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»Wie könnten sie uns diesmal gefunden haben? Wir haben doch Kingsleys Visitenkarten weggeworfen und haben ansonsten nichts, durch das sie .«

Sie schauten einander an, blickten dann auf ihre Handys.

»Aber wie haben sie unsere Telefonnummern erfahren?«, fragte Kelly verwundert.

»Bedenken Sie, mit wem wir es zu tun haben. Das hier ist jedenfalls der sicherste Ort von ganz New York. Wir können in der U-Bahn bleiben, bis .« Diane warf einen Blick zur anderen Seite des Ganges und wurde blass. »Wir müssen aussteigen«, sagte sie aufgeregt. »Beim nächsten Halt.«

»Was? Sie haben doch gerade gesagt...?«

Kelly folgte Dianes Blick. Auf der Reklametafel über dem Fenster war ein Foto von Kelly, die lächelnd eine elegante Damenuhr in der Hand hielt.

»O mein Gott!«

Sie standen auf, gingen rasch zur Tür und warteten darauf, dass der nächste Bahnhof kam. Zwei Marineinfanteristen in Ausgehuniform saßen in der Nähe und glotzten sie an.

Kelly lächelte die beiden Männer an, nahm ihres und Dianes Handy und gab sie ihnen. »Wir rufen euch an.«

Dann stiegen die beiden Frauen aus.

Das Telefon in Penthouse A klingelte. Flint nahm den Hörer ab. »Es ist schon über eine Stunde vergangen«, sagte Tanner.

»Was ist los, Mr. Flint?«

»Sie sind nicht aufgekreuzt.«

»Was?«

»Ich bin die ganze Zeit hier gewesen und habe gewartet.« »Kommen Sie ins Büro zurück.« Tanner knallte den Hörer auf.

Am Anfang war es nur eine Routineangelegenheit gewesen, die Tanner aus geschäftlichen Gründen erledigen lassen musste. Jetzt war es zu einer persönlichen Herausforderung geworden. Tanner griff zu seinem Handy und wählte Dianes Nummer.

Einer der Marineinfanteristen, denen Kelly ihre Handys gegeben hatte, meldete sich. »Da bist du ja, Süße. Habt ihr zwei Lust, euch heute Nacht vernaschen zu lassen?«

Es war eine billig aussehende Pension in einer schmalen Seitenstraße an der West Side. »Halten Sie bitte an«, sagte Diane, als sie und Kelly mit dem Taxi vorbeifuhren und das Schild mit der Aufschrift »ZIMMER FREI« sahen.

Die beiden Frauen stiegen aus und gingen zur Eingangstür des Hauses.

Die Zimmerwirtin, die ihnen öffnete, war eine freundliche Frau mittleren Alter, die sich als Alexandra Upshaw vorstellte. »Für vierzig Dollar die Nacht kann ich Ihnen ein sehr hübsches Zimmer mit Frühstück anbieten.«

»Das ist genau das Richtige«, sagte Diane. Dann sah sie Kellys Gesichtsausdruck. »Was ist denn los?«

»Nichts.« Kelly schloss einen Moment lang die Augen. Dieses Haus hatte nicht das Geringste mit der Pension zu tun, in der sie aufgewachsen war, wo sie die Toiletten reinigen, für fremde Menschen Essen kochen und mit anhören musste, wie ihr betrunkener Stiefvater ihre Mutter verprügelte. Sie rang sich ein Lächeln ab. »Ist schon gut.«

Am nächsten Morgen traf sich Tanner mit Flint und Carballo. »Sie haben meine Visitenkarten weggeworfen«, sagte er, »und sie haben ihre Telefone hergegeben.«

»Dann haben wir sie also verloren«, sagte Flint.

»Nein, Mr. Flint«, versetzte Tanner. »Nicht, solange ich am Leben bin. Aber wir werden ihnen nicht mehr nachstellen. Wir lassen sie zu uns kommen.«

Die beiden Männer warfen sich einen kurzen Blick zu, dann schauten sie Tanner fragend an. »Was?«

»Diane Stevens und Kelly Harris werden am Montagmorgen um elf Uhr fünfzehn hier in der KIG-Zentrale sein.«

31

Kelly und Diane wachten zur gleichen Zeit auf. Kelly setzte sich im Bett auf und blickte zu Diane. »Guten Morgen. Wie haben Sie geschlafen?«

»Ich hatte ein paar verrückte Träume.«

»Ich auch.« Diane zögerte. »Kelly - als Sie im Hotel aus dem Fahrstuhl gestiegen sind, wollte ich gerade an die Tür des Penthouses klopfen. Glauben Sie, das war Zufall?«

