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Er wandte sich wieder zu Kara um, sah sie an. »Zufrieden?«

»Ja.«

»Warum, Kara!« murmelte er. Er wollte weitersprechen, fand aber keine Worte und machte nur eine weit ausholende Geste, die die verwüstete Zentrale, die Toten und Verwundeten einschloß und fragte noch einmaclass="underline" »Warum?«

»Nimm an, wir hätten es versucht und verloren«, sagte Kara. Sie wollte es nicht, aber ihr Blick blieb an einem der gekrümmten Bildschirme hängen, und plötzlich füllten sich ihre Augen mit Tränen. Es war einfach zu viel geschehen, als daß der Schmerz Gewalt über ihr Denken hätte erlangen können, aber nun war der Kampf vorbei, und dieser letzte Schutz war ihr genommen. »Nicht alle Kriege werden gewonnen, Elder. Vielleicht habe ich gerade einen verloren.«

»Das ist nicht der Grund«, sagte Elder ruhig. »Fast alle deine Krieger sind tot, Kara. Die meisten eurer Drachen. Warum? Selbst wenn...« Er machte eine hilflose Geste und setzte mit einiger Überwindung noch einmal an. »Selbst wenn ihr dieses Schiff erobert hättet, wäre es ein sinnloser Sieg gewesen.«

»Ich weiß«, flüsterte Kara. »Deine Männer dort oben hätten es ebenso zerstört, wie sie Thorns Schiff zerstört haben, nicht wahr? Ob mit oder ohne dich an Bord.«

Elder sah zu Thorn hinüber, als erblicke er ihn zum ersten Mal. Aber er sagte nichts, sondern nickte nur.

»Du willst wissen, warum?« Kara lachte bitter und griff unter ihren Mantel. Ein halbes Dutzend Gewehre richtete sich gleichzeitig auf sie, aber Elder winkte hastig ab.

Es war auch keine Waffe, die Kara hervorzog, sondern ein zusammengefaltetes Blatt Papier, das gleiche Blatt, das sie Donay vor weniger als vierundzwanzig Stunden gereicht hatte. Elder wollte danach greifen, aber sie zog die Hand im letzten Augenblick wieder zurück.

»Weil ich die Wahrheit erfahren habe, Elder«, sagte sie. »Ich habe vor der gleichen Tür gestanden wie du, Elder, aber es ist uns gelungen, die Inschrift zu übersetzen. Ich weiß, was sie bedeutet. Du auch?«

Er schüttelte stumm den Kopf. Aber der Schrecken in seinen Augen bewies ihr, daß er log.

»Du hast uns belogen, Elder«, murmelte Kara. »Du hast mich belogen. Jedes Wort, das du gesprochen hast, war Lüge. Die Geschichte unserer Welt! Die Alte Welt, die sich selbst in die Luft gesprengt hat. Der tragische Irrtum, der zur Kolonisation unseres Planeten führte! Wie konnte ich dir jemals glauben.«

»Ich... verstehe nicht ganz...« murmelte Elder.

»Du verstehst nicht?« Kara schrie ihn an. »Dann lies!«

Sie wollte ihm das Blatt ins Gesicht schleudern, aber sie hatte einfach nicht mehr die Kraft dazu. Ihre Finger zitterten plötzlich so heftig, daß ihr das Papier entglitt und Elder sich bücken mußte, um es aufzuheben.

Sie beobachtete ihn genau, während er den Text las – einmal, zweimal, schließlich dreimal, und der Ausdruck auf seinem Gesicht war nicht Schrecken, auch nicht Überraschung. »Das... das habe ich nicht gewußt«, sagte er schließlich. »Du lügst«, antwortete Kara.

»Das ist nicht gesagt.«

Kara war ziemlich verwirrt, daß es ausgerechnet Thorn war, der Elder zu Hilfe kam, aber sie widersprach nicht, sondern sah ihn nur fragend an.

»Jemand hat es gewußt«, fuhr Thorn fort. »Aber wahrscheinlich nicht er. Ich habe es auch erst erfahren, nachdem du uns den Weg zu diesem Bunker gezeigt hast. Wäre ich an seiner Stelle gewesen, dann hätten sie mir vermutlich auch nicht die ganze Wahrheit gesagt.« Mit einem verächtlichen Blick in Elders Richtung fügte er hinzu: »Aber er muß es zumindest geahnt haben.«

»Ein kleiner Fehler!« fuhr Kara mit zitternder Stimme fort. Selbst zum Schreien fehlte ihr plötzlich die Kraft. »Der einzige Fehler war vermutlich, daß es uns noch gibt! Es war nicht geplant, daß jemand überlebt, nicht? Oder war es ein anderer Fehler! War der Irrtum der, daß PACK den Zuschlag für die Eroberung dieser Welt bekam, und nicht deine Firma – ?«

