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»Das wäre vielleicht eine Möglichkeit«, sagte sie ungewiß, während sie weiterhin ihre verdammte Stickerei betrachtete. Dann sah sie ihn nachdenklich an. »Ihr klingt... beunruhigt. Ich sage einem Mann nicht gern, daß er Angst hat, selbst wenn er Grund dazu hat. Beunruhigt über eine Schwester, die Ihr nicht in einen zahmen Schoßhund verwandelt habt, der Euch in gewisser Weise zu gefallen versucht? Laßt mich sehen. Ich kann Euch einiges versprechen, vielleicht wird Euch das beruhigen. Ich erwarte natürlich, daß Ihr zuhört — laßt mich Atem verschwenden, und Ihr werdet leiden —, aber ich werde Euch nicht dazu bringen zu tun, was ich will. Ich werde gewiß keine Lügen tolerieren — das ist noch etwas, was Ihr als entschieden beunruhigend empfinden werdet —, aber ich erwarte auch nicht, daß Ihr mir Eure tiefsten Sehnsüchte verratet. O ja, was auch immer ich tue, wird zu Eurem eigenen Besten sein. Nicht zu meinem Besten, nicht zum Besten der Weißen Burg — zu Eurem Besten. Nun, mildert das Eure Befürchtungen? Verzeiht. Eure Beunruhigung.«

Während Rand sie ansah, überlegte er, ob er lachen sollte. »Bringt man Euch das bei?« fragte er. »Ich meine, ein Versprechen wie eine Drohung klingen zu lassen.«

»Oh, ich verstehe. Ihr wollt Regeln. Das wollen die meisten Jungen, was auch immer sie sagen. Gut, laßt mich sehen. Ich kann Unhöflichkeit nicht ertragen, also werdet Ihr mir, meinen Freunden und meinen Gästen gegenüber angemessen höflich sein. Das beinhaltet, nicht die Macht gegen sie zu lenken, falls Ihr das nicht bereits vermutet habt, und Euer Temperament zu zügeln, was man sich wohl merken kann. Es betrifft ebenfalls Eure ... Gefährten mit den schwarzen Jacken. Es wäre schade, wenn ich Euch für etwas schlagen müßte, was einer von ihnen getan hat. Genügt das? Ich kann noch weitere Regeln aufstellen, wenn Ihr welche braucht.«

Rand stellte seinen Becher neben dem Stuhl ab. Der Tee war ebenso kalt geworden, wie er bitter war. Schnee häufte sich unter den Fenstern allmählich in Verwehungen auf. »Ich soll noch wahnsinnig werden, Aes Sedai, aber Ihr seid es bereits.« Er erhob sich und schritt zur Tür.

»Ich hoffe, Ihr habt nicht versucht, Callandor zu benutzen«, sagte sie hinter ihm selbstzufrieden. »Ich habe gehört, daß es aus dem Stein verschwunden ist. Ihr seid einmal entkommen, aber Ihr entkommt vielleicht kein zweites Mal.«

Er hielt jäh inne und schaute über die Schulter. Die Frau arbeitete weiter an dieser verdammten Stickerei! Der Wind fegte in den Raum, wirbelte Schnee umher, und sie hob nicht einmal den Kopf. »Was meint Ihr damit?«

»Wie?« Sie schaute nicht auf. »Oh. Nur sehr wenige in der Burg wußten, was Callandor ist, bevor Ihr es in Euren Besitz brachtet, aber in verstaubten Ecken der Burgbibliothek sind überraschende Dinge verborgen. Ich habe sie vor einigen Jahren durchstöbert, bevor ich beschloß, mich zurückzuziehen.«

»Was habt Ihr entdeckt?« fragte er rauh.

Cadsuane schaute auf und wirkte, das Haar schwingend und mit Schnee auf ihrem Gewand, wahrhaft wie eine Königin. »Ich habe Euch gesagt, daß ich Unhöflichkeit nicht ertragen kann. Wenn Ihr mich erneut um Hilfe bittet, erwarte ich, daß Ihr höflich bittet. Und ich würde heute eine Entschuldigung für Euer Betragen annehmen!«

»Was ist mit Callandorl«.

»Es ist makelbehaftet«, erwiderte sie knapp, »ihm fehlt der Schutz, der die Benutzung anderer Sa'angreale sicher macht, und es verstärkt den Makel Saidins anscheinend noch, einschließlich der Ungezügeltheit des Geistes. Jedenfalls solange ein Mann es benutzt. Die einzige Möglichkeit, Das Schwert, das kein Schwert ist zu benutzen, ohne Euer eigenes Leben aufs Spiel zu setzen oder nur das Licht weiß welchen Wahnsinn zu versuchen, besteht darin, es mit zwei Frauen verbunden zu tun, von denen eine die Stränge führt.«

Rand bemühte sich, seine Enttäuschung nicht zu zeigen, und trat von Cadsuane fort. Also war nicht nur die Ungezügeltheit Saidins rund um Ebou Dar schuld an Adleys Tod. Er hatte den Mann in dem Moment ermordet, als er Narishma nach dem Schwert geschickt hatte.

