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Mit einem leisen Ausruf bekreuzigte sich das Mädchen.

»Er hat schon ein Brechmittel genommen«, erklärte ihr Fidelma, »aber er könnte später noch Hilfe benötigen. Ich muß Dignait suchen, möchte ihn aber nicht allein lassen. Wenn du mit deiner Arbeit fertig bist, geh ins Gästehaus, bleib dort und paß gut auf ihn auf. Hast du verstanden?«

Grella nickte und lief fort.

Fidelma schloß die Tür von Dignaits Hütte und ging zurück zum Gästehaus.

Eadulf saß mit blassem Gesicht da und trank Wasser.

Sie sah ihn fragend an. Er nickte langsam.

»Wie geht es dir?« erkundigte sie sich leise.

Eadulf zuckte trübselig die Achseln.

»Frag mich das in ein paar Stunden. Dann wirkt das Gift. Ich hoffe, ich habe das meiste ausgebrochen. Aber das weiß man nie genau.«

»Dignait ist weg. Ihr Zimmer ist in Unordnung, und auf ihrem Tisch ist ein Blutfleck.«

Eadulfs Augen weiteten sich.

»Du meinst, daß Dignait ...?«

»Sie müßte man logischerweise zuerst befragen, denn sie hat anscheinend das Essen zubereitet und es uns von Grella bringen lassen. Ich habe das Mädchen gebeten, auf dich aufzupassen, solange ich weg bin.«

»Ich komme mit und helfe dir, Dignait zu suchen«, wandte Eadulf ein.

Fidelma sah ihn beinahe zärtlich an und schüttelte entschieden den Kopf.

»Mein Freund, du mußt hierbleiben und versuchen, noch mehr von dir zu geben. Ich sehe zu, was ich noch herausbekommen kann.«

Eadulf wollte protestieren, gab es aber angesichts des gefährlichen Glitzerns in Fidelmas Augen auf.

Fidelma fand Cron in der Festhalle. Sie machte einen niedergeschlagenen Eindruck, richtete sich aber ein wenig auf, als Fidelma zu ihr kam.

»Ist das wahr?« fragte sie. »Ich habe gerade mit Grella gesprochen.«

»Nur zu wahr«, erwiderte Fidelma. »Hast du eine Ahnung, wo Dignait geblieben ist?«

Cron schüttelte den Kopf.

»Heute früh habe ich sie gesehen. Grella sagt, du hast dir ihre Hütte schon angeschaut?«

»Sie scheint verschwunden zu sein. Ihre Hütte ist verlassen und in Unordnung, und auf ihrem Tisch ist ein Blutfleck.«

»Ich weiß nicht, was ich dazu sagen soll. Sie muß irgendwo hier im rath sein. Ich werde sofort nach ihr suchen lassen.«

»Wo ist Cranat, deine Mutter? Sie soll Dignait besser kennen als alle anderen, und sie hat heute morgen mit ihr gesprochen.«

»Meine Mutter macht ihren morgendlichen Ausritt mit Pater Gorman.«

»Laß es mich wissen, wenn sie zurück ist.«

Fidelmas nächstes Ziel war Teafas Hütte.

Gadra öffnete, sah Fidelmas besorgtes Gesicht und ließ sie schweigend eintreten.

»Du bist schon früh unterwegs, Fidelma, und deine Miene verheißt nichts Gutes.«

»Wie geht es deinem Schützling?«

»Moen? Er schläft noch. Wir waren lange auf und haben uns über theologische Fragen unterhalten.«

»Über Theologie unterhalten?« Sie war überrascht.

»Moen versteht sehr viel von Theologie«, versicherte ihr Gadra. »Wir sprachen auch über seine Zukunft.«

»Ich nehme an, er wird hier nicht bleiben wollen?«

Gadra lachte spöttisch.

»Nach allem, was passiert ist?«

»Wohl lieber nicht«, stimmte ihm Fidelma zu. »Aber wo will er hin?«

»Ich habe ihm vorgeschlagen, daß er vielleicht in einem Kloster Schutz vor den Übeln der Welt finden könnte, etwa in Lios Mhor. Er braucht die Ordnung, die das Leben unter Mönchen bietet, und dort werden sich viele mit ihm verständigen können, denn wie du selbst bewiesen hast, geht das mit der alten Ogham-Schrift recht gut.«

»Das klingt ganz vernünftig«, meinte Fidelma. »Aber es paßt doch kaum zu deiner eigenen Lebensauffassung.«

»Meine Welt liegt im Sterben. Das gestehe ich ein. Moen muß ein Teil der neuen Welt werden, nicht der alten. Aber ich sehe, daß du Sorgen hast. Du bist nicht hergekommen, um über Moen zu sprechen. Ist etwas geschehen?«

»Ich fürchte für das Leben meines Gefährten Ea-dulf«, sagte Fidelma kurz. »Jemand hat heute morgen versucht, ihn und mich zu vergiften.«

Gadra sah sie erschrocken an.

