kara ruhig. »Kann ich nicht?« Sie lachte leise. »Seltsam, noch vor zwei Stunden habe ich das gleiche von dir gedacht.Ich habe mich getäuscht.«

»Sie... sie würden mir nicht gehorchen«, sagte Elder mit zitternder Stimme. »Ich... ich bin nicht der Kommandant dieses Schiffes.«

»Versuche es!« verlangte Kara.

Sekundenlang starrte er sie nur an, suchte verzweifelt nach einem Zögern, irgendeinem Hinweis in ihrem Blick, daß sie nur bluffte, aber er fand nichts. Schließlich nickte er. »Also gut«, sagte er. »Drücke die große Taste auf der rechten Seite.«

Kara tat, was er gesagt hatte, und aus dem kleinen Gerät erklang wieder das Knistern und Rauschen. »Hier spricht Commander Elder«, sagte Elder mit stockender, belegter Stimme. »Stellt den Widerstand ein! Ich wiederhole: Stellt sofort jeden Widerstand ein!«

Sekundenlang antwortete nur statisches Rauschen und Knistern auf seine Worte, dann hörte Kara eine leise, verzerrte Stimme, der man trotzdem das Erstaunen anmerkte. »Bitte, wiederholen Sie das, Commander!«

»Ich habe gesagt, ihr sollt aufhören!« brüllte Elder. »Das ist ein Befehl!«

Diesmal dauerte es beinahe zehn Sekunden, ehe er eine Antwort bekam. »Es tut mir leid, Commander, aber ich glaube, diesen Befehl können wir nicht befolgen.«

»Was soll das heißen!?« schrie Elder. »Ich habe gesagt – «

»Negativ«, unterbrach ihn die Stimme aus dem Gerät. »Ich gehe davon aus, daß Sie diesen Befehl unter Zwang geben.«

»Das ist nicht wahr!« schrie Elder. »Sie werden sich dafür verantworten müssen!«

»Das werde ich, Commander«, antwortete die Stimme aus dem Gerät, »sollte ich mich täuschen.«

Obwohl Kara den Schalter weiter drückte, brach das Knistern und Rauschen ebenso plötzlich ab wie die Stimme. Sie ließ den kleinen Sender sinken. Sie war nicht enttäuscht. Keiner von ihnen hatte damit gerechnet, daß die Verteidiger dieses Schiffes aufgeben würden, nur weil Elder es ihnen befahl. »Ich habe es versucht«, sagte Elder.

Kara kam für gute drei oder vier Minuten nicht dazu, zu antworten, denn ein weiterer Drache landete hinter ihnen in der Halle, und erneut kletterten zwei Dutzend von Thorns Soldaten vom Rücken des Tieres. Einer davon kam mit weit ausgreifenden Schritten herbeigeeilt und wechselte einige halblaute Worte mit Thorn. Er nickte, schickte den Mann wieder fort und wandte sich dann an Kara.

»Sie sind jetzt an fünf Stellen eingebrochen«, sagte er. »Mit ein bißchen Glück schaffen wir es.«

»Mit ein bißchen Glück sind wir in einer halben Stunde alle tot, du Wahnsinniger!« sagte Elder. »Was glaubt ihr, damit erreichen zu können! Bildet ihr euch ein, die anderen würden zusehen? Sie sprengen uns alle in die Luft, ehe sie zulassen, daß dieses Schiff in eure Hände fällt!«

»O nein«, sagte Kara. »Das werden sie ganz bestimmt nicht tun, Elder.« Sie stand auf, beantwortete seinen verwirrten Blick mit einem Lächeln und wollte etwas sagen, als eine ungeheure Explosion das Sternenschiff erschütterte. Der Schlag war so gewaltig, daß sie alle von den Füßen gefegt wurden und einfach übereinanderstürzten. Das Heulen der Alarmsirenen, das bisher eine monotone, an den Nerven zerrende Begleitmusik zu der Schlacht dargestellt hatte, erlosch mit einem quäkenden Mißton, und für zwei oder drei Sekunden ging das Licht aus. Als es flackernd wieder zum Leben erwachte, war es nicht mehr weiß, sondern rot.

