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»Aber Papst Zosimus hat ihn später doch der Ketzerei schuldig befunden.«

»Nachdem der Kaiser Druck auf ihn ausübte. Das würde ich nicht als eine theologische Entscheidung bezeichnen. Es liegt schon eine gewisse Ironie darin, daß er gerade für seine Schrift De Libero Arbitrio, >Über die Freiheit des Willens<, verurteilt wurde.«

»Also folgst du einem Ketzer, wie die meisten von eurer columbanischen Sippschaft?« Nun ging Pater Gorman zu offener Beleidigung über.

»Wir verschließen uns nicht der Vernunft, wie es Rom von seinen Anhängern verlangt«, schoß Fidelma zurück. »Was heißt schließlich Ketzerei? Es ist einfach der griechische Ausdruck für >eine Wahl treffen<. Es liegt in unserer Natur, eine freie Wahl zu treffen, folglich sind wir alle Ketzer.«

»Pelagius war voll von irischem Porridge! Er wurde zu Recht verurteilt, weil er die Wahrheit von Augustins Lehre vom Sündenfall und der Erbsünde nicht einsehen wollte!«

»Hätte nicht Augustin verurteilt werden müssen, weil er die Wahrheit von Pelagius’ Lehre von der Freiheit des Willens nicht einsehen wollte?« erwiderte Fidelma heftig.

»Du bist nicht nur vermessen, sondern deine Seele ist in Gefahr.« Pater Gorman war rot vor Zorn.

Fidelma ließ sich nicht aus der Ruhe bringen.

»Betrachten wir die Tatsachen«, antwortete sie ruhig. »Die Erbsünde wurde von Adam begangen, und Adam und seine Nachkommen wurden von Gott für diese Sünde bestraft. Ist das richtig?«

»Es war ein Fluch, der auf der ganzen Menschheit lag, bis das Opfer Christi die Welt erlöste«, stimmte der Priester noch immer wütend zu.

»Aber Adam gehorchte Gott nicht.«

»Richtig.«

»Doch es wird uns gelehrt, daß Gott allmächtig ist und daß Er Adam schuf.«

»Dem Menschen wurde die Freiheit des Willens gewährt, und Adam trotzte Gott und fiel aus der Gnade Gottes.«

»Darauf bezog sich Pelagius’ Frage: Konnte Adam vor dem Sündenfall zwischen Gut und Böse wählen?«

»Wir hören, daß er Gottes Befehle als Richtschnur hatte. Gott sagte ihm, was er tun solle. Doch die Frau brachte ihn in Versuchung.«

»Ach ja. Die Frau«. sagte Fidelma mit leichter Betonung. Bruder Eadulf war unbehaglich zumute. Er wünschte, Fidelma möge mit ihren Argumenten nicht das Schicksal herausfordern. Er blickte sie an, doch sie beugte sich vor und genoß die Auseinandersetzung. »Gott ist allmächtig, und er schuf Adam und Eva. Gottes Wille hätte ihnen doch als Weisung genügen müssen?«

»Der Mensch hatte die Freiheit des Willens.«

»Also waren Adams Wille und der Wille der Frau«, wieder mit leichter Betonung, »stärker als der Wille Gottes?«

Pater Gorman war empört.

»Nein, natürlich nicht ... Doch Er hatte es dem Menschen erlaubt, frei zu sein.«

»Dann ist die logische Folgerung, daß Gott zwar allmächtig ist und somit in der Lage war, die Sünde zu verhindern, es aber nicht tat. Da Er allwissend ist, wußte Er, was Adam tun würde. Nach unserem Gesetz war Gott damit ein Anstifter zum Verbrechen!«

»Das ist Gotteslästerung«, keuchte Pater Gorman.

»Es geht noch weiter, Gorman«, fuhr Fidelma unbarmherzig fort, »denn wenn wir logisch folgern, können wir behaupten, daß Gott in Adams Sünde einwilligte.«

»Sakrileg!« japste der Priester entsetzt.

»Komm, bleib logisch.« Fidelma war unbeeindruckt von seiner Reaktion. »Gott ist allwissend, und Er schuf Adam. Wenn Er allwissend ist, dann wußte Er auch, daß Adam sündigen würde. Wenn die Menschheit wegen Adams Sünde verflucht wurde, dann wußte Gott, daß sie verflucht werden würde. Also schuf er die Menschen, damit sie zu ungezählten Millionen leiden müßten.«

»Du mit deinem begrenzten Verstand kannst eben das große Geheimnis des Weltalls nicht verstehen«, fauchte Pater Gorman.

