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Beide Schiffsbesatzungen machten sich daran, die Seetüchtigkeit ihrer Segler wiederherzustellen. Gelegentlich stellten die Männer mit einem Blick fest, welche Fortschritte die Gegner gemacht hatten. Garrick berichtete, dass sich eines der Pferde den Vorderlauf gebrochen hatte, und Vallon befahl ihm, das Tier zu töten. Die See hatte sich Vater Saxo geholt. Den traurigen Rufen zufolge, die von dem Beiboot des Langschiffs herüberhallten, hatten auch die Wikinger einige Männer verloren. Die Shearwater war kaum beschädigt. Als sie die Trimmung wiederhergestellt und die zerrissenen Wanten ersetzt hatten, schöpften die Wikinger immer noch ihr Schiff aus und versuchten, den Mast geradezurichten.

Dann blähte von Norden aufkommender Wind das Segel der Shearwater. Der Anführer der Wikinger sah auf. Raul klopfte auf seine Armbrust und sagte zu Vallon. «Eine bessere Gelegenheit kommt bestimmt nicht mehr.»

«Dann pass auf, dass du auch triffst.»

Der Bolzen schoss so schnell durch die Luft, dass Vallon ihn kaum erkennen konnte. Der Wikinger jedoch musste ihn gesehen haben, denn als der Bolzen einschlug, traf er nur den runden Schild. Der Anführer reckte seine Kampfaxt empor. Vallon drehte sich um. Die Riesenwoge war wieder mit dem Wasser verschmolzen. Er musterte das Ufer.

«Was ist mit Helgis Schiff passiert?»

«Es hat den Mast verloren», sagte Wayland.

Raul spuckte aus. «Stellen wir doch mal fest, was jetzt aus seinem Stolz geworden ist.»

Helgis Knarr lag tief im Wasser, das Ruder halb abgerissen, der Mast kurz über dem Deck abgeknickt und über Bord hängend. Eine Menschenkette schöpfte den Laderaum aus, und einige Männer hackten den Mast mit dem durchtränkten Segel ganz durch. Helgi stapfte an Deck herum und trieb die Leute zu größerem Einsatz an. Vallon sah Caitlin genauso schwer arbeiten wie alle anderen. Drogo stand mit gespreizten Beinen vor dem Maststumpf und hackte die Haltetaue der Rah durch.

Vallon rief ihm einen Gruß hinüber. «Wie schwer ist euer Schiff unter der Wasserlinie beschädigt?»

Drogo warf einen Seitenblick auf Helgi, bevor er antwortete. «Ein paar Planken sind gesplittert. Wir haben versucht, das Leck zu stopfen, aber es läuft immer noch Wasser ins Schiff. Sobald wir den Mast los sind, rudern wir ans Ufer.»

Vallon schätzte die Entfernung zum Land ab. Es waren ungefähr zwei Meilen. Nach einem Blick auf das Langschiff der Wikinger sagte er: «Dafür reicht euch die Zeit nicht. Wir nehmen euch ins Schlepptau.»

Drogo unterbreitete Helgi den Vorschlag. Der Isländer machte wütende Abwehrgesten. «Wir werden es ohne eure Unterstützung schaffen», rief Drogo.

«Dann lassen wir den Schwachkopf eben untergehen», sagte Raul.

Im Heck der Knarr standen die Älteren und die ganz Jungen zusammen. Auch das ältere Paar, das schon ein Schiff verloren gegeben hatte, war dabei. Eine junge Mutter mühte sich, ihren schreienden Säugling zu beruhigen. Auf dem Deck standen drei Pferde.

Vallon warf erneut einen Blick über die Schulter auf das Langschiff. «Die Wikinger hat es weniger schwer getroffen als euch. Sie haben mehr als zwanzig Ruderer, und ihr habt nur acht. Sie holen euch auf halber Strecke ein.»

Drogo sah kurz zu Helgi hinüber. «Es ist nicht meine Entscheidung.»

«Willst du einen Narren über dein Schicksal bestimmen lassen?»

«Er hat den Befehl an Bord.»

«Dann müssen sie eben mit den Folgen leben», sagte Raul.

«Nein. Wir drehen bei. Sie werden schon noch zur Vernunft kommen.» Vallon sah Rauls Gesichtsausdruck und winkte ab, bevor er seine Meinung auch noch in Worte fassen konnte.

Vallon ging mit langen Schritten an Deck auf und ab. Seine Blicke wanderten von dem Langschiff zur Knarr und wieder zurück. Die Sonne stand schon recht tief, als Wayland berichtete, dass sich das Wikingerschiff wieder in Bewegung gesetzt hatte.

«Es ist so weit», sagte Vallon. «Geh längsseits.»

