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»Für die Liebe des Lichts!« platzte Moira heraus. Sie wandte sich zu Lyrelle und Lelaine um und stemmte die Fäuste in die Hüften. Wenn Janyas Ansprache den Gebräuchen schon zuwider gewesen war, machte dies sie jedoch vollständig zunichte. Zurschaustellungen von Zorn waren im Saal streng verboten, doch Moiras Augen blitzten, und ihr illianischer Akzent troff vor Zorn. »Worauf wartet Ihr? Elaida hat die Stola und den Stab gestohlen! Elaidas Ajah hat Logain zu einem falschen Drachen gemacht, und nur das Licht weiß, wie viele weitere Männer noch! Keine Frau in der Geschichte der Burg hat diese Erklärung jemals mehr verdient! Steht auf oder schweigt von jetzt an über Eure Entschlossenheit, sie abzusetzen!«

Lelaine starrte sie nicht direkt an, aber man hätte ihre Miene so deuten können, daß sie sich von einem Spatz angegriffen fühlte. »Dies ist wohl kaum eine Abstimmung wert, Moira«, sagte sie mit angespannter Stimme. »Wir beide werden uns später über Anstand unterhalten. Dennoch, wenn Ihr eine Darbietung der Entschlossenheit braucht...« Sie stand mit heftigem Schnauben auf und vollführte eine ebenso energische Kopfbewegung, die bewirkte, daß Lyrelle ebenfalls wie an Fäden gezogen aufstand, Lelaine schien überrascht, daß es Faiselle und Takima nicht auch auf die Füße brachte.

Takima, die weit davon entfernt war, sich zu erheben, stieß einen Laut aus, als wäre sie geschlagen worden. Unglaube überzog ihr Gesicht, während sie den Blick über die stehenden Frauen gleiten ließ und sie offensichtlich zählte. Und es dann erneut tat. Takima, die sich an alles beim ersten Mal erinnerte.

Egwene atmete vor Erleichterung tief aus. Es war vollbracht. Sie konnte es kaum glauben. Kurz darauf räusperte sie sich, und Sheriam sprang tatsächlich auf.

Die grünen Augen groß wie Untertassen, räusperte sich auch die Behüterin der Chroniken. »Da die Mehrheit dafür gestimmt hat, wird Elaida do Avriny a'Roihan hiermit der Krieg erklärt.« Ihre Stimme klang nicht allzu fest, aber es genügte. »Im Interesse der Einigkeit bitte ich die Minderheit, ebenfalls aufzustehen.«

Faiselle regte sich unentschlossen und preßte die Hände im Schoß zusammen. Saroiya öffnete den Mund und schloß ihn mit besorgter Miene wieder, ohne etwas gesagt zu haben. Niemand sonst regte sich.

»Ihr werdet sie nicht bekommen«, sagte Romanda tonlos. Das Hohnlächeln, mit dem sie Lelaine bedachte, genügte als Feststellung, warum zumindest sie nicht aufstehen würde. »Jetzt, da diese unwichtige Angelegenheit geklärt ist, können wir mit...«

»Ich glaube nicht, daß wir das können«, unterbrach Egwene sie. »Takima, was sagt das Kriegsrecht über den Amyrlin-Sitz?« Romanda blieb mit offenem Mund stehen.

Takima verzog die Lippen. Die kleine Braune erinnerte mehr denn je an einen Vogel, der davonfliegen wollte. »Das Kriegsrecht...«, begann sie, atmete dann tief durch und setzte sich aufrecht hin. »Das Kriegsrecht besagt: ›Wie ein Paar Hände ein Schwert führen muß, so soll der Amyrlin-Sitz den Krieg durch einen Erlaß befehlen und durchführen. Sie soll den Rat des Saals der Burg suchen, aber der Saal soll alle ihre Erlasse möglichst rasch ausführen, und sie sollen, um der Einigkeit willen...‹« Sie zögerte und mußte sich sichtlich zwingen fortzufahren. »...sie sollen und müssen jeden Erlaß des Amyrlin-Sitzes bezüglich der Durchführung des Krieges billigen, als wäre er mehrheitlich beschlossen.«

Ein langes Schweigen entstand. Aller Augen schienen hervorzutreten. Delana wandte sich jäh um und erbrach sich auf die Teppiche hinter ihrer Bank. Kwamesa und Salita stiegen herab und wollten zu ihr gehen, aber sie winkte sie zurück und zog ein Tuch aus ihrem Ärmel, um sich den Mund abzuwischen. Magla und Saroiya und mehrere andere, die noch saßen, machten ein Gesicht, als wollten sie ihrem Beispiel folgen. Jedoch keine der anderen, die in Salidar erwählt worden waren. Romanda wirkte eisenhart.