»Wir werden es nicht verstehen können, wenn wir uns den Weg zu diesem Weltall durch selbstgeschaffene Mythen verbauen. In dieser Hinsicht halte ich es mit den Lehren des Pelagius, der ein Mann aus unserem Volke war, und deshalb hat Rom immer unsere Kirchen angegriffen, nicht nur hier, sondern auch bei den Briten und den Galliern, die unsere Auffassungen teilen. Wir sind ein Volk, das alle Dinge hinterfragt, und nur durch unsere Fragen können wir zur großen Wahrheit gelangen, und zu dieser Wahrheit müssen wir stehen, selbst wenn wir uns damit gegen die ganze Welt stellen.«

Sie erhob sich abrupt.

»Ich danke dir für die Zeit, die du mir geschenkt hast, Pater Gorman.«

Draußen wechselte sie einen Blick mit Eadulf.

»Ein kleines bißchen beginnt sich der Nebel zu lichten«, stellte sie mit Befriedigung fest.

Eadulf verzog das Gesicht. Er war verwirrt.

»Über Pelagius?« fragte er vorsichtig.

Fidelma kicherte.

»Über Pater Gorman«, verbesserte sie ihn.

»Du verdächtigst Pater Gorman, irgendwie in die Morde verwickelt zu sein?« »Ich verdächtige jeden irgendwie. Aber du hast recht. Es ist klar, daß Gorman leidenschaftliche Gefühle für Cranat hegte oder noch hegt.«

»In ihrem Alter?« Eadulf war entsetzt.

Fidelma wandte sich ihrem Gefährten überrascht zu.

»Liebe kann man in jedem Alter empfinden, Eadulf von Seaxmund’s Ham.«

»Aber eine Frau in ihrem Alter und ein Priester .?«

»Es gibt keine Gesetze, die einem Priester untersagen zu heiraten, nicht einmal Rom verbietet das, obgleich ich zugeben muß, daß Rom es nicht billigt.«

»Willst du damit sagen, daß Pater Gorman einen Grund gehabt hätte, Eber den Tod zu wünschen?«

Fidelma verzog keine Miene.

»Dazu hatte er sogar allen Grund. Aber hatte er auch die Mittel, seinen Wunsch zu erfüllen oder für dessen Erfüllung zu sorgen?«

Kapitel 9

An jenem Abend speisten sie allein. Cron hatte sie nicht zum Abendessen in die Festhalle eingeladen, wie es das Protokoll normalerweise vorgeschrieben hätte. Eadulf war nicht sonderlich überrascht darüber. Wenn er die Ereignisse des Tages überdachte, war ihm klar, daß Fidelma wohl kaum jemanden im ganzen rath als Freund gewonnen hatte, abgesehen vielleicht von dem armen Moen. Bei allen anderen hatte sie sich sicherlich nicht beliebt gemacht. Daß Cron und ihre Mutter Cranat sich nicht zu ihnen gesellen wollten, war kaum verwunderlich.

Es war ein aufgeregtes junges Mädchen, das ihnen ihre Mahlzeit in das Gästehaus brachte. Es war dunkelhaarig, ungefähr sechzehn Jahre alt, beinahe unnatürlich blaß und schien sich vor ihnen zu fürchten. Fidelma gab sich Mühe, ihr durch freundliche Worte die Angst zu nehmen.

»Wie heißt du?«

»Ich bin Grella, Schwester. Ich arbeite bei Dignait in der Küche.«

Fidelma lächelte ermutigend.

»Gefällt dir deine Arbeit, Grella?«

Das Mädchen sah sie fragend an.

»Es ist meine Arbeit«, sagte sie einfach. »Ich bin in der Küche des Fürsten aufgewachsen. Ich habe keine Eltern«, fügte sie hinzu, als erkläre das alles.

»Ich verstehe. Dann muß dich der Tod deines Fürsten traurig stimmen, wenn du in seinem Haushalt aufgewachsen bist.«

Zu Fidelmas Überraschung schüttelte das Mädchen heftig den Kopf.

»Nein ... nein, aber der Tod von Lady Teafa stimmt mich traurig. Sie war eine freundliche Dame.«

»Eber war nicht freundlich?«

»Teafa war nett zu mir«, antwortete das Mädchen ängstlich. Es wollte offensichtlich nicht schlecht über den toten Fürsten sprechen. »Lady Teafa war nett zu allen.«

»Und Moen? Magst du Moen?«

Auch diese Frage schien Grella zu verwirren.

»Mir war nicht wohl, wenn er in der Nähe war. Teafa war die einzige, die ihm sagen konnte, was er tun sollte.«

»Ihm sagen?« Fidelma griff den Satz sofort auf. »Wie sagte sie es ihm?«