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«Sandra Jernigan«, sagte er.

«Ich bin nicht gut im Lügen«, sagte sie.

«Sie waren wundervoll. Und der Büroangestellte bin vermutlich ich.«

«Sie können ohne weiteres als Angestellter einer Anwaltskanzlei durchgehen. Sie haben etwas von einem alternden Ex-Jurastudenten an sich. «Und Sie sind ziemlich schlau, dachte sie.

«Das Flanellhemd gefällt mir.«

Sie trank einen großen Schluck kalten Kaffee.»Dies kann ein langer Tag werden.«

«So weit, so gut. Ich hole die Liste, und wir treffen uns in der Bibliothek. Richtig?«

«Ja. Das Vermittlungsbüro ist im fünften Stock der Juristischen Fakultät. Ich werde in Zimmer 336 sein. Das ist ein kleiner Konferenzraum im dritten Stock. Sie nehmen als erster ein Taxi. Wir treffen uns dort in einer Viertelstunde.«

«Jawohl, Madam. «Grantham war zur Tür hinaus. Darby wartete fünf Minuten und verließ dann mit ihrer Segeltuchtasche das Zimmer.

Die Fahrt war kurz, aber das Taxi kam im Morgenverkehr nur langsam voran. Das Leben auf der Flucht war schon schlimm genug, aber Davonlaufen und Detektivspielen gleichzeitig war zuviel. Sie hatte schon fünf Minuten im Taxi gesessen, bevor sie daran dachte, dass ihr vielleicht jemand folgte. Und das war vielleicht nur gut. Vielleicht würde ein harter Tag als recherchierende Reporterin ihre Gedanken von Stummel und den anderen Quälgeistern ablenken. Sie würde heute und morgen arbeiten, und am späten Mittwochabend würde sie an einem Strand sein.

Sie würden mit Georgetown anfangen. Wenn das eine Sackgasse war, würden sie es mit der Juristischen Fakultät von George Washington versuchen und, wenn dazu noch Zeit war, mit der American University. Drei Versuche, und dann war sie auf und davon.

Das Taxi hielt vor McDonough Hall am Fuße des Capitol Hill. Mit ihrer Tasche und dem Flanellhemd war sie nur eine unter vielen Jurastudentinnen vor einer Vorlesung oder einem Seminar. Sie stieg die Treppe zum dritten Stock hinauf und machte die Tür des Konferenzraums hinter sich zu. Der Raum wurde gelegentlich für Vorlesungen und Einstellungsgespräche benutzt. Sie legte ihre Notizen auf den Tisch und war nur noch eine Jurastudentin, die sich auf ein Seminar vorbereitete.

Nur Minuten später kam Gray zur Tür herein.»Joan ist ein reizendes Mädchen«, sagte er, als er die Liste auf den Tisch legte.»Namen, Adressen und Sozialversicherungsnummern. Ist das nicht nett?«

Darby warf einen Blick auf die Liste und zog ein Telefonbuch aus der Tasche. Darin fand sie fünf der Namen. Sie sah auf die Uhr.»Es ist jetzt fünf nach neun. Ich wette, dass nicht mehr als die Hälfte von diesen Leuten jetzt in einem Seminar sitzt. Einige von ihnen werden später ein Seminar haben. Ich rufe diese fünf an und sehe zu, wer zu Hause ist. Sie nehmen die beiden ohne Telefonnummer und lassen sich in der Registratur ihren Stundenplan geben.«

Gray sah gleichfalls auf die Uhr.»Wir treffen uns hier in einer Viertelstunde wieder. «Zuerst ging er, dann Darby. Sie ging zu den Münzfernsprechern im ersten Stock und wählte die Nummer von James Maylor.

Eine Männerstimme meldete sich.»Hallo.«

«Spreche ich mit Dennis Maylor?«fragte sie.

«Nein. Ich bin James Maylor.«

«Entschuldigung. «Sie legte auf. Er wohnte zehn Minuten entfernt. Er hatte kein Neun-Uhr-Seminar, und wenn er um zehn eines hatte, würde er noch vierzig Minuten zu Hause sein. Vielleicht.

Sie rief die anderen vier an. Zwei meldeten sich, und sie vergewisserte sich; bei den anderen beiden wurde der Hörer nicht abgenommen.

Gray wartete ungeduldig in der Registratur im dritten Stock. Eine als Teilzeitkraft dort arbeitende Studentin versuchte, die Registratorin zu finden, die sich irgendwo in den hinteren Räumen aufhielt. Die Studentin teilte ihm mit, sie wäre nicht sicher, ob sie Angaben über Stundenpläne machen könnten. Gray sagte, er wäre sicher, sie könnten es, wenn sie nur wollten.

