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Die vier Drachenkämpfer fuhren im gleichen Moment erschrocken zusammen. Ja? signalisierte Kara.

Silvy, antwortete das schmerzhafte Zucken in ihrem Nacken. Irgend etwas kommt auf uns zu. Ich kann nicht erkennen, was es ist. Aber die Drachen werden unruhig.

Zieht euch zurück, befahl Aires, noch ehe Kara Gelegenheit fand zu antworten. Schnell. Ehe sie euch bemerken.

»Zwei Dutzend Drachen, die sie nicht bemerken sollen?« sagte Maran in zweifelndem Tonfall.

»Es ist Nacht«, antwortete Aires. »Wenn sie über dem Wald kreisen...« Sie zuckte mit den Schultern, dann schloß sie die Augen, um sich wieder auf ihren Rufer zu konzentrieren. Haltet uns auf dem laufenden. Aber ihr tut nichts, solange wir nicht angegriffen werden oder euch rufen. Verstanden?

Verstanden.

Aires öffnete wieder die Augen. Sie sah sehr müde aus und sehr alt. Aber nur für einen ganz kurzen Moment. Dann kehrte ihre gewohnte Tatkraft wieder zurück. »In Ordnung«, sagte sie. »Die Lampe aus. Und seid so still wie möglich, Kinder.«

Tatsächlich verstummten die meisten der Kinder innerhalb weniger Augenblicke. Aber keines machte auch nur Anstalten, die Öllampe zu löschen. Kara verstand das sehr gut. Selbst ihr war nicht wohl bei der Vorstellung, in völliger Dunkelheit dazusitzen und darauf zu warten, daß irgend etwas Furchtbares geschah.

Aires’ Gedanken schienen in die gleiche Richtung zu gehen, denn sie zog plötzlich den Leuchtstab aus der Jacke und entfernte die Hülle. »Keine Angst«, sagte sie, während sie das leuchtende Holz in die Höhe hielt. »Es wird nicht völlig dunkel. Hier – seht ihr?«

Ihre Worte wirkten Wunder. Bis auf die ganz kleinen Kinder und Säuglinge beruhigten sich alle endgültig. Niemand begann mehr zu weinen, als Aires Tess ein Zeichen gab, die Öllampe zu löschen. Der Raum wurde plötzlich nur noch vom unheimlichen grünen Schein des Leuchtstabes erhellt, doch so blaß dieses Licht auch sein mochte, Kara war sich schmerzhaft des Umstandes bewußt, daß es draußen sehr deutlich zu sehen war. »Tess – sieh zu, daß du irgend etwas findest, um die Fenster zu verhängen. Maran – du hältst an der Tür Wache!«

Die beiden gehorchten wortlos, und Kara tauschte einen raschen, besorgten Blick mit Aires, ehe sie sich wieder an die Kinder wandte. »Hört zu«, sagte sie. »Es ist wichtig, daß ihr jetzt ganz still seid. Euer und unser Leben kann davon abhängen. Habt ihr das verstanden?«

Die meisten Kinder starrten sie einfach nur an, aber einige nickten auch zaghaft. »Gut«, fuhr Kara fort. »Und versucht bitte, auch die kleinen Kinder irgendwie zu beruhigen.« Sie zögerte einen Moment. »Ich weiß, daß ihr Angst habt. Wir haben auch Angst. Das macht nichts. Wenn wir alle zusammenhalten, dann kann uns gar nichts passieren.«

Kara. Sie kommen näher.

»Wer kommt näher?« fragte Kara. Ganz unwillkürlich stellte sie die Frage laut und wiederholte sie dann auf der telepathischen Frequenz des Rufers.

Ob du es glaubst oder nicht – aber es sind Marans Libellen.

Es gibt sie wirklich.

Haben sie euch gesehen?

Bis jetzt nicht. Aber die Drachen werden unruhig. Ich weiß nicht, wie lange wir sie noch halten können.

Versucht es, erwiderte Kara nervös. Sie dürfen euch auf keinen Fall sehen. Wie viele sind es?

Drei. Nein – vier.

Und was tun wir, wenn sie wieder ihren grauen Staub abladen?

Kara war im ersten Moment verwirrt. Dann begegnete sie Marans Blick und begriff, daß er es gewesen war, der die Botschaft geschickt hatte. Im allerersten Moment verstand sie nicht, warum er seine Frage nicht offen ausgesprochen hatte. Dann begriff sie, daß er nicht wollte, daß die Kinder seine Frage hörten. Sie schenkte ihm einen dankbaren Blick und schüttelte gleichzeitig den Kopf.

