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Hero und Richard hängten sich ein und tanzten wie Verrückte im Kreis herum. Die Isländer sahen lächelnd zu, die meisten fröhlich, einige mit Rührung. Viele von ihnen hatten an dieser Stelle schon auf die Rückkehr ihrer Lieben gewartet, und manche waren danach alleine nach Hause gegangen.

Stille senkte sich herab, als die Shearwater auf ihren Liegeplatz zuglitt. Raul stand im Bug und warf Garrick ein Tau zu. Dann sprang er an Land und taumelte einen Moment lang, als hätte er damit gerechnet, dass sich die Erde gleich in die eine oder andere Richtung heben oder senken würde. Er sah sehr struppig aus und blinzelte sie mit geschwollenen Augenlidern an.

«Will uns keiner von euch begrüßen? Ihr glaubt wohl, wir wären Gespenster.»

Vallon trat vor. «Wir sind nicht sicher, ob ihr wirklich von dieser Welt seid. Ich dachte, ihr wärt tot. Was zum Teufel hat euch so lange aufgehalten?»

«Ha! Das ist eine Geschichte! Aber bis wir Gelegenheit haben, sie zu erzählen, müsst ihr nur wissen, dass uns ein Sturm nach Grönland zurückgeblasen hat. Zweimal!»

«Und das Schiff? Ist es in Ordnung?»

«Braucht ein bisschen Pflege. Nichts Ernstes. Dasselbe gilt für die Besatzung.»

«Wir werden euch verhätscheln wie Säuglinge.»

Der Hund sprang mit einem Satz vom Schiff und kugelte sich auf dem Boden. Wayland hob Syth von Bord und stieg nach ihr an Land. Sie wirkten verändert. Hero wurde bei ihren Anblick fast verlegen.

Vallon umarmte sie. «Also gibt es tatsächlich Falken, die so groß wie Adler sind. Wie viele hast du gefangen?»

«Ich habe acht mitgebracht. Ich hätte auch noch mehr holen können.»

«Das ist aber nicht alles, was wir mitbringen», sagte Raul. «Wir haben Robben- und Walrossfelle, Elfenbein und Ambra. Und etwas, das ihr noch nie im Leben gesehen habt.»

Zuletzt stiegen die beiden Mönche vom Schiff, immer noch schwer von ihrem Martyrium gezeichnet. «Allein unsere Gebete haben uns sicher zurückgebracht», verkündete Saxo. «Wir haben seit unserer Abfahrt aus Grönland ohne Unterlass gebetet.»

«Dafür sind wir Euch unendlich dankbar», sagte Vallon. «Ihr müsst einen Dankesgottesdienst abhalten. Und dann …» Er drehte sich zu den Isländern um. «Dann feiern wir die Rückkehr der Reisenden mit einem großen Fest. Alle sind willkommen. Garrick, sorg dafür, dass die Leute es erfahren.»

Hero grinste in die Menge. Doch dann gefror sein Lächeln. Hinter den Schaulustigen saßen Drogo und Helgi mit steinernen Mienen nebeneinander in den Sätteln.

Hero nahm Vallon am Arm. «Ist das klug? Nach allem, was ich gehört habe, werden auf Island mehr Leute bei Festen getötet als im Krieg.»

Vallon bedachte seine Gegner mit einem schmalen Lächeln. «Du solltest den Bischof einladen.»

Raul fiel auf sein Lager und schnarchte, bis die Sonne einmal um die Erde gewandert war. Wayland dagegen stand alle vier Stunden auf, um die jungen Falken zu füttern. Hero schaute ihm dabei zu. Wayland hielt mit Ausnahme des ausgewachsenen weißen Vogels alle in abgedunkelten Weidenkäfigen. Der Altvogel saß auf einer Stange bei Waylands Bett und zeigte keinerlei Furcht vor Mensch und Tier. Als der Hund einmal zu nahe an ihm vorbeikam, zog er ihm die Krallen durchs Fell, dass der Hund wegflitzte wie ein Welpe, der sich verbrannt hat.

Vallon und Garrick waren zur Bewachung der Shearwater im Hafen geblieben. Sie heuerten einen Trupp Schiffsbauer an, um die beschädigten Planken für die nächste Überfahrt zu flicken. Ein Hochdruckgebiet war herangezogen und sorgte für klaren blauen Himmel. Das Fest zur Wiederkehr der Shearwater wurde auf einem Feld in der Nähe des Hafens abgehalten. Hero und Richard mussten die Proviantbestände überprüfen, denn bald wurde klar, dass in einem Umkreis von zwei Tagesritten alle zu der Feier kommen würden. Der Bischof nahm die Einladung an und bat darum, dass die beiden deutschen Mönche auf der Shearwater mit nach Norwegen fahren konnten. Die ersten Gäste kamen nachmittags, und die letzten fanden sich nach Sonnenuntergang ein. Viele waren mit Zelten ausgerüstet, und glücklicherweise steuerte so mancher etwas Essbares bei. Einige hatten sogar Holz für die Kochfeuer mitgebracht.

