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Bruder Eadulf beugte sich plötzlich im Sattel vor und sprach Agdae an: »Ich habe eine Frage an dich.«

»Na, dann schieß los, Angelsachse«, erwiderte Ag-dae selbstgefällig.

Eadulf wies über die Felder.

»Hinter eurem Hof gibt es einen Weg, der anscheinend hinauf in die Berge im Norden führt, in die entgegengesetzte Richtung des Weges, der uns zum rath von Araglin zurückbringt. Ich dachte, es gäbe nur diesen einen Weg ins Tal und aus ihm heraus?«

»Na und?« fragte Agdae.

Fidelma blickte in die Richtung, in die Eadulf gewiesen hatte, und sah einen Weg, der ihr vorher nicht aufgefallen war. Er verlief an hochgelegenen Wiesen und Bauminseln vorbei zum Rand des Waldes, der die Berge auf der anderen Seite des Tals bedeckte.

»Wo führt der Weg hin?« wollte Eadulf wissen.

»Nirgendwohin«, erwiderte Agdae kurz.

»Wir haben gehört, daß die Räuber in Richtung auf euren Hof davongeritten sind«, mischte sich Duban ein. »Wenn sie nicht den Weg genommen haben, der zurück ins Haupttal von Araglin führt, dann bleibt nur noch der Weg da oben. Wo führt der also hin?«

»Zu keinem bestimmten Ort«, beharrte Agdae. »Ich habe den Angelsachsen nicht belogen.«

»Was?« Duban lachte laut auf. »Jeder Weg führt doch irgendwo hin.«

»Du kennst mich doch, Duban. Ich weiß über jeden Weg und jedes Nebental in dieser Gegend Bescheid. Ich sage dir, der Weg führt nirgendwo hin. Er verliert sich auf der anderen Seite der Berge.«

»Ich nehme an, er sagt die Wahrheit«, antwortete Eadulf und lehnte sich anscheinend zufriedengestellt zurück. »Es ist auch nicht wichtig. Wenn die Räuber den Weg eingeschlagen hätten, dann müßte sie doch jemand auf diesem Hof gesehen haben. Ist es nicht so, Agdae?«

Der schaute einen Moment verlegen drein, nickte aber dann.

»Du hast recht, Angelsachse. Man hätte sie gesehen.«

Fidelma war erstaunt. Sie fragte sich, weshalb Ea-dulf sich nach dem Weg erkundigt hatte, wenn er nicht auf der logischen Annahme bestand, daß die Räuber dort entkommen waren, und Duban zur Verfolgung auffordern wollte. Eadulfs Frage mußte wohl einen anderen Grund gehabt haben.

Duban war noch nicht überzeugt.

»Ich schicke zwei meiner Spurensucher hinauf, die sollen den Weg prüfen. Wenn sie Anzeichen von den Räubern finden, setzen wir ihnen nach.«

»Sie werden nichts finden«, schnaubte Agdae.

Duban gab zwei Männern ein Zeichen, und sie galoppierten davon.

Agdae sah Fidelma verdrossen an.

»Wie ich sehe, bist du entschlossen, meinen Onkel Muadnat als einen Schurken darzustellen, dalaigh

»Muadnat ist in der Lage, sich selber darzustellen«, erwiderte Fidelma ungerührt.

»Duban, dort kommt ein Reiter!« Einer von Du-bans Männern hatte ihn erspäht.

Alle wandten sich in die Richtung um, in die er wies. Ein Reiter näherte sich auf dem Hauptweg zum rath von Araglin. Bald konnte man in ihm die schlanke Gestalt Pater Gormans erkennen.

»Was geht hier vor?« rief der Priester, als er heranritt.

»Du hast uns erschreckt, Pater«, entgegnete Duban. »Du schienst aus dem Nirgendwo aufzutauchen.« Er musterte die Kleidung des Priesters und fügte hinzu: »Bei so kaltem Wetter sollte man nicht ohne Mantel unterwegs sein.«

Pater Gorman zuckte die Achseln.

»Es war noch warm, als ich heute morgen losritt«, meinte er wegwerfend. »Aber was ist hier los?«

»Hast du nicht gehört, daß Archüs Bauernhof überfallen wurde? Deshalb sind wir so beunruhigt, wenn wir Reiter in dieser Gegend antreffen.«

Der Priester wurde unsicher.

»Ein Überfall? Das ist schändlich. Wohl wieder diese Viehdiebe? Ich wollte sowieso zu Archü. Aber wenn die Räuber noch in der Nähe sind, sollte ich vielleicht nicht allein dort hinreiten.«

»Ach«, meinte Fidelma ironisch, »die Räuber sind schon lange weg, aber du hast ja deinen Glauben, der dich sicher vor Schaden bewahrt. Auf Archüs Hof bist du bestimmt willkommen. Da liegt noch eine Leiche, die deinen Segen braucht.«

Pater Gorman blickte sie zornig an.