Cadsuanes Stimme verfolgte ihn. »Denkt daran, Junge. Ihr müßt sehr nett bitten und Euch entschuldigen. Ich würde vielleicht darauf eingehen, wenn Eure Entschuldigung aufrichtig klingt.«

Rand hörte sie kaum. Er hatte gehofft, Callandor erneut benutzen zu können, hatte gehofft, es wäre ausreichend stark. Jetzt blieb nur eine Möglichkeit, die ihn erschreckte. Er glaubte die Stimme einer anderen Frau zu hören — die Stimme einer Toten. Du könntest den Schöpfer herausfordern.

28

Rotdorn

Es schien kaum der geeignete Schauplatz für die von Elayne befürchtete Explosion. Harlon Brücke war ein stattliches Dorf mit drei Gasthäusern und ausreichend vielen Gebäuden, daß niemand auf einem Heuboden schlafen mußte. Als Elayne und Birgitte an diesem Morgen in den Schankraum hinabgingen, lächelte die Gastwirtin, Herrin Dill, ihnen herzlich zu und vollführte einen ihrem Umfang angemessenen Hofknicks. Dies geschah nicht nur, weil Elayne eine Aes Sedai war. Herrin Dill freute sich so darüber, daß ihr Gasthaus voll belegt war, obwohl die Straßen verschneit waren, daß sie vor fast jedermann knickste. Bei ihrem Eintreten verschlang Aviendha rasch das restliche Brot und den Käse ihres Frühstücks, wischte einige Krümel von ihrem grünen Gewand und langte nach ihrem dunklen Urnhang, um ihnen nach draußen zu folgen.

Die Sonne stieg gerade als niedrige, hellgelbe Scheibe über den Horizont. Nur wenige weiße, flaumige Wolken beeinträchtigten einen klaren blauen Himmel. Es war ein idealer Tag zum Reisen.

Adeleas kam die verschneite Straße herauf und zog Garenia Rosoinde, eine Frau der Schwesternschaft, am Arm mit sich. Garenia war eine Saldaeanerin mit schmalen Hüften, welche die letzten zwanzig Jahre als Krämerin verbracht hatte, obwohl sie nur wenige Jahre älter zu sein schien als Nynaeve. Ihre stark hakenförmige Nase machte sie normalerweise zu einer eindrucksvollen Erscheinung, eine Frau, die hart verhandeln konnte und keinen Deut zurückwich. Aber jetzt waren ihre dunklen, schrägstehenden Augen geweitet und ihr Mund zu lautloser Klage geöffnet. Immer mehr Frauen der Schwesternschaft folgten ihr miteinander flüsternd, die Röcke über den Schnee gerafft, und weitere schlössen sich ihnen aus allen Richtungen an. Reanne und die übrigen Frauen des Zirkels liefen mit grimmigen Mienen an der Spitze, alle außer Kirstian, die noch blasser als sonst wirkte. Auch Alise war da — mit äußerst unbewegtem Gesicht.

Adeleas blieb vor Elayne stehen und schob Garenia so grob vorwärts, daß die Frau auf Hände und Knie in den Schnee fiel, wo sie jammernd liegenblieb. Die Frauen der Schwesternschaft versammelten sich hinter ihr, während immer noch weitere herbeiströmten.

»Ich komme in dieser Angelegenheit zu Euch, weil Nynaeve beschäftigt ist«, wandte sich die Braune Schwester an Elayne. Sie meinte damit, daß Nynaeve sich irgendwo ein wenig mit Lan vergnügte, aber nicht einmal ein Lächeln erschien um Adeleas' Lippen. »Seid ruhig, Kind!« fauchte sie Garenia an, die prompt still wurde. Adeleas nickte zufrieden. »Dies ist nicht Garenia Rosoinde«, sagte sie. »Ich habe sie letztendlich erkannt. Sie ist Zarya Alkaese, eine Novizin, die unmittelbar bevor Vandene und ich beschlossen, uns zurückzuziehen und unsere Geschichte der Welt aufzuschreiben, davonlief. Sie hat es zugegeben, als ich sie zur Rede stellte. Es überrascht mich, daß Careane sie nicht vorher erkannt hat. Sie waren zwei Jahre lang zusammen Novizinnen. Das Gesetz ist hierin eindeutig, Elayne. Eine Davongelaufene muß sobald wie möglich wieder Weiß tragen und streng diszipliniert werden, bis sie zu einer angemessenen

Bestrafung zur Burg zurückgeschickt werden kann. Danach wird sie niemals wieder ans Davonlaufen denken!«