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Er stand an einer Säule, hielt eine Zeitung in den Händen und versuchte, alle Leute durch seine dunkle Brille zu mustern. Anwälte überall, eilig auf dem Weg nach oben mit ihren schmucken kleinen Gesichtern und ihren schmucken kleinen Aktenkoffern. Mann, wie er diese Anwälte hasste! Weshalb waren sie alle gleich gekleidet? Dunkle Anzüge. Dunkle Schuhe. Dunkle Gesichter. Hin und wieder ein Nonkonformist mit einer kühnen Fliege. Wo kamen die alle her? Die ersten

Anwälte direkt nach seiner Verhaftung wegen Drogenbesitzes waren eine Horde von wütenden, von der Post angeheuerten Sprachrohren gewesen. Dann hatte er sich selbst einen Anwalt genommen, einen unverschämt teuren Idioten, der den Gerichtssaal nicht finden konnte. Und der Ankläger war natürlich auch ein Anwalt gewesen. Anwälte, Anwälte.

Zwei Stunden am Morgen, zwei Stunden in der Lunchpause, zwei Stunden am Abend, und dann würde Grantham ein anderes Gebäude haben, das er überwachen sollte. Neunzig Dollar am Tag waren lausig, und er würde Schluss machen, sobald er etwas Besseres hatte. Er hatte Grantham gesagt, dass das ganze aussichtslos war, nichts als ein Schuss ins Blaue. Grantham hatte es zugegeben, aber gesagt, er sollte trotzdem weitermachen. Es war alles, was sie tun konnten. Er hatte gesagt, Garcia hätte Angst und würde nicht mehr anrufen. Sie mussten ihn finden.

In seiner Tasche steckten für alle Fälle zwei der Fotos, und aus dem Branchenverzeichnis hatte er sich eine Liste der in dem Gebäude ansässigen Firmen herausgeschrieben. Es war eine lange Liste. Das Gebäude hatte zwölf Stockwerke, in denen fast ausschließlich Firmen saßen, in denen diese geschniegelten Westentaschengentlemen arbeiteten. Eine Schlangengrube.

Halb zehn war der Hauptansturm vorbei, und einige der Gesichter kamen ihm bekannt vor, als sie in einem der Fahrstühle wieder unten einschwebten, zweifellos auf dem Weg zum Gericht oder zu einer Behörde oder einem Mandanten. Croft schob sich durch die Drehtür und wischte sich die Füße auf dem Gehsteig ab.

Vier Blocks entfernt wanderte Fletcher Coal vor dem Schreibtisch des Präsidenten hin und her und lauschte intensiv in den Telefonhörer an seinem Ohr. Er runzelte die Stirn und schloss die Augen; dann schaute er den Präsidenten an, als wollte er sagen:»Schlimme Neuigkeiten, Chef. Wirklich schlimme. «Der Präsident hielt einen Brief in der Hand und musterte Coal über seine Lesebrille hinweg. Dass Coal auf diese Weise herumwanderte, als wäre er der Führer, irritierte ihn, und er nahm sich vor, das gelegentlich zur Sprache zu bringen.

Coal knallte den Hörer auf die Gabel.

«Knallen Sie nicht mit den verdammten Telefonen herum!«sagte der Präsident.

Coal zuckte mit keiner Wimper.»Entschuldigung. Das war Zikman. Vor einer halben Stunde hat Gray Grantham bei ihm angerufen und ihn gefragt, ob er irgend etwas über die PelikanAkte wüsste.«

«Wundervoll. Grandios. Wie ist er an eine Kopie davon gekommen?«

Coal wanderte immer noch hin und her.»Zikman weiß nichts davon, seine Unwissenheit war also echt.«

«Seine Unwissenheit ist immer echt. Er ist der blödeste Kerl in meinem Stab, Fletcher, und ich will, dass er verschwindet.«

«Wie Sie wünschen. «Coal ließ sich in einem Sessel vor dem Schreibtisch nieder und legte die Fingerspitzen unter dem Kinn gegeneinander. Er war tief in Gedanken versunken, und der Präsident versuchte, ihn zu ignorieren. Beide dachten einen Moment lang nach.

«Hat Voyles es durchsickern lassen?«fragte der Präsident schließlich.