»Natürlich. Und wir haben beide Glück gehabt, dass .«

Sie sah Dianes Miene. »Was meinen Sie damit?«

»Wir haben bislang sehr viel Glück gehabt«, sagte Diane nachdenklich. »Riesenglück sogar. Es ist, als ... als ob uns irgendjemand oder irgendetwas hilft und uns behütet.«

Kelly hatte den Blick auf sie geheftet. »Sie meinen - wie eine Art Schutzengel?«

»Ja.«

»Diane«, sagte Kelly verständnisvoll, »ich weiß, dass Sie an solche Dinge glauben, aber ich nicht. Ich weiß, dass ich keinen Engel habe, der über mich wacht.«

»Vielleicht sehen Sie ihn nur nicht«, erwiderte Diane.

Kelly verdrehte die Augen. »Genau.«

»Gehen wir frühstücken«, schlug Diane vor. »Hier sind wir in Sicherheit. Ich glaube, wir sind außer Gefahr.«

Kelly schniefte. »Wenn Sie meinen, wir wären außer Gefahr, haben Sie keine Ahnung von Pensionsfrühstück. Wir sollten uns lieber anziehen und irgendwo anders etwas essen. Ich glaube, ich habe an der nächsten Ecke einen DINER gesehen.«

»Na schön. Ich muss nur noch einen Anruf erledigen.«

Diane ging zum Telefon und wählte eine Nummer.

»KIG«, meldete sich die Vermittlung.

»Ich würde gern mit Betty Barker sprechen.«

»Einen Moment bitte.«

Tanner hatte gesehen, wie das blaue Lämpchen aufleuchtete, und schaltete sich in die Verbindung ein.

»Miss Barker ist nicht an ihrem Platz. Wollen Sie eine Nachricht für sie hinterlassen?«

»Oh. Nein danke.«

Tanner runzelte die Stirn. Zu kurz für eine Fangschaltung.

Diane wandte sich an Kelly. »Betty Barker arbeitet noch bei der KIG. Wir müssen also nur eine Möglichkeit finden, wie wir sie erreichen können.«

»Vielleicht steht ihre Privatnummer im Telefonbuch.«

»Das könnte sein«, sagte Diane, »aber vielleicht wird ihr Anschluss abgehört.« Sie nahm das Telefonbuch, das neben dem Apparat lag, und schlug unter B nach. »Hier ist sie.«

Diane wählte eine Nummer, hörte kurz die Ansage und legte dann auf. »Kein Anschluss unter dieser Nummer.«

Kelly atmete tief durch. »Ich glaube, ich gehe erst mal duschen.«

Als Kelly geduscht hatte und das Badezimmer verlassen wollte, wurde ihr bewusst, dass sie die Handtücher am Boden liegen gelassen hatte. Sie zögerte einen Moment, hob sie dann auf und hängte sie ordentlich auf den Halter. Dann ging sie ins Schlafzimmer. »Sie sind dran.«

Diane nickte geistesabwesend. »Danke.«

Das Erste, was Diane auffiel, als sie ins Badezimmer kam, waren die gebrauchten Handtücher, die an der Stange hingen. Sie lächelte.

Sie ging unter die Dusche und ließ sich vom warmen Wasser verwöhnen. Sie dachte daran, wie sie immer mit Richard geduscht hatte, konnte sich noch genau an das Gefühl erinnern, wenn sich ihre Körper berührt hatten ... Nie wieder. Aber die Erinnerung daran würde ihr immer bleiben. Immer ...

Er hatte ihr Blumen mitgebracht.

»Die sind ja herrlich, Liebster. Vielen Dank. Was gibt es zu feiern?«

»Den Sankt-Angus-Tag.«

Und noch mehr Blumen.

»Anlässlich von Washingtons Überquerung des Delaware.«

»Zum Tag des Wellensittichs.«

»Zum Selleriegedenktag.«

Als auf der Begleitkarte »Zum Tag der Springechsen« stand, hatte Diane gelacht. »Liebster, Echsen springen nicht.«

Und Richard hatte ihre Hand ergriffen und erwidert:

»Verdammt! Dann hat man mir was Falsches gesagt.«

Und er hatte immer Liebesgedichte für sie geschrieben. Wenn Diane sich anzog, hatte sie sie manchmal in ihren Schuhen, im BH oder in ihrer Jackentasche gefunden .

Und wenn er nach Hause gekommen war, hatte sie ab und zu an der Tür auf ihn gewartet, splitternackt, bis auf ein Paar Stöckelschuhe. Und sie hatte zu ihm gesagt: »Liebster, gefallen dir meine Schuhe?«