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gebrochenem Genick sank er zu Boden.

KAPITEL 6 1

Den Lötkolben in der Hand, eine Mini-Taschenlampe zwischen den Zähnen und mit einem riesigen Schaltplan auf der Wampe lag Jabba mit dem ganzen Oberkörper im Gehäuse eines zerlegten Großrechners. Er war dabei, einen neuen Satz Dämpfungselemente in

eine defekte Hauptplatine einzulöten, als sein Handy piepste.

»Scheiße!«, fluchte er und angelte im Drahtgewirr nach dem Quälgeist. »Hier Jabba.«

»Jabba, ich bin's, Midge.«

Jabbas Laune verbesserte sich schlagartig. »Zweimal in einer Nacht? Du bringst uns noch ins Gerede!«

»In der Crypto gibt's Probleme.« Migdes Stimme hatte einen angespannten Unterton.

Jabba zog die Stirn kraus. »Aber das hatten wir doch schon. Vergessen?«

»Es ist ein Problem mit dem Strom.«

»Ich bin kein Elektriker. Ruf die Haustechnik an.«

»Die Kuppel ist dunkel.«

»Du siehst Gespenster. Du solltest endlich heimgehen.« Jabba befasste sich wieder mit seinem Schaltplan.

»In der Kuppel ist es stockfinster!«, schrie Midge.

Seufzend nahm Jabba die Taschenlampe aus dem Mund. »Midge, erstens: Da drin gibt es ein Notstromaggregat! Stockfinster kann die Kuppel gar nicht werden. Zweitens dürfte Strathmore einen etwas besseren Überblick über die Kuppel haben als ich im Moment.

Warum rufst du ihn nicht an?«

»Weil es um ihn geht. Er versucht, etwas unter den Teppich zu kehren.«

Jabba verdrehte die Augen. »Midge, Süße, ich stecke hier bis unter die Achseln in einem Drahtverhau! Falls du mit mir was unternehmen willst, strample ich mich gerne frei – ansonsten musst du die

Haustechnik anrufen.«

»Jabba, das ist was Ernstes. Ich fühle es.«

Oje, sie fühlt es. Na, dann ist es amtlich, dachte Jabba. Midge hatte wieder einmal einen ihrer Zustände. »Strathmore scheint sich keine

Sorgen zu machen. Wieso soll ich es dann?«, meinte er. »In der Crypto ist alles stockfinster, verdammt nochmal!« »Vielleicht betätigt sich Strathmore als Sterngucker?«

»Jabba, mir ist nicht zum Scherzen zu Mute!«

»Okay, okay«, murrte Jabba und stützte sich auf einen Ellenbogen. »Vielleicht ist ein Generator ausgefallen. Wenn ich hier fertig bin,

werde ich mal bei der Crypto vorbeischauen und ...«

»Was ist mit dem Notstrom?«, wollte Midge wissen. »Wenn ein Generator ausgefallen ist, warum gibt es dann keinen Notstrom?«

»Wie soll ich das wissen?«, wehrte sich Jabba. »Vielleicht ist der Notstrom ausgelastet, weil Strathmore den TRANSLTR laufen lässt.«

»Warum macht er dann keinen Abbruch? Es könnte ja ein Virus sein. Du hast doch zuvor schon etwas von einem Virus gesagt.«

»Verdammt, Midge!« Jabba riss der Geduldsfaden. »Ich habe gesagt, dass ein Virus in der Crypto völlig ausgeschlossen ist! Hör

auf, überall Gespenster zu sehen!«

Es war lange still am anderen Ende der Leitung.

»Ach, Scheiße!«, verteidigte sich Jabba unwillig. »Midge, lass es

dir erklären: Erstens haben wir Gauntlet – da kommt kein Virus durch. Zweitens, wenn es ein Stromausfall ist, dann ist das ein Hardwareproblem. Ein Virus verursacht keinen Stromausfall, ein Virus greift die Software und die Daten an. Was auch immer in der Crypto los sein mag, ein Virus kommt dafür überhaupt nicht in Frage!«

Schweigen.

