Выбрать главу

»Davon wird er noch viel weniger begeistert sein«, meinte Bason. Er sah Andrej einen Moment lang prüfend an, blickte dann zur Bühne hoch und schließlich wieder in Andrejs Gesicht. Und Andrej ahnte, was nun kam, noch ehe Bason es aussprach. »Ich könnte dir ein Geschäft vorschlagen, Andreas. Du spielst eine Rolle in meinem Stück, und dafür arrangiere ich ein Treffen zwischen dir und Anka.«

»Selbst, wenn ich es wollte, hätte es wenig Sinn«, antwortete Andrej. »Abu Dun und ich werden nicht sehr lange bei euch sein.«

»Du meinst, ihr werdet gehen, sobald du noch einmal mit der Puuri Dan gesprochen hast? Wenn das so ist, warum sollte ich dir dann zu diesem Gespräch verhelfen?«

»Vielleicht, weil ich dich darum bitte?«

Bason tat so, als müsse er einen Moment angestrengt über diese Worte nachdenken. Dann nickte er. »Ja. Das ist ein Grund. Ich werde darüber nachdenken. Und du über meinen Vorschlag?«

Ob Andrej wollte oder nicht - plötzlich musste er über die Hartnäckigkeit des jungen Sinti lachen. »Darüber nachdenken, ja«, sagte er. »Aber das bedeutet nicht zwangsläufig, dass ich es tue.«

»Wir werden sehen«, sagte Bason. »Und um dich vielleicht etwas milder zu stimmen, Andreas, habe ich jetzt noch eine Überraschung für dich.«

Andrej war nie besonders erpicht auf Überraschungen gewesen, aber Basons Worte weckten seine Neugier. Er sagte nichts, und der Junge ließ ihn natürlich eine kleine Ewigkeit zappeln, ehe er sich in Bewegung setzte. »Komm mit!«

Sie erkämpften sich mit einiger Mühe einen Weg durch die Menge, die noch immer lachend und johlend zusah, wie der riesige Nubier unter den angedeuteten Hieben der Holzschwerter zurückwich und wankte, sich aber schlichtweg weigerte, umzufallen. Dann beschleunigte Bason seinen Schritt. Nicht sehr, aber gerade rasch genug, dass Andrej sich sputen musste, um nicht zurückzufallen, und damit keine Gelegenheit zu bekommen, weitere Fragen stellen zu können.

Sie steuerten einen Wagen an, der ganz an dem Honsen zugewandten Ende des Lagers stand. Schon aus der Entfernung fiel Andrej auf, wie alt und heruntergekommen das Gefährt war. Die Farbe war abgeblättert und so verblichen, dass das Ganze zu einem unansehnlichen Schmutzgrau geworden war, und sowohl die Deichsel als auch die Räder hatten dringend eine Überholung, besser gleich eine Erneuerung, nötig. Die dreisprossige Treppe, die zur Tür hinauf führte, war zerbrochen, sodass Bason eine kurze Kletterpartie einlegen musste, um den Wagen zu öffnen, und als er das tat, schlug ihnen ein Schwall trockener, muffig riechender Luft entgegen, die Andrej im ersten Moment den Atem verschlug.

Bason verschwand im Wagen, und einen Moment später wurden die beiden hölzernen Läden von innen aufgestoßen; einer davon vielleicht ein bisschen zu heftig, denn er riss aus den Angeln und zerbrach, noch bevor er zu Boden fiel.

»Komm rein«, rief der Junge aufgeregt. »Nur keine Scheu.«

Scheu war nicht unbedingt das Gefühl, das sich bei Andrej eingestellt hatte, aber er folgte Bason zögernd, wobei er darauf achtete, die morsche Treppe nicht über Gebühr zu belasten. Was ihn im Innern erwartete, übertraf seine schlimmsten Befürchtungen. Die Fenster waren heillos verdreckt, und was von der Einrichtung noch übrig war, schien allein von Staub und Schmutz zusammengehalten zu werden. Immerhin war der Wagen einigermaßen geräumig. »Und?«, fragte Andrej misstrauisch. »Was soll ich hier?«

»Wenn du willst, ist dies dein neues Zuhause«, antwortete Bason. In seiner Stimme schwang deutlich Besitzerstolz mit. »Wenigstens so lange dein Freund und du unsere Gäste seid.«

»Hier?«

Er musste wohl entsetzter geklungen haben, als er beabsichtigt hatte, denn der Ausdruck auf Basons Gesicht war nun eindeutig eher Verlegenheit als Stolz. »Ich weiß, es sieht nicht besonders einladend aus«, sagte er. »Aber mit ein bisschen gutem Willen und ein paar Stunden Arbeit kann man es gemütlich herrichten. Und es schläft sich hier drinnen bedeutend besser als auf dem nackten Boden.«

»Ich habe nicht auf dem Boden geschlafen«, antwortete Andrej verwirrt.

