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«Weil ich einen Wagen auf einem Parkplatz habe, eine Meile flussaufwärts, wo wir in einer halben Stunde anlegen werden«, erklärte sie mit leiser Stimme.»Wir verlassen das Schiff, steigen in den Wagen und verschwinden.«

Jetzt bewegte sich die Schlange.»Ich hasse Schiffe. Ich werde seekrank. Das ist gefährlich, Darby. «Er hustete und sah sich um wie ein Mann, der verfolgt wird.

«Ganz ruhig, Gavin. Es wird klappen.«

Khamel zupfte an seiner Hose. Sie hatte eine Taillenweite von neunzig Zentimetern und verdeckte acht Lagen Unter- und Turnhosen. Das Sweatshirt hatte die Größe XL, und obwohl er fünfundsiebzig Kilo wog, konnte er für fünfundneunzig durchgehen. Oder was auch immer. Es schien zu funktionieren.

Sie waren fast auf der Laufplanke der Bayou Queen.»Das gefällt mir nicht«, murmelte er gerade so laut, dass sie es hören konnte.

«Halten Sie endlich die Klappe«, sagte sie.

Der Mann mit der Waffe rannte ans Ende der Schlange und bahnte sich mit den Ellenbogen seinen Weg zwischen den

Leuten mit ihren Taschen und Kameras hindurch. Die Touristen standen dicht gedrängt beieinander, als wäre eine Fahrt auf dem Flussdampfer die großartigste Sache von der Welt. Er hatte schon früher getötet, aber noch nie an einem derart öffentlichen Ort. Durch die Menge hindurch war ihr Hinterkopf zu sehen. Er boxte sich verzweifelt durch die Schlange. Ein paar Leute beschimpften ihn, aber das kümmerte ihn nicht. Die Waffe steckte in seiner Tasche, aber als er sich der jungen Frau näherte, zog er sie heraus und hielt sie neben dem rechten Bein. Sie war fast auf der Laufplanke, fast auf dem Schiff. Er drängelte heftiger und schob Leute aus dem Weg. Sie protestierten wütend, bis sie die Waffe sahen, dann begannen sie zu schreien. Sie hielt den Mann bei der Hand, der ununterbrochen redete. Sie war im Begriff, auf das Deck zu treten, als er die letzte Person aus dem Weg drängte und dem Mann die Waffe blitzschnell unmittelbar unter der roten Baseballmütze aufs Genick setzte. Er drückte ab, und die Leute kreischten und ließen sich zu Boden fallen.

Gavin stürzte schwer auf die Laufplanke. Darby schrie und wich entsetzt zurück. Ihre Ohren dröhnten von dem Schuss, Stimmen kreischten und Leute zeigten mit den Fingern. Der Mann mit der Waffe rannte auf eine Reihe von Geschäften und eine Menschenmenge zu. Ein schwerer Mann mit einer Kamera brüllte hinter ihm her, und Darby sah ihn noch eine Sekunde, bevor er verschwand. Vielleicht hatte sie ihn schon früher einmal gesehen, aber im Augenblick konnte sie nicht denken. Sie schrie und konnte nicht aufhören.

«Er hat eine Waffe!«schrie eine Frau in der Nähe des Schiffes, und die Menge wich vor Gavin zurück, der jetzt auf allen Vieren kauerte und eine Pistole in der rechten Hand hielt. Er schwankte unsicher hin und her wie ein Kind, das zu krabbeln versucht. Blut strömte von seinem Kinn herab und sammelte sich in einer Pfütze unter seinem Gesicht. Sein Kopf hing fast bis auf die Planke. Seine Augen waren geschlossen. Er bewegte sich ein paar Zentimeter vorwärts; nun waren seine Knie in der dunkelroten Pfütze.

Die Menge wich noch weiter zurück, entsetzt über den Anblick dieses Verletzten, der gegen den Tod ankämpfte. Er schwankte und rutschte wieder vorwärts, ohne Ziel, wollte sich nur bewegen, leben. Er begann zu schreien, laute, schmerzgepeinigte Worte in einer Sprache, die Darby unbekannt war.

Das Blut strömte, sprudelte aus der Nase und vom Kinn. Er heulte in dieser unbekannten Sprache. Zwei Angehörige der Schiffsbesatzung standen auf der Laufplanke, getrauten sich aber nicht, näher heranzukommen. Sie hatten Angst vor der Pistole.

Eine Frau schrie, dann noch eine. Darby wich weiter zurück.»Er ist ein Ägypter«, sagte eine kleine dunkle Frau. Diese Feststellung hatte keine Bedeutung für die Menge, die jetzt gebannt zuschaute.

