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Vallon packte ihn am Arm. «Du sollst deine zehn Morgen haben. Und wenn ich nach dieser unendlichen Reise das Gleiche erreicht habe, werde ich mich glücklich schätzen.»

Garrick sah ihn an, schaute weg, und seine Miene verfinsterte sich. «Ich werde den Gedanken an diese Frauen und was die Wikinger ihnen angetan haben nicht los. Es sind Mutter und Tochter – die Tochter ist beinahe noch ein Kind. Können wir sie nicht retten, Hauptmann? Ich würde auch kämpfen, wenn Ihr meint, das es etwas nützt.»

Vallon schüttelte den Kopf. «Ich kann von meinen Leuten nicht noch mehr Opfer verlangen. Bald kommt der Winter, und wir haben noch eine weite Reise vor uns. Wir dürfen keine Zeit mehr verlieren.»

Er war aufgestanden. Garrick blieb mit einem Ausdruck sanfter Melancholie sitzen. Vallon berührte ihn an der Schulter. «Es tut mir leid. Wir können nichts tun.»

XXXII

Wayland ging mit Syth und dem Hund, der ihnen wie ein Schatten folgte, durch den Wald. Zu ihrer Rechten hatte die Mondsichel einen silbernen Pfad auf den Fluss gelegt. Von dem Wikingerlager auf der anderen Uferseite hallten unaufhörlich Beilhiebe und Hammerschläge herüber. Tag und Nacht arbeiteten sie an der Reparatur ihres Langschiffs. Wayland hatte sie am Morgen nach dem Kampf ausgespäht, und er hätte geschworen, dass das Schiff nicht zu retten war. Doch als er tags darauf wiederkam, stellte er fest, dass sie schon mit dem Austausch von Planken begonnen hatten, und am Vortag hatten sie die Spanten an Steuerbord ersetzt.

Er kroch in ein Weidendickicht und spähte zwischen den herabhängenden Zweigen hindurch. Er hatte auf einem Ast etwa zwanzig Fuß über dem Boden zwei gedrungene Umrisse entdeckt. Er drehte sich zu Syth um, legte den Zeigefinger auf die Lippen und schlich so leise wie möglich im Halbkreis um den Ast herum, bis sich die beiden schlafenden Birkhühner vor dem Mond abzeichneten. Dann ließ er sich auf ein Knie sinken und hob die Miniaturarmbrust, die Raul für ihn gebaut hatte. Die Sehne war gespannt, ein Pfeil ohne Spitze lag in der Bolzenrinne. Er zielte niedrig, um den Versprung des Bolzens bei einem Schuss aus solcher Nähe auszugleichen. Dann ließ er ihn abschnellen. Ein dumpfer Schlag, und eines der Birkhühner fiel in Todeszuckungen flatternd auf den Waldboden. Sein Gefährte gluckste eine Alarmruf und rückte ein Stück weiter auf dem Ast vor. Wayland lud erneut und zielte.

Fehlschuss. Der Bolzen raste klappernd durchs Gezweig. Das Birkhuhn saß nun beinahe am Ende des Astes. Wayland legte den nächsten Bolzen ein. Der Ast bog sich unter dem Gewicht des Vogels. Wayland versuchte sich auf die Schwingung einzustellen. Es funktionierte nicht. Er schloss kurz die Augen, atmete langsam ein, hob die Armbrust und schoss, sobald er das Birkhuhn wieder vor sich sah.

Pfschsch.

Wayland blinzelte. Der Ast war leer. Der Hund rannte los, um die Beute zu holen. Wayland massierte sich den Nacken. «Das reicht für heute Abend.»

«Wie viele haben wir?»

Wayland zählte die Vögel, die an seinem Gürtel hingen. «Insgesamt sieben.»

Syth klatschte in die Hände. «Sechs für die Falken. Eins für uns. Ich brate es gleich.»

Während sie das Birkhuhn briet, starrte Wayland blicklos in die Flammen. Er war von seinen endlosen Pflichten erschöpft – die Falken pflegen, Futter für sie suchen, die Wikinger ausspähen …

Schweigend aß er seinen Anteil an dem Birkhuhn. Von der anderen Seite des Feuers sah ihn Syth mit fragendem Blick an. Er wusste, dass sie sich wegen seines brütenden Schweigens Sorgen machte und auch, weil er sie nicht in die Arme genommen hatte, seit sie von Island abgefahren waren.

«Das ist noch halb roh», sagte er und warf dem Hund den Rest des Vogels hin.

«Ich weiß, dass du müde bist, also habe ich so schnell wie möglich gemacht.»