»Sehr klug«, sagte Lelaine schließlich kurz angebunden und fügte nach einer wohlerwogenen Pause hinzu: »Mutter. Werdet Ihr uns an dem teilhaben lassen, was die große Weisheit Eurer umfangreichen Erfahrung Euch zu tun rät? Ich meine, wegen des Krieges. Ich möchte nicht mißverstanden werden.«

»Ich möchte ebenfalls nicht mißverstanden werden«, sagte Egwene kalt. Sie beugte sich vor und fixierte die Blaue Schwester streng. »Ein gewisses Maß an Respekt dem Amyrlin-Sitz gegenüber ist unumgänglich, und von nun an werde ich ihn bekommen, Tochter. Jetzt ist nicht der richtige Zeitpunkt, Euch Eures Amtes zu entheben und eine Strafe auszusprechen.« Lelaines Augen weiteten sich vor Entsetzen immer stärker. Hatte die Frau wirklich geglaubt, alles würde so weitergehen wie bisher? Oder hatte Lelaine, nachdem Egwene es so lange kaum gewagt hatte, auch nur ein wenig Rückgrat zu zeigen, einfach gedacht, sie besäße keines? Sie wollte Lelaine wirklich nicht ihres Amtes entheben. Sie mußte mit dem vollständigen Saal noch immer über Angelegenheiten verhandeln, die nicht überzeugend als Teil des Krieges gegen Elaida ausgegeben werden konnten.

Sie bemerkte aus den Augenwinkeln ein Lächeln um Romandas Lippen, als sie Lelaine sich hinsetzen sah. »Das gilt für alle, Romanda«, sagte sie. Romandas Lächeln schwand jäh.

»Wenn ich etwas sagen dürfte, Mutter«, bat Takima und erhob sich zögernd. Sie versuchte zu lächeln, schien sich aber noch immer entschieden unwohl zu fühlen. »Ich denke, Ihr habt einen guten Anfang gemacht. Es hat vielleicht Vorteile, hier einen Monat haltzumachen. Oder länger.« Romanda wandte ruckartig den Kopf und starrte sie an, aber dieses eine Mal bemerkte Takima es anscheinend nicht. »Wenn wir hier überwintern, können wir noch schlimmeres Wetter weiter im Norden meiden und auch sorgfältig Vorbereitungen treffen...«

»Die Verzögerungen haben ein Ende, Tochter«, unterbrach Egwene sie. »Wir werden uns keine Zeit mehr lassen.« Würde sie eine neue Gerra oder eine neue Shein werden? Beides war noch immer möglich. »Wir werden in einem Monat aufbrechen.« Nein, sie war Egwene al'Vere. Was auch immer die geheimen Aufzeichnungen über ihre Fehler und Tugenden besagen würden, wußte nur das Licht, aber es wären ihre eigenen Fehler und Tugenden. »Wir werden in einem Monat mit der Belagerung Tar Valons beginnen.«

Dieses Mal wurde das Schweigen nur von Takimas Weinen unterbrochen.

20

Nach Andor

Elayne hoffte insgeheim, daß die Reise nach Caemlyn reibungslos verlaufen würde. Vollkommen erschöpft kauerte sie neben Aviendha und Birgitte in den von ihrer Kleidung übriggebliebenen Lumpen, die vor Dreck und Staub und dem Blut der Verletzungen starrten, die sie bei der Explosion des Wegetors davongetragen hatte. Sie wäre bestenfalls in zwei Wochen imstande, ihre Ansprüche auf den Löwenthron anzumelden. Auf dem Hügelkamm heilte Nynaeve Elaynes zahlreiche Verletzungen, sprach kaum ein Wort und schalt sie vor allem nicht aus. Das war sicherlich ein erfreuliches Zeichen, wenn auch ungewöhnlich. Ihre Miene spiegelte den Kampf zwischen der Erleichterung darüber, daß sie alle am Leben waren, und der Sorge wider.

Lans Kraft war nötig, um den seanchanischen Armbrustpfeil aus Birgittes Oberschenkel zu ziehen, bevor sie von dieser Wunde Geheilt werden konnte, aber obwohl ihr Gesicht bleich wurde und Elayne durch den Bund einen stechenden Schmerz empfand, der in ihr das Bedürfnis erweckte aufzuschreien, stöhnte ihre Behüterin nur durch zusammengebissene Zähne.

»»Tai'shar, Kandor«, murmelte Lan, als er die vierkantige Eisenspitze, die eigentlich dafür gedacht war, Rüstungen zu durchschlagen, neben sich auf den Boden warf. Das wahre Blut Kandors. Birgitte blinzelte, und er hielt inne. »Verzeiht, wenn ich mich geirrt habe. Aus Eurer Kleidung habe ich geschlossen, daß Ihr eine Kandori wärt.«