»Wer ist umgebracht worden?« fragte er.

»Niemand scheint ihn zu kennen«, gestand Duban. Er wollte noch etwas hinzusetzen, als seine beiden Männer zurückkehrten.

»Wir haben den Weg untersucht. Er ist zu steinig für deutliche Spuren, jedenfalls so weit, wie wir geritten sind, ungefähr eine Meile.«

Duban war enttäuscht.

»Ich möchte keine Zeit auf eine aussichtslose Verfolgung verschwenden«, knurrte er. »Wenn der Weg nirgendwo hinführt, hat das keinen Zweck. Ich akzeptiere deine Aussage, Agdae, aber weise deinen Onkel darauf hin, daß ich, Duban, ihn sprechen will, sobald er zurückkommt. Ich denke, hier können wir nichts weiter ausrichten.«

Dabei sah er Fidelma fragend an, und sie nickte zum Einverständnis.

Sie ließen Pater Gorman im Gespräch mit Agdae zurück und machten sich auf den Weg zum rath von Araglin. Erst nachdem sie aus dem Tal mit Muadnats Hof heraus waren, fragte Fidelma Eadulf leise, was ihn veranlaßt hatte, die Frage nach dem Weg in die Berge zu stellen und dann Agdaes Erklärung einfach hinzunehmen.

»Ich wollte sehen, wie er darauf reagiert, denn ich hatte jemanden auf dem Weg gesehen, als wir auf den Hof zuritten. Wahrscheinlich achteten alle nur auf Agdae und seine Leute, denn außer mir scheint niemand die Gestalt bemerkt zu haben.«

»Ich habe nicht einmal den Weg entdeckt«, gestand Fidelma. »Jedenfalls hat keiner ein Wort gesagt von jemandem, der den Berg hochreitet.«

»Nun, ich sah, wie jemand auf einem Pferd den Weg hochjagte und im Wald verschwand.«

»Wer war es? Muadnat?«

Eadulf schüttelte den Kopf.

»Nein. Der Gestalt nach war es kein Mann, sie war schlanker. Ich sah sie deutlich im Sonnenlicht, als wir uns dem Gehöft näherten.«

Fidelma ärgerte sich immer, wenn Eadulf eine Erklärung hinauszögerte, um den Effekt zu verstärken.

»Hast du die Reiterin erkannt?« fragte sie so geduldig sie nur konnte.

»Ich glaube, es war Cron.«

Kapitel 14

Als Fidelma aus dem Fenster des Gästehauses sah, erblickte sie einen Reiter, der durch das Tor des rath von Araglin hereinstürmte. Es war am Morgen, und sie und Eadulf hatten gerade ihr Frühstück beendet. Sie waren am vorigen Abend spät in den rath zurückgekehrt. Als sie Muadnats Hof verließen, hatte Duban entschieden, noch einen zweiten Mann zum Schutz auf Archüs Hof zu schicken. Er war jedoch überzeugt, daß Banditen für den Überfall verantwortlich seien. Als Fidelma und Eadulf sich zum Frühstück niedersetzten, hatten sie gesehen, wie Duban mit einer Kriegerschar aus dem Tor ritt, und angenommen, daß er weiter nach den Räubern suchen wollte.

Daß Eadulf auf dem Weg hinter Muadnats Gehöft eine Reiterin gesehen hatte, hatten sie auf Fidelmas Drängen für sich behalten. Als Fidelma Eadulf gefragt hatte, woran er Cron denn auf diese Entfernung erkannt habe, hatte Eadulf gesagt, an dem bunten Mantel, den sie in der Festhalle getragen hatte.

Zu ihrer Überraschung war der Reiter, der jetzt in den rath preschte, Muadnats Neffe Agdae. Er sprang ab und rannte zur Festhalle.

»Was ist denn nun schon wieder los?« fragte Eadulf mürrisch.

Mit gelassener Miene kehrte Fidelma an den Frühstückstisch zurück.

»Ich habe das Gefühl, daß wir das sehr bald erfahren werden.«

Wirklich verstrichen nur wenige Augenblicke, bis Dignait eintrat und sie zu Cron in die Festhalle bat. Die junge Tanist empfing sie mit düsterer Miene.

»Es geht um Muadnat«, verkündete sie.

»Vermutlich beschuldigt unser streitsüchtiger Freund nun Archü, seinen eigenen Pferdestall niedergebrannt zu haben. Oder was ist diesmal geschehen?« fragte Fidelma ärgerlich.