Wayland legte sich hin und zog eine Decke über sich. Syth streckte sich neben ihm aus, jedoch ohne ihn zu berühren. Er spürte ihre Traurigkeit. Wayland musste daran denken, wie sich seine Eltern manchmal gestritten hatten und wie erleichtert er jedes Mal gewesen war, wenn sie sich wieder versöhnt hatten. Er rollte sich auf die Seite und sah Syth an. «Es liegt nicht an dir, dass ich so unausstehlich bin. Es ist der Gedanke an das, was noch vor uns liegt.»

«Das ist es nicht allein», sagte sie. «Du machst dir Sorgen, dass du mich jetzt für immer am Hals hast.» Sie schmiegte sich dicht an ihn. «Aber vielleicht bekomme ich dich ja als Erste satt.»

Mit einem Ruck wachte Wayland auf. Syth und der Hund rannten ungestüm durch das Weidendickicht auf ihn zu.

«Der Satan ist am Fluss!»

Wayland packte seinen Bogen. «Der Satan?»

«Schwarz mit Hörnern und gespaltenen Hufen und so groß wie ein Haus.»

Ihre Augen waren weit aufgerissen, und der Hund schien kurz vor einem Anfall zu stehen, mit gebleckten Hauern und zitternden Flanken. Doch das war Aufregung, keine Furcht. Wayland spähte zum Fluss hinüber. In der Dämmerung begannen graue Bäume Gestalt anzunehmen. Er hörte Wasser um eine Untiefe strudeln.

«Bleib hier.»

Er legte einen Pfeil ein und tastete sich in Richtung der Sandbank. Mit einem Blick über die Schulter stellte er fest, dass ihm Syth hinterherschlich und sich ängstlich auf die Finger biss. Er winkte sie fort.

Doch sie schüttelte nur entschlossen den Kopf.

Wayland erreichte den Rand des Dickichts. Zwanzig Schritt von der Sandbank entfernt hob sich ein grässlich verunstaltetes Wesen vor dem heller werdenden Himmel ab. Noch niemals hatte Wayland solch ein Untier gesehen. Gleich mehrere Geschöpfe schienen in seiner Gestalt Form annehmen zu wollen. Sein Kopf mit den mächtigen Wammen hatte eine rumpfförmige Schnauze, Eselsohren und wurde von einem sechs Fuß breiten Geweih überragt. Die höckrigen Schultern eines Bullen fielen über eine mickrige Kruppe zu einem lächerlichen Schwanz ab. All das wurde von knotigen Beinen getragen, die für dieses Gewicht viel zu dürr wirkten. Langsam kauend sah das Tier auf. Wasser triefte aus seiner Schnauze. Es schnaubte einmal leise und senkte den Kopf wieder. Wayland kroch zu Syth zurück.

«Das ist nicht der Teufel», flüsterte er.

«Was denn sonst?»

«Eine Art Hirsch.»

«Der Satan kann jede Gestalt annehmen. Als ich einmal im Moor war, habe ich eine Fledermaus gesehen, die …»

Wayland legte ihr die Hand auf den Mund und riss warnend die Augen auf.

Sie nickte, und er zog die Hand weg. Er hob seinen Bogen. Syth packte ihn am Arm.

«Du wirst ihn nicht töten.»

«Wir haben fast kein Pferdefleisch mehr. So ein großes Tier ernährt uns eine Woche lang. Bleib hier und sei leise.»

Das Tier hatte sich nicht bewegt. Kein Lüftchen regte sich, das ihren Geruch zu ihm hätte tragen können, und die plätschernde Strömung hatte wohl ihre Stimmen übertönt. Das Tier stand Wayland beinahe genau gegenüber. Er wartete darauf, dass es sich drehte, damit er in die Flanke schießen konnte. Er sah das feuchte Schimmern der Augen. Dann bewegte sich das Tier mit einem seufzenden Geräusch. Ein melancholischer Außenseiter, der unter seiner Einsamkeit litt. Wayland zielte hinter den Widerrist. Nur ein Schuss ins Herz konnte ein Tier dieser Größe töten.

Das hohle Geräusch, mit dem der Pfeil traf, zeigte Wayland, dass er sein Ziel getroffen hatte. Das Tier galoppierte auf eine Landzunge zu, die mit Weiden und Birken überwuchert war. Es war beinahe dort, als es stolperte und auf die Vorderläufe sank. Der Hund fiepte und wurde noch aufgeregter. Stöhnend richtete sich das Tier wieder auf. Unsicher ging es ein paar Schritte, dann blieb es stehen, die Beine gespreizt, der Kopf immer tiefer sinkend. Taub für Waylands Befehle, raste der Hund los und grub seine Zähne in ein Hinterbein, um die Laufsehne durchzubeißen. Doch das Tier schlug aus, und der Hund wurde fünfzehn Fuß weit durch die Luft geschleudert.