«Vielleicht, wenn überhaupt etwas durchgesickert ist. Grantham ist dafür bekannt, dass er gern blufft. Wir können nicht sicher sein, dass er die Akte gesehen hat. Vielleicht hat er nur davon gehört und versucht jetzt, mehr zu erfahren.«

«Vielleicht, vielleicht. Was ist, wenn sie irgendeine verrückte Story über dieses verdammte Ding bringen? Was dann?«Der Präsident stemmte die Hände auf den Schreibtisch und stand auf.»Was dann, Fletcher? Diese Zeitung hasst mich!«Er starrte zum Fenster hinaus.

«Sie können sie nicht bringen ohne eine andere Quelle, und eine andere Quelle kann es nicht geben, weil nichts dahintersteckt. Es ist nichts als eine verrückte Idee, der wesentlich mehr Beachtung geschenkt wird, als sie verdient.«

Der Präsident gab sich eine Weile seiner schlechten Laune hin und starrte durch das Glas.»Wie hat Grantham überhaupt davon erfahren?«

Coal stand auf und wanderte wieder herum, aber jetzt wesentlich langsamer. Er dachte immer noch angestrengt nach.»Keine Ahnung. Außer Ihnen und mir weiß hier niemand darüber Bescheid. Wir bekamen ein Exemplar, und das ist in meinem Büro eingeschlossen. Ich habe eigenhändig eine Kopie gemacht und sie Gminski gegeben. Ich habe ihn zur Geheimhaltung verpflichtet.«

Der Präsident schnaubte das Fenster an.

Coal fuhr fort.»Okay, Sie haben recht. Inzwischen könnten tausend Kopien im Umlauf sein. Aber es ist harmlos, es sei denn, unser Freund hätte diese schmutzigen Dinge tatsächlich getan, dann…«

«Dann sitze ich ganz tief in der Tinte.«

«Ja. Ich würde sagen, dann sitzen wir beide ganz tief in der Tinte.«

«Wieviel Geld haben wir genommen?«

«Millionen, direkt und indirekt. «Und legal und illegal. Der Präsident hatte kaum eine Ahnung von diesen Transaktionen, und Coal zog es vor, ihn im Ungewissen zu lassen.

Der Präsident ging langsam zur Couch.»Weshalb rufen Sie Grantham nicht an? Versuchen Sie herauszubekommen, was er weiß. Wenn er blufft, ist die Sache klar. Was meinen Sie?«

«Ich weiß nicht recht.«

«Sie haben doch schon öfters mit ihm gesprochen. Jeder kennt

Grantham.«

Jetzt wanderte Coal hinter der Couch herum.»Ja. Ich habe schon öfters mit ihm gesprochen. Aber wenn ich jetzt plötzlich aus dem Nirgendwo anrufe, wird das seinen Argwohn erregen.«

«Ja, da könnten Sie recht haben. «Der Präsident stand an einem Ende der Couch, Coal am anderen.

«Was ist die Kehrseite der Medaille?«fragte der Präsident schließlich.

«Unser Freund könnte dahinterstecken. Sie haben Voyles aufgefordert, die Finger von unserem Freund zu lassen. Unser Freund könnte von der Presse bloßgestellt werden. Voyles könnte sich aus der Affäre ziehen und erklären, Sie hätten ihn aufgefordert, anderen Verdächtigen nachzujagen und unseren Freund zu ignorieren. Die Post könnte sich mit einem weiteren Vertuschungsskandal überschlagen. Und die Wiederwahl könnten wir vergessen.«

«Sonst noch was?«

Coal dachte einen Augenblick nach.»Ja. Das ist alles an den Haaren herbeigezogen. Die Akte ist ein Phantasiegebilde. Grantham wird nichts finden, und ich komme zu spät zu einer Besprechung. «Er ging zur Tür.»In der Lunchpause spiele ich Squash. Um eins bin ich wieder hier.«

Der Präsident sah zu, wie die Tür geschlossen wurde, und atmete leichter. Am Nachmittag hatte er vor, achtzehn Löcher zu spielen. Also vergessen wir dieses Pelikan-Ding. Wenn Coal sich keine Sorgen machte, brauchte er sich auch keine zu machen.

Er tippte eine Nummer in sein Telefon ein, wartete geduldig und hatte schließlich Bob Gminski am Apparat. Der Direktor der CIA war ein grauenhafter Golfer, einer der wenigen, die der Präsident demütigen konnte, und er lud ihn ein, am Nachmittag mit ihm zu spielen. Gern, sagte Gminski, ein Mann, der tausend andere Dinge zu tun hatte, aber nun ja, er war der Präsident, es würde ihm also ein Vergnügen sein, mit ihm zu spielen.

«Übrigens, Bob, was ist mit diesem Pelikan-Ding in New Orleans?«