Выбрать главу

Es dauerte etwas, bis Agdae zu sich kam. Er saß blinzelnd auf dem Bett und rieb sich die Augen. Nüchtern war er offensichtlich noch nicht.

»Hör zu, Agdae«, redete Fidelma ihn barsch an, »hör genau zu. Und sag mir die Wahrheit. Wenn du das nicht tust, könnte dein Leben in Gefahr geraten. Hast du mich verstanden?«

Agdae stöhnte.

»Wann wurde Muadnat von den derbfhine des Hauses der Fürsten von Araglin als Tanist abgesetzt?«

Agdae starrte sie mit leerem Blick an.

»Wann?« fragte Fidelma noch einmal.

»Wann?« wiederholte Agdae benommen. »Ach, vor drei Wochen.«

»Erst vor drei Wochen? Und gehörst du zu den derbfhine?«

Agdae fuhr sich durch sein wirres Haar und nickte widerwillig.

»Gib mir was zu trinken.«

»Gehörst du zu den derbfhine?« fragte Fidelma mit lauterer Stimme.

»Ja

»Hast du dafür gestimmt, daß Muadnat Tanist bleibt?«

»Natürlich, ich ...«

»Wer hat sonst noch für Muadnat gestimmt ... Wer noch?«

Agdaes Augen schlossen sich wieder, als sei er am Einschlafen.

»Wer außer dir hat Muadnat in der Versammlung unterstützt?«

Sie rüttelte ihn an den Schultern.

»Schon gut, schon gut!« protestierte er. »Nur Cra-nat, Teafa und ich ... ach, und Menma. Weiter keiner.«

»Also gehört Menma auch den derbfhine an?«

»Der Pferdewärter hat eine Stimme bei den derbfhine«, bestätigte Clidna.

Agdae sank wieder in Trunkenheit auf das Bett. Fidelma blieb einige Augenblicke nachdenklich stehen, ehe sie in den anderen Raum zurückkehrte. Clidna folgte ihr und schloß leise die Tür zur Schlafkammer. Fidelma setzte sich wieder. Vorsichtig folgte Clidna ihrem Beispiel.

»Also wurde Cron erst vor drei Wochen zur Tanist gewählt?« überlegte Fidelma. »Ich weiß, daß es eine Verbindung zwischen Cron und Duban gibt. Wie war das Verhältnis Dubans zu Eber?«

»Es heißt, daß Duban Eber haßte«, antwortete Clidna.

»Trotzdem befehligte er seine Leibwache. Wußte Eber von diesem Haß?«

»Eber war vollständig mit sich selbst beschäftigt. Er war empfänglich für Schmeicheleien, und wenn er auf Feinde traf, dann bestach er sie eben. Als Duban nach vielen Jahren nach Araglin zurückkehrte und Eber seine Dienste anbot, fühlte Eber sich geschmeichelt, daß ein Krieger, der sich im Kampf gegen die Ui Fid-gente Ruhm erworben hatte, bei ihm dienen wollte.«

»Ich verstehe«, sagte Fidelma nachdenklich.

Clidna las in ihrer Miene.

»Falls du Duban des Mordes an Eber verdächtigst, irrst du dich meiner Meinung nach. Duban ist ehrgeizig und zielbewußt, aber er besitzt den Ehrbegriff eines Kriegers. Er würde Eber im Zweikampf töten, aber sich niemals nachts zu ihm schleichen und ihm die Kehle durchschneiden.«

»Ich habe es erlebt, daß Menschen zu ganz unwahrscheinlichen Mitteln greifen, die überhaupt nicht zu ihnen passen.«

»Nun, ich würde sagen, daß von allen Menschen in Araglin Duban, trotz seines Hasses auf Eber, der letzte wäre, der einen Mord beginge.«

»Weißt du, weshalb Duban Eber haßte?«

»Ach, das ist eine alte Geschichte aus der Zeit, als Duban noch ein junger Mann war. Irgend etwas ver-anlaßte ihn damals, sich den Truppen der Könige von Cashel anzuschließen.«

»Du sagtest, du würdest eher anderen Leuten als Duban den Mord an Eber zutrauen. Wem zum Beispiel?«

Clidna lächelte verlegen.