»Midge? Bist du noch dran?«

»Jabba, ich habe hier einen Job zu erledigen«, kam die eisige Antwort. »Ich möchte nicht dafür angeblafft werden, dass ich meiner Verantwortung gerecht werde. Wenn ich mich telefonisch erkundige, warum eine Multimilliardenanlage im Dunkeln liegt, darf ich eine

professionelle Antwort erwarten.«

»Jawohl, Ma'am.«

»Ein simples Ja oder Nein genügt. Ist es möglich, dass das

Problem in der Crypto-Abteilung von einem Virus kommt?« »Midge ... ich habe dir bereits gesagt ...« »Ja oder nein? Könnte der TRANSLTR einen Virus haben?« Jabba seufzte. »Nein, Midge. Völlig ausgeschlossen.«

»Vielen Dank.«

Jabba bemühte sich um einen versöhnlichen Ausklang. »Es sei denn«, kicherte er, »Strathmore hat selber einen Virus fabriziert und

meine Filter umgangen.«

Erschrockenes Schweigen. Als Midge wieder das Wort ergriff, hatte ihre Stimme einen unguten Beiklang. »Strathmore kann das

Gauntlet-System umgehen?«

»Midge, war doch nur Blödsinn!« Jabba seufzte. Hätte er bloß die Schauze gehalten! Aber nun war es zu spät.

KAPITEL 62

Strathmore und Susan standen neben dem verschlossenen Einstieg und diskutierten, was als Nächstes geschehen sollte.

»Dort unten liegt die Leiche Phil Charturkians«, gab Strathmore zu bedenken. »Wenn wir Hilfe rufen, bricht hier im Handumdrehen das

Chaos aus.«

»Aber was sollen wir denn sonst tun?«, fragte Susan, die nichts anderes wollte, als schleunigst zu verschwinden.

Strathmore überlegte. »Fragen Sie mich nicht, wie das passiert ist«, sagte er mit einem Blick auf die geschlossene Bodenklappe, »aber mir scheint, wir haben North Dakota ungewollt lokalisiert und neutralisiert.« Er schüttelte ungläubig den Kopf. »Wir haben Glück gehabt, wenn Sie mich fragen.« Die Vorstellung, dass Hale in Tankados Plan eine Rolle spielte, schien Strathmore immer noch nicht in den Kopf zu wollen. »Ich vermute, dass Hale den Key irgendwo in seinem Terminal gespeichert hat. Vielleicht hat er auch noch eine

Kopie davon zu Hause. Wie auch immer, er sitzt in der Falle.«

»Warum rufen wir dann nicht den Sicherheitsdienst und lassen ihn verhaften?«

»Noch nicht«, sagte Strathmore. »Unsere Sys-Sec-Leute werden auf Protokolle von diesem endlosen Rechengang stoßen, und dann haben wir neue Probleme am Hals. Ich möchte, dass sämtliche Spuren

von Diabolus getilgt sind, wenn die Tür aufgeht.«

Susan nickte, wenn auch zögernd. Strathmores Gedankengang war nicht von der Hand zu weisen. Wenn die Sicherheitsleute Hale aus der Untermaschinerie herausholten und ihm Charturkians Tod zur Last gelegt wurde, würde er Diabolus unweigerlich an die große Glocke hängen. Sofern aber jeder Beweis gelöscht war, konnte Strathmore

sich dumm stellen. Ein endloser Rechengang? Ein nicht zu entschlüsselnder Algorithmus? Aber das ist doch völliger Unsinn! Hat

Mr Hale denn noch nie etwas vom Bergofsky-Prinzip gehört?

Strathmore umriss seinen Plan. »Wir löschen sämtliche Korrespondenz zwischen Hale und Tankado, sämtliche Belege, dass ich Gauntlet umgangen habe, sämtliche Analysebefunde von Charturkian, die Kontrollmonitorprotokolle, einfach alles. Diabolus wird sich in Luft auflösen. Wir vernichten Hales Key und beten zu

Gott, dass David Tankados Schlüssel findet.«

David!, dachte Susan, verdrängte ihn jedoch sogleich wieder aus ihren Gedanken. Sie brauchte ihren Kopf für die anstehenden

Probleme.

»Ich übernehme das Sys-Sec-Lab«, sagte Strathmore, »die Kontrollmonitorprotokolle, die Datenänderungsprotokolle und was es sonst noch gibt. Sie befassen sich inzwischen mit Hales Termial in

Node 3 . Löschen Sie sämtliche E-Mails von Hale, sämtliche Hinweise auf seine Korrespondenz mit Tankado, einfach alles, worin

Diabolus vorkommen könnte.«

»Okay«, sagte Susan, »ich werde einfach Hales Festplatte neu formatieren. Dann ist alles gelöscht.«

»Nein, tun Sie das nicht!«, sagte Strathmore erschrocken. »Hale hat höchstwahrscheinlich auch den Key in seinem Computer

gespeichert, aber den muss ich haben!«

Susan sah ihn verständnislos an. »Sie wollen den Schlüssel haben? Aber wozu denn? Ich dachte, er soll vernichtet werden!«