Ein Dutzend Schafe wurde geschlachtet, und es meldeten sich genügend Helfer, um die Spieße über einer enormen Feuerstelle zu drehen. Ein weiterer großer Holzstapel war aufgeschichtet worden, um für Licht und Behaglichkeit zu sorgen. In der blutroten Abenddämmerung bat der Bischof die Gäste um Stille und hielt eine kurze Predigt, gefolgt von Gebeten für die Reisenden, die sich bald den Unbilden des Meeres ausliefern würden. Seine Worte hallten über die gebeugten Köpfe der Versammelten. Als er das Kreuz schlug und sich setzte, zündete Raul an der Kochstelle eine Fackel an und setzte das Freudenfeuer in Brand. Jubelrufe ertönten, und das Fest begann.

Platten mit Hammelfleisch wurden vor dem Bischof und den anderen Ehrengästen aufgetragen. Dieser geordneten Verteilung folgte der Aufruf, sich selbst zu bedienen. Jeder konnte sich abschneiden, so viel er wollte. Leute, die Hero noch nie gesehen hatte, drückten ihm gefüllte Trinkbecher in die Hand. Bald waren die ersten Gäste angetrunken. Am Rand des Festes kam es zu einer Schlägerei. Hero sah besorgt zum Bischof hinüber, doch Seine Hochwürden tat, als würde er nichts bemerken, und bat um eine zweite Portion.

Funken stoben aus dem Freudenfeuer empor. Hero sah hinauf in den Himmel, wo die Funken verglühten, und ein Glücksgefühl stieg in ihm auf. Er sah sich nach jemandem um, mit dem er seine Freude teilen konnte.

Syth ließ den Stoßzahn eines Narwals herumgehen. «Das hilft gegen Gifte und Wahnanfälle und Pest und ach, gegen jede bekannte Krankheit.»

Wayland stellte eine selbsterfundene Rätselfrage:

«Ich bin durch die Lüfte geflogen und übers Meer gesegelt,

Ich habe meinen Meister warm und trocken gehalten.

Eines Tages hat er mich verlassen, ist im Mondlicht nordwärts gezogen.

Ein Mann hat mich aufgehoben, ein Messer genommen, und mich beinahe nackt geschält.

Und mich in einen schwarzen Teich getaucht,

Erst als er mich tropfend wieder herausholte, konnte ich meine Geschichte erzählen.»

«Ich hoffe, das ist nichts Unanständiges», sagte der Bischof.

Wayland schüttelte lächelnd den Kopf.

Richard starrte angestrengt nachdenkend vor sich hin. «Ich weiß die Antwort. Sag nichts.» Dann klatschte er in die Hände. «Ein Gänsekiel!»

Hero sah Raul beim Tanz mit einer vollbusigen Witwe zu, die von ihm mit der unbeholfenen Förmlichkeit eines gezähmten Bären herumgeschoben wurde. Hinter ihnen tauchte ein Reitertrupp aus der Dunkelheit auf. Es waren sechs Reiter, und ihre Gesichter wurden von den Flammen blutrot gefärbt, als sie Steigbügel an Steigbügel auf der anderen Seite des Feuers anhielten.

Vallon war schon aufgestanden. «Sie werden in Anwesenheit des Bischofs keinen Unfrieden stiften.»

Vallon hatte Hero erzählt, wie geschwächt Drogo war, doch nun, mit geschnittenen Haaren und wieder wohlgenährt, sah er genauso aus, wie Hero ihn in Erinnerung hatte. Auf dem Pferd neben ihm saß ein gutaussehender junger Mann, der nur Helgi sein konnte. Vallon hatte Heros Fragen nach dem Grund ihres Streits abgetan, doch Garrick hatte ihm erzählt, dass es etwas mit Helgis Schwester zu tun haben müsse. Auch viele andere Gäste hatten die Ankunft der Reiter bemerkt und kamen heran, um festzustellen, was es damit auf sich hatte.

«Die Einladung besagte, dass keine Waffen mitgebracht werden dürfen», sagte Vallon. «Daher werde ich euch nicht bitten, uns Gesellschaft zu leisten.»

Die Männer blieben in den Sätteln. «Wir segeln morgen bei Tagesanbruch», entgegnete Drogo. «Vor der Überfahrt nach Norwegen holen wir meine Männer ab.»

«Sieht so aus, als wäre deine Reise ein Misserfolg geworden.»

«Diese Reise ist noch lange nicht zu Ende. Ich bekomme dich schon noch zu fassen.»