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«Kennst du das Geheimnis des Griechischen Feuers?»

Hero lächelte, als hätte er diese Frage schon erwartet. «Nur die byzantinischen Herrscher und einige wenige erfahrene Techniker kennen die Formel. Einige Inhaltsstoffe kann ich mir denken. Erdöl zum Beispiel. Pech. Schwefel. Aber was den Bestandteil angeht, der zur Spontanentzündung führt und dazu, dass es auf Wasser brennt … Hat diese Frage etwas mit dem Wikingerschiff zu tun?»

«Ja, hat sie. Ein Schiff ist nicht so leicht in Brand zu setzen, wie man glauben könnte. Ich brauche ein Mittel, das heftig brennt und schwer zu löschen ist.»

Hero blickte zu den Vorräten hinüber. «Wir haben reichlich Waltran und Schwefel, außerdem etwas Terpentin. Ich könnte ein bisschen damit herumprobieren.»

Vallon sah zu den Hügeln hinauf. «Aber achte darauf, dass niemand etwas mitbekommt. Der Feind beobachtet uns.»

Als er zurückging, um festzustellen, welche Fortschritte die Reparatur des Schiffes machte, begegnete Vallon Caitlin und ihren Mägden, die zwei mit Feuerholz beladene Pferde ins Lager führten. Er nickte ihr zu. Sie wandte sich ab, beeilte sich weiterzukommen, und warf nur noch einen kurzen Blick über die Schulter. Als sie sah, dass er ihr immer noch nachschaute, stampfte sie mit dem Fuß auf und hastete noch schneller weiter.

«Einen Augenblick, wenn es genehm ist.»

Sie blieb stehen.

Er schlenderte zu ihr. «Du wärst jetzt gefangen oder tot, wenn ich dich nicht gerettet hätte. Ein Wort des Dankes wäre nicht fehl am Platz.»

Langsam drehte sie sich um. «Ich verstehe deine Sprache nicht.»

«Du hast mich doch auch gut genug verstanden, um mich vor der feigen Heimtücke deines Bruders zu bewahren. Ich vermute, dafür schulde ich dir selbst noch einen Dank.»

Mit wütend funkelndem Blick gab Caitlin zurück: «Mein Bruder ist kein Feigling, und wenn ich ihm erzähle, dass du ihn so genannt hast, dann lässt er dich dein eigenes Blut trinken.»

«Erzähl ihm, was du willst, aber sei gewarnt. Wenn er ein falsches Spiel mit mir treibt, werde ich ihn wie einen tollwütigen Köter abstechen.» Er trat noch einen Schritt näher auf sie zu. «Ich habe hier den Befehl. Sein Leben, dein Leben, das Leben sämtlicher Isländer liegt in meiner Hand und hängt von meinem guten Willen ab.» Noch ein Schritt. «Hast du das verstanden?»

Caitlins Blick zuckte hilfesuchend in alle Richtungen.

«Ich will eine Antwort hören.»

«Es ist nicht leicht, Helgis Temperament im Zaum zu halten.»

«Dann sorg dafür, dass er erst gar keinen Temperamentsausbruch bekommt.»

Caitlin starrte ihn an. Ihr stieg das Blut in die Wangen. «Du bist ein schlechter Mann.»

«Ach?»

«Du hast deine Frau getötet.»

«Ja, das habe ich.»

Sie sah ihn unverwandt an, Angst und Abscheu und noch etwas anderes im Blick. Ihr Mund öffnete sich zum Sprechen, doch dann überlegte sie es sich anders. Nachdem sie sich schnell umgesehen hatte, weil sie vielleicht befürchtete, dass Helgi sie beobachtete, sagte sie kalt:

«Sprich mich nicht noch einmal an.»

Als er beobachtete, wie sie zwischen die Bäume hastete, fühlte sich Vallon von der Begegnung seltsam aufgemuntert.

Es regnete den ganzen Tag. Die Shearwater lag auf dem morastigen Ufer, und Vallon rechnete jeden Moment damit, von Garrick die Nachricht zu erhalten, dass die Wikinger auf dem Vormarsch seien oder mit etwas Überraschendem aufwarteten. Es gab so viele Unwägbarkeiten zu bedenken. Als die Dämmerung in nächtliche Dunkelheit übergegangen war, litt Vallon unter bohrenden Kopfschmerzen.

Sie entzündeten Lagerfeuer. Um eines setzten sie sich und hielten Kriegsrat.

«Garrick ist nicht zurückgekommen», begann Vallon. «Das ist gut. Es bedeutet, dass die Wikinger noch in ihrem Lager sind.»

«Oder dass sie ihn gefangen genommen haben», sagte Drogo.

«Das hätte uns der Hund wissen lassen.» Vallon wandte sich an Raul. «Ist das Schiff fertig?»

