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Die FROB-Lebensform konnte zwar im schwerelosen und luftleeren Raum leben, aber nur, wenn ihre unglaublich widerstandsfähige und elastische Haut unverletzt blieb. War die Haut durchstoßen und lagen die Blutgefäße und Organe darunter frei, wie es bei diesem Patienten an mehreren Stellen geschehen war, dann konnte man keinen tiefgehenden chirurgischen Eingriff vornehmen, solange man nicht die natürlichen Schwerkraft- und Druckverhältnisse hergestellt hatte. Alles andere hätte wegen des hohen Drucks der Körperflüssigkeiten zu starken Blutungen und Organverschiebungen geführt. Aus diesem Grund war das OP-Personal gezwungen, auf vier Ge eingestellte Gravitationsgürtel und schwere Schutzanzüge zu tragen, deren dicke Handschuhe durch enganliegende Operationsmembranen ersetzt worden waren, die die Auswirkungen des hohen Außendrucks auf ein Mindestmaß herabsetzen sollten.

Wie ein Schwärm unbeholfener Fische scharten sie sich um den Patienten, die bereit waren, mit dem chirurgischen Knabbern zu beginnen, dachte Conway.

„Die hinteren Glieder sind mit oberflächlichen Verletzungen davongekommen und werden auf natürlichem Wege verheilen“, berichtete Yarrence, eher für die mitlaufenden Aufnahmegeräte als für Conway. „Die beiden mittleren und die linke vordere Gliedmaße sind abgetrennt worden, und die Stümpfe müssen operativ zugeschnitten und mit Kappen bedeckt werden, um sie für das Anpassen von Prothesen vorzubereiten. Das rechte Vorderglied sitzt immer noch am Körper, ist aber so stark zerquetscht, daß trotz der Bemühungen, die Blutzufuhr zu den betroffenen Bereichen wiederherzustellen, bereits Wundbrand eingetreten ist. Diese Gliedmaße muß amputiert werden und der Stumpf..“

Zwar wurde der FROB in seinem Kopf plötzlich furchtbar unruhig und schien Einwendungen erheben zu wollen, aber Conway schwieg, weil er nicht wußte, wogegen sich sein hudlarischer Gehirnpartner wehrte.

„…mit einer Kappe versehen werden“, fuhr der kelgianische Chefarzt fort. „In den rechten Brustbereich ist ein Metallsplitter eingedrungen und hat eine wichtige Vene verletzt, deren Blutung durch die Anwendung von äußerem Druck nicht ganz eingedämmt worden ist. Dieser Zustand muß dringend korrigiert werden. Auch der Schädel weist eine Verletzung auf, eine große Trümmerfraktur, die den Hauptnervenstrang zusammenpreßt und die Beweglichkeit der hinteren Gliedmaßen beeinträchtigt. Die Genehmigung vorausgesetzt“, Yarrence warf einen kurzen Blick in Conways Richtung, „werden wir die verletzte Vordergliedmaße amputieren, was den Mitgliedern des Teams, die am Schädelbereich operieren, einen leichteren Zugang ermöglicht, und die Stümpfe auf das Anpassen.“

„Nein“, schnitt ihm Conway in bestimmtem Ton das Wort ab. Zwar konnte er unter dem schweren Schutzanzug nichts weiter als den kegelförmigen Kopf des Kelgianers erkennen, doch fiel es ihm nicht schwer, sich vorzustellen, wie dessen Fell vor Wut Büschel bildete. „Bedecken Sie die Stümpfe der Vorderglieder nicht mit Kappen, sondern bereiten Sie sie statt dessen für die Übertragung und Transplantation der hinteren Gliedmaßen vor. Ansonsten ist Ihre Maßnahme so, wie Sie sie umrissen haben, genehmigt.“

„Für den Patienten besteht dann aber ein größeres Risiko, und die Operationsdauer wird um wenigstens zwanzig Prozent erhöht“, widersprach Yarrence in scharfem Ton. „Halten Sie das für wünschenswert?“

Einen Moment lang schwieg Conway und dachte über die verschiedenen Lebensqualitäten nach, die den Patienten nach dem Gelingen der einfachen beziehungsweise nach der komplizierteren Operation erwarteten. Verglichen mit den ungeheuer kräftigen und exakt kontrollierbaren Vordergliedern eines normalen FROB waren die ausziehbaren, dreh- und schwenkbaren Prothesen geradezu lachhaft schwach und nutzlos. Außerdem fanden es hudlarische Amputierte vom ästhetischen Standpunkt her als unangenehm und peinlich, wenn die Vorderglieder künstlich waren,

zumal diese den Augen am nächsten lagen und für die feinfühligeren körperlichen Tätigkeiten benutzt wurden, zu denen auch die langen und komplizierten Einleitungen zur Paarung gehörten. Folglich war es unendlich besser — wenn auch angesichts des geschwächten Zustands des Patienten riskant —, die hinteren Gliedmaßen nach vorne zu verpflanzen, weil der FROB im Falle eines Gelingens der Operation über Vorderglieder verfügen würde, die nur geringfügig weniger feinfühlig und präzise als die Originale wären. Da die Gliedmaßen von demselben Lebewesen stammten, dürfte es auch keine Schwierigkeiten mit dem Immunsystem oder mit Gewebeabstoßungen geben.