Die Registratorin bog argwöhnisch um eine Ecke.»Kann ich Ihnen helfen?«

«Ja. Ich bin Gray Grantham von der Washington Post, und ich versuche, zwei Ihrer Studenten zu finden, Laura Kaas und Michael Akers.«

«Gibt es irgendein Problem?«fragte sie nervös.

«Durchaus nicht. Nur ein paar Fragen. Haben sie heute morgen eine Vorlesung oder ein Seminar?«Er lächelte, und es war ein warmes, vertrauenerweckendes Lächeln, mit dem er gewöhnlich ältere Frauen bedachte. Es verfehlte nur selten seinen Zweck.

«Haben Sie irgendeinen Ausweis oder so etwas?«»Natürlich. «Er griff in seine Brieftasche und schwenkte ihn langsam vor ihrer Nase, ungefähr so wie ein Polizist, der weiß, dass er ein Polizist ist, und der nicht scharf darauf ist, es alle Welt wissen zu lassen.

«Nun, eigentlich sollte ich mit dem Dekan sprechen, aber…«

«Gut. Wo ist sein Büro?«

«Aber er ist nicht da. Er ist verreist.«

«Ich brauche nur ihren Stundenplan, damit ich sie finden kann. Ich will weder ihre Adressen wissen noch Einzelheiten über ihren Studienstand. Nichts Vertrauliches oder Persönliches.«

Sie warf einen Blick auf die Teilzeitangestellte, die nur die Achseln zuckte, als wollte sie sagen» Was ist schon dabei?«

«Einen Augenblick bitte«, sagte sie und verschwand wieder um die Ecke.

Darby wartete in dem kleinen Raum, als er die Computerausdrucke auf den Tisch legte.»Diesen Dingern zufolge müssten Akers und Kaas jetzt hier sein«, sagte er.

Darby warf einen Blick auf die Stundenpläne.»Akers hat Verfahrensrecht, Kaas Verwaltungsrecht, beide von neun bis zehn. Ich werde versuchen, sie zu finden. «Sie zeigte Gray ihre Notizen.»Maylor, Reinhard und Wilson waren zu Hause; Ratliff und Linney konnte ich nicht erreichen.«

«Maylor wohnt am nächsten. Ich kann in ein paar Minuten bei ihm sein.«

«Was ist mit einem Wagen?«

«Ich habe bei Hertz angerufen. Er sollte in einer Viertelstunde auf dem Parkplatz der Post stehen.«

Maylors Wohnung lag im dritten Stock eines für Studenten und andere Leute mit sehr schmaler Brieftasche umgebauten Lagerhauses. Schon nach dem ersten Klopfen öffnete er die Tür mit vorgelegter Kette.

«Ich suche James Maylor«, sagte Gray wie ein alter Kumpel.

«Der bin ich.«

«Ich bin Gray Grantham von der Washington Post, und ich würde Ihnen gern ein paar ganz kurze Fragen stellen.«

Die Kette wurde gelöst und die Tür geöffnet. Gray betrat die

Zwei-Zimmer-Wohnung. In der Mitte war ein Fahrrad geparkt, das den größten Teil des Raumes einnahm.

«Worum geht es?«Er war neugierig und offensichtlich bereit, Fragen zu beantworten.

«Soweit ich weiß, haben Sie im Sommer für White and Blazevich gearbeitet.«

«Das stimmt. Drei Monate.«

Gray machte sich Notizen.»In welcher Abteilung?«

«International. Überwiegend Knochenarbeit. Nichts Grandioses. Eine Menge Recherchen und Rohentwürfe für Abkommen.«

«Wem waren Sie unterstellt?«

«Keiner Einzelperson. Da waren drei angestellte Anwälte, die dafür sorgten, dass ich beschäftigt war. Der für sie zuständige Partner war Stanley Coopman.«

Gray zog ein Foto aus der Tasche. Es war Garcia auf dem Gehsteig.»Erkennen Sie dieses Gesicht wieder?«

Maylor nahm das Foto und betrachtete es eingehend.»Ich glaube nicht. Wer ist das?«

«Ein Anwalt, der vermutlich bei White and Blazevich arbeitet.«

«Es ist eine riesige Firma. Ich habe in der Ecke einer Abteilung gesessen. Dort arbeiten mehr als vierhundert Anwälte.«

«Ja, das habe ich gehört. Sie sind sicher, dass Sie ihn nicht gesehen haben?«

«Ganz sicher. Sie residieren auf zwölf Stockwerken, und in die meisten davon bin ich nie gekommen.«

Gray steckte das Foto wieder ein.»Sind Sie dort noch irgendwelchen anderen Praktikanten begegnet?«