Elder schwieg. Wieder richtete sich sein Blick auf das Papier, das die Übersetzung der schrecklichen Worte enthielt, die Kara auf jener Tür drei Meilen unter Schelfheim gelesen hatte. »Die Alte Welt...« flüsterte Kara mit gebrochener Stimme. »Unsere Vorfahren haben sich nicht gegenseitig vernichtet, Elder. Ihr wart es! Eure Schiffe! Die Raumschiffe der gleichen Company, die diesen Planeten erschlossen und zu einer Welt gemacht haben, auf der Menschen leben können! Wie langt habt ihr ihnen gegeben? Hundert Jahre? Tausend?«

»Bitte, Kara!« sagte Elder, aber sie unterbrach ihn sofort wieder.

»Hättet ihr es hier auch wieder getan? Ist das euer Erfolgsgeheimnis? Ihr erschließt einen Planeten und verkauft ihn an den, der am meisten dafür zahlt. Aber euer Reich ist groß, nicht wahr? Das hast du mir ja selbst gesagt. So groß, daß meine Phantasie nicht ausreicht, es mir vorzustellen. So groß, daß dann und wann einmal eine Kolonie einfach vergessen wird oder sorgt ihr dafür, daß man sie vergißt?«

»Kara, bitte, hör auf«, sagte Elder. »Du verstehst – «

»Ich verstehe genug«, unterbrach ihn Kara. »Wir sind euch so ähnlich, daß höchstens ein Biologe den Unterschied bemerken würde, wie? Die Alte Welt war eine Kolonie eures Sternenreiches! Unsere Vorfahren und deine sind identisch.« Sie griff in die Tasche, zog die Brosche hervor, die sie in dem Koffer gefunden hatte, und schleuderte sie ihm vor die Füße. »Eure eigenen Leute, Elder! Ihr habt sogar eure eigenen Leute umgebracht! Der Zehnte Krieg! Es gab keinen Zehnten Krieg, Elder. Es gab nur einen einzigen, und das war kein Krieg, den unsere Vorfahren gegeneinander gekämpft haben! Es war ein Überfall aus dem Weltraum! Es waren eure Schiffe, die die Atombomben geworfen haben! Ja, du hast recht, wenn du sagst, daß unsere Welt eine Hölle ist. Das ist sie seit zweihunderttausend Jahren! Aber ihr habt sie dazu gemacht!«

»Das stimmt nicht, Kara«, sagte Elder leise. »Ja, ich gebe zu, ich habe gewußt, daß dieser Planet eine ehemalige Kolonie der Company ist und daß es ein Atomschlag aus dem Weltall war, der ihn verwüstet hat. Aber was hätte es genutzt, wenn ich dir das erzählt hätte? Glaubst du wirklich, daß wir unsere eigenen Leute umbringen?«

»Ich weiß es, Elder«, antwortete Kara haßerfüllt. »Es ist nicht nur diese Tür. Thorns Männer haben die Räume dahinter freigelegt. Geh hinunter und sieh es dir an! Sieh dir die Bilder an, die sie für die Ewigkeit dort unten aufbewahrt haben! Es waren eure Raumschiffe, die die Bomben geworfen haben! «

»Sie sagt die Wahrheit«, sagte Thorn leise. »Ich war dort. Die Beweise existieren.«

»Das wußte ich nicht«, murmelte Elder. »Bitte, glaubt mir, daß ich das nicht gewußt habe.«

»Aber irgend jemand hat es gewußt«, sagte Kara. »Die, die dich geschickt haben, Elder, wissen es. Sie haben es getan, und sie tun es vermutlich noch immer. Wie oft, meinst du, haben sie diesen Planeten schon verkauft? Zweimal? Zehnmal?«

Elder schwieg. Kara spürte, daß der Ausdruck von Erschütterung auf seinem Gesicht nicht gespielt war.

»Wenn... wenn das stimmt, Kara«, sagte er, »dann verspreche ich dir, daß sie dafür bezahlen werden. Ich werde dafür sorgen, daß es alle erfahren. Sie – «

»Nein«, unterbrach ihn Thorn. »Das wirst du nicht, und du weißt das auch. Glaubst du wirklich, sie lassen dich am Leben – mit diesem Wissen! Sie werden dich so wenig am Leben lassen, wie du uns verschonen wolltest. Die Company ist erledigt, wenn diese Wahrheit ans Licht kommt.«