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Gavin war Anwalt, untrainiert in der Kunst des Verhörs, und er wollte nicht leichtgläubig erscheinen.»Es wäre durchaus möglich. Ja, das glaube ich. Sie nicht?«

«Das spielt keine Rolle, Gavin. Ich habe gerade mit dem Direktor gesprochen. Pelikan steht nicht mehr auf unserer Liste. Ich weiß nicht einmal, ob es je draufgestanden hat, aber wir befassen uns nicht mehr damit.«

«Aber mein Freund wurde mit einer Autobombe ermordet.«

«Tut mir leid. Ich bin sicher, die dortigen Behörden gehen der Sache nach.«

«Hören Sie, K. O. Ich bitte Sie um einen Gefallen.«

«Hören Sie mir zu, Gavin. Ich habe keine Gefallen zu vergeben. Wir jagen ohnehin schon genug Kaninchen hinterher, und wenn der Direktor Schluss sagt, dann machen wir Schluss. Es steht Ihnen frei, mit ihm zu reden. Aber ich würde es Ihnen nicht empfehlen.«

«Vielleicht habe ich die Sache falsch angefasst. Ich dachte, Sie würden mir zuhören und wenigstens so tun, als wären Sie interessiert.«

Lewis wanderte um seinen Schreibtisch herum.»Gavin, Sie sehen schlecht aus. Nehmen Sie sich den Tag frei.«

«Nein, ich gehe in mein Büro, warte dort eine Stunde, und dann komme ich wieder her und fange von vorn an. Können wir es in einer Stunde noch einmal versuchen?«

«Nein. Voyles hat sich klar und deutlich ausgedrückt.«

«Die Frau auch, K. O. Er wurde ermordet, und sie hat sich irgendwo in New Orleans versteckt, hat Angst vor ihrem eigenen Schatten, bittet uns um Hilfe, und wir sind zu beschäftigt.«

«Tut mir leid.«

«Nein, das tut es nicht. Es ist meine Schuld. Ich hätte das verdammte Ding in den Papierkorb werfen sollen.«

«Es hat einen wichtigen Zweck erfüllt, Gavin. «Lewis legte ihm die Hand auf die Schulter, als wäre seine Zeit um und er hätte genug von diesem Geschwätz. Gavin machte sich frei und ging auf die Tür zu.

«Ja, es hat euch etwas gegeben, womit ihr herumspielen konntet. Ich hätte es verbrennen sollen.«

«Zum Verbrennen ist es zu gut, Gavin.«

«Ich gebe nicht auf. Ich bin in einer Stunde wieder da, und dann fangen wir wieder von vorn an. Diesmal ist es nicht richtig gelaufen. «Verheek knallte die Tür hinter sich ins Schloss.

Sie betrat Rubinstein Brothers von der Canal Street her und verschwand zwischen den Gestellen mit Männerhemden.

Niemand folgte ihr in das Geschäft. Sie suchte sich schnell einen marineblauen Parka aus, kleinste Männergröße, eine geschlechtslose Fliegersonnenbrille und eine englische Fahrermütze, die gleichfalls für Männer gedacht war, ihr aber passte. Als der Verkäufer die Kreditkarte durchzog, machte sie die Preisschilder ab und zog den Parka an. Er war unförmig wie die Sachen, die sie zu den Vorlesungen trug. Sie stopfte ihr Haar unter den Kapuzenkragen. Der Verkäufer schaute ihr diskret zu. Sie verließ das Geschäft durch den Ausgang zur Magazine Street und tauchte in der Menge unter.

Wieder auf der Canal Street. Eine Busladung Touristen strömte ins Sheraton, und sie mischte sich unter sie. Sie ging zu der Wand mit den Telefonzellen, suchte die Nummer heraus und rief Mrs. Chen an, die Frau, die in dem Doppelhaus neben ihr wohnte. Hatte sie irgend jemanden gesehen oder gehört? Sehr früh hatte jemand an die Tür geklopft. Es war noch dunkel gewesen, und sie war davon aufgewacht. Sie hatte niemanden gesehen, nur das Klopfen gehört. Ihr Wagen stand nach wie vor auf der Straße. War alles in Ordnung? Ja, alles bestens. Vielen Dank.

Sie beobachtete die Touristen und wählte die Nummer, die Gavin Verheek ihr gegeben hatte. Es war eine interne Nummer, was bedeutete, dass nur wenig Umstand gemacht wurde, und nach drei Minuten, in denen sie sich weigerte, ihren Namen zu nennen, und den seinen wiederholte, war er am Apparat.

«Wo sind Sie?«fragte er.