Er ruckte vorwärts, der Kante der Promenade entgegen. Die Pistole fiel ins Wasser. Er sackte zusammen, landete mit überhängendem Kopf auf dem Bauch, und das Blut tropfte in den Fluss. Rufe kamen aus dem Hintergrund, und zwei Polizisten stürmten auf ihn zu.

Jetzt drängten an die hundert Leute vorwärts, um den Toten zu sehen. Darby schob sich in den Hintergrund und verließ den Ort des Geschehens. Die Polizisten würden Fragen stellen, und da sie keine Antworten hatte, zog sie es vor, nicht zu reden. Im Riverwalk gab es ein Austernlokal. Jetzt, zur Lunchzeit, war es bis auf den letzten Platz besetzt, und sie fand den Waschraum im Hintergrund. Sie verriegelte die Tür und setzte sich auf eine der Toiletten.

Kurz nach Anbruch der Dunkelheit verließ sie das Riverwalk. Das Westin Hotel war zwei Blocks entfernt, und sie hoffte, dass sie es vielleicht bis dorthin schaffen würde, ohne unterwegs niedergeschossen zu werden. Ihre Kleidung war anders und unter einem neuen schwarzen Trenchcoat verborgen. Auch die Sonnenbrille und der Hut waren neu. Sie hatte es satt, gutes Geld für Wegwerfkleidung zu verschwenden. Sie hatte eine Menge Dinge satt.

Sie schaffte es, das Westin heil und ganz zu erreichen. Es war kein Zimmer frei, und sie saß eine Stunde in der gut beleuchteten Lounge und trank Kaffee. Es war Zeit, sich aus dem Staub zu machen, aber sie durfte nicht unvorsichtig werden. Sie musste nachdenken.

Vielleicht dachte sie viel zu viel nach. Vielleicht hielten sie sie jetzt für eine Denkerin und planten dementsprechend.

Sie verließ das Westin und ging zur Poydras, wo sie ein Taxi herbeiwinkte. Am Steuer saß ein ältlicher Schwarzer.

«Ich muss nach Baton Rouge«, sagte sie.

«Himmel, Lady, das ist aber eine verdammt lange Fahrt.«

«Wieviel?«fragte sie rasch.

Er dachte eine Sekunde lang nach.»Hundertfünfzig.«

Sie ließ sich auf den Rücksitz fallen und warf zwei Scheine über die Lehne.»Hier sind zweihundert. Bringen Sie mich hin, so schnell Sie können, und schauen Sie in den Rückspiegel. Es kann sein, dass uns jemand folgt.«

Er schaltete den Taxameter aus und steckte das Geld in seine Hemdentasche. Darby legte sich auf den Rücksitz und machte die Augen zu. Das war kein intelligenter Schachzug, aber ständiges Abwägen des Risikos brachte sie nicht weiter. Der alte Mann war ein guter Fahrer, und binnen Minuten waren sie auf der Schnellstraße.

Das Dröhnen in ihren Ohren hatte sich gegeben, aber sie hörte immer noch den Schuss und sah ihn auf allen Vieren, wie er vorwärts und rückwärts schwankte und versuchte, einen

Augenblick länger am Leben zu bleiben. Thomas hatte einmal von ihm als von Dutch Verheek gesprochen, aber gesagt, sie hätten den Spitznamen nicht mehr benutzt, als sie mit dem Studium fertig waren und ernsthaft an ihre spätere Laufbahn dachten. Dutch Verheek war kein Ägypter.

Sie hatte nur einen ganz flüchtigen Blick auf den Killer werfen können, als er davonrannte. Irgend etwas an ihm war unbekannt vorgekommen. Er hatte im Laufen einen schnellen Blick nach rechts geworfen, und irgend etwas hatte geklickt. Aber sie war hysterisch gewesen und hatte geschrieen, und es war verschwommen.

Alles verschwamm. Auf halbem Wege nach Baton Rouge sank sie in tiefen Schlaf.

SECHSUNDZWANZIG

Direktor Voyles stand hinter seinem Schreibtischsessel. Er hatte das Jackett ausgezogen, und der größte Teil der Knöpfe seines schmuddligen, zerknitterten Hemds stand offen. Es war neun Uhr abends, und dem Hemd nach zu urteilen hatte er mindestens die letzten fünfzehn Stunden in seinem Büro verbracht. Ohne ans Heimgehen zu denken.

Den Hörer am Ohr, murmelte er ein paar Anweisungen und legte dann auf. K. O. Lewis saß auf der anderen Seite des Schreibtisches. Die Tür stand offen, alle Lichter waren eingeschaltet; niemand war gegangen. Die Stimmung war düster, gelegentlich wurde leise geflüstert.