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Manchmal hallte das Schiff wie eine gewaltige Glocke unter den krachenden Explosionen wider, ein paarmal flackerte das Licht, und einmal konnte Kara spüren, wie das ganze, riesige Sternenschiff unter ihren Füßen erbebte, als wolle es auseinanderbrechen. Trotzdem erreichten sie die Zentrale. Wahrscheinlich hätten sie keine Chance gehabt, trotz ihrer Übermacht und des Vorteils, den ihnen die Überraschung verschaffte. Was am Ende die Entscheidung herbeiführte, das war Donays Staub.

Sie hatten viel zu wenig davon, um wirklich das Ventilationssystem des ganzen Schiffes damit verseuchen zu können, wie sie Elder angedroht hatte. Die Zeit hatte für Donay einfach nicht ausgereicht, mehr als ein oder zwei Dutzend der tödlichen Wurfgeschosse herzustellen. Aber das wußten die Verteidiger nicht – und selbst wenn, hätte es wahrscheinlich nicht viel geändert. Elder war nicht der einzige, den ihre neue Waffe in Panik versetzte. Wann immer sie eines der gläsernen Wurfgeschosse auf ihre Gegner schleuderten, ergriffen die, die davongekommen waren, auf der Stelle die Flucht. Sie hatten gehofft, die Company-Soldaten mit Donays Erfindung beeindrucken zu können, aber das wirkliche Ergebnis übertraf selbst Karas künste Erwartungen. Während der letzten Minuten trieben sie die Männer einfach nur noch vor sich her.

Die wahre Größe dieses Schiffes kam Kara erst zu Bewußtsein, als sie in die Zentrale hineinstürmten. Sie war eine Kuppel, deren höchster Punkt dreißig Meter über dem Boden lag und deren verschiedene, ineinandergeschobene Ebenen sich über mehr Raum ausdehnten, als die große Halle im Drachenfels beansprucht hatte. Die gesamte, gegenüberliegende Wand wurde von einem leicht gekrümmten Bildschirm beansprucht, über den sie wie durch ein übergroßes Fenster nach draußen sehen konnte. Es gab darüber hinaus Hunderte von kleineren Schirmen, Hunderte von summenden, mit bunten Lichtern flackernden Computern und geheimnisvollen Gerätschaften, und Dutzende von Pulten, an denen wohl für gewöhnlich die Besatzung des Schiffes saß und dieses riesige stählerne Tier durch die Weiten des Sternenmeeres lenkte.

Im Moment hielt sich allerdings niemand mehr hier auf.

Dafür hatten sich ungefähr drei oder auch vier Dutzend Männer hinter den Instrumentenpulten verschanzt, die Kara und ihr Begleiter sofort unter Feuer nahmen, kaum daß sie die Zentrale betreten hatten. Drei von Thorns Soldaten fielen auf der Stelle, die anderen versuchten, sich hastig in Deckung zurückzuziehen. Zwei weitere PACK-Krieger wurden getroffen, ehe es ihnen gelang.

Auch Kara warf sich blitzschnell zur Seite, als ein ganzes Bündel weißer und blaßblauer Lichtfinger nach ihr stach. Wie durch ein Wunder wurde sie nicht getroffen, schrie aber trotzdem auf, als einer der Blitze sie nur so knapp verfehlte, daß er ihr Haar ansengte. Hastig drehte sie sich zu Hrhon herum, sah, daß der Waga Elder als lebenden Schutzschild vor sich herschob und somit als einziger von den Verteidigern bisher nicht unter Feuer genommen war. Kara gestikulierte ihm, zu ihr zu kommen. Während der Waga und Elder auf sie zustürmten, versuchte sie Thorn in dem allgemeinen Durcheinander irgendwo zu entdecken. Im ersten Moment gelang es ihr nicht. Die Handvoll Männer, die ihm geblieben waren, hatten das Feuer erwidert, und obwohl sie nur sehr wenige Schüsse abgegeben hatten, war die Wirkung verheerend: Bildschirme und Computer explodierten flammenspeiend, und überall zuckten Kurzschlüsse auf. Grauer, ätzender Rauch begann die Luft zu verpesten, und das Flackern der Feuer vermischte sich mit dem roten Schein der Notbeleuchtung und machte es beinahe unmöglich, noch irgend etwas zu sehen.

Endlich entdeckte sie Thorn, nicht einmal sehr weit von sich entfernt. Sie hatten die Zentrale zwar erreicht, waren aber auf einem kleinen Stück dicht hinter der Tür festgenagelt.

Thorn hockte geduckt hinter einem halb in Flammen aufgegangenen Pult kaum zehn Meter neben ihr und sah immer wieder auf das kleine Gerät an seinem linken Arm, von dem er die Zeit ablas.

