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»Mein Lord Drache«, begann Weiramon. »Ich kann Euch gar nicht sagen, wie froh ich bin, Euch von Tairenern beschützt zu sehen. Die Welt würde gewiß trauern, wenn Euch etwas zustieße.« Er war zu gescheit, um sich so weit vorzuwagen, die Gefährten als nicht vertrauenswürdig zu bezeichnen. Fast zu gescheit.

»Früher oder später wird es geschehen«, sagte Rand trocken. »Und ich weiß, wie sehr Ihr trauern würdet, Weiramon.«

Der Bursche bildete sich tatsächlich etwas darauf ein und strich sich über seinen spitzen, von Grau durchzogenen Bart. Er hörte, was er hören wollte. »Seid meiner Treue versichert, mein Lord, denn sie ist auch der Grund dafür, warum mich die Befehle beunruhigen, die Euer Kurier mir heute morgen überbrachte.« Das war Adley gewesen. Viele der Adligen glaubten, daß ihnen von den Asha'man weniger Gefahr drohte, wenn sie sie lediglich als Rands Diener betrachteten. »Es war klug von Euch, die meisten Cairhiener und natürlich auch die Illianer fortzuschicken. Das versteht sich von selbst. Ich kann sogar verstehen, warum Ihr Gueyam und den übrigen mißtraut.« Weiramons Stiefel machten klatschende Geräusche im Schlamm, als er näher trat, und seine Stimme nahm einen vertrauensvollen Unterton an. »Ich glaube, daß einige von ihnen ... Nun, ich würde nicht sagen, daß sie gegen Euch intrigiert haben, aber ihre Treue war wohl nicht immer so untadelig wie die meine.« Sein Tonfall veränderte sich erneut, wurde fest und zuversichtlich, die Stimme eines Mannes, der sich nur um die Bedürfnisse desjenigen kümmert, dem er dient. Desjenigen, der gewiß ihn zum ersten König von Tear machen würde. »Gestattet mir, alle meine Waffenträger aufzubieten, mein Lord Drache. Mit ihnen und den Verteidigern kann ich mich für die Ehre des Herrn des Morgens und seine Sicherheit verbürgen.«

In jedem der über die Heide verstreuten Lager wurden Wagen und Karren beladen und Pferde gesattelt. Die meisten Zelte waren bereits abgebaut. Die Hochlady Rosana ritt gen Norden, und ihrem Banner folgten genügend Leute, um unter den Banditen Verwüstung anrichten und die Shaido zumindest eine Weile aufhalten zu können. Aber nicht genug, um sie leichtsinnig werden zu lassen, besonders dann nicht, wenn die Hälfte der Männer Gueyams und Maraconns Gefolgsleute waren, die von Verteidigern des Steins unterstützt wurden. Ähnliches galt für Spiron Narettin, der mit ebenso vielen Gefährten und anderen aus dem Konzil der Neun Verschworenen ostwärts über den hohen Bergrücken ritt. Seine Truppe wurde verstärkt durch hundert weitere Fußsoldaten, bei denen es sich um einige der Burschen handelte, die sich am Tag zuvor in den Wäldern jenseits dieses Bergrückens ergeben hatten und nun das Ende der Reihe bildeten. Überraschend viele der Männer hatten die Möglichkeit gewählt, dem Wiedergeborenen Drachen zu folgen, aber Rand traute ihnen nicht genug, um sie zusammenbleiben zu lassen. Tolmeran brach gerade mit derselben Zusammenstellung von Leuten gen Süden auf, und weitere würden abmarschieren, sobald ihre Karren und Wagen beladen waren. Alle in verschiedene Richtungen, und niemand konnte den Männern in seinem Rücken ausreichend trauen, um mehr zu tun, als Rands Befehlen zu folgen. Es war eine wichtige Aufgabe, Illian den Frieden zu bringen, und doch bedauerte es jeder einzelne Lord und jede einzelne Lady, vom Wiedergeborenen Drachen fortgeschickt zu werden, und fragte sich offensichtlich, ob dies bedeutete, daß sie sein Vertrauen verloren hatten. Obwohl einige wenige vielleicht auch überlegt hatten, warum er jene, die er unter seiner Aufsicht beließ, bei sich behielt. Rosana hatte jedenfalls nachdenklich dreingeschaut.

»Eure Sorge rührt mich«, sagte Rand zu Weiramon, »aber wie viele Leibwächter braucht ein Mann? Ich will keinen Krieg beginnen.« Es war vielleicht ein guter Einwand, aber dieser Krieg war bereits im Entstehen begriffen. Er hatte in Falme begonnen, wenn nicht schon vorher. »Macht Eure Leute marschbereit.«

Wie viele sind für meinen Stolz gestorben? stöhnte Lews Therin. Wie viele sind für meine Fehler gestorben?

