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»Das stimmt nicht, Tanist.« Fidelmas Ton war sanft, aber entschieden. »Du wirst erst Fürstin, wenn deine derbfhine zusammentreten und dich im Amt bestätigen, und das erfolgt frühestens siebenundzwanzig Tage nach dem Tode des Fürsten. Eine solche Untersuchung muß ein ausgebildeter Brehon führen.«

Die junge Tanist erwiderte nichts.

»Nun gut«, meinte Fidelma schließlich, »die Tatsachen scheinen klar, so wie du sie dargelegt hast. War es Duban selbst, der die Leiche deines Vaters entdeckt hat?«

Cron schüttelte den Kopf.

»Es war Menma, der seinen Todesschrei hörte und ins Schlafzimmer meines Vaters stürmte, wo er Moen auf frischer Tat ertappte.«

»Ach ja, Menma. Und wer ist Menma?« erkundigte sich Fidelma und überlegte, wo sie den Namen schon einmal gehört hatte.

»Er ist der oberste Wärter der Pferde meines Vaters«, Cron hielt inne und verbesserte sich, »meiner Pferde.«

Fidelma fiel ein, daß Dignait den Namen erwähnt hatte.

»Soweit es deine eigene Kenntnis anbelangt«, fuhr Fidelma nach kurzer Pause fort, »liegt der Fall ganz klar und einfach? Du findest nichts Zweifelhaftes oder Geheimnisvolles daran?«

»Es gibt kein Geheimnis. Die Tatsachen sind eindeutig.«

»Was meinst du, aus welchem Grund Moen sowohl Eber als auch Teafa töten sollte?«

Die Antwort kam ohne Zögern.

»Es gibt kein logisches Motiv. Aber Logik war nie ein Bestandteil von Moens Welt.« Ihre Stimme klang bitter.

Fidelma versuchte den Sinn ihrer Worte zu begreifen.

»Wie ich hörte, hat Teafa Moen von Kindheit an aufgezogen. Er hatte ihr viel zu verdanken. Willst du damit sagen, daß Logik bei dieser Tat keine Rolle gespielt hat? Was betrachtest du dann als das Motiv, denn ein Motiv muß es doch wohl geben?«

»Wer kann wissen, was in dem dunklen, stillen Gemüt eines solchen Geschöpfs wie Moen vor sich geht?« erwiderte die Tanist.

Einen Augenblick fragte sich Fidelma, ob sie eine Erklärung für ihre Wahl der Worte verlangen solle. Sie meinte aber, sie solle sich nicht beeinflussen lassen, bevor sie nicht mit Moen gesprochen hatte. Doch vorher mußte sie erst noch mit einem anderen sprechen, nämlich dem, der Moen bei dem Mord an Eber überrascht hatte.

»Nun werde ich mit Menma sprechen«, verkündete sie.

»Die Mühe kann ich dir ersparen«, erwiderte Cron scharf, »denn ich kenne alle Einzelheiten des Falls. Menma und Duban haben sie mir berichtet.«

Fidelma lächelte dünn.

»Das ist nicht die Arbeitsweise eines dalaigh. Es ist wichtig, daß ich die Tatsachen aus erster Hand erfahre.«

»Wichtig ist vor allem, daß du die gesetzliche Strafe über Moen verhängst. Und das bald.«

»Du hegst also keinerlei Zweifel daran, daß Moen die Tat begangen hat?«

»Wenn Menma sagt, daß er Moen auf frischer Tat ertappt hat, dann hat er sie auch begangen.«

»Das bezweifle ich nicht«, sagte Fidelma und stand auf. Eadulf folgte ihr, und sie gingen zur Tür.

»Was wirst du mit Moen machen?« fragte Cron verblüfft, denn sie war es nicht gewohnt, daß jemand in ihrer Gegenwart aufstand und fortging, ohne von ihr förmlich entlassen zu sein.

»Machen?« Fidelma blieb stehen und blickte einen Moment zu der Tanist zurück. »Vorerst nichts. Erst müssen wir mit allen Zeugen sprechen und dann eine gerichtliche Anhörung abhalten, bei der Moen seine Verteidigung vortragen kann.«

Cron überraschte sie damit, daß sie in schallendes Gelächter ausbrach. Es hörte sich etwas hysterisch an.

Fidelma wartete geduldig ab, bis es aufhörte, und fragte dann: »Vielleicht kannst du uns sagen, wo wir Menma finden?«

»Zu dieser Zeit findet ihr ihn in den Pferdeställen gleich hinter dem Gästehaus«, antwortete Cron unter erneutem Kichern.

