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«Nichts, was ich aus Eurem Mund vernehme, wird diese vier Wände verlassen», sagte Hero. «Mein Eid auf Hippokrates verpflichtet mich zur Verschwiegenheit.»

Olbec tippte Hero auf die Brust. «Vergiss diesen Hippo-wie-auch-immer-er-heißt. Du hältst die Klappe, weil ich dir das Herz aus dem Leib schneide, wenn du ein einziges Wort weitererzählst.» Er ging zum Eingang hinüber, sah draußen nach rechts und links und zog dann die Tür zu. «Welche Meinung hast du dir von meiner Frau gebildet?»

«Eine tugendhafte und fromme Dame von makelloser Sittlichkeit», sagte Hero eilig.

Olbec verdaute diese Charakterisierung zunächst einmal. Dann sagte er: «Das alles trifft selbstverständlich zu, aber von Mann zu Mann kann ich dir sagen, dass Mylady vom Vermitteln und Empfangen irdischer Freuden ebenfalls einiges versteht.»

«Frömmigkeit und Leidenschaft, die sich die Waage halten. Ihr könnt Euch glücklich schätzen, Mylord.»

«Aber nicht so sehr, wie ich möchte. Margaret hat seit dem Abend, an dem ich ihre Bitte abgeschlagen habe, eine Expedition nach Norwegen zu schicken, kein Wort mehr mit mir gesprochen. Frauen setzen das Schweigen ein wie der Soldat eine Lanze.»

«Ihr habt mein Mitgefühl. Meine Schwestern haben …»

«Sie ist natürlich jünger als ich. Das spielte keine Rolle, bis ich bei Senlac verwundet wurde. Wir standen Klinge an Klinge mit Harolds Schildwall. Einer von seinen Hauskerlen – groß wie ein Bär – hat mit seiner Axt gegen mich ausgeholt. Einen Fingerbreit näher, und er hätte mich vom Scheitel bis zu den Rippen zerspalten.» Olbec fuhr sich über den Schritt. «Ein Wunder, dass er mich nicht entmannt hat.»

Erspar mir den Anblick dieser Wunde, dachte Hero.

Olbec hämmerte auf den Tisch. «Also, ich sage es ganz offen. Meine Frau will noch ein Kind. Sie ist jung genug und … nun, sie macht sich Sorgen um die Erbfolge.»

«Aber Ihr habt doch drei Söhne.»

«Walter sitzt in Geiselhaft, Richard ist ein Weichling, und Drogo hat mehr Feuer im Blut, als für ihn gut ist.» Olbec zögerte. «Letztes Jahr an Weihnachten ist eine Schottin zum Betteln ans Tor gekommen. Als Dank für eine Brotsuppe hat sie meiner Frau geweissagt. Die undankbare Hexe hat prophezeit, dass nur ein einziger Mann aus Margarets Familie das nächste Weihnachtsfest erleben wird. Abergläubischer Unsinn, natürlich, aber du weißt, wie Frauen sind. Oder wirst es jedenfalls bald erfahren», fügte er verdrießlich hinzu. «Wie dem auch sei, das Problem … das Problem besteht darin …»

«Ihr fühlt Euch der Situation im Augenblick nicht ganz gewachsen», half ihm Hero weiter.

Ein Schatten fiel über Olbecs Gesicht. Dann lachte er. «Du siehst vielleicht aus wie ein Hasenfuß, aber dumm bist du nicht.»

«Ich empfehle Erholung und Süßwein. Ich habe gehört, dass Honigwein ein gutes Aphrodisiakum ist.»

«Den trinke ich schon kübelweise. Schmeckt wie Pferdepisse und hat ungefähr die gleiche Wirkung.»

«Möglicherweise solltet Ihr dann etwas weniger trinken.»

«Araber», sagte Olbec und gab dem Gespräch damit eine andere Wendung, «die gibt es doch auch bei dir in Sizilien. Ich habe gehört, dass sie ein sehr mannhaftes Volk sind.»

«Wie Ihr Normannen.»

«Nur, dass die Araber magische Tränke benutzen.»

«Ihre Kenntnisse der Arzneikunde sind fortgeschrittener als unsere», räumte Hero ein. «Sie haben viele Tränke. Und sie haben beispielsweise eine sehr wirksame Arzneimischung, die sie auf ihre Füße auftragen.»

«Füße? Wer redet denn hier von Füßen? Es sind nicht meine Füße, die mich im Stich lassen.»

«Nein, Herr. Ihr denkt an Euer membrum virile. Den Diener Eurer Männlichkeit.»

«Wenn du meinen Schwanz meinst, verstehen wir uns richtig.»

«So ist es.»

«Gut. Also, hier kommt mein Angebot. Bereite mir einen Trank zu, der dazu führt, dass ich meine Dame beglücken kann, und ich gebe dir genügend Pergament, damit du das gesamte Evangelium aufschreiben kannst.»

«Aber ich habe hier nicht die notwendigen Zutaten.»

«Ich habe dem Quartiermeister gesagt, dass er dir alles geben soll, was du verlangst.»