»Versucht? Womit?«

»Mit Pilzen.«

»Die meisten Leute kennen aber doch die Giftpilze.«

»Stimmt. Aber die Lorchel kann man leicht mit der Speisemorchel verwechseln.«

»Aber nur in rohem Zustand ist sie hochgiftig. Da man Morcheln niemals roh ißt, kann man doch kaum .«

»Eben die Tatsache, daß die Morcheln roh waren, ließ mich genauer hinschauen. Ich habe sie nicht angerührt, doch Bruder Eadulf hatte unglücklicherweise schon angefangen, davon zu essen, bevor ich merkte, daß es Lorcheln waren.« »Er sollte sofort seinen Magen entleeren«, sagte Gadra ernst.

»Er hat erbrochen, und ich lasse ihn so viel Wasser trinken wie möglich, um dem nachzuhelfen.«

»Weiß man, wer versucht hat, euch zu vergiften?«

»Wahrscheinlich war es Dignait. Sie scheint aber nicht im rath zu sein, sie ist verschwunden. Ihre Hütte ist in Unordnung, und auf ihrem Tisch ist Blut.«

»Du hast die Pflicht, mir eine Frage zu stellen«, kam ihr Gadra zuvor. »Ich beantworte sie gleich: Weder ich noch Moen haben heute morgen diese Hütte verlassen.«

Fidelma verzog das Gesicht.

»Das hatte ich auch nicht angenommen.«

Gadra langte in seinen sacculus, seinen Beutel, der auf dem Tisch lag, und holte eine kleine Flasche heraus.

»Ich habe meine Arzneien bei mir. Dies ist eine Mixtur aus Gundelrebe und Wermut. Sag unserem angelsächsischen Freund, er soll sie mit ein wenig Wasser gemischt trinken, je weniger verdünnt, desto besser. Damit kann er seinen Magen vom Gift befreien.«

Zögernd nahm Fidelma die Flasche entgegen.

»Bring sie ihm«, drängte sie der alte Einsiedler und fügte lächelnd hinzu: »Es sei denn, du glaubst, ich wolle ihn vergiften.«

»Ich bin dir wirklich dankbar, Gadra«, antwortete Fidelma, im Gefühl, unhöflich gewesen zu sein.

»Dann geh schnell zu ihm. Laß es mich wissen, wenn ich sonst noch etwas für ihn tun kann.«

Mit der Flasche in der Hand kehrte Fidelma zum Gästehaus zurück.

Eadulf saß noch da und war merklich blasser geworden. Um Augen und Mund herum hatte sich die Haut bläulich verfärbt.

»Gadra schickt dir das hier. Du sollst es gleich trinken, mit Wasser verdünnt.«

Mißtrauisch nahm ihr Eadulf die Flasche aus der Hand.

»Was ist das?«

»Eine Mixtur aus Gundelrebe und Wermut.«

»Sie soll wohl den Magen reinigen«, meinte Eadulf.

Er nahm den Stopfen ab, roch an der Flasche und verzog das Gesicht. Dann goß er den Inhalt in einen Becher und fügte Wasser hinzu. Angeekelt starrte er die Mischung einen Augenblick an und schluckte sie dann herunter.

Ein Hustenanfall schüttelte ihn.

»Na«, sagte er, als er wieder sprechen konnte, »wenn das Gift mich nicht erledigt, dann tut es dieses Zeug bestimmt.«

»Wie geht es dir?« fragte Fidelma besorgt.

»Schlecht«, gestand Eadulf. »Aber es dauert ungefähr eine Stunde, bis das Gift richtig wirkt und .«

Plötzlich traten seine Augen hervor.

»Was ist?« rief Fidelma erschrocken.

Mit der Hand vor dem Mund sprang Eadulf auf und verschwand in Richtung auf den fialtech. Durch die geschlossene Tür konnte sie sein schreckliches Würgen hören.

»Kann ich dir helfen, Eadulf?« fragte sie, als er schließlich wieder auftauchte.

»Kaum, fürchte ich. Wenn ich Dignait finde und wenn ich ihr diese Qualen zu verdanke habe, dann werde ich ... o Gott!«

Mit der Hand vor dem Mund zog er sich wieder auf den Abort zurück.