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Als Kara nach den beiden anderen Libellen Ausschau hielt, sah sie, wie die Maschinen mit heulenden Motoren in den Himmel hinaufjagten und sich zur Flucht wandten. Einige der Drachenreiter setzten sofort zur Verfolgung an, aber Kara rief sie zurück.

Laßt sie! befahl sie. Wir fliegen zur Stadt zurück. Kein Aber! Sie haben genug. Und wir haben genügend Verluste hinnehmen müssen. Sie verspürte selbst einen heftigen Widerwillen bei dem Gedanken, die Maschinen nicht zu verfolgen, doch der Kampf war für die Drachen zu hart gewesen. Sie hatten es mit Mühe und Not geschafft, zwei von vier Gegnern zu vernichten! Das war... unvorstellbar!

Zutiefst verunsichert und von Furcht erfüllt, lenkte sie Markor zur Stadt zurück und ging auf dem großen Platz in ihrer Mitte nieder. Mit müden Bewegungen kletterte Kara von seinem Rücken hinunter und näherte sich dem Haus, in dem Aires mit Tess und den Kindern auf sie wartete. Die Magierin war noch da. Tess nicht. Sie hatte Karas Befehl mißachtet und war auf ihren Drachen gestiegen, um an dem Kampf teilzunehmen. Aires kam ihr entgegen, als sie sich dem Haus bis auf fünf Schritte genähert hatte. Die Magierin war bleich, und ihre Hände zitterten. Offensichtlich hatte sie den ungleichen Kampf vom Boden aus verfolgt.

»Was war das, Aires?« fragte Kara müde.

Aires deutete ein Schulterzucken an. »Ich habe keine Ahnung«, gestand sie. »Ich habe solche Maschinen noch nie gesehen. Ihr habt eine vernichtet?«

»Zwei«, antwortete Kara. »Die beiden anderen sind entkommen. Ich habe befohlen, sie nicht zu verfolgen. Großer Gott, Aires, diese... Dinger widerstehen sogar dem Feuer der Drachen!«

»Ich habe es gesehen«, sagte Aires. »Es war sehr klug von dir, sie nicht verfolgen zu lassen.«

»Klug?« Kara lachte hart. »Klug? Ich bin mir nicht sicher, Aires. Vielleicht hatte ich einfach nur Angst.«

»Ist es etwa nicht klug, auf die Stimme seiner Angst zu hören?« fragte Aires.

Ihre Worte versetzten Kara in Zorn. »Hör mit deinen Sprüchen auf!« sagte sie hart. »Wir sind hier nicht in der Schule. Sie haben uns den Hintern versohlt, und zwar gründlich, ist dir das klar? Zehn von ihnen statt vier – und wir wären jetzt tot. Wir haben nichts, womit wir sie aufhalten können, Aires, absolut nichts! Hundert oder auch nur fünfzig von ihnen, und...«

»Hör auf!« sagte Aires. Sie lächelte, um ihren Worten ein wenig von ihrer Schärfe zu nehmen, und fuhr ruhiger fort:

»Wenn sie hundert von diesen Maschinen hätten, dann hätten sie uns längst angegriffen, glaubst du nicht auch?«

»Ich weiß nicht, was ich glaube«, sagte Kara matt. Plötzlich mußte sie mit den Tränen kämpfen. »Wir haben sie vertrieben, Aires, aber gewonnen haben sie.«

»Ich weiß«, antwortete Aires leise. »Es tut weh, eine Schlacht zu verlieren. Aber noch ist nichts entschieden. Wir wissen ja nicht einmal, wer sie sind.«

Hastige Schritte erklangen hinter ihnen, und als Kara sich herumdrehte, erkannte sie Tess, die mit hochrotem Kopf auf sie zulief. Wenige Schritte hinter ihr stürmten Maran, Zen und noch ein halbes Dutzend der anderen heran.

»Was soll das heißen, wir dürfen sie nicht verfolgen«, begann Tess übergangslos und in einem Ton, der für sich genommen schon eine Beleidigung darstellte. »Wieso läßt du sie entkommen? Wir hätten sie alle vernichten können!«

Kara antwortete in sehr ruhigem, nicht belehrenden Ton. »Weil wir es eben nicht gekonnt hätten«, sage sie. »Sieh dich doch um. Wir haben einen Drachen und einen Krieger verloren. Die meisten anderen Tiere sind verletzt! Ein paar sind so erschöpft, daß sie kaum noch fliegen können. Wie viele Leben ist dir die Vernichtung dieser zwei Maschinen wert?«

Tess wischte ihre Worte mit einer zornigen Handbewegung beiseite. »Was soll das?« schnappte sie. »Sind wir Krieger oder nicht? Seit wann verweigern wir einen Kampf, wenn dabei die Gefahr besteht, daß wir zu Schaden kommen?«

»Dann, wenn es sinnlos ist«, antwortete Aires an Karas Stelle. »Und jetzt sei still und kümmere dich um dein Tier. Ich glaube, es ist verletzt.«

Tess schürzte trotzig die Lippen. Einen Moment lang war Kara fest davon überzeugt, daß sie sich selbst der Magierin widersetzen würde. Aber dann wandte sie sich mit einem Ruck um und rannte zornig davon. Maran und die anderen folgten ihr.