«Eines möchte ich von vornherein klarstellen. Im Augenblick sage ich weder Ihnen noch sonst jemandem, wo ich bin. Also fragen Sie nicht.«

«Okay. Ich nehme an, dass Sie es sind, die die Regeln aufstellt.«

«Danke. Was hat Mr. Voyles gesagt?«

«Mr. Voyles war im Weißen Haus und nicht zu erreichen. Ich will versuchen, später am Tage mit ihm zu reden.«

«Das ist ziemlich dürftig, Gavin. Sie sind seit fast vier Stunden im Büro, und Sie haben nichts. Ich hatte mehr erwartet.«

«Haben Sie Geduld, Darby.«

«Geduld bedeutet meinen Tod. Sie sind hinter mir her, stimmt’s, Gavin?«

«Ich weiß es nicht.«

«Was würden Sie tun, wenn Sie wüssten, dass Sie eigentlich schon tot sein sollten, und dass die Leute, die versuchen, Sie umzubringen, bereits zwei Richter vom Obersten Bundesgericht ermordet und einen simplen Juraprofessor in die Luft gejagt haben und über Milliarden von Dollar verfügen, die sie ganz offensichtlich dazu verwenden, Leute aus dem Weg zu räumen? Was würden Sie tun, Gavin?«

«Mich ans FBI wenden.«

«Thomas hat sich ans FBI gewendet, und er ist tot.«

«Danke, Darby. Das ist nicht fair.«

«Mir geht es nicht um Fairness oder Gefühle. Mir geht es vielmehr darum, bis Mittag am Leben zu bleiben.«

«Gehen Sie nicht in Ihre Wohnung.«

«Ich bin doch nicht blöd. Sie sind schon dort gewesen. Und ich bin sicher, dass sie auch seine Wohnung beobachten.«

«Wo leben seine Angehörigen?«

«Seine Eltern leben in Naples, Florida. Ich nehme an, die Universität wird sich mit ihnen in Verbindung setzen. Er hat einen Bruder in Mobile, und ich habe daran gedacht, ihn anzurufen und ihm das alles zu erklären.«

Sie sah ein Gesicht. Er ging zwischen den Touristen an der Rezeption herum. Er hatte eine zusammengefaltete Zeitung in der Hand und versuchte, so auszusehen, als wäre er hier zu

Hause, nur ein Gast unter anderen, aber sein Gang war ein bisschen zögerlich, und seine Augen suchten. Das Gesicht war lang und schmal, mit einer runden Brille und glänzender Stirn.

«Hören Sie zu, Gavin. Notieren Sie das. Ich sehe einen Mann, den ich vor kurzem schon einmal gesehen habe. Vor ungefähr einer Stunde. Einsachtzig bis einsfünfundachtzig groß, schlank, dreißig Jahre alt, Brille, zurückweichendes dunkles Haar. Er ist weg. Er ist weg.«

«Wer zum Teufel ist es?«

«Er hat sich mir nicht vorgestellt.«

«Hat er Sie gesehen? Wo halten Sie sich auf?«

«In einer Hotelhalle. Ich weiß nicht, ob er mich gesehen hatte. Ich muss Schluss machen.«

«Darby, einen Moment noch. Was immer Sie tun, bleiben Sie mit mir in Verbindung, okay?«

«Ich werde es versuchen.«

Die Toiletten befanden sich gleich um die Ecke. Sie ging in die letzte Kabine, verriegelte die Tür und blieb eine Stunde darin.

SIEBZEHN

Der Fotograf hieß Croft. Er hatte sieben Jahre für die Post gearbeitet, bis seine dritte Drogen-Verurteilung ihn für neun Monate aus dem Verkehr zog. Auf Bewährung entlassen, mauserte er sich zum freiberuflichen Künstler und inserierte als solcher im Branchenbuch. Das Telefon läutete nur selten. Er machte ein bisschen Arbeit von der Art, bei der man herumschlich und Leute fotografierte, die nicht wussten, dass die Kamera auf sie gerichtet war. Die meisten seiner Kunden waren Scheidungsanwälte, die schmutzige Wäsche für ihre Prozesse brauchten. Nach zwei Jahren freiberuflichen Arbeitens hatte er etliche Tricks gelernt und hielt sich jetzt für einen gerissenen Privatdetektiv. Er berechnete vierzig Dollar pro Stunde, wenn er sie bekommen konnte.

Einer seiner Kunden war Gray Grantham, ein alter Freund aus seiner Zeit bei der Zeitung, der ihn anrief, wenn es Schmutzarbeit zu tun gab. Grantham war ein guter, gewissenhafter Reporter mit einem Anhauch von Skrupellosigkeit, und wenn er eine krumme Tour abzog, dann rief er an. Croft mochte Grantham, weil er ehrlich war, was seine Skrupellosigkeit anging. Die anderen waren so scheinheilig.

Er saß in Granthams Volvo, weil der ein Telefon hatte. Es war Mittagszeit. Er rauchte seinen Lunch und überlegte, ob der Geruch haften würde, obwohl alle Fenster geöffnet waren. Er arbeitete am besten, wenn er halb high war. Wenn man seinen Lebensunterhalt damit verdient, Motels zu beobachten, muss man high sein.