Hero konnte sich nur allzu gut vorstellen, was in der Arzneimittelsammlung der Burg vor sich hin schimmelte. Getrocknete Molche, Nagelspäne, eingeschrumpfte Schafs-Föten …

«Nun, was sagst du?»

Hero nickte stumm.

«Gut», sagte Olbec und stemmte sich hoch.

Als Hero daraufhin sein Arzneibuch durchsah, fand er viele Tränke, um die Sinne zu beruhigen, aber keinen, der sie anregte. Stöhnend ließ er den Kopf in die Hände sinken.

Der Quartiermeister war ein sauertöpfischer Tyrann, der unbestrittene Herrscher über den Küchenanbau in einer abgelegenen Ecke des Vorhofs. Seine Anwesenheit war leicht schon aus einiger Entfernung durch sein lautes Herumschnauzen und Fluchen sowie die häufigen Aufschreie seiner bedauernswerten Küchenjungen festzustellen. Über seinen Arbeitstisch hinweg musterte er Hero mit unverblümter Feindseligkeit.

«Was soll das? Was will Olbec?»

Hero äußerte bescheiden seinen ersten Wunsch. «Honig.»

Mit ungnädiger Miene holte der Quartiermeister einen Topf Honig und knallte ihn auf den Tisch.

«Und auch etwas Pfeffer und Ingwer.»

Der Quartiermeister zuckte zurück wie eine Mutter, die von einem Kindesräuber behelligt wird. «Meinen Pfeffer kriegst du nicht. Weißt du, wie teuer der ist?»

«Ohne Pfeffer kann ich die Arznei nicht ansetzen, mit der das Leiden Eures Herrn gelindert werden soll.»

Der Quartiermeister verschränkte die Arme vor der Brust. «Welches Leiden?»

«Das ist Vertrauenssache zwischen Arzt und Patient.»

«Vertrauenssache, Scheiß drauf. Alle Welt weiß, was mit dem Alten nicht stimmt.»

Hero warf einen Blick über die Schulter bevor er zurückgab: «Ihr meint die Schmerzen und die Steifheit in seinen Beinen?»

«Ha! Steifheit plagt ihn nun gerade nicht. Eher das Gegenteil. Ein Mann in seinem Alter und eine Frau mit Verlangen.» Der Quartiermeister tippte sich an die Nase.

«Dann gebt mir den Pfeffer, den ich brauche, um in dieser Ehe die Harmonie wiederherzustellen.»

«Auf keinen Fall.»

«Sehr gut», sagte Hero mit bebender Stimme. «Ich werde Eure mangelnde Bereitschaft zur Zusammenarbeit weitermelden.» Damit wandte er sich zum Gehen.

«Oi, Glotzauge. Komm zurück. Hier hast du, was du willst.»

Hero schnupperte an einem kleinen Leinensäckchen. «Was ist das?»

«Mein Geheimnis. Aber ich versichere dir, dass es auch das schlaffste Glied in eine Eisenstange verwandelt.» Erneut verschränkte der Quartiermeister die Arme. «Hat unser junger Gelehrter noch weitere Wünsche?»

«Nur noch ein paar Blutegel. Oh, und einen Mörser mit Stößel.»

«Herr im Himmel», seufzte der Quartiermeister und trampelte nach hinten in sein Allerheiligstes. Als er zurückkehrte, stellte er das Gewünschte mit einem Knall auf den Tisch. «Und jetzt verzieh dich.»

Vor dem Wall teilte sich die Gruppe. Die Jäger galoppierten Richtung Norden auf einen Wald zu, Lady Margarets Gruppe dagegen saß bei einem römischen Meilenkastell oberhalb des North Tyne ab. Vallon reichte Margaret seinen Arm. Gemeinsam schritten sie unter einem runden Torbogen hindurch in ein stillen, grasbewachsenen Innenhof. In der Ecke gegenüber führte eine teilweise eingestürzte Treppe zu einem Wallgang hinauf. Dem Tor gegenüber befand sich ein quadratischer Turm, der vom Wallgang aus zu erreichen war. In seinem Inneren führte eine Treppe bis unter das Dach, wo Diener schon Kissen für sie ausgelegt hatten. Vallon stieg auf den Wallgang hinauf und hatte die Ruinen einer Römerfestung vor sich, die genauso aussahen wie diejenigen, die er in Südfrankreich und Spanien gesehen hatte. Aus dem Wald drangen Hornklänge und die Rufe der Jäger herüber, die ihre Schweißhunde antrieben. Keuchend schleppte ein Diener einen Weidenkorb die Treppe hinauf. Die Frauen knabberten an honigbestrichenem Engelwurz, nippten an Gewürzwein und plauderten über das Wetter, die Kinder und die Unsicherheiten des Lebens in der Grenzregion. Vallon beteiligte sich an dem oberflächlichen Gespräch, bis seine Wangen von all dem gezwungenen Lächeln schmerzten. Er dachte gerade, dass dies tatsächlich nichts weiter sei als ein Picknick, als Margaret in die Hände klatschte.