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Plötzlich begann der Boden unter ihnen zu zittern, und ein zweiter, dritter und vierter Schatten sprangen in die Höhe und stürzten sich auf die Libellen. Wie durch ein Wunder gelang es ihnen zwar, den Tieren auszuweichen, aber aus ihrem bislang eleganten Flug wurde ein hektisches Hin- und Herspringen. Das grüne Feuer zuckte ein zweites Mal auf, verfehlte aber sein Ziel. Silvy! befahl Kara. Schnappt sie euch! Gleichzeitig rannte sie los und schrie aus Leibeskräften Markors Namen. Über dem immer schriller werdenden Heulen der Libellen konnte er ihre Stimme unmöglich vernehmen. Aber wie am Drachenfels hörte er sie dennoch und reagierte. Als Kara den Landeplatz erreichte, prallte er mit einer Erschütterung, die die ganze Stadt erheben ließ, auf den Boden. Kara kletterte auf seinen Rücken, und der Drache wartete nicht ab, bis sie sich richtig gesetzt hatte, sondern schwang sich sofort wieder in die Luft. Kara klammerte sich hastig am Sattel fest und hielt nach den Libellen Ausschau. Plötzlich sahen sie sich vier bizarr geformten Schatten gegenüber. Wieder schnitt das grüne Licht durch die Luft. Diesmal traf der Strahl Markors Flügel und durchbohrte ihn, richtete aber nicht mehr Schaden an als ein faustgroßes, rauchendes Loch, das der Drache wahrscheinlich nicht einmal spürte. Dafür warf sich Markor mit einem zornigen Knurren herum, schwang sich mit einer einzigen kraftvollen Bewegung auf die gleiche Höhe wie die Libelle hinauf und schlug mit den Flügeln zu.

Kara sah ganz genau, was geschah.

Markors Schwinge war dreimal so groß wie sein Gegner, und er hätte die Libelle zerschmettern müssen wie eine Fliegenklatsche ihr Opfer. Aber obwohl die Libelle nicht mehr die geringste Chance hatte, dem Schlag auszuweichen, traf sie die Schwinge nicht. Etwas Unsichtbares schien plötzlich zwischen ihr und der Drachenschwinge zu sein. Die Libelle taumelte, wurde zur Seite gedrückt und begann zu trudeln, fing ihren Sturz aber im letzten Moment wieder ab.

Karas Verblüffung hätte sie fast das Leben gekostet.

Eine zweite Libelle jagte kreischend heran, und plötzlich hatte sie Augen: ein Paar großer, grausam hell leuchtender Scheinwerfer, die sich auf Kara richteten und sie blendeten. Grünes Feuer schnitt eine Narbe in die Nacht und hinterließ eine rauchende Spur in den Panzerplatten auf Markors Hals; eine Handbreit von Karas linken Bein entfernt.

Der Drache brüllte vor Schmerz und begann zu taumeln.

Kara duckte sich tief über seinen Hals, während die Libelle heulend über sie hinwegschoß. Der Doppelstrahl ihrer Scheinwerfer erfaßte für eine Sekunde eine zweite Libelle, und zum ersten Mal sah Kara die unglaublichen Gebilde, so wie sie wirklich aussahen.

Es waren keine Tiere.

Es waren Maschinen.

Ihr Körper bestand im Grunde nur aus einer vielfach durchbrochenen Gitterkonstruktion. Der aufgedunsene Kopf war nichts als eine Kugel aus Glas, in der zwei sitzende Gestalten zu sehen waren. Über dieser Kugel drehte sich ein flimmernder Kreis, dessen Luftwirbel die bizarre Konstruktion in der Luft hielt.

Kara sah einen weiteren Strahl giftgrünen Lichts auflodern, und diesmal traf der Blitz mit tödlicher Präzision den Schädel eines der Drachen. Das Tier brüllte vor Schmerz, kippte plötzlich zur Seite und begann mit hilflos schlagenden Flügeln abzustürzen. Einen Augenblick später schlug es mit unvorstellbarer Wucht in der Stadt auf und durchbrach deren Boden. Zusammen mit einem halben Dutzend zerschmetterter Häuser verschwand es in der Tiefe.

Silvy! rief Kara verzweifelt. Wo bleibt ihr?

Wie zur Antwort erscholl über ihr ein wütendes Brüllen, und als sie den Kopf hob, sah sie die Umrisse von fast zwei Dutzend Drachen über der Stadt auftauchen. Die Tiere stürzten sich in den Kampf.

Und trotzdem war es nicht sicher, daß sie ihn gewinnen würden.

Der Himmel über der Stadt war so voller Drachen, daß sich die riesigen Tiere gegenseitig behinderten und mehr als einmal miteinander kollidierten. Trotz ihrer Überzahl gelang es ihnen einfach nicht, ihre Gegner zu fassen. Es war, als würden die Maschinen von einem unsichtbaren Zauber beschützt.

