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«Was noch?«

«Nur die übliche endlose Telefoniererei. Gestern habe ich drei Stunden damit verbracht, bei den Gerichten herumzulungern und nach Garcia Ausschau zu halten.«

«Vor Gericht werden Sie ihn nicht finden. Zu der Sorte Anwälten gehört er nicht. Er ist in einer Wirtschaftsfirma.«

«Das hört sich an, als hätten Sie eine bessere Idee.«

«Ich habe mehrere Ideen.«

«Also gut. Dann bleibe ich einfach hier sitzen und warte auf Sie.«

«Ich rufe an, sobald ich angekommen bin.«

«Rufen Sie mich nicht zu Hause an.«

Sie schwieg eine Sekunde.»Darf ich fragen, warum nicht?«

«Es ist durchaus möglich, dass jemand mithört und mich vielleicht sogar beschattet. Einer meiner besten Informanten meint, ich hätte genügend Staub aufgewirbelt, dass sie mich nicht mehr aus den Augen lassen werden.«

«Wundervoll. Und da wollen Sie, dass ich komme und mit Ihnen gemeinsame Sache mache?«

«Uns kann nichts passieren, Darby. Wir müssen nur vorsichtig sein.«

Sie umklammerte den Hörer und biss die Zähne zusammen.»Wie können Sie es wagen, mir gegenüber von Vorsicht zu reden! Ich versuche jetzt seit zehn Tagen, Bomben und Schüssen auszuweichen, und Sie sind so von sich eingenommen, dass Sie mir sagen, ich sollte vorsichtig sein. Sie können mir den Buckel runterrutschen, Grantham! Vielleicht sollte ich mich von Ihnen fernhalten.«

Es gab eine Pause, während sie sich in dem kleinen Cafe umschaute. Zwei Männer an einem Tisch in der Nähe sahen zu ihr herüber. Sie war viel zu laut. Sie wendete sich ab und holte tief Luft.

Grantham sprach langsam.»Tut mir leid. Ich…«»Vergessen Sie’s. Vergessen Sie’s einfach.«

Er wartete einen Moment.»Sind Sie okay?«

«Mir geht es großartig. Habe mich nie besser gefühlt.«»Kommen Sie nach Washington?«

«Ich weiß es nicht. Hier bin ich sicher, und noch sicherer bin ich, wenn ich in ein Flugzeug steige und das Land verlasse.«

«Gewiss, aber ich dachte, Sie hätten diese wunderbare Idee, wie wir Garcia finden und dann vielleicht Mattiece festnageln können. Ich dachte, Sie wären empört und moralisch entrüstet und dürsteten nach Rache. Was ist mit Ihnen los?«

«Nun, zum einen habe ich dieses brennende Verlangen, meinen fünfundzwanzigsten Geburtstag zu erleben. Ich bin nicht selbstsüchtig, aber vielleicht möchte ich auch den dreißigsten noch erleben. Das wäre schön.«

«Ich verstehe.«

«Ich weiß nicht, ob Sie das verstehen. Ich glaube, Sie sind mehr an Pulitzerpreisen und Ruhm interessiert als an meinem hübschen kleinen Hals.«

«Ich versichere Ihnen, dass das nicht stimmt. Vertrauen Sie mir, Darby. Sie werden sicher sein. Sie haben mir die Geschichte Ihres Lebens erzählt. Sie müssen mir vertrauen.«

«Ich werde darüber nachdenken.«

«Das ist nicht definitiv.«

«Nein, das ist es nicht. Lassen Sie mir ein bisschen Zeit.«

«Okay.«

Sie legte auf und bestellte ein Hörnchen. Ein Dutzend Sprachen ertönten um sie herum; das Cafe war plötzlich überfüllt. Lauf, Baby, lauf, sagte ihr der gesunde Menschenverstand. Nimm ein Taxi zum Flughafen. Bezahle bar für ein Ticket nach Miami. Steig in die nächste Maschine, die nach Süden fliegt. Lass Grantham wühlen und wünsch ihm alles Gute. Er war sehr gut, und er würde eines Tages eine

Möglichkeit finden, die Story zu bringen. Und sie würde sie lesen, während sie an einem sonnenüberfluteten Strand lang, eine Pina colada trank und den Windsurfern zuschaute.

Stummel hinkte auf dem Gehsteig vorbei. Sie erhaschte einen Blick auf ihn, durch das Gedränge der Gäste und durch das Fenster hindurch. Ihr Mund war plötzlich trocken, und ihr war schwindlig. Er schaute nicht herein. Er trottete nur vorbei, es sah aus, als hätte er sich verlaufen. Sie lief zwischen den Tischen hindurch und beobachtete ihn von der Tür aus. Leicht hinkend erreichte er die Ecke von Sixth Avenue und Achtundfünfzigster Straße und wartete dort auf Grün. Er begann, die Sixth zu überqueren, dann überlegte er es sich anders und überquerte die Achtundfünfzigste. Ein Taxi hätte ihn beinahe umgenietet.

