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Kara sprang zur Seite, spürte instinktiv die Gefahr hinter sich und ließ sich mit einer halben Drehung auf das linke Knie fallen. Ein halber Meter Stahl zischte so dicht über ihren Kopf hinweg, daß sie den Luftzug spüren konnte, aber fast im gleichen Augenblick traf ihr Schwert auch das Schienbein des Mannes, der sie angegriffen hatte. Er brach mit einem gellenden Schrei zusammen. Kara warf sich zur Seite, als der Mann sie unter sich zu begraben drohte, kam mit einer Rolle wieder auf die Füße und riß gleichzeitig die Waffe an sich, die der Mann fallengelassen hatte.

»Angella!«

Angella stieß einen Mann von sich, der mit einer dreizinkigen Harke nach ihrem Gesicht zu stoßen versuchte, riß den Arm hoch und griff nach dem Schwert, das Kara schleuderte. Sie fing es auf, mußte aber im gleichen Augenblick einen Schwerthieb gegen den anderen Arm hinnehmen. Der schwarzsilberne Stoff ihrer Jacke färbte sich rot.

Der Angreifer fand nicht viel Zeit, sich an seinem Erfolg zu freuen. Angella tötete ihn fast im gleichen Moment, und Kara wandte ihre Aufmerksamkeit wieder ihren eigenen Gegnern zu. Die Burschen begannen allmählich, eine gewisse Taktik zu entwickeln, die Kara nicht besonders gefiel. Immer zwei von ihnen griffen absolut gleichzeitig an, während der dritte ein wenig später nachsetzte, so daß Kara gewärtig sein mußte, jedesmal zumindest einen Treffer hinzunehmen. Noch schützte sie das zähe Drachenleder ihrer Jacke, aber es gab praktisch keinen Muskel in ihrem Körper, der nicht schmerzte. Früher oder später würde sie wirklich getroffen werden. Angella war bereits verwundet.

Als die beiden Männer das nächste Mal heranstürmten, schlug Kara nicht nach ihren Schwertern, sondern sprang in die Höhe, drehte sich um ihre eigene Achse und trat mit aller Gewalt zu. Ihr Fuß zerschmetterte den Unterkiefer des Mannes; gleichzeitig kam Kara wieder auf die Füße und führte einen schnellen Stich, der den zweiten Angreifer niederstreckte. Der dritte zog sich hastig zurück. Wieder hatte Kara sich eine Atempause verschafft.

Die Situation wurde immer brenzliger.

Obwohl Kara und die anderen etliche Gegner ausgeschaltet hatten, wuchs die Zahl der Angreifer noch. Die Männer hatten Verstärkung bekommen, denn der Hinterhalt war sorgfältig geplant gewesen. Lange würden sie sich nicht mehr halten können. Mit einem raschen Blick überzeugte sie sich davon, daß Angella allein zurechtkam, und sprang dann an Elders Seite. Der Hauptmann blutete aus einem Dutzend kleinerer Wunden. Er wankte. Sein Atem ging schnell und stoßweise. Er schlug heftig mit dem Schwert um sich, ohne allerdings zu treffen, und seine andere Hand drückte noch immer an seinem Gürtel herum. »Offizier in Not!« keuchte er. »Verdammt noch mal, ich brauche Hilfe!« War er verrückt geworden?

Kara schaffte ihm zwei seiner Gegner vom Hals und mußte sich dann mit einem hastigen Sprung selbst in Sicherheit bringen, denn Elder drosch blindlings auf alles ein, was sich bewegte. Kara schleuderte einen dritten Mann mit einem Tritt zu Boden und zerrte Elder dann mit sich ein Stück auf Hrhon zu. Der Waga brüllte aus Leibeskräften und hatte bereits drei oder vier Männer einfach niedergetrampelt, aber auch sein Schuppenpanzer war über und über mit Blut bedeckt.

Kara beschloß, das Risiko einzugehen und Elder einen Moment alleinzulassen; sie eilte zu Hrhon und stieß einem der Burschen, die den Arm des Waga hielten, das Schwert in den Rücken. Der andere drehte sich mit einem zornigen Knurren zu ihr herum, beging aber den tödlichen Fehler, Hrhons Hand loszulassen.

Einen Augenblick später packten Kara und der Waga Elder einfach bei den Schultern und zerrten ihn zu Angella hinüber. Rücken an Rücken hatten sie eine bessere Chance, die Angreifer auf Distanz zu halten. Drei oder vier von ihnen fielen, ehe sie wußten, wie ihnen geschah. Aber die verbliebene Übermacht war immer noch erdrückend. Kara kämpfte. Je mehr sie erschlugen, desto mehr schienen sie zu werden.