Dafür wütete das grüne Feuer um so furchtbarer unter den Tieren. Die Angreifer mußten kaum mehr zielen, um zu treffen, und immer mehr Drachen schrien gepeinigt auf, wenn in ihren Panzern rauchende Löcher entstanden. Schließlich sah Kara, wie das grüne Licht einen der Drachenreiter durchbohrte und ihn in eine lebende Fackel verwandelte, die brennend in die Tiefe stürzte.

Zurück! befahl Kara entsetzt. Zieht euch zurück. Wir müssen anders vorgehen!

Kara mußte ihren Befehl noch zweimal wiederholen, bis auch der letzte Reiter sein Tier zurückriß und wieder an Höhe gewann. Sie sah über die Schulter zurück und war nicht sonderlich überrascht, zu sehen, daß die Libellen die flüchtenden Drachen verfolgten. Vermutlich hätte sie nicht anders gehandelt, hätte sie sich unverwundbar gefühlt. Nun, dachte sie grimmig, sie würden sehen, was es mit ihrer Unverwundbarkeit auf sich hatte!

Verteilt euch! befahl sie. Versucht, sie in verschiedene Richtungen zu locken!

Die Drachen strebten in verschiedene Richtungen auseinander, wobei sie immer schneller wurden. Auch die Libellen erhöhten ihre Geschwindigkeit, aber zumindest in diesem Punkt waren ihnen die Tiere überlegen: Es bereitete ihnen keinerlei Mühe, ihren Vorsprung zu halten.

Kara versuchte, die Distanz zu schätzen, die mittlerweile zwischen den Libellen lag. Die Maschinen waren schnell, aber auch sie brauchten Zeit, um sich zu bewegen. Wenn ihr Plan funktionierte, dann würden sie diese Zeit nicht mehr haben. Jetzt! befahl Kara. Schnappt sie euch! Gleichzeitig riß sie Markor herum und steuerte direkt auf die Libelle zu. Der Pilot der Maschine registrierte diesen Angriff, aber er ignorierte ihn im Vertrauen auf seine Unverwundbarkeit.

Feuer!

Die Nacht über dem Wald wich grellem, flackerndem, rotem Licht, als fast zwei Dutzend grelle Flammenstrahlen auf die Libellen herabregneten. Einige verpufften harmlos im Himmel, andere fuhren in das dichte Geäst unter ihnen und setzten es in Brand, und Kara beobachtete voller Entsetzen, wie die Libellenmaschine vor ihr unter dem Einschlag von drei Feuerstrahlen taumelte – und sie überstand! Das Feuer traf ihren Rumpf so wenig wie es die Klauen der Drachen getan hatten, sondern prallte dicht vor ihm gegen ein unsichtbares Hindernis, an dem es abperlte wie ein Wasserstrahl an einer Wand aus Glas! Auch die zweite und dritte Maschine torkelten, eingehüllt in einen Mantel aus Flammen, der ihnen nichts anhaben konnte, lediglich zur Seite.

Die vierte Libelle hatte weniger Glück. Die Feuerstrahlen von sechs Drachen vereinigten sich über ihrer Kanzel zu einem einzigen, grellweißen Ball aus Glut – und die unsichtbare Wand brach! In einer Explosion, die an das Auflodern einer neuen Sonne über dem Wald erinnerte, explodierte die Maschine. Brennende Trümmerstücke stürzten in den Wald hinab und entfachten zahllose kleine Brände.

Kara blinzelte, fuhr sich mit dem Handrücken über die Augen und hielt nach den verbliebenen drei Libellen Ausschau. Vor ihren Augen tanzten bunte Kreise und Ringe. Für Sekunden war sie fast blind. Wahrscheinlich wäre sie in diesem Augenblick eine leichte Beute für die Libellen gewesen. Aber die bizarren Maschinentiere kreisten ziellos auf der Stelle. Vielleicht, dachte Kara, war es das erste Mal, daß sie mitansehen mußten, wie einer von ihnen zerstört wurde. Möglicherweise war der Tod für jemanden, der sich unverwundbar wähnte, eine ganz neue Erfahrung...

Sie begriff die Chance, die sich ihnen bot. Greift noch einmal an! signalisierte sie. Konzentriert euch auf den im Norden. Alle! Ignoriert die anderen!

In die Formation der Drachen kam Bewegung, die nur auf den ersten Blick ziellos wirkte. Und als der Pilot der Libellenmaschine begriff, daß man ihn ins Visier genommen hatte, war es zu spät. Zwei Dutzend Drachen überschütteten die Maschine mit einem Höllenfeuer, dem selbst ihr unheimlicher Schutz nicht gewachsen war. Die Explosion war so gewaltig, daß die Maschine regelrecht verdampfte.