»Darf ich zumindest fragen, wohin wir ziehen?« Weiramons fast verärgerte Frage erklang unmittelbar nach der Stimme in Rands Kopf.

»In die Stadt«, fauchte Rand. Er wußte nicht, wie viele Menschen durch seine Fehler ums Leben gekommen waren, aber er war sich sicher, daß niemand für seinen Stolz gestorben war.

Weiramon öffnete verwirrt den Mund, da er nicht wußte, ob Rand Tear oder Illian oder vielleicht sogar Cairhien meinte, aber dieser scheuchte ihn mit einer harschen, fast zustechenden Bewegung mit dem Drachenszepter davon, welche die grünweißen Quasten schwingen ließ. Er wünschte halbwegs, er hätte damit gleichzeitig Lews Therin erstechen können. »Ich beabsichtige nicht, den ganzen Tag hier herumzusitzen, Weiramon! Geht zu Euren Männern!«

Kaum eine Stunde später ergriff er die Wahre Quelle und machte sich bereit, ein Wegetor für das Reisen zu gestalten. Er mußte gegen die Benommenheit ankämpfen, die ihn in letzter Zeit umfing, wann immer er die Macht ergriff oder losließ, und schwankte fast in Tai'daishars Sattel. Die Quelle zu berühren kam für ihn fast Übelkeit gleich. Wenn er doppelt sah, und sei es auch nur für wenige Augenblicke, wurde das Gestalten von Gewebesträngen schwierig, wenn nicht unmöglich. Er hätte Dashiva oder Flinn oder jemand anderen bitten können, es für ihn zu tun, aber Gedwyn und Rochaid warteten mit ihren Pferden vor ungefähr einem Dutzend Soldaten in schwarzen Jacken, all jene, die nicht auf die Suche gegangen waren. Sie warteten einfach schweigend ab und beobachteten Rand. Rochaid, höchstens eine Handbreit kleiner als Rand und vielleicht zwei Jahre jünger, war ebenfalls ein vollständig ausgebildeter Asha'man, und auch seine Jacke bestand aus Seide. Ein kleines Lächeln umspielte seine Lippen, als wüßte er Dinge, von denen andere nichts wußten. Was wußte er? Gewiß etwas über die Seanchaner — wenn nicht sogar über Rands Pläne mit ihnen. Was noch? Vielleicht nichts, aber Rand würde vor diesen beiden keine Schwäche zeigen. Die Benommenheit schwand rasch, wenn auch die Doppelsichtigkeit wie stets während der letzten Wochen ein wenig langsamer, und dann vollendete er das Gewebe ohne innezuhalten, gab seinem Pferd die Sporen und ritt durch die sich vor ihm entstehende Öffnung.

Die Stadt, von der er gesprochen hatte, war Illian, wobei sich das Wegetor im Norden der Stadt eröffnete. Trotz Weiramons vermeintlicher Besorgnis ging er wohl kaum ungeschützt und allein. Fast dreitausend Mann ritten hinter ihm durch die hohe quadratische Öffnung in der Luft auf das wellige Weideland nicht weit von der breiten, schlammigen Straße, die zum Damm des Nordsterns führte. Obwohl jeder Lord nur eine Handvoll Waffenträger hatte mitnehmen dürfen — für Männer, die sonst tausend, wenn nicht Tausende Leute anführten, waren einhundert Mann nur eine Handvoll —, ergaben alle zusammen eine stattliche Anzahclass="underline" Tairener, Cairhiener und Illianer, Verteidiger des Steins unter Tihera und Gefährten unter Marcolin sowie Asha'man, die Gedwyn auf dem Fuße folgten. Die Asha'man, die mit ihm gekommen waren, ohnehin. Dashiva, Flinn und die übrigen hielten ihre Pferde dicht hinter Rand. Alle außer Narishma, der noch nicht zurückgekommen war. Der Mann wußte, wo er ihn finden konnte, aber es gefiel Rand trotzdem nicht.

Jede Gruppe blieb so weitgehend wie möglich für sich. Gueyam, Maraconn und Aracome, die mehr auf Rand als auf ihren Weg achteten, sowie Gregorin Panar mit drei weiteren des Konzils der Neun, die sich in ihren Sätteln seitwärts beugten, um beunruhigt miteinander zu tuscheln, ritten mit Weiramon. Semaradrid, in dessen Gefolge sich einige cairhienische Lords mit angespannten Mienen befanden, beobachtete Rand fast ebenso genau wie die Tairener. Rand hatte jene, die mit ihm ritten, ebenso sorgfältig ausgewählt wie jene, die er fortgeschickt hatte — nicht immer aus den Gründen, die andere vielleicht vermutet hätten.