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«Boot hält auf uns zu!», rief Wayland.

An Bord desselben befanden sich David und zwei Männer. Sie beachteten Vallons Gesten nicht, mit denen er sie aufs Schiff bat, sondern fuhren vorbei zu der Insel.

«Der Hafenmeister hat David verboten, an Bord zu gehen, damit wir nicht einfach verschwinden können», erläuterte Raul. «Sweyn sagt, wir müssen vorm Dunkelwerden im Hafen sein, sonst beschlagnahmt er die Shearwater

«Zum Teufel mit dem Hafenmeister. Stellen wir lieber fest, was Snorri getrieben hat.»

Sie ruderten zu der Insel und fragten David aus. Mit selbstgerechter Miene drehte sich Raul zu Vallon um. «Ich hab’s Euch ja gesagt. Snorri steckt bis zum Hals drin. Zuallererst ist er in eine Bierschwemme gegangen. David war zu schlau, um selbst reinzugehen. Stattdessen hat er einen Mann bezahlt, der ein bisschen die Ohren offen halten sollte. Und das Geld war gut angelegt. Zunächst hat sich Snorri nach seinen Angehörigen aus Hordaland erkundigt. Irgendwer ist losgegangen, um sie zu holen, und nach einer Weile sind zwei Brüder aufgetaucht, und die drei haben die Köpfe zusammengesteckt. Dann kam noch ein Mann, und sie haben weitergeredet.»

«Irgendeine Vorstellung davon, worum es ging?»

«Sie haben gut aufgepasst, dass keiner mithören konnte. Später sind sie von dem Gasthaus weggeritten. Es sollte zum Bauernhof der Brüder gehen. Mehr konnte der Lauscher nicht erfahren, also ist er zurück zu David und hat ihm erzählt, was er mitbekommen hatte. Es ist allerdings so, dass von den Männern, mit denen sich Snorri getroffen hat, keiner ein Schiff besitzt, abgesehen von einem kleinen Fischerboot vielleicht. Und David hat den Vormittag im Hafen verbracht und sich umgehört, ob jemand nach Schiffen gefragt hat, die man mieten kann. Snorri selber hat seine hässliche Visage die ganze Zeit nicht am Hafen sehen lassen. Ich habe Euch ja gesagt, was für ein schamloser Lügner er ist.»

«Da kommt er», sagte Wayland.

Ein Fischerboot mit vier Männern an Bord näherte sich. Vallon und seine Leute kehrten auf die Shearwater zurück.

«Drei von denen sind die Kerle, mit denen sich Snorri getroffen hat. Hauptmann, wir können das Segel setzen und hier weg sein, bevor sie beim Schiff sind.»

Vallon schüttelte nachdenklich den Kopf. «Noch nicht. Ich habe Snorri gewarnt und ihm gesagt, was passiert, wenn er die Vereinbarung bricht.»

Snorri kam grinsend längsseits. Seine Begleiter hatten ebenfalls so übertrieben fröhliche Mienen aufgesetzt, dass Raul verächtlich ausspuckte. «Seht euch die an. Und erzähl mir keiner, das wären keine Gauner.»

Vallon beugte sich über die Reling. «Snorri, sag deinen Freunden, sie sollen im Boot bleiben.»

Snorri kletterte immer noch grinsend an Bord. «Ich hab ein Schiff gefunden, genau wie ich’s gesagt hab. Und es is richtig gut.»

Vallon deutete mit dem Kopf auf die Norweger. «Gehört es diesen Männern?»

Snorri schaute zu ihnen hinunter. «Nein, aber sie haben es mir gezeigt.»

«In Kirkwall?»

«Nein. Es liegt ein Stückchen die Küste runter.»

Es stand also nicht fest, ob Snorri einen Betrug plante. «Bring das Schiff hierher, damit wir es uns ansehen können.»

«Gegen diesen Wind? Hauptmann, wir sollten hier weg, bevor er noch stärker wird.»

«Wir müssen das besprechen», sagte Vallon. Er zog Raul und Wayland zur Seite.

«Er lügt», sagte Raul. «Warum sollen wir noch mehr Zeit mit ihm vergeuden?»

Wayland nickte zustimmend.

Vallon biss mehrfach klackend die Zähne aufeinander. «Dann haben wir keine andere Wahl, als uns die Shearwater zu nehmen. Raul, versuche, David davon zu überzeugen, uns bis zu den Färöern zu lotsen. Er kann dafür seinen Lohn in angemessenem Rahmen erhöhen.»

«Das habe ich schon versucht. Er will mit Piraterie nichts zu tun haben, und er wird nicht gegen den Befehl des Hafenmeisters ablegen. Er muss schließlich an seinen Lebensunterhalt denken.»

«Dann machen wir es ohne ihn.»

