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»Was ist das?« flüsterte sie.

»Wer ist das, Elder?!«

Elder zuckte mit den Schultern, kroch auf Händen und Knien zurück zum Ende des gemauerten Tunnels, in dem sie Zuflucht gefunden hatte, und steckte behutsam den Kopf ins Freie. Allerdings nur, um ihn hastig wieder zurückzuziehen, denn beinahe augenblicklich zuckte wieder das grüne Feuer aus der Tiefe empor und schlug Funken in die Felswand.

»Ich weiß es nicht«, murmelte er. »Aber wer immer sie sind, sie können im Dunkeln sehen.« Kara wagte es nicht, gleichfalls einen Blick in die Tiefe zu riskieren. »Sie haben Hrhon umgebracht! Und Farin!«

»Und einen meiner Männer«, versetzte Elder ärgerlich. »Aber was soll ich jetzt tun? Mich aus purer Sympathie erschießen lassen?«

Kara deutete anklagend auf den Laser in seinem Gürtel. »Du hast eine Waffe! Warum wehren wir uns nicht?«

»Weil ich nicht im Dunkeln sehen kann!« erwiderte Elder gereizt. Dann seufzte er. Mit einer müden Bewegung zog er den Laser aus dem Gürtel und drehte ihn in den Händen.

»Ich weiß nicht einmal, ob das Ding so weit schießt«, gestand er. »Außerdem wäre es Selbstmord, auch nur eine Sekunde über den Felsrand zu blicken. Ich fürchte, wir sitzen hier fest.«

»Was soll das heißen?« fragte Kara alarmiert.

Elder lächelte humorlos und machte eine Geste auf die Wand hinter Kara. »Sieh dich doch mal um!«

Kara zog erschrocken die Luft zwischen den Zähnen ein. Sie hatte angenommen, daß sie sich in einem jener endlosen Tunnel befanden, die es unter der Stadt gab. Aber der Stollen, den sie erwischt hatten, endete nach ein paar Schritten vor riesigen Felsblöcken.

»Und was tun wir jetzt?« fragte Kara mutlos.

Elder zuckte nur mit den Schultern. »Warten«, sagte er. »Früher oder später werden sie merken, daß irgend etwas nicht stimmt, und nachsehen kommen.«

»Und wann wird das sein?«

Elder grinste. »Ich schätze, in sechs oder sieben Stunden.«

»Sechs oder sieben Stunden?!« Kara ächzte. »In diesem Loch?«

»Keine Sorge.« Elder hob beruhigend die Hand. »So lange werden wir nicht hier aushalten müssen.« Er machte eine Kopfbewegung zum Ausgang. »Ich denke, unsere Freunde werden sehr viel früher hier auftauchen und nachschauen, ob wir noch am Leben sind.«

»Deine sonderbare Art von Humor geht mir ein wenig auf die Nerven, Elder«, sage Kara.

Sie erntete ein weiteres, noch breiteres Grinsen und schluckte ihren Ärger wie eine bittere Flüssigkeit hinunter. Elder hatte vermutlich recht – die Männer, die auf sie geschossen hatten, mußten wissen, daß sie noch am Leben waren. Und sie würden etwas dagegen unternehmen.

»Was ist damit?« Sie deutete auf Elders Funkgerät. »Warum benutzt du dieses Wunderding nicht und rufst Hilfe?«

»Durch drei Meilen Erdreich und Fels hindurch?« Elder schüttelte den Kopf. »Keine Chance.«

»Da siehst du, wie weit du mit deiner famosen Technik kommst«, erwiderte Kara verärgert. Sie gab sich Mühe, das Wort möglichst abfällig auszusprechen. »Wenn man sie einmal wirklich braucht, funktioniert sie nicht!«

Elder hielt es nicht einmal für nötig, darauf zu antworten. Eine ganze Weile saßen sie schweigend im Dunkeln nebeneinander. Kara versuchte, sich über ihre eigenen Gefühle klarzuwerden. Sie hatte keine Angst vor dem, was kommen würde. Ganz im Gegenteil war ihr der Gedanke, vielleicht wenigstens im Kampf zu sterben, sehr viel weniger unangenehm als die Vorstellung, von einem grünen Lichtblitz aus der Dunkelheit getroffen und in eine lebende Fackel verwandelt zu werden. Doch sie verspürte Zorn. Einen unbändigen, brodelnden Zorn, so heftig, daß sie ihn beinahe wie einen körperlichen Schmerz empfand.

»Verdammt, ich will nicht hier herumsitzen und warten, bis ich abgeschlachtet werde!« sagte Kara aufgebracht. »Wir müssen etwas – «

»Still!« Elder brachte sie mit einer hastigen Handbewegung zum Verstummen und richtete sich auf. Ein gebannter Ausdruck erschien auf seinem Gesicht.

