Выбрать главу

Weiter unten am Hang fuhr sich Morr hinter Flinn mit einer Hand durchs Haar und sah sich unbehaglich um. Flinn verhielt sich ähnlich, indem er sich im Sattel regte und den Sitz seines Schwertes in der Scheide überprüfte. Narishma, der den Himmel nach Flugwesen absuchte, blinzelte viel zu häufig. An Adleys Wange zuckte ein Muskel. Sie alle zeigten Anzeichen von Nervosität, was nicht verwunderlich war. Erleichterung wallte in Rand auf. Es war also kein Wahnsinn.

Dashiva lächelte ein verzerrtes, selbstzufriedenes Lächeln. »Ich kann nicht glauben, daß Ihr es nicht schon früher bemerkt habt.« Seine Stimme klang fast höhnisch. »Ihr habt Saidin doch Tag und Nacht festgehalten, seit wir zu diesem Feldzug aufgebrochen sind. Dies ist nur ein einfacher Schutz, aber er wollte nicht Gestalt annehmen und fügte sich dann plötzlich zusammen, als entzöge er sich meinen Händen.«

Der silberblaue Schlitz eines Wegetors bildete sich auf einem der kahlen Hügel eine halbe Meile westlich, und ein Soldat, der von einem Erkundungsritt zurückkehrte, zog sein Pferd hindurch und stieg eilig auf. Rand konnte selbst auf diese Entfernung das schwache Schimmern der Gewebe rund um das Wegetor erkennen, bevor sie verschwanden. Der Reiter hatte den Fuß des Hügels noch nicht erreicht, als sich auf dem Kamm bereits ein weiteres Wegetor eröffnete, und dann ein drittes und ein viertes und weitere, eines nach dem anderen.

»Aber er hat Gestalt angenommen«, sagte Rand. Wie auch die Wegetore der Kundschafter. »Auch wenn Saidin schwer zu kontrollieren ist, tut es dennoch, was Ihr wollt.« Aber warum war es hier schwieriger? Diese Frage mußte ein andermal geklärt werden. Licht, er wünschte, Herid Fei wäre noch am Leben. Der alte Philosoph hätte vielleicht eine Antwort gewußt. »Geht mit den anderen zurück, Dashiva«, befahl er, aber der Mann starrte ihn erstaunt an, und Rand mußte seine Aufforderung wiederholen, bevor der Bursche den Lauschschutz verschwinden ließ, grußlos sein Pferd herumriß und das Tier mit den Fersen wieder den Hang hinabtrieb.

»Gibt es Probleme, mein Lord Drache?« fragte Anaiyella einfältig lächelnd. Ailil sah Rand nur mit ausdruckslosem Blick an.

Als sie den ersten Kundschafter auf Rand zureiten sahen, verteilten sich die übrigen nach Norden und Süden, wo sie sich den anderen Kolonnen anschließen würden. Es würde schneller gehen, sie auf die alte Art aufzusuchen, als mit Wegetoren herumzulavieren. Nalaam verhielt sein Pferd vor Rand und schlug sich mit der Faust an die Brust. Saidin tat noch immer, was der Mann, der es lenkte, von ihm wollte. Nalaam salutierte und erstattete Bericht. Die Seanchaner lagerten nur fünf oder sechs Meilen östlich, und sie hatten Sul'dam und Damane bei sich.

Rand erteilte seine Befehle, während Nalaam davongaloppierte. Seine Kolonne brach gen Westen auf. Die Verteidiger und Gefährten ritten an beiden Flanken. Die Legionäre marschierten als Nachhut unmittelbar hinter Denharad — eine Mahnung an die adligen Frauen und ihre Waffenträger, wenn sie eine solche brauchten. Anaiyella schaute häufig über die Schulter, und Ailil gab sich größte Mühe, es ihr nicht gleichzutun. Rand bildete mit Flinn und den übrigen den Hauptvorstoß. Wie auch bei den anderen Kolonnen führten Asha'man den Angriff, und Männer mit Stahl deckten ihnen den Rücken, während sie töteten. Die Sonne stand noch lange nicht im Zenit. Nichts hatte sich geändert, was eine Änderung des Plans gerechtfertigt hätte.

Der Wahnsinn wartet auf einige der Männer, flüsterte Lews Therin. Andere beschleicht er bereits.