»Du bist nicht gekränkt, wenn ich offen meine Meinung sage?«

»Weshalb sollte ich?«

»Vielleicht gefällt dir nicht, was ich zu sagen habe.«

»Es ist egal, ob es mir gefällt, wenn es mich auf den Weg zur Wahrheit bringt. Wir suchen die Wahrheit, wo sie auch liegen mag. Vincit omnia Veritas

»Pater Gorman haßte Eber. In allem, was er für Moral hält, ist er ein Fanatiker. Ständig droht er den Leuten mit der Hölle und dem ewigen Feuer. Er drohte auch Eber und Teafa.«

»Woher weißt du das?«

»Ich erfuhr es von dem eingebildeten kleinen Jungen, der so tut, als sei er ein Krieger. Er war oft hier.«

»Critan?«

»Genau der. Eines Abends betrank er sich hier, und in seinem Rausch erzählte er mir, daß Pater Gorman sowohl Eber als auch Teafa in heftigster Weise beschimpft habe. Eber habe er einen üblen Hurenbock genannt, der in der Hölle schmoren werde, und gemeint, Teafa sei nicht besser. Pater Gorman warf ihnen viele Sünden vor, so viele, daß er erklärte, die Hölle sei nicht heiß genug und die Ewigkeit nicht lang genug, um sie hinreichend zu bestrafen.«

»Wann war das?«

»Laut Critan vor zwei Wochen. Eber wurde so wütend auf Gorman, daß er ihn schlug.«

»Eber schlug den Priester?« Selbst Fidelma war überrascht.

»So war es.«

»Gab es Zeugen?«

»Critan sagt, er habe es selbst gesehen, weil es sich im Pferdestall abspielte. Sie bemerkten ihn nicht, denn er war auf dem Heuboden.«

»Worum ging es bei dem Streit?«

»Danach solltest du Critan fragen.«

»Ich glaube kaum, daß er es mir verraten würde. Mach dir keine Sorgen. Wenn du mir erzählst, was Critan gesagt hat, richte ich es so ein, daß dein Name nicht erwähnt wird, falls daraufhin etwas unternommen werden muß.«

»Critan lag auf dem Heuboden über dem Pferdestall, wahrscheinlich schlief er. Eine laute Auseinandersetzung weckte ihn. Gorman, Eber und Teafa waren im Stall. Er verstand nicht genau, worüber sie sich stritten, nur soviel, daß Pater Gorman den beiden unmoralisches Verhalten vorwarf. Critan meinte, daß Moen irgendwie erwähnt wurde. Dann schlug Eber tatsächlich den Priester.«

»Wie ging es weiter?« fragte Fidelma.

»Pater Gorman stürzte hin. Critan sagte, daß er etwas in der Art rief wie, für diesen Schlag werde Eber der Tod treffen.«

»Das hat er gesagt?«

»Laut Critan ja.«

»Was waren genau seine Worte?«

»Ich glaube, Critan sagte, daß Pater Gorman schrie: >Der Himmel wird dich töten für diesen Schlag< -oder so ähnlich.«

»Ach, der Himmel. Er hat nicht gesagt, daß er selbst den tödlichen Streich führen würde?«

Clidna schüttelte den Kopf.

»Nun gut, ich werde dich da heraushalten. Aber verrate mir noch eins«, Fidelma lächelte leicht, »ist Agdae ein guter Wirt?«

»Nicht besser und nicht schlechter als andere«, wich Clidna verlegen aus.

»Aber du magst ihn mehr als andere?«

»Es ist schön, wenn man von einem besseren Leben träumen kann«, gab sie zu.

»Was kannst du mir über Muadnat sagen?«

»Ein Hitzkopf. Er war es gewohnt, immer seinen Willen durchzusetzen.«

»Haben Muadnat und Agdae häufig dein . dein Haus besucht?«

Clidna lachte fröhlich.

»Sie und halb Araglin. Ich schäme mich nicht. Ich lebe davon.«

»Hast du mal gehört, daß einer von beiden von einem Bergwerk sprach?«

»Einem Bergwerk? Meinst du hier in Araglin?«

»Ja. Oder im Schwarzen Moor, auf Muadnats Land zum Beispiel.«

»Nein, auch nicht woanders in dieser Gegend. Aber weißt du ... vielleicht hat es nichts zu bedeuten ...«

Fidelma schwieg erwartungsvoll.

»Menma sagte mal was. Er sagte was von einem Mann, der Steine gefunden hatte, die ihn reich machen würden.«

»Wie?«

»Ich verstand es damals nicht, und ich verstehe es auch jetzt nicht, Schwester. Menma ist oft hier, und meistens ist er betrunken. Vor ein paar Wochen redete er im Suff davon, Reichtümer aus der Erde zu holen. Ich hatte keine Ahnung, was er meinte. Dann sagte er was von einem Mann, der das Geheimnis kenne, Steine zu Reichtum zu machen, und daß Reichtum mehr Macht bedeute, als Eber sich vorstellen könne.«

»Erwähnte er den Namen des Mannes?«