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Flinn salutierte, die geballte Faust auf der Brust, und als Rand seinen Gruß mit einem Nicken erwiderte, hinkte er näher heran, wartete aber, bis die Stallknechte mit den Pferden gegangen waren, bevor er mit leiser Stimme sprach. »Torval ist hier. Vom M'Hael gesandt, behauptet er. Er wollte im Zelt des Konzils warten. Ich habe Narishma aufgetragen, ihn im Auge zu behalten.« So hatte Rands Befehl gelautet, obwohl er sich nicht sicher war, warum er ihn gegeben hatte. Niemand, der von der Schwarzen Burg kam, sollte sich selbst überlassen bleiben. Flinn betastete zögernd den Drachen an seinem schwarzen Kragen. »Er war nicht erfreut zu hören, daß Ihr uns alle erhoben habt.«

»Tatsächlich«, sagte Rand sanft, während er die Handschuhe hinter seinen Schwertgürtel steckte. Da Flinn noch immer unsicher wirkte, fügte er hinzu: »Ihr habt es alle verdient.« Er hatte einen der Asha'man zu Taim schicken wollen — dem Führer, dem M'Hael, wie die Asha'man ihn nannten —, aber jetzt konnte Torval die Botschaft überbringen. Im Zelt des Konzils? »Laßt Erfrischungen bringen«, befahl er Flinn und bedeutete Hopwil und Dashiva, ihm zu folgen.

Flinn salutierte erneut, aber Rand schritt bereits davon, wobei der schwarze Schlamm unter seinen Stiefeln hervorquoll. Keine Hochrufe erklangen im stürmischen Wind für ihn. Er konnte sich noch daran erinnern, als sie erklungen waren, wenn es nicht eine von Lews Therins Erinnerungen war. Wenn Lews Therin jemals real gewesen war. Ein Farbblitz erschien gerade außerhalb seines Sichtfelds, das Gefühl, daß jemand in der Nähe war, der ihn von hinten berührte. Er konzentrierte sich mühsam.

Das Zelt des Konzils war ein großer rotgestreifter Pavillon, der einst auf den Ebenen von Maredo gestanden hatte und jetzt inmitten von Rands Lager aufgeschlagen war, von dreißig Schritt freiem Boden umgeben. Hier standen niemals Wachen, sofern Rand nicht mit den Adligen zusammentraf. Jedermann, der hineinzuschleichen versucht hätte, wäre sofort von tausend neugierigen Augen bemerkt worden. Drei Banner auf hohen Pfählen — die Aufgehende Sonne von Cairhien, die Drei Mondsicheln von Tear und die Goldenen Bienen von Illian — bildeten ein Dreieck um das Zelt, und über dem karmesinroten Dach, höher als die übrigen, ragten das Drachenbanner und das Banner des Lichts auf. Der Wind ließ sie alle wehen, sich wellen und knattern, und auch die Zeltwände erbebten unter den Böen. Im Zelt lagen farbenfrohe Fransenteppiche auf dem Boden, und das einzige Möbelstück war ein großer, reich geschnitzter und vergoldeter Tisch mit Elfenbein- und Türkisintarsien. Ein Durcheinander von Landkarten verbarg fast die Tischplatte.

Torval hob den Kopf von den Karten, eindeutig bereit, jedermann anzuschreien, wer auch immer hereingeplatzt war. Fast mittleren Alters und neben jedem außer Rand oder einem Aiel groß erscheinend, blickte er kühl seine scharfgeschnittene Nase hinab, die vor Entrüstung bebte. Der Drache und das Schwert an seinem Jackenkragen glänzten im Licht der Kandelaber. Er trug eine schimmernd schwarze Seidenjacke, deren Schnitt auch einem Lord zur Ehre gereicht hätte. Die Silberscheide seines Schwerts war goldverziert, und ein glänzender Rubin krönte das Heft. Ein weiterer Edelstein schimmerte undeutlich an einem Fingerring. Man konnte Männer nicht zu Waffen ausbilden, ohne ein gewisses Maß an Herablassung erwarten zu müssen, und doch mochte Rand Torval nicht. Aber andererseits brauchte er auch Lews Therins Stimme nicht, um einem Mann in einer schwarzen Jacke gegenüber Mißtrauen zu hegen. Wie weit vertraute er selbst Flinn? Und doch mußte er sie anführen. Er hatte die Asha'man geschaffen, jetzt war er für sie verantwortlich.