Kara richtete sich benommen auf. Das Schiff bebte immer noch unter ihnen, als wolle es auseinanderbrechen, und ein dumpfes, nicht enden wollendes Grollen und Dröhnen lief durch seinen Rumpf. Der ersten, großen Explosion folgte eine Kette kleinerer Detonationen, die sich vom Heck her rasch zum Bug des Schiffes bewegten und doch dabei immer heftiger zu werden schienen. Lodernder Feuerschein drang durch das aufgesprengte Tor herein, und als Kara in seine Richtung blickte, sah sie, daß die Druckwelle die Drachen wie einen Fliegenschwarm durcheinandergewirbelt hatte. Ein Teil des Waldrandes war in Flammen aufgegangen, und außerhalb ihres Sichtbereiches blitzte es immer wieder grell und weiß auf, und jedesmal antwortete aus dem Leib des Schiffes ein schwerfälliges, drohendes Grollen und Zittern darauf.

Aber das tödliche Feuer der Geschütze war erloschen.

Mühsam plagte sie sich auf und wandte sich wieder zu Elder und Thorn um. Elder hatte natürlich versucht, den Moment zur Flucht zu nutzen, aber Hrhon hatte ihn im letzten Moment am Kragen gepackt und grob zurückgezerrt.

»Sie haben es geschafft«, murmelte Thorn ungläubig. Er schüttelte ein paarmal den Kopf und sah Kara an. »Deine Leute haben es wirklich geschafft, den Konverter zu zerstören. Ehrlich gesagt – ich habe es nicht geglaubt.«

»Ich auch nicht«, sagte Kara ganz leise. »Es gibt auch zwei davon.«

»Das spielt keine Rolle.« Thorn machte eine wegwerfende Handbewegung. »Mit nur einem Konverter können sie den Schutzschild nicht aufrechterhalten. Er braucht zuviel Energie.«

»Dann laß uns keine Zeit mehr verlieren«, sagte Kara und deutete in den Gang hinein. »Deine Leute wissen, worum es geht?«

»Selbstverständlich«, antwortete Thorn in einem Ton, der klarmachte, für wie überflüssig er diese Frage hielt.

Als sie tiefer in das Schiff einzudringen begannen, schwebte ein weiterer Drache hinter ihnen durch das Tor hinein. Nach der Zerstörung des Energiekonverters reichte die Leistung des verbleibenden Gerätes lediglich aus, die lebensnotwendigen Funktionen des Schiffes aufrechtzuerhalten. Doch schlimmer noch als der Ausfall ihrer wirkungsvollsten Waffe schien die Company-Soldaten die Erkenntnis zu treffen, daß sie verwundbar waren. Kara verstand nichts von der Architektur eines Sternenschiffes, aber eines wurde ihr sehr bald klar: Keiner von denen, die es entworfen und gebaut hatten, hatte damit gerechnet, es gegen einen Angreifer verteidigen zu müssen, dem es gelingen würde, seine gepanzerte Haut zu durchbrechen. Die Verteidiger leisteten zähen Widerstand, aber die Zahl von Thorns Männern wuchs mit jeder Minute.

Trotzdem konnte es natürlich nicht gutgehen. Kara und Thorn wußten es, und auch Elder schien es zu wissen, denn in die Furcht und den Schrecken auf seinem Gesicht mischte sich eine immer größer werdende Verwirrung, während sie sich langsam zur Zentrale vorarbeiteten.

Der Widerstand der Company-Soldaten wurde immer erbitterter. Sie kamen immer langsamer voran. Obwohl der Angriff der Drachen auf das Schiff längst vorüber war, hielt das dumpfe Dröhnen und Krachen der Explosionen weiter an.