»Was ist?« fragte Kara. Auch sie lauschte, hörte aber nichts. »Ich weiß nicht«, antwortete Elder. »Jemand... kommt.«

Kara lauschte wieder, ohne irgend etwas wahrzunehmen. Sie beschloß, sich einfach darauf zu verlassen, daß Elder über ein besseres Gehör verfügte als sie. Was hatte sie auch zu verlieren, außer ihrem Leben?

Nach einigen Augenblicken hörte sie dann aber ein sonderbares Kratzen und Schaben, als krieche etwas an der Wand unter ihnen empor. Vor Karas innerem Augen entstand das Bild einer riesigen stählernen Spinne, die langsam aber unaufhaltsam an der Wand heraufkrabbelte...

»Der Scheinwerfer«, flüsterte Elder. »Schalt ihn ein, sobald sie auftauchen. Vielleicht blendet sie das Licht.«

»Bestimmt nicht«, murmelte Kara. Trotzdem löste sie den klobigen Handscheinwerfer von den dünnen Lederriemen, mit denen er vor ihrer Brust befestigt war, und richtete ihn wie eine Waffe auf den Tunnelausgang. Ihr Finger strich nervös über den Schalter, aber sie widerstand der Versuchung, ihn jetzt schon zu drücken.

Das Kratzen und Schaben kam näher, dann erschien ein buckeliger Schatten vor dem Tunnel. Kara schaltete den Scheinwerfer ein.

Im allerersten Moment, als sich das gleißende Licht schmerzhaft reflektierte, erkannte sie kaum etwas. Vor ihnen ragte ein großes, kantiges Etwas hervor, dessen metallen schimmernde Oberfläche das Licht des Scheinwerfers so heftig zurückwarf, daß es Kara fast die Tränen in die Augen trieb.

Das Ding reichte ihnen wahrscheinlich nur bis zu den Knien, hatte aber einen Durchmesser von gut eineinhalb Meter und tatsächlich ein gutes Dutzend Beine, von denen die meisten in gebogenen Widerhaken endeten, mit denen es sich an der Wand festgeklammert hatte. Es ähnelte eher einer Krabbe als einer Spinne, es hatte lange, rasiermesserscharfe Scheren und glotzende Augen aus rotem Kristall, in denen sich das Licht des Scheinwerfers widerspiegelte, als glühten sie in einem unheimlichen, inneren Feuer. Zwischen den beiden faustgroßen Glotzaugen ragte ein kurzes Rohr heraus, das den Durchmesser von Karas kleinem Finger hatte.

»Paß auf!« schrie Elder mit überschnappender Stimme, und im gleichen Moment ertönte ein ratterndes Dröhnen; eine orangerote, unterbrochene Stichflamme zuckte aus dem Rohr der Metallkrabbe, und der Scheinwerfer vor ihrer Brust zersprang mit einem lauten Plink!

Kara krümmte sich vor Schmerz und fiel auf den Rücken, während rings um sie herum ein Kreischen und Dröhnen los brach: eine Reihe fürchterlicher, betäubender harter Schläge traf ihr rechtes Bein, die rechte Seite ihres Körpers und den Arm, welche der Krabbe zugewandt waren. Gleichzeitig begann Elders Körper wild zu zucken, wie eine Marionette, deren Fäden sich verheddert hatten, und von einer unsichtbaren Hand wurde er gegen die Wand und zu Boden geschleudert. Dann hörte das Dröhnen auf; so plötzlich wie es begonnen hatte. Kara lag auf dem Rücken, hilflos und gelähmt vor Schmerz, aber mit offenen Augen. Die Krabbe hockte vor ihr und starrte sie aus ihren faustgroßen Kristallfacetten an. Aus dem kurzen Rohr in ihrem Schädel kräuselte sich grauer Rauch. Kara erkannte, was sie getroffen hatte. Rings um sie herum bedeckte eine Unzahl kleiner, deformierter Kugeln den Boden;

Geschosse, die nicht tödlich wirkten. Aus irgendeinem Grund wollten die Unbekannten Elder und sie lebend in die Hand bekommen, wenn möglich allerdings bewußtlos.

Zumindest in Elders Fall hatte es geklappt. Er lag reglos neben ihr, aber wenigstens atmete er noch.

Und sie?

Die Schläge waren so hart gewesen, daß ihre Muskeln verkrampft und paralysiert waren. Sie hatte kaum Schmerzen und konnte sich nicht bewegen. Der Gedanke an Widerstand, der ihr immer noch durch den Kopf schwirrte, war völlig sinnlos geworden.

Die Krabbe kroch auf rasselnden Beinen näher. Ihre gläsernen Augen starrten Kara an. Eine ihrer riesigen Scheren bewegte sich, tastete erstaunlich behutsam über Karas Gesicht und verharrte einen Moment außerhalb ihres Gesichtsfeldes. Dann spürte Kara einen heftigen, aber rasch abklingenden Schmerz. Und als sie die Schere wieder hob, hielt sie Überreste eines winzigen Insekts: Karas Rufer.