«Das ist jetzt ein verdammt schlechter Zeitpunkt, Hauptmann. Dahinten braut sich schlechtes Wetter zusammen.»

Die See begann schon ihre Zähne zu zeigen. «Das ist eben nicht zu ändern.»

«Und was habt Ihr mit Snorri vor?»

«Den müssen wir loswerden.»

«Wurde auch Zeit.»

Vallon ging wieder zu Snorri zurück. «Wie viel will dein Freund für sein Schiff?»

«Darüber kann man reden, schätze ich.»

«Wir sehen es uns einmal an. Von deinen Freunden lasse ich keinen an Bord. Sie können entweder nach Kirkwall zurückrudern oder sich von uns ins Schlepptau nehmen lassen.»

Die Norweger knoteten ein Tau ans Heck der Shearwater. Die Mannschaft holte den Anker ein, brachte das Schiff längsseits und setzte Segel. Die Shearwater nahm Geschwindigkeit auf. David blieb auf der Insel und reagierte nicht auf Vallons Winken.

Snorri hatte das Ruder genommen.

«Warum lasst Ihr seine Kumpane mitkommen?», fragte Raul.

«Das wirst du noch sehen», sagte Vallon. Er beobachtete das Ufer auf der Steuerbordseite. Sie passierten eine schmale Bucht. Er drehte sich um und rief gegen den Wind. «Wie weit noch?»

«Hinter der nächsten Landspitze.»

Und tatsächlich sah Vallon am Ende einer Bucht ein Schiff liegen, als sie um die Landspitze herumgesegelt waren.

Snorri lenkte das Schiff in die Bucht. «Ich hab Euch ja gesagt, dass ich eins finde.»

«Kapp das Tau», sagte Vallon zu Raul. «Wayland, bereite dich darauf vor, das Ruder zu übernehmen.

Raul rannte zum Heck und schlug das Tau durch, an dem das Boot nachgezogen wurde. Die Männer in dem Boot schrien auf, und Snorri stürzte vom Ruder weg und packte Raul. «Was tust du da?» Mit blitzenden Augen drehte er sich zu Vallon um. «Was tut Ihr da?»

Vallon kam zu ihm und warf ihm einen Beutel Silber zu. «Das ist deine vollständige Bezahlung.» Er schob Snorri Richtung Heck. «Spring, solange deine Freunde noch nahe genug sind, um dich zu retten.»

«Ich soll von meinem eigenen Schiff springen?»

Die Männer in dem Boot legten die Riemen ein.

«Du wirst ertrinken, wenn du noch lange wartest.»

Snorri betastete den Beutel mit dem Silber. «Ihr habt gesagt, Ihr gebt mir vierzig Pfund für mein Schiff. Das hier ist nicht mal ein Viertel davon.»

«Vierzig Pfund Silber würden dich auf den Grund ziehen. Raul, wirf ihn über Bord.»

«Wartet! Ich bringe Euch nach Island, wie Ihr’s gewollt habt.» Snorris Stimme wurde zu einem Kreischen, als ihn Raul unter den Armen packte, seine Beine strampelten. «Verflucht sollt ihr sein! Allesamt sollt ihr verflucht sein!» So schrie er immer weiter, sogar noch, als Raul ihn ins Meer warf.

Er verschwand, und Vallon dachte schon, er wäre ertrunken. Dann aber tauchte sein Kopf wieder über Wasser auf. Die Männer in dem Boot ruderten auf ihn zu. Die Shearwater lief schnell mit dem Wind, und Vallon sah nicht, ob das Boot rechtzeitig bei Snorri ankam.

Raul funkelte Vallon wütend an. «Ihr hättet ihn genauso gut aufknüpfen können. Ihm vor dem Hafenmeister den Hals lang zu machen, hätte uns auch nicht mehr Ärger eingebracht, als das, was Ihr gerade getan habt. Ihn vor Zeugen von seinem Schiff zu werfen … Warum habt Ihr mich nicht ohne Aufsehen seine Kehle durchschneiden lassen?»

«Denk daran, mit wem du sprichst», schnauzte Vallon. Die Inseln verloren sich in einem zunehmend trüben Dunst. Der Wind sang in den Wanten und peitschte Gischt aus den graugrünen Wellen. «Ich ernenne dich zum Segelmeister. Bereite das Schiff auf den Sturm vor.»

XXI

Der nahende Sturm trieb weißschäumende Wellenberge vor sich her. Raul gab Befehl, alles festzuzurren, was noch nicht gesichert war. Hero und Richard packten die Tongefäße in Stroh. Garrick und Wayland mühten sich mit der Vertäuung der Holzbalken. Die Balken waren in ein Holzgestell gelegt worden, aber Raul befürchtete, dass sie bei schwerer See verrutschen könnten, und wollte sie deshalb festgebunden haben.