Miraj ritt in der Nähe der Spitze seines Heeres, das östlich eine schlammige, sich durch hügelige Olivenhaine und Wälder windende Straße entlangzog. Nicht ganz an der Spitze. Ein vollständiges Regiment, überwiegend Seanchaner, ritt zwischen ihm und den vorausgeeilten Kundschaftern. Er hatte Generäle gekannt, die an vorderster Front hatten sein wollen. Die meisten waren tot, und die meisten hatten die Schlacht verloren, in der sie gestorben waren. Der Schlamm hielt den Staub am Boden, und doch verbreitete sich die Nachricht eines herannahenden Heeres, gleichgültig, in welchem Land, wie ein Steppenbrand auf den Sa'las Ebenen. Hier und da erblickte Miraj zwischen den Olivenbäumen einen umgestürzten Karren oder eine im Stich gelassene Sense, aber die Arbeiter waren schon lange verschwunden. Sie würden seine Gegner glücklicherweise ebenso meiden wie ihn. Mit etwas Glück würden seine Gegner, da sie keine Raken besaßen, ihn nicht bemerken, ehe es zu spät war. Kennar Miraj vertraute nicht gern auf das Glück.

Abgesehen von Unteroffizieren, die bereitwillig Landkarten zeichneten oder Befehle abschrieben, und Boten, die sie überbrachten, ritt er nur in Begleitung Abaldar Yulans, der so klein war, daß sein recht gewöhnlicher brauner Wallach riesig erschien. Der leidenschaftliche Mann hatte die Nägel seiner kleinen Finger grün bemalt und trug eine schwarze Perücke, um seine Kahlheit zu verbergen. Außerdem war Lisaine Jarath bei ihm, eine grauhaarige Frau aus Seandar selbst, deren helles, rundliches Gesicht und blaue Augen tiefe Ernsthaftigkeit zeigten. Yulan war beunruhigt. Mirajs kohlenschwarzer Befehlshaber der Luftstreitkräfte betrachtete die Regeln häufig unmutig, die es ihm nur noch selten erlaubten, die Zügel eines Raken zu berühren, aber heute blickte er besonders unmutig drein. Der Himmel war klar, das ideale Wetter für Raken, aber auf Suroths Befehl hin würde heute keiner der Flieger aufsteigen. Es waren zu wenige Raken bei den Hailene, um sie unnötig aufs Spiel zu setzen. Lisaines Schweigen beunruhigte Miraj mehr. Sie war nicht nur die rangälteste Der'sul'dam unter seinem Kommando, sondern auch eine Freundin, mit der er manchen Becher Kaf und viele Brettspiele geteilt hatte. Eine lebhafte Frau, die stets vor Begeisterung und Vergnügen sprühte. Und sie war auf kalte Art ruhig und so verschwiegen wie jede andere Sul'dam, die er zu befragen versucht hatte.

So weit er sehen konnte, flankierten zwanzig Damane die Reiter, wobei jede neben dem Pferd ihrer Sul'dam ging. Die Sul'dam regten sich unbehaglich in ihren Sätteln, beugten sich herab, um einer Damane den Kopf zu tätscheln, und richteten sich nur wieder auf, um sich dann erneut herabzubeugen und ihr übers Haar zu streichen. Die Damane erschienen ihm nur allzu beherrscht, aber die Sul'dam standen eindeutig auf Messers Schneide. Die überschwengliche Lisaine ritt schweigend wie ein Fels.

Ein Torrn erschien vor ihnen und schoß ein gutes Stück seitlich am Rand der Haine die Kolonne entlang.

Dennoch wieherten die Pferde und scheuten, als das mit bronzefarbenen Schuppen versehene Wesen vorüberflog. Ein ausgebildeter Torrn griff keine Pferde an — zumindest solange nicht, wie ihn die Lust am Töten nicht übermannte, was der Grund dafür war, warum Torrn in der Schlacht nichts taugten —, aber Pferde, die darauf dressiert waren, in der Nähe von Torrn die Ruhe zu bewahren, waren ebenso selten wie Torrn selbst.

Miraj schickte einen hageren Unterleutnant namens Varek los, den Kundschafterbericht des Momt'torm zu holen. Zu Fuß, und das Licht verberge, ob Varek Sei'taer verlor. Er würde keine Zeit mit Varek verschwenden, der ein Pferd zu beherrschen versuchte, das aus der Gegend stammte. Der Mann kehrte rasch zurück, verbeugte sich knapp und begann mit dem Bericht, bevor er sich noch ganz wieder aufgerichtet hatte.

»Der Feind steht keine fünf Meilen östlich von hier, mein Lord, und marschiert in unsere Richtung. Das feindliche Heer ist in fünf Kolonnen aufgeteilt, die annähernd eine Meile Abstand halten.«