»Du nicht, aber dein Freund«, antwortete Bason. Er nickte heftig, als Andrej ihn überrascht ansah. »Das wusstest du nicht? Er hat das Zelt verlassen, als du gestern gekommen bist, und bei den Pferden genächtigt.«

»Das ist nichts Ungewöhnliches«, antwortete Andrej leichthin. »Das tut er öfter.«

Das war nicht einmal gelogen, aber Basons Worte erinnerten ihn wieder an seine Verwirrung vom Morgen, als er das Lager neben sich leer gefunden hatte. Abu Dun hatte also das Zelt verlassen, als er ihn heimkommen gehört hatte. Ein solch kindisches Verhalten passte zwar zu dem Nubier, verwirrte Andrej aber trotzdem.

Bason lachte. »Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich sagen, ihr benehmt euch wie ein altes Ehepaar.« Er machte eine wegwerfende Geste, bevor Andrej antworten konnte. »Aber das geht mich natürlich nichts an. Wenn du also willst, gehört der Wagen euch. Er steht sowieso leer, deswegen brauchst du kein schlechtes Gewissen zu haben.«

»War das deine Idee?«, erkundigte sich Andrej argwöhnisch.

Bason zögerte einen Moment, dann schüttelte er den Kopf. »Nein«, sagte er nur. »Und jetzt komm mit. Du siehst aus, als könntest du ein kräftiges Frühstück gebrauchen - auch wenn es schon fast Zeit fürs Mittagsmahl ist. Ich werde sehen, was ich für dich tun kann, und danach denke ich über deine Frage nach, was Anka angeht. Und du über meinen Vorschlag.«

Aus purer Langeweile hatte Andrej damit begonnen, den alten Wagen zu säubern und die dringendsten Reparaturen vorzunehmen.

Er hatte gehofft, dass sich Abu Dun im Laufe des Vormittags zu ihm gesellen würde, aber er hatte ihn weder dann, noch während des Mittagsmahls gesehen, das die Sippe und er zusammen eingenommen hatten.

Und als er endlich seinen Stolz überwand und zu dem Zelt ging, in dem sie die letzten beiden Nächte zugebracht hatten, fand er Abu Duns Lager unangetastet, die beiden Satteltaschen mit seiner Habe aber waren noch da. Da er sich daran erinnerte, was Bason ihm erzählt hatte, ging er zur Pferdekoppel, und tatsächlich traf er den Freund dort an. Der ehemalige Sklavenhändler stand mit dem Rücken zum Eingang der improvisierten Koppel und schien ganz darin versunken zu sein, sein Pferd zu striegeln. Andrej gab sich keine Mühe, leise zu sein, doch der Nubier reagierte nicht auf sein Näherkommen, sondern striegelte weiterhin so inbrünstig den Hals seines Tieres, als erwarte er den Besuch eines Kalifen aus seiner Heimat.

»Wenn du weiter so machst, wird der arme Gaul morgen einen Verband tragen müssen«, sagte Andrej schließlich.

Abu Dun reagierte nicht. Weder wandte er sich um, noch unterbrach er seine Tätigkeit.

»Andererseits, für einen toten Mann machst du es ganz gut«, fuhr Andrej fort. »Die beiden tapferen Ritter haben dich doch gerade erschlagen, wenn ich mich recht erinnere, oder? Sogar gleich mehrmals.«

Abu Dun bürstete noch einen Moment weiter, dann drehte er sich ruckartig um und funkelte Andrej aus seinen dunklen Augen an. »Was willst du?«

»Eigentlich nur mit dir reden«, antwortete Andrej. »Auch wenn ich allmählich glaube, dass das keinen Sinn mehr hat.«

»Warum verschwendest du dann deine Zeit?«, fragte Abu Dun. Tatsächlich machte er Anstalten, sich wieder herumzudrehen und mit seiner sinnlosen Tätigkeit fortzufahren. »Bitte!«, seufzte Andrej.

Der Nubier verharrte mitten in der Bewegung, schien einen Moment unentschlossen, und warf dann aufgebracht die Bürste zu Boden. »Also?«

»Ich habe vorhin mit Bason gesprochen«, sagte Andrej. »Er wird ein Treffen zwischen Anka und mir arrangieren. Wenn ich von ihr erfahre, was ich wissen will, ziehen wir weiter.«

»Und wenn nicht?«

»Sie wird mir antworten«, sagte Andrej. »Und wenn nicht, So ändert das auch nichts an meinem Entschluss. Wenn sie mir beim zweiten Mal nicht antwortet, dann tut sie es auch beim dritten Mal nicht und vermutlich auch nicht beim hundertsten Mal. Aber gib mir doch bitte noch diese eine Chance, Abu Dun.«