Was für ein grauer Staub? erkundigte sich Silvy.

Das erkläre ich dir später. Ruhe jetzt. Mit einem Blick auf Maran: Das glaube ich nicht. Wahrscheinlich wollen sie einfach nachsehen, ob hier noch jemand lebt.

Sie kommen, signalisierte Silvy. Seid vorsichtig!

Tess hatte in der Zwischenzeit einige Decken und Kleidungsstücke aufgetrieben, mit deren Hilfe sie die unregelmäßigen Fensteröffnungen verstopfte. Einige der größeren Kinder halfen ihr dabei, so daß nur wenige Augenblicke vergingen, bis kein Lichtschimmer mehr ins Freie drang. Trotzdem war Kara nicht davon überzeugt, daß sie wirklich unentdeckt bleiben würden. Mit klopfendem Herzen trat sie neben Maran an die Tür. Die Stadt lag wie eine bizarre Riesenskulptur aus Schatten und Schwärze vor ihnen, und im allerersten Moment hörte sie nichts außer dem Rauschen des Blutes in ihren eigenen Ohren. Dann begriff sie ihren Irrtum.

Das Rauschen wurde lauter, steigerte sich zu einem von einem hohen, pfeifenden Laut begleiteten Grollen, und dann erschienen sie am Nachthimmel über der Stadt. Im bleichen Sternenlicht sahen sie tatsächlich wie Libellen aus – vier schlanke Schatten mit riesigen schimmernden Köpfen, auf deren polierter Oberfläche sich das Sternenlicht brach. Keines von ihnen hatte leuchtende Augen, wie der Junge behauptet hatte, und sie sah auch keine Flügel. Kara schätzte ihre Größe auf gute zehn bis zwölf Meter.

»Was ist das?« murmelte Maran verwirrt.

Kara zuckte mit den Schultern und machte ein hastiges Zeichen, still zu sein.

Die Libellen kamen näher und kreisten über der Stadt. Zwei von ihnen verloren dabei ganz allmählich an Tiefe, während die beiden anderen über die Baumwipfel dahinglitten.

Silvy? Seht ihr sie?

Klar und deutlich. Was ist das? Sind das Tiere?

Kaum, antwortete Kara. Aber was immer es ist – ich will nicht, daß sie entkommen. Ihr laßt sie rein, aber nicht mehr raus, klar?

Worauf du dich verlassen kannst!

Kara blickte aufmerksam zu den beiden Libellen auf, die sich allmählich der Stadt näherten. Mittlerweile konnte sie die sonderbaren Flügel erkennen: über den klobigen Köpfen der Monstren schwirrte etwas in der Luft, das durch seine rasende Bewegung wie eine schimmernde Scheibe aus Glas aussah. Das Rauschen und Pfeifen wurde lauter, und Kara spürte den tosenden Windzug, den die Libellen verursachten.

Marans Hand glitt zum Schwert, aber Kara machte eine rasche, beruhigende Geste. »Warte«, flüsterte sie. »Ich glaube, sie wollen landen. Wir schnappen sie uns, sobald sie am Boden sind.« Sie sah über die Schulter zu Tess und Aires zurück. »Ihr bleibt hier bei den Kindern. Maran!«

Lautlos wie Schatten verließen sie das Haus und näherten sich geduckt dem großen Platz in der Mitte der Stadt, auf dem sie ...

Die Drachen!

Der Gedanke durchzuckte Kara im gleichen Moment, in dem einer der vier Drachen ein gewaltiges, zorniges Brüllen ausstieß und sich mit einem kraftvollen Satz auf einen der bizarren Libellenvögel warf.

Aber so schnell seine Bewegung war – das unglaubliche Vogelwesen war schneller. Kara beobachtete fassungslos, wie die Libelle mit einer schier unmöglichen Bewegung in der Luft zur Seite kippte, sich unter den zupackenden Klauen des Drachen hindurchschraubte und dann wieder in die Höhe schoß. Aus dem Brausen und Pfeifen, das seinen Flug begleitete, wurde ein schrilles Heulen. Fast in der gleichen Sekunde kippte auch die zweite Libelle zur Seite, drehte einen Kreis und schoß mit einem wütenden Kreischen auf den Drachen zu. Ein dünner, durchbrochener Faden aus grünen Lichtperlen brach aus ihrem klobigen Schädel und explodierte in der Flanke des Drachen. Flammen sprühten auf. Aus den Wutschreien des Drachen Kara betete, daß es nicht Markor war – wurde ein kreischendes Schmerzgebrüll.