Der Hudlarer in Conways Kopf behauptete beharrlich, daß er die Risiken außer acht lasse, während sich sein eigener Verstand verzweifelt bemühte, sie zu verringern.

„Verschieben Sie die Transplantation, bis die Brust- und Schädeloperationen erfolgreich abgeschlossen sind — sonst wäre die Verpflanzung vergebliche Mühe“, sagte er schließlich. „Vergessen Sie nicht, regelmäßig die Haut zu reinigen und danach wieder mit Betäubungsmittel zu besprühen. In Fällen wie diesem wird nämlich der Absorptionsmechanismus stark in Mitleidenschaft gezogen, und zwar von dem allgemeinen Zustand der.“

„Ich weiß, ich weiß.“, unterbrach ihn Yarrence ungeduldig.

„Natürlich wissen Sie das“, fuhr Conway fort. „Sie haben ja auch das Hudlarerband im Kopf gespeichert, wahrscheinlich sogar dasselbe wie ich. Die Operation enthält ein großes Gefahrenelement, liegt aber ohne weiteres im Bereich Ihrer Fähigkeiten, und wenn der Patient bei Bewußtsein wäre, hätte ich keinen Zweifel, daß er.“

„Ich will das Risiko ja auch eingehen“, schnitt ihm Yarrence zum zweitenmal das Wort ab. „Aber wenn der Hudlarer in meinem Kopf so denkt, fühle ich mich als Chirurg verpflichtet, in seinem Interesse zur Vorsicht zu raten. Doch stimme ich Ihnen in allen Belangen zu, Conway — der Eingriff ist absolut wünschenswert.“

Conway löste sich vom Operationsgestell und machte Yarrence auf diese Weise indirekt das Kompliment, nicht die Anfangsstadien der Operation beobachten zu wollen. Um die äußerst widerstandsfähige Haut eines FROB aufzuschneiden, brauchte man jedenfalls eher die Instrumente einer Reparaturwerkstatt als die eines Operationssaals, weil beim Einsatz feiner Laserstrahlen, der bei inneren chirurgischen Eingriffen eigentlich unumgänglich war, am Rand kauterisierte Wunden entstanden, wodurch das Verheilen an den Hauteinschnitten ernstlich gehemmt wurde. Bei den Klingen, die benutzt werden mußten, handelte es sich um kelgianische Skalpelle der Größe sechs mit zwei Griffen, die sowohl mit viel körperlicher Anstrengung als auch mit einem hohen Maß an geistiger Konzentration benutzt werden mußten, und häufig drohte dabei dem Arzt von der Klinge größere Gefahr als dem Patienten. Dies schien der geeignete Zeitpunkt, Yarrence von jeder unnötigen Ablenkung zu befreien, wozu auch die Anwesenheit eines angehenden Diagnostikers gehörte, und sich zu FROB zehn zu begeben.

Auf den ersten Blick war klar, daß dieser Patient seinen Heimatplaneten nie wiedersehen würde. Fünf der sechs Gliedmaßen waren entweder beim Unfall gewaltsam abgetrennt oder über jegliche Möglichkeiten operativer Wiederherstellung hinaus verletzt worden. Zudem hatte sich der FROB eine tiefe Schnittwunde an der linken Körperhälfte zugezogen, die sich bis ins Absorptionsorgan dieser Seite erstreckte und dessen Funktion lahmgelegt hatte. Durch die Dekompression, so kurz sie auch gewesen war, bevor sich die selbstschließende Rettungsblase des Opfers in der Unterkunft ausgebreitet hatte, war auch das Absorptionsorgan auf der rechten Seite in Mitleidenschaft geraten, da die Körperflüssigkeit schlagartig zu der offenen, Nulldruck ausgesetzten Schnittwunde auf der linken Seite geströmt war. Aus diesem Grund konnte FROB zehn kaum noch genügend von dem Nahrungspräparat zum Weiterleben aufnehmen, und das galt auch nur dann, wenn er sich nicht in irgendeiner Weise anstrengte.