Sie brachte ihre Belustigung unter Kontrolle und rief ihnen zu, sie sollten noch einen Moment bleiben. Sie wurde ernst.

»Es wäre klug, das Urteil in diesem Fall möglichst bald auszusprechen. Mein Vater war bei seinem Volk sehr beliebt. Er war freundlich und großzügig. Es gibt hier viele, die meinen, daß die alten Strafgesetze einem solchen Verbrechen nicht angemessen sind und daß die Worte des neuen Glaubens, die Worte der Vergeltung, geeigneter dafür sind. Auge um Auge, Zahn um Zahn, Feuertod um Feuertod. Wenn du Moen nicht schnell aburteilst, könnten sich eifrige Hände finden, die selbst Gerechtigkeit üben.«

»Gerechtigkeit?« Fidelmas Ton war eisig. Sie fuhr herum und trat der jungen Tanist entgegen. »Du meinst wohl Rache des Pöbels? Nun, als gewählte Fürstin dieses Stammes - vorausgesetzt, du wirst durch die derbfhine im Amt bestätigt - kannst du dies von mir weitergeben: Wenn jemand Hand an Moen legt, bevor er vor Gericht gestellt und nach dem Gesetz verurteilt ist, dann wird ihn selbst das Urteil treffen. Das verspreche ich, ganz gleich welchen Ranges er sein mag.«

Cron schluckte schwer.

Fidelma begegnete dem Blick ihrer feindseligen blauen Augen mit gleicher Kälte.

»Eins möchte ich noch wissen«, setzte sie hinzu. »Wer hat die Worte der Vergeltung im Namen des neuen Glaubens gepredigt?«

Die Tanist hob das Kinn.

»Ich sagte dir schon, daß wir hier nur einen haben, der uns in Glaubensdingen betreut.«

»Pater Gorman?« vermutete Eadulf.

»Pater Gorman«, bestätigte Cron.

»Dieser Pater Gorman scheint den Geist der Gesetze der fünf Königreiche nicht begriffen zu haben«, bemerkte Fidelma trocken. »Und wo findet man diesen sanftmütigen Vertreter des Glaubens? In seiner Kirche?«

»Pater Gorman besucht gerade einige entfernte Bauernhöfe. Er wird morgen zurück sein.«

»Ich freue mich darauf, ihn kennenzulernen«, erwiderte Fidelma und verließ die Halle.

Menma erwies sich als ein untersetzter Mann mit einem häßlichen Gesicht und einem buschigen roten Bart. Er saß vor den Pferdeställen auf einem Baumstumpf und schärfte eine Hippe mit einem Wetzstein. Als sie sich ihm näherten, hörte er damit auf und sah sie an. Seine Miene verriet Verschlagenheit. Langsam stand er auf.

Eadulf hörte, wie Fidelma tief Luft holte, und blickte sie überrascht an. Sie betrachtete forschend das Fuchsgesicht Menmas. Eadulf gewahrte einen üblen ranzigen Geruch. Angewidert bemerkte er, wie schmutzig und verfilzt Haar und Bart des Mannes waren, und veränderte leicht seine Stellung, damit ihm der Wind nicht mehr den Gestank zutrug.

Menma zupfte ein paarmal an seinem roten Bart.

»Du weißt, daß ich eine Anwältin bei Gericht bin und im Auftrag des Königs von Cashel den Mord an Eber untersuche?« sagte Fidelma.

Menma nickte langsam.

»Das habe ich gehört, Schwester. Die Nachricht von deinem Kommen hat sich hier schnell verbreitet.«

»Wie man mir berichtet, hast du die Leiche Ebers entdeckt?«

Der Mann blinzelte.

»Das stimmt«, sagte er nach kurzer Überlegung.

»Was ist deine Aufgabe im rath von Araglin?«

»Ich bin oberster Stallwärter der Pferde des Fürsten.«

»Dienst du dem Fürsten schon lange?«

»Cron ist der vierte Fürst von Araglin, dem ich diene.«

»Vier? Das ist sicher eine lange Dienstzeit.«

»Ich war Stallbursche bei Eoghan, an den das hohe Steinkreuz erinnert, das die Grenze des Stammeslandes am Weg vom Gebirge da drüben kennzeichnet.«

»Das haben wir gesehen«, bestätigte Eadulf.

»Dann kam Eoghans Sohn Erc, der im Kampf gegen die Ui Fidgente fiel«, fuhr Menma fort, als habe er ihn nicht gehört. »Und nun ist Eber in die andere Welt eingegangen. Also diene ich jetzt seiner Tochter Cron.«

Fidelma wartete einen Moment, aber mehr kam nicht. Sie unterdrückte einen Seufzer.