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Aires zuckte mit den Schultern und ließ sich auf einen Stuhl sinken. Sie wirkte erschöpft. »Er wird es überstehen. In zwei oder drei Tagen kann er vielleicht schon wieder laufen. Die Wunde war sehr tief – aber keine Angst: Es sind keine edlen Körperteile verletzt.«

Kara beschloß, den letzten Satz zu überhören. »Kann ich zu ihm?«

»Er schläft«, sagte Aires mit einem Kopfschütteln. »Ich habe ihm etwas gegeben, damit er die Schmerzen nicht mehr spürt.«

Stirnrunzelnd sah sie Kara an. »Was war mit dem Hund los?«

»Ich habe keine Ahnung«, gestand Kara. »Ich habe so etwas noch nie erlebt. Und Cord auch nicht.«

»Ehr mheihnt, dher Huhnd hätthe ehthwhasss Frhemdhesss ghewittherth, dhasss ihn rahsendh gehmachth haht«, sagte Hrhon.

»Nun ja – er ist fremd, nicht wahr?« Aires seufzte wie nach einer furchtbar großen Anstrengung. »Das Tier ist unverletzt.«

»Ich weiß nicht, ob sich Hunde über Kopfschmerzen beklagen«, sagte Kara mit einem Seitenblick auf Hrhon. »Wenn ja, wäre ich an Hrhons Stelle nicht mehr hier, wenn der Hund zurückkommt. In vier oder fünf Stunden dürfte er in der Stadt sein. Keine Sorge – wenn Elder dort unten gewesen ist, dann findet er seine Spur.«

Aires fuhr erschrocken zusammen und warf einen Blick auf die geschlossene Tür, hinter der Elder schlief, fast als hätte sie Angst, daß er Karas Worte im Schlaf hören konnte. »Hoffen wir, daß nicht alles umsonst war.«

»Wir sollten hoffen, daß es das war«, sagte eine Stimme vom anderen Ende des Raumes her. Kara drehte den Kopf und bemerkte, daß Donay auf einem Stuhl neben der Tür saß. »Du hast zwar recht«, sagte sie, »aber manchmal geht einem das ganz schön auf die Nerven, weißt du das?« Sie wandte sich an Aires. »Du solltest lieber ihm ein Schlafmittel verpassen. Er sieht aus, als würde er jeden Moment aus den Latschen kippen.«

Aires lächelte müde, und Donay sagte: »Aber dann würdest du nicht erfahren, welche Neuigkeiten ich über deinen Freund dort drinnen habe, Kara.«

Sein Ton ließ Kara aufhorchen. »Neuigkeiten?«

Donay nickte heftig. »Ich will dir ja nicht zu nahe treten, Kara – aber ich habe deinen Freund bei mindestens einer Lüge er tappt.«

»So?« fragte Kara lauernd. »Und welche wäre das?«

»Es geht um diese Pumpstation«, antwortete Donay. »Was er dir darüber erzählt hat, ist völliger Unsinn.«

»Ich war selbst da«, antwortete Kara.

»Kein Mensch bezweifelt, daß es sie gibt und daß sie Wasser in den Schlund pumpt. Aber weißt du, ich kann ganz gut rechnen. Wenn der Schlund auch nur annähernd so groß ist, wie wir annehmen, dann müßten diese Pumpen ungefähr zwanzigtausend Jahre lang arbeiten, um ihn aufzufüllen. Ganz davon abgesehen, daß die Sonne das Wasser schneller verdunsten lassen würde, als sie es hochpumpen könnten. Es ist eine ganz einfache Gleichung – die Wasseroberfläche im Verhält...«

»Ich war da«, unterbrach ihn Kara. »Ich habe das Meer gesehen, Donay. Es existiert.«

»Sicher«, sagte Donay. »Aber ganz bestimmt nicht, weil es diese Pumpen gibt.«

»Was beweist das!« fragte Kara aggressiver, als sie eigentlich wollte. »Vielleicht hat er sich getäuscht. Er weiß möglicherweise auch nicht alles.«

»Oder zieht es vor, nicht alles zu erzählen, was er weiß«, sagte Donay. »Wie wäre es damit: Es gibt nicht nur diese eine Pumpstation. Hundert solcher Anlagen könnten es in hundertfünfzig oder zweihundert Jahren schaffen.«

»Aber warum sollte er uns das verschweigen?« fragte Kara. Sie fühlte sich hilflos.

»Vielleicht, damit wir uns auf diese eine Sache konzentrieren und erst gar nicht auf die Idee kommen, nach den anderen zu suchen«, sagte Aires.

