Выбрать главу

Zum Glück für die Klage von Green Fund war das Herz des neuen Ölvorkommens ein Ring von Marschen, der seit Jahren Wasservögeln als natürliche Zuflucht diente — Fischadlern, Reihern, Pelikanen, Enten, Kranichen, Gänsen und vielen anderen. Obwohl Louisiana nicht immer gut zu seinem Land war, zeigte es doch etwas mehr Mitgefühl für seine Tiere. Und weil das Urteil eines Tages von einer Jury aus durchschnittlichen und hoffentlich ganz gewöhnlichen Leuten gefällt werden würde, konzentrierten sich die Anwälte von Green Fund auf die Vögel.

Der Pelikan wurde zum Helden. Nach dreißig Jahren hinterhältiger Verseuchung mit DDT und anderen Pestiziden stand der Louisiana-Braunpelikan am Rande des Aussterbens. Fast zu spät wurde er in die Liste der bedrohten Arten aufgenommen und unter stärkeren Schutz gestellt. Green Fund bemächtigte sich des majestätischen Vogels und heuerte ein halbes Dutzend Experten aus dem ganzen Land an, damit sie ein gutes Wort für ihn einlegten.

Da an die hundert Anwälte beteiligt waren, kam das Verfahren nur langsam in Gang. Zeitweise trat es auf der Stelle, was Green Fund nur recht sein konnte. Die Bohranlagen standen still.

Sieben Jahre, nachdem Mattiece zum erstenmal mit seinem Düsenhubschrauber über Terrebonne Bay herumgeschwirrt war und die Route abgeflogen hatte, die sein kostspieliger Kanal nehmen sollte, kam die Pelikan-Klage in Lake Charles zur Verhandlung. Es war ein bitterer Prozess, der zehn Wochen dauerte. Green Fund forderte eine Entschädigung für die bereits angerichteten Verheerungen und ein dauerndes Verbot künftiger

Bohrarbeiten.

Die Ölgesellschaften holten sich zum Einreden auf die Jury einen aalglatten Prozessanwalt aus Houston. Er trug Stiefel aus Elefantenhaut und einen Stetson und konnte, wenn es erforderlich war, wie ein Cajun reden. Er war starker Tobak, vor allem im Vergleich zu den Green-Fund-Anwälten, die beide einen Bart trugen und mehr Eifer als Beredsamkeit an den Tag legten.

Green Fund verlor den Prozess, und das kam nicht völlig unerwartet. Die Ölgesellschaften gaben Millionen aus, und es ist schwierig, einen Bären mit einer Rute zu vertreiben. David hatte losgelegt, aber Goliath hat immer die besseren Karten. Die Geschworenen waren nicht beeindruckt von den eindringlichen Warnungen vor Umweltverschmutzung und den Hinweisen auf die empfindliche Ökologie der Feuchtgebiete. Öl bedeutete Geld, und die Leute brauchten Jobs.

Der Richter hob die einstweilige Verfügung aus zwei Gründen nicht auf. Erstens war er der Ansicht, dass Green Fund seine Argumente hinsichtlich des Pelikans, einer durch Bundesgesetz geschützten Art, bewiesen hatte. Und außerdem war allen klar, dass Green Fund in die Berufung gehen würde. Die Angelegenheit war also noch lange nicht erledigt.

Für eine Weile glätteten sich die Wogen, und Mattiece hatte einen kleinen Sieg errungen. Aber er wusste, dass es andere Tage in anderen Gerichtssälen geben würde. Er war ein Mann mit unendlicher Geduld, der alles genau plante.

DREISSIG

Das Bandgerät stand mitten auf dem kleinen Tisch, umgeben von vier leeren Bierflaschen.

Er machte sich beim Reden Notizen.»Wer hat Ihnen von dem Prozess erzählt?«

«Ein Mann namens John Del Greco. Er ist Jurastudent in Tulane, ein Jahr weiter als ich. Er hat im vorigen Sommer bei einer großen Kanzlei in Houston gearbeitet, die am Rande an den Feindseligkeiten beteiligt war. Er selbst hatte mit dem Prozess nichts zu tun, aber es gab massenhaft Gerüchte und Klatsch.«

«Und alle Kanzleien waren in New Orleans und Houston ansässig?«

«Ja, jedenfalls die prozessführenden Kanzleien. Aber diese Firmen residieren in einem Dutzend verschiedener Städte und brachten natürlich ihre eigenen Rechtsberater mit. Es waren Anwälte aus Dallas, Chicago und mehreren anderen Städten dabei. Der reinste Zirkus.«

