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Romandas kaltes Lächeln vertiefte sich noch, als Lelaines Gesicht vor Zorn erblaßte. Sie richtete mit peinlich genauer Sorgfalt ihre bronzefarbenen Röcke, während Lelaine nach einer Möglichkeit suchte, die Lage umzukehren. »Wir werden sehen, wie der Saal dazu steht, Lelaine«, sagte sie schließlich. »Bis die Eingabe gemacht wird, wäre es, glaube ich, das beste, wenn sich Merilille nicht mit einer an ihrer Wahl beteiligten Sitzenden trifft. Selbst eine heimliche Verabredung würde mißtrauisch betrachtet werden. Ihr seid sicherlich einverstanden, daß ich mit ihr sprechen sollte.«

Lelaine erblaßte jetzt auf andere Art. Sie hatte keine Angst, nicht sichtbar, und doch konnte Egwene fast sehen, wie sie abzählte, wer für und wer gegen sie war. Eine heimliche Verabredung war fast ebenso schlimm wie Verrat und erforderte keine Mehrheit. Das würde sie wahrscheinlich zu vermeiden suchen, aber es würden umfassende und erbitterte Streitgespräche stattfinden. Romandas Gruppe würde dies vielleicht noch fördern, was unsägliche Probleme heraufbeschwörte, ungeachtet der Frage, ob Egwenes Plane erfolgreich wären oder nicht. Und sie konnte nichts tun, diese Entwicklung aufzuhalten, wenn sie nicht enthüllen wollte, was in Ebou Dar wirklich geschehen war. Dann könnte sie sie ebensogut bitten, sie dasselbe Angebot annehmen zu lassen wie Faolain und Theodrin.

Egwene atmete tief durch. Vielleicht könnte sie wenigstens die Benutzung Salidars als Treffpunkt in Tel'aran'rhiod verhindern. Dort traf sie jetzt Elayne und Nynaeve. Wenn sie die beiden überhaupt traf, was sie seit Tagen nicht mehr getan hatte. Wenn Sitzende in der Welt der Träume ein und aus gingen und überall dort angetroffen werden konnten, wo man sich sicher sein zu können glaubte, daß sie dort nicht auftauchen würden, wurde es schwierig. »Ich werde Eure Anweisungen bezüglich Merilille weitergeben, wenn ich Elayne und Nynaeve das nächste Mal treffe. Ich werde es Euch wissen lassen, wenn sie bereit ist, Euch zu treffen.« Was niemals geschehen würde, wenn sie jene Anweisungen erst weitergegeben hätte.

Die Sitzenden wandten jäh die Köpfe, und zwei Paar Augen starrten Egwene an. Sie hatten vergessen, daß sie da war! Sie bemühte sich, eine ausdruckslose Miene beizubehalten, erkannte, daß sie verärgert mit dem Fuß auftippte, und hielt inne. Sie mußte noch eine Weile dem entsprechen, was sie über sie dachten. Noch ein wenig länger. Zumindest empfand sie keine Übelkeit mehr. Nur Zorn.

In diese momentane Stille brach Chesa mit Egwenes Mittagsmahlzeit auf einem abgedeckten Tablett. Dunkelhaarig, rundlich und in mittlerem Alter hübsch, gelang es Chesa, angemessenen Respekt zu vermitteln, ohne zu kriechen. Ihr Hofknicks geriet so einfach, wie auch ihr dunkelgraues Gewand gehalten war, das nur einen Hauch einfache Spitze am Kragen aufwies. »Verzeiht mein Eindringen, Mutter, Aes Sedai. Ich bedaure die Verspätung wirklich, Mutter, aber Meri ist anscheinend davongezogen.« Sie schnalzte verärgert mit der Zunge, während sie das Tablett vor Egwene abstellte. Einfach davonzuziehen sah der falsch benannten Meri gar nicht ähnlich. Dieser mürrischen Frau mißfielen eigene Fehler ebensosehr wie Fehler anderer.

Romanda runzelte die Stirn, schwieg aber. Sie durfte nicht zuviel Interesse an einer von Egwenes Dienerinnen zeigen. Besonders, wenn die Frau ihre Spionin war. Ebenso wie Selame Lelaines Spionin war. Egwene vermied es, Theodrin oder Faolain anzusehen, die beide noch immer wie Aufgenommene pflichtgetreu in ihren Ecken standen.

Chesa öffnete halbwegs den Mund, schloß ihn dann aber wieder, vielleicht weil sie durch die Sitzenden eingeschüchtert war. Egwene war erleichtert, als sie einen weiteren Hofknicks vollführte und mit einem gemurmelten »Wenn Ihr erlaubt, Mutter« sich entfernte. Chesas Rat erfolgte stets durch Andeutungen, wenn noch jemand anderer anwesend war, aber im Moment war das letzte, was Egwene wollte, auch nur eine wohlüberlegte Mahnung, ihr Essen zu verspeisen, solange es noch heiß sei.