Die Shearwater fuhr bis auf zwanzig Fuß an die Knarr heran. Ein mutiger Isländer war bis zu der halb unter Wasser liegenden Rah gekrochen und schnitt die übrigen Taue vom Segel.

«Das ist eure letzte Gelegenheit», rief Vallon. «Entweder ihr lasst euch ins Schlepptau nehmen, oder wir fahren ohne euch.»

Seine Worte verstanden die Isländer nicht, was er meinte, war jedoch offensichtlich. Sie ließen ihre Arbeit sinken und sahen sich erschrocken an. Helgi brüllte, sie sollten sich wieder ans Werk machen.

«Erklär du es ihnen», sagte Vallon zu Raul.

«Hauptmann, auf diesem Schiff sind mindestens fünf Männer, die Euren Tod wollen.»

Vallon packte den Deutschen am Kittel. «Ich will Drogo und Helgi genauso wenig retten wie du. Aber da sind noch zwei Dutzend unschuldige Seelen an Bord, die den Wikingern in die Hände fallen, wenn du es nicht schaffst, diese Hohlköpfe zur Vernunft zu bringen.»

Raul trat an die Reling und deutete auf das Langschiff. «Seht ihr das? Da kommt der Tod. Der Tod für alle, die zu alt oder zu schwach sind, um auf dem Sklavenmarkt Gewinn zu erzielen. Für die Übrigen von euch ist es das Ende von allem, was euch lieb und teuer ist. Die Frauen werden euch weggerissen, ihr verliert eure Kinder. Sie werden an den Meistbietenden verkauft. Dieser aufgeblasene Herr wird die Hochzeit seiner Schwester nicht erleben, aber er wird mit ansehen, wie sie ihre Jungfräulichkeit verliert und ein Dutzend Mal Gewalt erfährt.» Raul hielt inne. «Lasst euch ins Schlepptau nehmen oder fahrt zur Hölle.»

Rufe wurden laut, und die Leute scharten sich um Helgi. Es kam zum Streit. Ein Handgemenge folgte. Dann tauchte Drogo aus der Gruppe auf und breitete die Arme aus. «Wir nehmen euren Vorschlag an.»

Raul warf dem Schiffsmeister ein Tau zu. Der schlang es um den Vordersteven, und es spannte sich, als die Shearwater Fahrt aufnahm. Das Langschiff war etwas über eine Meile entfernt und hielt unter seinem zerrissenen Segel auf sie zu.

Raul schüttelte den Kopf. «Das funktioniert nicht. Wir schleppen zu viel Totlast mit.»

«Wir werden schon noch schneller», sagte Vallon.

«Aber nicht schnell genug. Hauptmann, dieses Mal müsst Ihr auf mich hören. Wir werden ihnen nicht entkommen. Ihr müsst sofort handeln.»

Vallon sah zu dem Langschiff. Auch mit einem halben Segel holte es auf. Die Knarr dagegen lief schneller mit Wasser voll, als es die Besatzung es hinausschöpfen konnte.

«Du hast es zu lange hinausgezögert!», rief Vallon. «Jetzt musst du das Schiff aufgeben.»

Helgi schüttelte die Faust. «Niemals!»

«Bleib und kämpf mit uns!», rief Drogo.

«Ihr habt eure Gelegenheit gehabt. Wenn ihr auf eurem Schiff bleibt, müsst ihr es mit den Wikingern allein aufnehmen.»

Darauf folgte Schweigen. Vallon nickte Raul zu. «Kapp das Tau.»

Raul hob sein Schwert. «Ich mache ernst, Hauptmann.»

«Hack es durch.»

Drogo schwenkte die Arme über dem Kopf. «Lasst mich mit Helgi reden.»

«Aber nur, wenn es schnell geht.»

Drogo rannte zu Helgi und riss ihn an den Schultern herum. Andere unterstützten ihn bei seinen Überredungsversuchen. Schließlich hastete er in den Bug zurück. «Ich habe ihn überzeugt.»

«Schick ein Boot mit euren kräftigsten Männern, dann ziehen wir die Schiffe dichter zusammen.» Vallon wandte sich an Rauclass="underline" «Erklär den Isländern, sie sollen nur das Lebenswichtigste mitnehmen – Nahrung, Kleidung, Decken, Waffen. Keine Handelswaren. Und sag ihnen, sie sollen das Ersatzsegel nicht den Wikingern überlassen.»

Sechs Isländer ruderten zur Shearwater. Mit ihrer Hilfe wurde die Knarr an die Backbordseite gezogen. Noch bevor die Schiffe vertäut waren, regnete es schon Gepäckstücke aufs Deck. Ein junger Isländer brachte sich mit einem Hechtsprung in Sicherheit. Raul verpasste ihm eine Backpfeife. «Die Alten und Schwachen zuerst, du selbstsüchtiger Scheißer.»