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Die Hälfte der ihn umgebenden niedrigen Hügel waren mit geduckten, knorrigen, vom Sonnenlicht gesprenkelten Olivenbäumen bestanden. Lanzenträger ritten bereits prüfend die Reihen entlang. In diesen Hainen waren keine Arbeiter, keine Bauern und kein Gebäude irgendeiner Art zu sehen. Wenige Meilen westlich erschienen die Hügel dunkler und bewaldeter. Legionäre, die reihenweise unterhalb von Rand auftauchten, stellten sich auf, von einem unregelmäßigen Viereck illianischer Freiwilliger gefolgt, die jetzt zur Legion gehörten. Sobald ihre Reihen geordnet waren, machten sie Platz für die Verteidiger und Gefährten. Der Boden schien fast überwiegend aus Lehm zu bestehen, denn Stiefel und Hufe rutschten auf der dünnen Schlammschicht gleichermaßen aus. Seltsamerweise standen jedoch nur wenige weiße Wolken am Himmel, und die Sonne war ein hellgelber Ball.

Nichts flog auf, was größer als ein Spatz gewesen wäre.

Dashiva und Flinn gehörten zu jenen Männern, die Wegetore hielten, wie auch Adley und Hopwil, Morr und Narishma. Einige der Wegetore lagen außerhalb von Rands Sichtfeld hinter den welligen Hügeln. Er wollte, daß alle Männer so rasch wie möglich hindurchkämen, und bis auf wenige Soldaten, die den Himmel beobachteten, hielt jedermann in einer schwarzen Jacke, der nicht bereits als Kundschafter ausgeritten war, ein Gewebe fest. Selbst Gedwyn und Rochaid, wenn auch mit verzerrten Mienen.

Bashere ritt in leichtem Trab den Hang hinauf, überaus zufrieden mit sich und seinem kleinen Kastanienbraunen. Er hatte seinen Umhang trotz der morgendlichen Kühle, die nicht der Kälte in den Bergen entsprach, aber dennoch winterlich war, zurückgeschlagen. Er nickte Anaiyella und Ailil flüchtig zu, die ihn jedpch nur finster ansahen. Bashere lächelte halbherzig durch seinen dichten Schnurrbart, der wie abwärts gebogene Hörner aussah. Er hegte den Frauen gegenüber ebenso viele Zweifel wie Rand, und die Frauen wußten Bescheid, zumindest über Basheres Vorbehalte. Anaiyella wandte den Kopf rasch von dem Saldaeaner ab und streichelte die Mähne ihres Wallachs. Ailil umklammerte ihre Zügel zu starr.

Die beiden hatten sich seit dem Zwischenfall auf dem Kamm nicht mehr weit von Rand entfernt und hatten am Vorabend sogar ihre Zelte in Hörweite aufgestellt. Auf dem mit braunem Gras bewachsenen gegenüberliegenden Hang verlagerte Denharad sein Gewicht, um die Gefolgsleute der beiden adligen Frauen zu betrachten, die hinter ihm Aufstellung genommen hatten. Dann wandte er sich rasch wieder der Beobachtung Rands zu. Er behielt sehr wahrscheinlich auch Ailil im Auge, und vielleicht auch Anaiyella, aber Rand beobachtete er zweifellos. Rand war sich nicht sicher, ob sie noch immer fürchteten, die Verantwortung dafür übernehmen zu müssen, wenn er getötet würde, oder ob sie einfach nur dabei zusehen wollten. Er war sich jedoch sicher, daß er ihnen keine Gelegenheit dazu geben wollte.

Wer kennt das Herz einer Frau? Lews Therin kicherte verzerrt. Er klang, als befände er sich in einer seiner vernünftigeren Phasen. Die meisten Frauen würden achselzuckend abtun, wofür ein Mann dich töten würde, und dich wiederum für etwas töten, was ein Mann achselzuckend abtäte.

Rand ignorierte ihn. Das letzte für ihn sichtbare Wegetor erlosch. Die Asha'man, die gerade aufsaßen, waren zu weit von ihm entfernt, als daß er hätte sagen können, ob noch einer von ihnen Saidin festhielt, aber das war auch unwichtig, solange er es festhielt. Der unbeholfene Dashiva versuchte rasch aufzusteigen und fiel fast zweimal herunter, bevor er den Sattel erfolgreich eroberte. Die meisten der in Sicht befindlichen Männer in den schwarzen Jacken ritten gen Norden oder Süden.