«Wie ist der Stand der Dinge im Augenblick?«

«Nach dem Urteil in erster Instanz wird es zu einem Verfahren vor dem Fünften Bezirks-Berufungsgericht kommen. Die Berufung ist noch nicht abgeschlossen; das dürfte aber in ungefähr einem Monat der Fall sein.«

«Wo tagt das Fünfte Bezirksgericht?«

«In New Orleans. Ungefähr vierundzwanzig Monate, nachdem es dort angekommen ist, wird ein Gremium von drei Richtern den Fall anhören und entscheiden. Die unterlegene Partei wird zweifellos eine Anhörung durch das volle Gremium verlangen, und bis dahin werden weitere drei oder vier Monate vergehen. Das Urteil enthält so viele Mängel, dass damit zu rechnen ist, dass es entweder aufgehoben oder zurückverwiesen wird.«

«Was heißt das?«

«Das Berufungsgericht kann eines von drei Dingen tun. Das Urteil bestätigen, das Urteil aufheben oder so viele Mängel daran feststellen, dass es verlangen kann, dass der Fall noch einmal in erster Instanz verhandelt wird. Es kann auch Teile des Urteils bestätigen, Teile aufheben und Teile zurückverweisen, also alles gründlich durcheinanderbringen.«

Gray schüttelte fassungslos den Kopf.»Wie kann jemand auf die Idee kommen, Anwalt werden zu wollen?«

«Das habe ich mich im Laufe der letzten Woche auch ein paar Mal gefragt.«

«Haben Sie eine Vorstellung davon, wie das Fünfte Bezirksgericht entscheiden wird?«

«Nicht die geringste. Bisher haben die Richter noch nicht einmal die Akten gesehen. Die Kläger unterstellen den Beklagten eine Vielzahl von Verstößen gegen das Verfahrensrecht, und in Anbetracht der Art der Verschwörung dürfte etliches davon zutreffen. Das Urteil könnte aufgehoben werden.«

«Und was passiert dann?«

«Dann geht der Spaß erst richtig los. Wenn einer der beiden Parteien die Entscheidung des Fünften Bezirksgerichts nicht gefällt, dann können sie beim Obersten Bundesgericht Berufung einlegen.«

«Überraschung, Überraschung.«

«Jedes Jahr gehen beim Obersten Bundesgericht Tausende von Berufungen ein, aber es ist sehr wählerisch in bezug auf das, was es übernimmt. Aber weil es sich um ein brisantes Thema handelt, bei dem viel Geld im Spiel ist und viel Druck gemacht wird, hat dieser Fall eine reelle Chance, verhandelt zu werden.«

«Wie lange würde es, von heute an gerechnet, dauern, bis das Oberste Bundesgericht über den Fall entschieden hat?«

«Drei bis fünf Jahre.«

«Rosenberg wäre bis dahin ohnehin eines natürlichen Todes gestorben.«

«Ja, aber zu dem Zeitpunkt, an dem er eines natürlichen Todes starb, hätte im Weißen Haus ein Demokrat sitzen können. Also schafft ihn beiseite, solange sein Nachfolger sozusagen kalkulierbar ist.«

«Klingt einleuchtend.«

«Oh, es ist wundervoll. Wenn man Victor Mattiece ist und nur an die fünfzig Millionen hat, aber gern Milliardär werden möchte, und wenn es einem nichts ausmacht, zwei Richter des Obersten Bundesgerichts umzubringen, dann ist jetzt genau der richtige Moment.«

«Aber was ist, wenn das Oberste Bundesgericht es ablehnt, den Fall zu übernehmen?«

«Für Mattiece ist alles in bester Ordnung, wenn das Fünfte Bezirksgericht das Urteil aus erster Instanz bestätigt. Aber wenn es das Urteil aufhebt und das Oberste Bundesgericht den Revisionsantrag ablehnt, dann hat er Probleme. Ich vermute, dass er dann wieder ganz von vorne anfängt, irgendeinen neuen Prozess anstrengt und das Ganze noch einmal versucht. Es geht um zuviel Geld, als dass er nach Hause gehen und seine Wunden lecken könnte. Wenn er Rosenberg und Jensen aus dem Weg räumen ließ, muss man davon ausgehen, dass er seine Sache durchfechten will.«

«Wo war er während der Prozesse?«