Kara sah ihnen kopfschüttelnd nach. »Danke«, sagte sie, an Aires gewandt. »Ich weiß nicht, ob ich jetzt auch noch den Nerv gehabt hätte, mich mit ihr zu streiten.«

»Kinder!« grollte Aires. »Ich habe Angella immer gesagt, daß es nicht reicht, sie in eine Uniform zu stecken und ihnen ein Schwert zu geben, um Krieger aus ihnen zu machen.«

Kara sah wenig Sinn darin, das Gespräch fortzusetzen; sie ging ohne ein weiteres Wort an Aires vorbei und betrat das Haus, in dem die Kinder warteten. Ein einziger Blick in die Gesichter der Jungen und Mädchen sagte ihr, daß auch sie den Kampf beobachtet hatten.

»Ihr habt sie verjagt.« Es war der Junge, den sie versehentlich niedergeschlagen hatte. Sein Gesicht war angeschwollen, und als Kara auf ihn zutrat und die Hand ausstreckte, zuckte er unwillkürlich zurück. Sie konnte es ihm nicht verübeln. »Ja«, sagte sie.

»Aber sie werden wiederkommen.«

»Vielleicht«, gestand Kara. »Aber ihr brauchte keine Angst zu haben. Selbst wenn sie zurückkommen, werden wir und ihr nicht mehr hier sein. Wir bringen euch weg, sobald sich unsere Drachen ein wenig erholt haben.«

Sie hörte, wie Aires hinter ihr das Haus betrat, dann sagte die Magierin: »Wir sollten so schnell wie möglich von hier verschwinden.«

»Und warum?«

»Sie waren gestern abend hier, kurz vor Sonnenuntergang«, sagte Aires, ohne ihre Frage direkt zu beantworten. »Ich kann mir vorstellen, daß sie die ganze Zeit über irgendwo ihre Kreise über den Wald gezogen haben.«

»Du meinst, es gibt irgendwo eine Basis.«

Aires nickte. »Wahrscheinlich nicht einmal sehr weit entfernt. Wenn wir Pech haben, sind sie in einer Stunde wieder hier.«

»Die Drachen sind erschöpft«, sagte Kara. »Sie schaffen den Weg zurück zum Hort nicht, wenn wir ihnen keine Pause gönnen.«

»Es reicht, wenn wir uns hundert Meilen weit zurückziehen. Oder auch nur fünfzig. Ich bin sicher, wir finden einen Platz, an dem wir in Ruhe das Ende der Nacht abwarten können.«

Kara deutete ein Achselzucken an. »Meinetwegen.«

Das war nicht das, was Aires hatte hören wollen. Trotzdem sah sie Kara nur einen Moment lang vorwurfsvoll an, ehe sie sich zu einem Lächeln zwang und sich wieder an die Kinder wandte. »Wie ist es?« fragte sie. »Hättet ihr Lust, auf einem richtigen Drachen zu reiten?«

Kara hörte nicht weiter zu, sondern ging zur Tür zurück, ließ sich müde gegen den Rahmen sinken und blickte in die Nacht hinaus. Dann riß sie plötzlich ungläubig die Augen auf und blickte die vier Drachen an, die sich rasch aus der Mitte der Stadt erhoben und sich nach Norden wandten.

»Was...« Wer ist das? Antwortet. Kommt sofort zurück! Das ist ein Befehl!

Aires war mit einem Sprung neben ihr an der Tür. Auch auf ihrem Gesicht erschien ein ungläubiger Ausdruck, aber er schlug unvermittelt in Zorn um. »Tess!« murmelte sie. »Ich wette, das sind Tess, Silvy und diese beiden anderen Narren!«

Kommt auf der Stelle zurück! Oder ich sorge dafür, daß ihr nie wieder auf einem Drachen reitet!

»Spar dir die Mühe«, sagte Kara laut. »Ich glaube, es ist ihnen ohnehin gleich. Kümmere dich darum, daß die Kinder in Sicherheit gebracht werden!«

Aires’ Antwort darauf hörte sie nicht mehr, denn noch ehe die Magierin überhaupt begriff, was Karas Worte zu bedeuten hatten, war sie schon auf halbem Weg zur Mitte der Stadt. Und einen Augenblick später saß sie auf Markors Rücken und jagte hinter den vier anderen Drachen her nach Norden.