Kara wollte widersprechen – aber dann gestand sie sich ein, wie zwecklos das wäre. Ob Donays Rechnung nun richtig war oder einen Fehler enthielt – in einem hatte er recht: Die Idee, die ausgetrockneten Meeresbecken einer ganzen Welt mit nur einer Pumpe wieder aufzufüllen, war lächerlich.

»Also?« fragte sie. »Was schlagt ihr vor?«

»Ich schlage überhaupt nichts vor«, sagte Aires. »Du hast hier das Sagen.«

Kara fühlte sich viel zu müde, um in der angemessenen Schärfe zu antworten. Sie sah Aires nur so lange vorwurfsvoll an, bis die Magierin betreten den Blick senkte; es passierte zum ersten Mal, daß sie ein Blickduell verlor. »Dann warten wir ab, was Cord herausfindet«, sagte sie. »Im Moment kann Elder uns sowieso nicht davonlaufen und also auch keinen Schaden anrichten.«

»Wir könnten versuchen, ihm etwas zu geben, was ihn zwingt, die Wahrheit zu sagen«, schlug Donay vor. An Aires gewandt fügte er hinzu: »Du könntest es ihm unter die Medizin mischen, die er sowieso nehmen muß.«

»Hast du eine solche Droge?« fragte Kara.

Aires nickte. »Ja. Aber das ist nicht so einfach. Wenn man einen starken Willen hat, kann man sich durchaus dagegen wehren, so daß wir immer noch nicht sicher sein können, ob er wirklich die Wahrheit sagt. Und wenn ich die Dosis zu hoch ansetze...« Sie zuckte mit den Schultern. »Er ist kein Mensch. Er sieht aus wie einer, aber ich weiß nicht, wie sein Körper auf Drogen reagiert. Es könnte ihn umbringen. Oder ihn in einen stammelnden Idioten verwandeln. Oder gar keine Wirkung haben.«

Sie zögerte noch einmal. »Und selbst wenn die Droge wirkt – er wüßte hinterher, was mit ihm geschehen ist. Und wenn er uns nicht belogen hat und wirklich auf unserer Seite steht, dann haben wir sein Vertrauen damit endgültig verspielt.«

»Habt ihr das mit dem, was ihr gerade getan habt, nicht sowieso?«

»Niemand in Schelfheim weiß, daß es die Suchhunde gibt«, antwortete Aires. »Er hat dort gelebt, nicht hier. Auch der Drachenhort hat so seine Geheimnisse.«

Donay lächelte flüchtig und wurde sofort wieder ernst. »Also wollte ihr abwarten und gar nichts tun.«

»Ich fürchte, allzulange werden wir keine Gelegenheit dazu haben«, sagte Kara. »Was immer die Libellen in Schelfheim gewollt haben – sie haben es nicht gefunden. Sie werden wiederkommen oder sich etwas anderes einfallen lassen.«

Donay erbleichte. »Du meinst, ein neuer Angriff?«

Kara dachte einen Moment ernsthaft über diese Möglichkeit nach und schüttelte dann den Kopf. »Nein. Das glaube ich nicht. Ich habe immerhin zehn Drachen in der Stadt gelassen.«

»Zehn deiner Drachen gegen fünfzig oder hundert von ihnen?« sagte Donay zweifelnd.

Kara zuckte mit den Schultern. »Sie werden es nicht wagen«, sagte sie überzeugt. »Frag mich nicht, warum es so ist, Donay. Ich habe mehrmals selbst gegen sie gekämpft – sie kämpfen, als hätten sie keine Angst vor dem Tod. Aber sobald sie auch nur einen Drachen sehen, ergreifen sie die Flucht.«

»Das ist richtig«, bestätigte Aires. »In jener Nacht im Schlund gaben sie sofort auf, als es Karas Leuten gelang, den ersten zu zerstören. Die beiden, die entkommen sind, hätten Tess und die drei anderen töten können.« Sie sah Kara an und erntete ein ernstes Kopfnicken. »Aber sie haben nicht einmal versucht, sich zum Kampf zu stellen.«

»Aus irgendeinem Grund fürchten sie die Drachen mehr als den Tod«, sagte Kara.

Donay machte plötzlich ein sehr nachdenkliches Gesicht. »Interessant«, sagte er. »Nur die Drachen?«

»Es scheint so«, bestätigte Kara. »Der Mann, mit dem ich in Schelfheim kämpfte, zog es vor zu sterben, statt sich zu ergeben. Sie haben keine Angst vor dem Tod.«

»Das ist wirklich interessant«, sagte Donay. »Zumal du selbst mir erzählt hast, daß sie gewissermaßen ewig leben.«