«Wir haben das Leck geflickt. Den Querbalken müssen wir noch reparieren.»

«Wenn Garrick zurückkommt, wird er mit dem Schiff die Frauen und die Alten ans andere Ufer bringen. Die Späher der Wikinger sollen sehen, was wir tun.»

«Warum lassen wir uns nicht von dem Hund zu ihnen führen? Dann können wir einen nach dem anderen töten.»

«Ich bezweifle, dass wir sie alle erwischen würden. Abgesehen davon will ich ja gerade, dass sie uns weiter beobachten. Garrick wird ein paar Ruderer brauchen. Helgi soll zwei von den schwächeren Isländern dafür aussuchen.»

Helgi erklärte sich widerwillig einverstanden.

Drogo stocherte mit einem Zweig im Feuer herum. «Die Wikinger werden mitbekommen, dass wir nicht mehr im Lager sind.»

«Wir lassen ein paar Männer da, die vor den Lagerfeuern auf und ab gehen.»

Drogo warf den Zweig ins Feuer. «Das ist nicht meine Art. Ich kämpfe in richtigen Schlachten. Ich führe keine Schattentheater auf.»

«Ich will keine Schlacht. Ich würde den Wikingern im Schlaf die Kehle durchschneiden, wenn sich die Gelegenheit dazu bieten würde.»

Dumpfe Schritte hielten Drogo vom Antworten ab. Er griff nach seinem Schwert. «Lass das», sagte Wayland, «das ist der Hund.»

Das Tier brach aus der Dunkelheit und legte Wayland den Kopf auf die Schulter. Wayland streichelte ihm über die Ohren. «Die Wikinger sind noch in ihrem Lager.» Der Hund legte sich auf den Boden, seine Augen glühten rot im Feuerschein. «Da ist Garrick.»

Vallon stand auf. «Was gibt’s?»

Garrick schöpfte keuchend Atem. «Den ganzen Tag über haben die Wikinger nichts getan, außer das Segel zu flicken, zu essen und …»

«Und was?»

«… und abwechselnd die beiden Frauen zu missbrauchen.»

«Was sagt er?», fragte Helgi.

«Sie vergewaltigen die Frauen», sagte Vallon, ohne sich von Garrick abzuwenden. «Hast du eine Ahnung, was sie vorhaben?»

Garrick ließ sich am Feuer nieder. «Ich glaube, sie hatten vor, uns beim Dunkelwerden anzugreifen. Sie haben die Gefangenen vom Schiff geholt und sich am Fluss gesammelt. Ich war sicher, dass sie an Bord gehen würden, aber da haben sie offenbar ein Ereignis als eine Art Omen aufgefasst. Zwei Raben sind aus unterschiedlichen Richtungen über den Fluss geflogen. Als sie sich in der Luft begegnet sind, haben sie zusammen ein paar Kreise gezogen und sich mit ihren Krächzlauten etwas mitgeteilt, bevor sie wieder in verschiedene Richtungen davonflogen. Thorfinn hat darin offenbar ein schlechtes Vorzeichen gesehen, denn er hat wütend seine Männer aus dem Weg geschubst und ist zurück ins Lager gestapft. Kurz darauf wurde es zu dunkel, um noch etwas erkennen zu können, also dachte ich, es wäre am besten zurückzukommen.»

Vallon klopfte Drogo aufs Knie. «Wir müssen den Hinterhalt lange vorm Hellwerden fertig vorbereitet haben.»

«Sie könnten auf einem anderen Weg kommen.»

«Wayland sagt uns, welchen Weg sie nehmen.»

«Wenn es so dunkel bleibt wie jetzt, dann kommen sie überhaupt nicht.»

«Die Wolken können sich jederzeit verziehen. Dann müssen wir bereit sein.»

«Warum nutzen wir die Dunkelheit nicht zu unserem Vorteil? Wir können uns von Wayland und seinem Hund zu ihrem Lager führen lassen. Und dann fallen wir über sie her, während sie schlafen.»

«Das ist kein schlechter Plan, wenn man die richtigen Männer hat, um ihn umzusetzen. Von unseren Männern hat aber die Hälfte noch nie mit dem Schwert gekämpft.» Vallon sah auf, als sich zwei Schatten näherten. Er rückte ein Stück. «Kommt und setzt euch zu uns.»

Hero und Richard setzten sich neben ihn. «Wir haben mögliche Zusammensetzungen für den Brandsatz ausprobiert», sagte Hero. «Die besten Ergebnisse haben wir mit Birkenrinde und trockenen Kiefernnadeln erzielt, die wir in Terpentin, Robbenöl und Schwefel eingeweicht hatten.»

«Wovon redet er?», fragte Drogo.