Lelaine fuhr fort, als hätte es keine Unterbrechung gegeben. »Wichtig ist«, sagte sie fest, »zu erfahren, was die Atha'an Miere wollen und was der Junge tut. Vielleicht will er auch ihr König werden.« Sie streckte die Arme aus und ließ sich von Faolain den Umhang wieder umlegen, was die dunkle junge Frau vorsichtig tat. »Ihr werdet daran denken, es mich wissen zu lassen, wenn Ihr es erwägt, Mutter?« Es war eigentlich keine Frage.

»Ich werde ernsthaft darüber nachdenken«, belehrte Egwene sie. Was nicht bedeuten sollte, daß sie ihre Gedanken mitteilen würde. Sie wünschte, sie hätte auch nur eine vage Vorstellung von der Antwort. Ihr war bekannt, daß die Atha'an Miere Rand für ihren prophezeiten Coramoor hielten, obwohl der Saal es nicht wußte, aber was er von ihnen wollte — oder sie von ihm — konnte sie sich nicht annähernd vorstellen. Nach Elaynes Worten hatten die bei ihnen befindlichen Angehörigen des Meervolks auch keinen Hinweis darauf. Oder zumindest behaupteten sie es. Egwene wünschte fast, es befänden sich eine Handvoll der Schwestern im Lager, die von den Atha'an Miere gekommen waren. Jene Windsucherinnen würden auf die eine oder andere Art Probleme verursachen.

Auf ein Zeichen von Romanda hin sprang Theodrin wie aufgescheucht mit dem Umhang der Sitzenden vor. Romandas Miene nach zu urteilen, war sie über Lelaines Wiederherstellung nicht erfreut. »Ihr werdet daran denken, Merilille zu sagen, daß ich mit ihr zu sprechen wünsche, Mutter«, sagte sie, und das war keineswegs eine Frage.

Einen kurzen Augenblick standen die beiden Sitzenden da und sahen einander an, wobei sie Egwene in ihrer gegenseitigen Erbitterung erneut vergaßen. Sie gingen ohne ein Wort zu ihr, fast um Vorrang ringend, bevor Romanda zuerst hinausglitt und Theodrin ihr auf dem Fuße folgte. Lelaine bleckte die Zähne und schob Faolain vor sich aus dem Zelt.

Siuan stieß einen tiefen Seufzer aus und versuchte nicht, ihre Erleichterung zu verbergen.

»Wenn Ihr erlaubt, Mutter«, knurrte Egwene spöttisch. »Wenn es Euch recht ist, Mutter. Ihr dürft gehen, Töchter.« Sie atmete tief aus und lehnte sich auf ihrem Stuhl zurück, der sie augenblicklich auf den Teppich schickte. Sie richtete sich langsam wieder auf, glättete energisch ihre Röcke und rückte die Stola zurecht. Es war zumindest nicht vor jenen zwei Frauen passiert. »Geht und besorgt etwas zu essen, Siuan. Wir haben noch einen langen Tag vor uns.«

»Einige Stürze schmerzen weniger als andere«, sagte Siuan wie zu sich selbst, bevor sie gebückt das Zelt verließ. Es war gut, daß sie so schnell ging, denn andernfalls hätte Egwene sie vielleicht gescholten.

Sie kehrte jedoch bald zurück, und sie aßen harte Brötchen und Linseneintopf mit harten Karotten und Fleischstücken, die Egwene nicht näher betrachtete. Es gab nur wenige Unterbrechungen oder Belästigungen, während deren sie schwiegen und die Berichte zu studieren vorgaben. Chesa kam, um das Tablett fortzuräumen, und später noch einmal, um neue Kerzen aufzustellen, wobei sie grollte, was ihr nicht ähnlich sah.

»Wer hätte erwartet, daß Selame auch davonziehen würde?« murrte sie halbwegs zu sich selbst. »Vermutlich hat sie sich mit den Soldaten eingelassen. Diese Halima übt einen schlechten Einfluß aus.«

Ein hagerer junger Bursche mit tropfender Nase entfernte die bereits erkaltete Asche in den Kohlenpfannen und brachte neue Kohlen — der Amyrlin wurde mehr Wärme zugestanden als den meisten anderen, aber auch das war nicht viel —, wobei er über seine eigenen Stiefel stolperte und Egwene auf eine Art anstarrte, die nach den beiden Sitzenden als recht angenehm bezeichnet werden mußte. Sheriam tauchte auf, um nachzufragen, ob Egwene noch irgendwelche weiteren Anweisungen habe, und schien dann bleiben zu wollen. Vielleicht machten sie die wenigen Geheimnisse, die sie kannte, nervös. Zumindest ließ sie ihre Blicke unbehaglich schweifen.