Als Torval ihn sah, richtete er sich nachlässig auf und salutierte, aber seine Miene veränderte sich kaum. Er hatte schon einen höhnischen Zug um den Mund gezeigt als Rand ihm zum ersten Mal begegnet war. »Mein Lord Drache«, sagte er im Akzent der Taraboner, und er hätte damit ebensogut einen Gleichgestellten begrüßen können. Seine prahlerische Verbeugung schloß auch Hopwil und Dashiva mit ein. »Ich beglückwünsche Euch zur Eroberung Illians. Ein großer Sieg, nicht wahr? Ich hatte zur Begrüßung Wein anbieten wollen, aber dieser junge ... Geweihte ... versteht anscheinend keine Befehle.«

In der Ecke des Zelts klangen die Silberglocken an Narishmas beiden langen dunklen Zöpfen leise, als er sich regte. Die südliche Sonne hatte ihn dunkel gebräunt, aber sonst hatte sich nichts an ihm verändert. Älter als Rand, ließ ihn sein Gesicht noch jünger erscheinen als Hopwil. Die seine Wangen überziehende Röte zeugte von Zorn, nicht von Verlegenheit. Sein Stolz auf das neu errungene Schwert an seinem Kragen war unaufdringlich, aber spürbar. Torval lächelte ihn an, ein zögerndes Lächeln, sowohl belustigt als auch gefährlich. Dashiva lachte kurz und trocken auf und war dann still.

»Was macht Ihr hier, Torval?« fragte Rand grob. Er warf das Drachenszepter und seine Panzerhandschuhe auf die Landkarten und ließ ihnen seinen Schwertgürtel und das in der Scheide steckende Schwert folgen. Torval hatte keine Veranlassung, die Landkarten zu betrachten. Lews Therins Stimme war auch jetzt nicht nötig.

Torval zog achselzuckend einen Brief aus seiner Jackentasche und reichte ihn Rand. »Der M'Hael schickt dies.« Das Papier war schneeweiß und dick, das Siegel ein in ein golden glitzerndes, großes Oval blauen Wachses eingedrückter Drache. Man hätte fast denken können, der Brief käme vom Wiedergeborenen Drachen. Taim hielt offenbar viel von sich. »Der M'Hael hat mir aufgetragen, Euch zu sagen, daß die Geschichten über die Aes Sedai, die mit einem Heer in Murandy stehen, wahr sind. Gerüchte besagen, sie erhöben sich gegen Tar Valon...« Torvals Hohn wurde durch Unglauben noch verstärkt —, »...aber sie marschieren auf die Schwarze Burg zu. Sie könnten bald zu einer Gefahr werden.«

Rand brach das prachtvolle Siegel zwischen seinen Fingern in Stücke. »Sie ziehen nach Caemlyn, nicht zur Schwarzen Burg, und sie sind keine Bedrohung, Meine Befehle waren eindeutig. Laßt die Aes Sedai in Ruhe, solange sie Euch nicht angreifen.«

»Aber wie könnt Ihr sicher sein, daß sie keine Bedrohung darstellen?« beharrte Torval. »Vielleicht ziehen sie nach Caemlyn, wie Ihr sagt, aber wenn Ihr Euch irrt, werden wir es erst erfahren, wenn sie uns angreifen,«

»Torval könnte recht haben«, wandte Dashiva nachdenklich ein. »Ich kann nicht behaupten, daß ich Frauen trauen würde, die mich in eine Kiste gesperrt haben, und diese haben keine Eide geschworen. Oder doch?«

»Ich sagte, laßt sie in Ruhe!« Rand schlug hart auf den Tisch, und Hopwil zuckte überrascht zusammen. Dashiva runzelte verwirrt die Stirn, bevor er sie rasch wieder glättete, aber Rand kümmerten Dashivas Stimmungen nicht. Er hatte die Hand zufällig — er war sich sicher, daß es zufällig geschah — auf sein Drachenszepter gelegt. Sein Arm zitterte von dem Wunsch, es Torval durchs Herz zu stoßen. Lews Therin bedurfte es überhaupt nicht. »Die Asha'man sind eine Waffe, die dann eingesetzt wird, wenn ich es sage, und nicht um wie Hennen umherzuflattern, wann immer sich Taim vor einer Handvoll Aes Sedai fürchtet, die im gleichen Gasthaus speisen. Wenn es sein muß, kann ich mich auch noch deutlicher ausdrücken.«

»Das ist gewiß nicht nötig«, sagte Torval schnell. Zumindest hatte etwas den verzerrten Zug um seinen Mund beseitigt. Er spreizte mit starrem Blick fast schüchtern und beinahe entschuldigend die Hände. Er war eindeutig verängstigt. »Der M'Hael wollte Euch nur Bescheid geben. Eure Befehle werden jeden Tag nach dem Credo bei den morgendlichen Anweisungen laut verlesen,«

»Das ist gut.« Rand hielt seine Stimme kühl und unterdrückte mühsam ein Stirnrunzeln. Der Mann fürchtete seinen kostbaren M'Hael, nicht den Wiedergeborenen Drachen. Er argwöhnte, daß Taim es übelnehmen könnte, wenn ihm etwas, was er gesagt hatte, Rands Zorn einbrächte. »Denn ich werde jeden von Euch töten, der sich in die Nähe dieser Frauen in Murandy wagt. Ihr zerstört, wo ich hinzeige.«

Torval verbeugte sich steif und murmelte: »Wie Ihr befehlt, mein Lord Drache.« Er entblößte in einem mißlungenen Lächeln die Zähne, aber seine Nasenflügel bebten, und er mied mühsam jedermanns Blick, während er nichts zu meiden vorgab. Dashiva lachte erneut rauh auf, und Hopwil grinste leicht.