Wie lange noch? fragte ihr Blick.

Thorn schüttelte den Kopf und gab gleichzeitig einen ungezielten Schuß über den Rand seiner Deckung ab, der eine neue Eruption von Flammen und Rauch zur Folge hatte. Ihre Zeit lief ab.

Auch Kara feuerte, duckte sich hastig wieder und versuchte, über den Rufer Kontakt mit Aires aufzunehmen.

Aires? Kara hier. Wie weit seid ihr?

Keine Antwort.

Kara fluchte lautlos, zählte in Gedanken bis fünf und rief noch einmal nach der Magierin. Aires!

Storm hier! antwortete ein schmerzhaftes Pulsieren in ihrem Nervensystem. Wir haben bis jetzt vier. Halt – ich glaube, fünf. Ja.

Nur fünf?

Thorns Männer kennen sich mit diesem Schiff weniger gut aus, als er uns versprochen hat. Aber wir finden noch mehr.

Nur fünf. Das war zu wenig, dachte Kara bitter. Viel zu wenig. Sie tauschte einen neuen, fast erschrockenen Blick mit Thorn. Wieder schüttelte er stumm den Kopf, dann schlug er mit der flachen Hand auf den Zeitmesser an seinem Arm.

Zieht euch zurück, befahl sie schweren Herzens.

Aber –

Das ist ein Befehl, Storm! unterbrach ihn Kara. Es war ihr gleich, daß alle anderen ihre Worte mithörten. Verschwindet! In ein paar Minuten sind zwei oder drei weitere von diesen Ungeheuern hier. Was glaubst du, was sie mit euch machen werden?

Wir können noch mehr finden! Die Zeit reicht!

Kara ballte ärgerlich die Hand zur Faust. Aires! Bring diesen Narren dazu, daß er gehorcht!

Aires ist tot. Der Rhythmus der feurigen Morseimpulse in ihrem Rückgrat verriet ihr, daß es ein anderer Rufer war, der ihr diese Botschaft übermittelte.

Tot? Aber wie –

Sie war es, die den Konverter zerstört hat, Kara. Sie hat sich mit ihrem Drachen direkt hineingestürzt. Sie und Maran.

Kara registrierte eine Bewegung neben sich und sah, wie Hrhon und Elder auf sie zugelaufen kamen. Zwei, drei Lichtblitze stachen nach ihnen, verfehlten sie aber weit. Offensichtlich versuchten Elders Soldaten, den Waga zu treffen. Sie rutschte vorsichtshalber ein Stück zur Seite, um nicht von Hrhons vierhundert Pfund erdrückt zu werden.

Zieht euch zurück, befahl sie noch einmal. An alle. Kara hier! Brecht den Angriff ab. Flieht! Verteilt euch im Dschungel.

Wenn ihr die Drachen unter die Baumwipfel bringt, können sie euch mit ihren Wärmesuchern nicht entdecken!

Elder starrte sie durchdringend an, als sie die Übertragung beendet hatte und den Kopf hob. Offensichtlich hatte er an dem trüben Blick ihrer Augen bemerkt, was sie tat. Was er nicht bemerkt hatte, war die Angst, die Kara in diesen Augenblicken ausgestanden hatte. Donay hatte ihnen nicht versprechen können, daß der mutierte Parasit nicht noch immer in der Lage war, die telepathischen Impulse der Rufer zu orten und sich daranzuhängen. Und sie hatten sehr großzügig von dem weißen Staub Gebrauch gemacht, den er aus der von Silvy aus dem Schlund mitgebrachten Probe entwickelt hatte. Nun, dachte Kara erleichtert – diese Frage hatte sie gerade beantwortet. »Verabschiedest du dich gerade von deinen Freunden?« fragte Elder ruhig. »Dir ist doch wohl klar, daß keiner von euch diesen Irrsinn überleben wird, oder?«

Er mußte schreien, denn der Lärm in der Zentrale hatte eine unbeschreibliche Intensität erreicht. Kara schloß geblendet die Augen, als eines der Pulte, hinter denen Thorns Männer Deckung gesucht hatten, in einer grellen Stichflamme explodierte. Statt auf seine Frage zu antworten, griff Kara unter ihren Mantel und zog eines der beiden letzten Gläser hervor, die ihr verblieben waren. Ohne zu zielen schleuderte sie es in die Zentrale hinein. Wie ein funkelnder Stern segelte es in hohem Bogen durch die Luft, neigte sich auf dem höchsten Punkt seiner Bahn wieder – und explodierte, als es ein blaßblauer Lichtstrahl traf.