Keuchend sah sie sich um. Die Straße glich einem Schlachthaus. Zahlreiche Männer lagen tot oder schwer verwundet auf dem Boden, und überall war Blut. Elder bearbeitete noch immer seinen Gürtel und schrie: »Offizier in Not! Wir brauchen Hilfe!«

»Verdammt noch mal, halt endlich das Maul!« schrie Kara. Gleichzeitig erwehrte sie sich eines weiteren Angriffs und sah sich erneut wild um. Sie brauchten einen Fluchtweg.

Der Angriff der Gegner verlor jedoch an Schwung. Noch immer zuckten Schwerter und Knüppel nach ihnen, aber die Angreifer beschränkten sich jetzt darauf, sie in Atem zu halten. Keiner kam ihnen nahe genug, daß sie ihn treffen konnten. Natürlich bemerkten auch Angella und Elder diesen Umstand. »Was ist los?« murmelte Angella. »Das gefällt mir nicht.«

»Vielleicht haben sie genug«, keuchte Elder.

»Da stimmt etwas nicht«, entgegnete Angella schweratmend. Sie hatte recht.

Als wäre ihre Bemerkung ein Stichwort gewesen, zogen sich die Angreifer plötzlich ein gutes Stück zurück und gaben eine Gasse frei.

Vor Kara und den anderen stand der größte Hornkopf, den sie je gesehen hatte.

Es war eine Termite, fünf oder mehr Meter lang und mit einem Schädel, der allein so breit wie Hrhons ganzer Körper war. Ihre schnappenden Zangen waren länger als Karas Arme. Kara erstarrte für einen Moment. Sie hatte von solchen Giganten gehört, seltene Mutanten, die in den großen Strahlenwüsten des Westens lebten, aber noch niemals einen gesehen; geschweige denn gegen ein solches Monstrum gekämpft.

»Großer Gott!« flüsterte Elder. »Wie um alles in der Welt haben sie diese Bestie in die Stadt bekommen, ohne daß wir es merkten?! «

»Du hast vielleicht Sorgen, Elder«, murmelte Angella.

»Warum fragst du sie nicht?«

Kara hörte kaum hin. Ihr war etwas aufgefallen, von dem sie nicht einmal wußte, ob es etwas bedeutete. Einer der Männer, derselbe, der am Anfang mit Elder gesprochen hatte – hatte sich jetzt zu der Termite herumgedreht und starrte sie an. Seine linke Hand lag auf einem kleinen Kästchen an seinem Gürtel. Es sah aus, als... als spräche er mit dem Hornkopf, dachte Kara verstört. Sie verscheuchte den Gedanken.

»Passst auf ssseinhe Sssanghen aufh«, sagte Hrhon. »Whenn whir ihn ahllhe sssuhssammhen anghreifhen, habhen whir einhe Ssshansshe.«

»Was!« rief Elder verwirrt.

Angella winkte ab. »Vergeßt es. Wir müssen versuchen, seine Beine zu erwischen. Wenn wir drei oder vier davon kappen, ist er harmlos.«

So weit die Theorie. Die Praxis sah allerdings anders aus, denn Hrhon stieß plötzlich ein markerschütterndes Gebrüll aus, rannte die vor ihm stehenden Männer einfach über den Haufen und stürzte sich mit erhobenen Armen auf den Hornkopf. Es dröhnte, als schlüge ein Riesenhammer auf einen noch größeren Amboß, als seine Fäuste auf den Schädel der Termite krachten. Der Hieb hätte ausgereicht, einen ausgewachsenen Bullen auf der Stelle zu töten.

Das Rieseninsekt schien den Schlag nicht einmal zu spüren. Seine fürchterlichen Mandibeln schnappten zusammen, und aus Hrhons Kampfgebrüll wurde ein erschreckendes Kreischen. Blitzartig zog er Beine und Kopf in seinen Panzer zurück, wodurch er sich vollends in eine zu groß geratene Schildkröte verwandelte. Der Hornkopf bewegte zornig den Schädel hin und her. Kara hörte, wie der Panzer des Waga zu knirschen begann.

»Wir müssen ihm helfen!« schrie Angella. »Los!«

Nebeneinander stürmten sie los, aber sie erreichten den Hornkopf nicht, denn in diesem Moment griffen die Banditen wieder an. Und obwohl sie Hrhons Ausfall schwächte, trieben sie die Männer im allerersten Moment noch zurück.