Er ging nirgendwo hin, sondern wanderte nur leicht hinkend in der Gegend herum.

Croft sah den jungen Mann, als er aus dem Fahrstuhl trat. Er kam in Begleitung eines anderen jungen Anwalts, und da sie ihre Aktenkoffer nicht bei sich hatten, war offensichtlich, dass sie zu einem späten Lunch unterwegs waren. Nach fünftägigem Beobachten von Anwälten hatte Croft ihre Gewohnheiten kennengelernt.

Das Gebäude lag an der Pennsylvania, und Brim, Stearns and Kidlow residierte in den Stockwerken Drei bis Elf. Garcia verließ mit seinem Kollegen das Haus, und sie lachten auf ihrem ganzen Weg die Straße entlang. Irgend etwas war sehr komisch. Croft folgte so dicht auf wie möglich. Sie gingen und lachten fünf Blocks und betraten dann, genau wie er vermutet hatte, für eine schnelle Mahlzeit ein kleines Yuppie-Restaurant.

Croft rief Grantham dreimal an, bevor er ihn erreichte. Es war fast zwei, die Mittagspause war so ziemlich vorbei, und wenn Grantham den Mann erwischen wollte, dann sollte er gefälligst in der Nähe des Telefons bleiben. Grantham hieb den Hörer auf die Gabel. Sie würden sich in dem Gebäude treffen.

Auf dem Rückweg gingen Garcia und sein Kollege etwas langsamer. Es war ein herrlicher Tag, und sie genossen die kurze Erholung von der Tretmühle des Verklagens von Leuten oder was immer sie für zweihundert Dollar pro Stunde taten.

Croft versteckte sich hinter seiner Sonnenbrille und hielt Abstand.

Gray wartete im Foyer in der Nähe der Fahrstühle. Croft war dicht hinter ihnen, als sie durch die Drehtür hereinkamen. Er deutete rasch auf ihren Mann. Gray sah das Signal und drückte auf den Fahrstuhlknopf. Er öffnete sich, und er trat einen Augenblick vor Garcia und seinem Kollegen ein. Croft blieb zurück.

Garcia drückte auf den Knopf Nummer Sechs, und einen Sekundenbruchteil später tat Gray dasselbe. Gray las Zeitung und hörte zu, wie die beiden Anwälte über Football redeten. Der junge Mann war nicht älter als sieben- oder achtundzwanzig. Die Stimme war vielleicht vage vertraut, aber er hatte sie nur am Telefon gehört, und sie hatte keine besonderen Merkmale. Das Gesicht war dicht vor ihm, aber er konnte es nicht eingehend betrachten. Die Chancen, dass er es tatsächlich war, standen nicht schlecht. Er sah dem Mann auf den Fotos sehr ähnlich, er arbeitete für Brim, Stearns and Kidlow, und einer ihrer unzähligen Mandanten war Mr. Mattiece. Er war Reporter. Es war sein Job, vorzupreschen und Fragen zu stellen.

Sie verließen den Fahrstuhl im sechsten Stock, noch immer über die Redskins diskutierend, und Gray schlenderte, in seiner Zeitung lesend, hinter ihnen her. Das Foyer der Firma war elegant und üppig, mit Kronleuchtern und Perserteppichen, und an der Wand stand in dicken goldenen Lettern der Firmenname. Die Anwälte blieben an der Rezeption stehen, um sich über eingegangene Anrufe unterrichten zu lassen. Gray ging zielstrebig auf die Sekretärin zu, die ihn eingehend musterte.

«Kann ich Ihnen helfen, Sir?«fragte sie in dem Ton, der bedeutete:»Was zum Teufel wollen Sie?«

Gray war nicht um eine Antwort verlegen.»Ich habe eine Besprechung mit Roger Martin. «Er hatte den Namen im Telefonbuch gefunden, und er hatte eine Minute zuvor vom unteren Foyer aus angerufen, um sich zu vergewissern, dass Anwalt Martin heute im Hause war. Der Tafel war zwar zu entnehmen, dass die Firma in den Stockwerken Drei bis Elf residierte, aber auf ihr waren nicht alle hundertneunzig Anwälte aufgeführt. Mit Hilfe des Branchenbuches hatte er ein Dutzend schnelle Anrufe getätigt, um in jeder Etage einen Anwalt zu finden. Roger Martin war der Mann im sechsten Stock.

Er warf der Sekretärin einen finsteren Blick zu.»Wir haben schon zwei Stunden zusammengesessen.«

Das verblüffte sie, und ihr fiel keine Erwiderung ein. Gray eilte um die Ecke in einen Korridor und erhaschte gerade noch einen Blick auf Garcia, der eben sein vier Türen entferntes Büro betrat.