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»Es war richtig, daß ich Falle nicht mitgenommen habe«, murmelte er, »aber ich werde dennoch dafür bezahlen müssen.«

»Natürlich werdet Ihr bezahlen«, schnaubte Elyas. Er kam für einen Mann, der den größten Teil der letzten fünfzehn Jahre zu Fuß verbracht hatte, gut mit seinem mausgrauen Wallach zurecht. Kürzlich hatte er bei einem Würfelspiel mit Gallenne einen mit schwarzem Fuchspelz gesäumten Umhang gewonnen. Aram, der an Perrins anderer Seite ritt, betrachtete Elyas finster, aber der bärtige Mann ignorierte ihn. Sie kamen nicht gut miteinander aus. »Ein Mann muß immer früher oder später bezahlen, bei jeder Frau, ob er es verdient oder nicht. Aber ich hatte doch recht?«

Perrin nickte zähneknirschend. Es schien noch immer nicht richtig, von einem anderen Mann Ratschläge für die eigene Frau anzunehmen, selbst wohlüberlegte, verstohlene Ratschläge, und doch halfen sie anscheinend. Natürlich war es ebenso schwer, Faile gegenüber die Stimme zu erheben, wie sie Berelain gegenüber nicht zu erheben, aber er hatte letzteres recht häufig und ersteres einige Male geschafft. Er war Elyas' Rat getreu gefolgt. Nun, überwiegend, so gut er konnte. Dieser stechende Geruch der Eifersucht bestand beim Anblick Berelains noch immer, aber der Geruch des Verletztseins war verschwunden, während sie langsam gen Süden zogen. Er fühlte sich dennoch unbehaglich. Als er Faile heute morgen fest erklärte, daß sie nicht mitkommen könne, hatte sie mit keinem Wort widersprochen! Sie roch sogar ... erfreut! Unter anderem, einschließlich Bestürztsein. Wie konnte sie jedoch gleichzeitig erfreut und bestürzt sein? Nichts davon war auf ihrem Gesicht zu lesen gewesen, aber seine Nase betrog ihn niemals. Es schien ihm, als begriffe er immer weniger, je mehr er über Frauen lernte.

Die Brückenwächter runzelten die Stirn und betasteten ihre Waffen, als Stehers Hufe mit hohlem Klang auf den Holzplanken auftrafen. Die Wächter bildeten die übliche seltsame Mischung von Gefolgsleuten des Propheten, Burschen mit schmutzigen Gesichtern in zu großen Seidenjacken, narbengesichtige Draufgänger und Neulinge mit rosigen Wangen sowie ehemalige Händler und Handwerker, die schon seit Monaten in ihrer ehemals edlen Kleidung zu schlafen schienen. Ihre Waffen machten jedoch einen gut gepflegten Eindruck. Einige der Männer hatten einen fiebrigen Glanz in den Augen. Die übrigen zeigten wachsame, hölzerne Mienen. Sie rochen nicht nur ungewaschen, sondern auch eifrig, besorgt, inbrünstig, ängstlich — alles gleichzeitig.

Sie machten keinerlei Anstalten, ihnen den Weg zu versperren, sondern beobachteten nur, wobei sie kaum blinzelten. Nach allem, was Perrin gehört hatte, kamen von Frauen in Seide bis zu Bettlern in Lumpen alle möglichen Menschen in der Hoffnung zum Propheten, zusätzlichen Segen zu erlangen, wenn sie sich ihm persönlich unterwarfen. Oder vielleicht zusätzlichen Schutz. Darum war er mit nur einer Handvoll Gefährten hierher gekommen. Er würde Masema in Furcht versetzen, wenn er es müßte und wenn Masema in Furcht versetzt werden konnte, aber es schien klüger, an den Mann heranzutreten, ohne eine Schlacht zu schlagen. Er konnte die Blicke der Wächter auf seinem Rücken spüren, bis sie die kurze Brücke überquert und die gepflasterten Straßen Abilas erreicht hatten. Perrin verspürte jedoch keine Erleichterung, als dieser Druck wich.

Abila war eine recht große Stadt mit mehreren hohen Wachtürmen und vielen vierstöckigen Gebäuden, deren Dächer alle schiefergedeckt waren. Hier und dort füllten Steinhaufen und Holzbalken eine Lücke zwischen zwei Gebäuden aus, wo ein Gasthaus oder das Haus eines Händlers abgerissen worden war. Der Prophet mißbilligte durch Handel erworbenen Reichtum ebenso sehr wie Zechgelage oder das, was seine Gefolgsleute unzüchtiges Benehmen nannten. Er mißbilligte viele Dinge und ließ seine Meinung durch anschauliche Beispiele bekannt werden.