Die übrigen Adligen versammelten sich eilig mit Bashere auf dem Hang unmittelbar unter Rand, die Höchstrangigen und jene mit der meisten Macht an der Spitze, nach ein wenig Drängeln hier und dort, wo der Vorrang unsicher blieb. Tihera und Marcolin saßen mit sorgfältig ausdruckslos gehaltenen Mienen auf ihren Pferden jeweils abseits der Masse der Adligen. Man könnte sie vielleicht um Rat bitten, aber beide wußten, daß die endgültigen Entscheidungen den übrigen zukamen. Weiramon öffnete mit großartiger Geste den Mund, zweifellos, um einen weiteren herrlichen, salbungsvollen Vortrag über den Ruhm zu halten, indem man dem Wiedergeborenen Drachen folgte. Sunamon und Torean, die seine Reden gewöhnt und ausreichend mächtig waren, sich in seiner Nähe nicht in acht nehmen zu müssen, führten ihre Pferde zueinander und begannen sich ruhig zu unterhalten. Sunamons Gesicht wirkte ungewöhnlich hart, und Torean schien bereit, trotz der roten Streifen an seinen Jackenärmeln Grenzen zu überschreiten. Bertome mit dem kantigen Gesicht und einige der anderen Cairhiener lachten gegenseitig über ihre Spaße. Jedermann hatte genug von Weiramons großartigen Ergüssen. Semaradrids Stirnrunzeln vertiefte sich jedesmal, wenn er Ailil und Anaiyella ansah — es gefiel ihm nicht, daß sie in Rands Nähe blieben.

»Ungefähr zehn Meilen von uns entfernt«, sagte Rand laut, »marschieren gut fünfzigtausend Mann auf.« Sie waren sich dessen bewußt, aber seine Worte zogen dennoch aller Aufmerksamkeit auf sich und brachten jedermann zum Schweigen. Auch Weiramon schloß verärgert den Mund. Der Bursche liebte es, sich reden zu hören. Gueyam und Maraconn, diese Narren, die heftig an ihren geölten Barten zupften, lächelten erwartungsvoll. Semaradrid machte ein Gesicht, als hätte er eine ganze Schale schlechter Pflaumen gegessen. Gregorin und die drei Lords der Neun bei ihm zeigten nur grimmige Entschlossenheit. Sie waren keine Narren. »Die Kundschafter haben keine Anzeichen von Sul'dam oder Damane gesehen«, fuhr Rand fort, »aber auch ohne sie genügt ihre Anzahl, viele von uns zu töten, wenn jemand den Plan vergißt. Ich bin jedoch sicher, daß niemand ihn vergessen wird.« Dieses Mal sollten keine Angriffe ohne Befehle stattfinden, hatte er allen eingeschärft, und auch kein Davonpreschen, weil man glaubte, man hätte vielleicht gerade etwas gesehen.

Weiramon lächelte, und es gelang ihm, dieses Lächeln ebenso ölig wirken zu lassen, wie Sunamon dies jemals gelungen war.

Es war in gewisser Weise ein einfacher Plan. Sie würden in fünf Kolonnen westwärts marschieren, jede Kolonne mit Asha'man, und versuchen, die Seanchaner von allen Seiten gleichzeitig anzugreifen — oder zumindest von so vielen Seiten, wie es ihnen gelang. Bashere beharrte darauf, daß einfache Pläne die besten seien.

Kein Schlachtplan übersteht den ersten Zusammenstoß, sagte Lews Therin in Rands Kopf. Er schien im Moment noch klar. Im Moment. Irgend etwas stimmt nicht, grollte er dann plötzlich. Seine Stimme wurde lauter und ging schließlich in wildes, ungläubiges Lachen über. Es kann nichts falsch daran sein, aber da ist etwas Seltsames, etwas Falsches, dahinjagend, springend, sich drehend. Sein gackerndes Lachen wurde zu Weinen. Es kann nicht sein! Ich muß wahnsinnig sein! Er verschwand, bevor Rand ihn verstummen lassen konnte. Verdammt sei er, an dem Plan war nichts falsch, sonst hätte sich Bashere mit Freude darauf gestürzt.

Lews Therin war tatsächlich wahnsinnig, daran bestand kein Zweifel. Aber solange Rand al'Thor geistig gesund blieb ... Es wäre ein herber Streich für die Welt, wenn der Wiedergeborene Drache wahnsinnig würde, bevor die Letzte Schlacht auch nur begonnen hatte. »Nehmt Eure Plätze ein«, befahl er, während er eine Geste mit dem Drachenszepter vollführte. Er mußte den Drang bekämpfen, über den Streich zu lachen.

Die Adligen trennten sich auf seinen Befehl und liefen umher und murrten, während sie sich neu gruppierten. Nur wenigen gefiel die Aufteilung, die Rand vorgenommen hatte. Welche Barrieren auch immer unter dem Schock der ersten Kämpfe in den Bergen gefallen waren — sie hatten fast augenblicklich erneut bestanden.