Die Straßen waren stark bevölkert, aber Perrin und seine Gefährten waren die einzigen Reiter. Der Schnee war schon längst zu halbwegs gefrorenem, knöchelhohem Matsch zertreten worden. Viele Ochsenkarren, aber nur sehr wenige Wagen und keine einzige Kutsche bahnten sich langsam ihren Weg durch die Menge. Bis auf jene, die zerschlissene, abgetragene oder vielleicht gestohlene Kleidung trugen, war jedermann in eintöniges Tuch gekleidet. Die meisten Menschen waren in Eile, aber ebenso wie die Menschen auf der Landstraße mit gesenkten Köpfen. Weniger eilig hatten es verschiedene Gruppen bewaffneter Männer. Es roch in den Straßen überwiegend nach Schmutz und Angst, was Perrin die Haare zu Berge stehen ließ. Zumindest würde es sich, wenn es nötig würde, nicht als schwieriger erweisen, eine Stadt ohne Mauer zu verlassen, als sie zu betreten.

»Mein Lord«, murmelte Balwer, als sie vor einen jener Schutthaufen gelangten. Er wartete kaum ab, bis Perrin nickte, bevor er sein Pferd zur Seite führte und in eine andere Richtung lenkte, im Sattel zusammengekauert, den braunen Umhang fest um sich geschlungen. Es bereitete Perrin selbst hier keine Sorgen, daß der hagere kleine Mann allein davonritt. Er erfuhr auf seinen Alleingängen für einen Schreiber erstaunlich viel und schien zu wissen, was er tat.

Perrin verbannte Balwer aus seinen Gedanken und wandte sich dem zu, was er hier vorhatte.

Nur eine Frage war nötig, an einen schlaksigen jungen Mann mit schwärmerisch leuchtendem Gesicht gerichtet, um zu erfahren, wo sich der Prophet aufhielt, und drei weitere Fragen an andere Menschen auf den Straßen, um das Haus der Händlerin zu finden, vier Stockwerke grauen Steins mit weißen Marmorkanten und Fensterumrahmungen. Masema mißbilligte es, Geld zu scheffeln, aber er nahm bereitwillig Unterstützung von jenen an, die sie ihm gewährten. Andererseits sagte Balwer, Masema habe ebenso häufig auf einem zugigen Bauernhof übernachtet und sei genauso zufrieden gewesen. Masema trank nur Wasser, und wo auch immer er hinging, stellte er eine arme Witwe ein und aß das Essen, das sie kochte, ob gut oder schlecht, ohne sich zu beklagen.

Die überall sonst die Straßen bevölkernde Menge fehlte vor diesem hohen Haus, obwohl eine Anzahl bewaffneter Wächter wie jene an der Brücke dies fast wieder wettmachten. Jene, die nicht unverschämt grinsten, sahen Perrin verdrießlich an. Die beiden Aes Sedai hielten die Gesichter tief in den Kapuzen verborgen und die Köpfe gesenkt, wobei weißer Atem wie Dampf aus den Kapuzen aufstieg. Perrin sah Elyas aus den Augenwinkeln mit dem Daumen über das Heft seines langen Dolchs streichen. Es fiel ihm schwer, nicht auch seine Streitaxt zu betasten.

»Ich komme mit einer Nachricht des Wiedergeborenen Drachen für den Propheten«, verkündete er. Als sich keiner der Männer regte, fügte er hinzu: »Mein Name ist Perrin Aybara. Der Prophet kennt mich.« Balwer hatte ihn ermahnt, er solle weder Masemas Namen nennen noch Rand als etwas anderes als den Wiedergeborenen Drachen bezeichnen. Er wollte hier keinen Aufruhr bewirken.

Die Behauptung, Masema zu kennen, schien die Wächter zu beleben. Mehrere wechselten erstaunte Blicke, und einer lief in das Gebäude. Die übrigen sahen Perrin abschätzend an. Kurz darauf trat eine Frau in den Eingang. Hübsch, mit etwas Weiß an den Schläfen, in einem hochgeschlossenen blauen Tuchgewand, das edel, wenn auch schlicht war, hätte sie die Händlerin selbst sein können. Masema warf diejenigen, die ihm Gastfreundschaft gewährten, nicht auf die Straße, aber ihre Diener oder Knechte landeten üblicherweise bei einer der Banden, die ›den Ruhm des Wiedergeborenen Drachen‹ verbreiteten.

»Wenn Ihr mir folgen wollt, Meister Aybara«, sagte die Frau ruhig. »Ich werde Euch und Eure Freunde zum Propheten des Drachen bringen, möge das Licht seinen Namen erleuchten.« Sie klang vielleicht ruhig, aber sie roch bestürzt.

Perrin befahl Neald und den Behütern, die Pferde zu bewachen, bis sie zurückkehrten, dann folgte er der Frau mit den übrigen Gefährten ins Haus. Im Inneren war es düster, nur wenige Lampen waren entzündet, und es war nicht wesentlich wärmer als im Freien. Selbst die Weisen Frauen schienen bedrückt. Sie rochen nicht wirklich ängstlich, aber ebenso annähernd wie die Aes Sedai, und Grady und Elyas rochen wachsam, nach zu Berge stehenden Haaren und angelegten Ohren. Aram roch seltsamerweise begierig. Perrin hoffte, daß der Mann nicht versuchen würde, das Schwert auf seinem Rücken zu ziehen.